Monthly Archives: Juni 2018

The Weekend Guess #117

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wegWas ist der Weekend Guess?

Ein von mir formuliertes Rätsel, das Wortwitze und Wortspiele über die Antwort selbst enthalten könnte, wird hier zum Lösen für meine Leser*innen eingestellt.

Worum geht es bei den Fragen?

Diese sieben speziellen Fragen drehen sich um Märchen, schließlich ist Märchensommer. 😉

Was ist deine Aufgabe dabei und was bringt das für dich?

Du kannst versuchen das Rätsel zu lösen und damit fünf Punkte für die gesammte Märchensommer Challenge sammeln!

Lasst uns einen Blick auf das fünfte Märchenrätsel werfen:

Vogelbewacherin am Wasserloch

Welches Märchen suche ich?
Wenn ihr die Antwort kennt, benutzt NICHT die Kommentare, sondern sendet eure Antwort über das Formular!

Morgen gibt es wieder ein weiteres #CroMär Kapitel!

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

wegWhat is the Weekend Guess?

A riddle formulated by me that could contain puns and wordplays on the answer itself are put on here for my readers to answer.

What are the questions about?

These seven special Question are all about Fairy Tales, it’s the Fairy Tale Summer after all. 😉

What is your part in this and what is in it for you?

You can try to solve the riddle and my German readers can earn points by solving this for the overall prices. You can try as well, but won’t be getting any points for it.

Let’s take a look at the fifth Fairy Tale Riddle

Bird keeper at the waterhole

Which Fairy Tale am I looking for?
If you know the answer do NOT answer in the comments and send your answer via the form above!

Anne/PoiSonPaiNter

Schreiberlinge im Interview: Christian Handel

Read in English

Im Rahmen des Märchensommers habe ich auch ein paar anderen AutorInnen Fragen über ihre Adaptionen und Märchen gestellt.

Christian Handel – Autor von „Rosen & Knochen“

Ein paar Daten zu dir:

Obwohl ich inzwischen seit vielen Jahren in Berlin lebe, bin ich als richtiges Landei aufgewachsen. Schon als Kind habe ich Märchen geliebt und ziemlich früh eine Leidenschaft für Comics und Fantasyromane entwickelt. Mein Hauptberuf wird von ganz vielen Menschen als staubtrocken beschrieben (was er nicht ist), und ich bin ein ziemlicher Geek (Buffy forever!). Es macht mich unglaublich glücklich, dass ich vor zwei Jahren den Mut gefunden habe, ernsthaft mit dem Schreiben zu beginnen. Danke an alle Menschen, die mich dabei unterstützen.

Vorneweg ein paar Fragen zu Rosen & Knochen, dem ersten Band deiner Hexenwald-Chroniken:

1. Welches Element deiner Märchen war am Schwierigsten umzusetzen?

Die Magie. Ich liebe es, Dialoge zu schreiben. Zwar feile ich auch an diesen in der Überarbeitung, sie gehen mir aber oft wie von selbst von der Hand. Die Geistererscheinungen und die magischen Vorkommnisse in und um das Hexenhaus so zu beschreiben, dass sie atmosphärisch beim Lesen ungefähr dem entsprachen, was ich im Kopf hatte, war so viel schwieriger.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Rosen und Knochen hat mir beim Schreiben extrem viel Spaß gemacht. Das Finale war jedoch ein Kampf. Ursprünglich hatte die Geschichte ein anderes Ende. Das war jedoch zu wenig actionorientiert und meine Hauptfiguren waren dabei nicht involviert genug.

Ich merkte bereits beim Schreiben, dass das nicht richtig funktionierte, mir fehlte jedoch die zündende Idee. Eine gute Freundin hat mir sehr deutlich gesagt, dass mein Bauchgefühl stimmt. Sie hat mir aber auch Mut gemacht und mit mir so lange Ideen hin- und her geworfen, bis ich eine ganz neue Richtung einschlagen konnte.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) der Märchen, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Als absoluter Märchenfan gibt es da so viele, dass ich mich wirklich unmöglich entscheiden kann. Einen besonderen Platz in meinem Herzen haben auf alle Fälle die Romane der australischen Autorin Juliet Marillier. Sie zeigten mir, wie vielfältig märchenhafte Stoffe in der Fantasy umgesetzt werden können. Ihre Bücher sind hier aber wirklich nur stellvertretend genannt.

Was filmische Adaptionen angeht, liebe ich die tschechischen Märchenfilme der 70er und 80er Jahre sowie Disney-Trickfilme. Und absolut begeistert bin ich von Maleficent – für mich sowohl inhaltlich, als auch optisch und darstellerisch eine perfekte Märchenadaption, die alten Stoffen treu bleibt, den Zuschauer aber trotzdem überrascht, zum Träumen und Mitleiden bringt und etwas Neues bietet.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte deine Hexenwald-Chroniken umsetzen. Wen siehst du in den Hauptrollen?

Natürlich wäre es ein Traum, Rosen und Knochen als düsteren Fantasystreifen zu sehen – aber ein Alptraum, die Rollen besetzen zu müssen. Wie gut, dass ein Autor da ohnehin fast nie mitzureden hat.

Das ist natürlich nicht die Antwort, die du hören willst. Beim Schreiben über Rose und Muireann habe ich ab und an an Willow und Tara aus Buffy gedacht. Natürlich unterscheiden sich beide Paare stark voneinander. Aber ich hoffe, meinen beiden Hexenjägerinnen eine ähnlich vor Feenstaub glitzernde Beziehung geschenkt zu haben wie Joss Whedon seinen beiden Hexen. Und um bei einer Whedon-Produktion zu bleiben: Die junge Summer Glau aus Firefly wäre sicher nicht nur optisch eine großartige Muireann gewesen.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft der Hexenwald-Chroniken?

Was sich vermutlich die meisten Autoren für ihre Bücher wünschen: viele begeisterte Leser und die Chance, noch zahlreiche weitere Bücher in dieser Welt schreiben zu können.

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Auch hier kann ich mich unmöglich auf eine einzige Erinnerung beschränken. Meine Eltern haben meine Märchenleidenschaft nicht nur ertragen, sondern auch gefördert.

Dann gab es da eine Hörspielkassette von Die Gänsemagd, die ich rauf- und runtergehört habe.

Außerdem durfte ich vor ein paar Jahren das Set eines Märchenfilms besuchen und ein langes Interview mit einem Märchenfilmregisseur führen – das war ziemlich cool.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Auch wenn ich durchaus auch Geschichten mag, die ein trauriges Ende haben (nicht zuletzt, weil sie mir oft viel länger im Gedächtnis bleiben), machen mich Happy Ends glücklich.

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Was mich an Märchen begeistert ist nicht nur ihre magische Kulisse, sondern auch die Kraft und Mut, den ihre Heldinnen und Helden haben. Männer wagen sich auf ihren Abenteuerreisen selbst bis hinab in die Unterwelt und Frauen reisen in Länder jenseits von Sonne und Mond, um ihre Liebsten zu retten.

Richtig stören tut mich nichts. Wenn ich unbedingt die Nadel im Heuhaufen suchen müsste, dann, dass die meisten Märchen heteronormativ sind. Leider auch die meisten Adaptionen.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Das Magische und Wunderbare bricht wie selbstverständlich in den Alltag ein. Tiere können sprechen, mit Hilfe von Gegenständen kann man Zaubern und das Gute triumphiert fast immer über das Böse. Außerdem sind die Frauen nicht weniger mutig und stark – oder gefährlich – als die Männer.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Ist es ein Frosch? Dann würde ich ihn an die Wand klatschen. (Wer die richtige Grimm’sche Version vom Froschkönig kennt, weiß warum).

Ansonsten würde ich mir auf alle Fälle anhören, was das Tier zu sagen hat – denn meist gucken im Märchen diejenigen, die nicht auf sprechende Tiere gehört haben, später ziemlich dumm aus der Wäsche.

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

Ich befürchte, das, was die meisten von uns sich wünschen, könnte auch eine gute Fee nicht erfüllen. Glücklich sein, Gesundheit und Zeit.

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Oh, eine fiese Frage. Die mag ich! Lass mal überlegen, was man so für Möglichkeiten zur Auswahl hätte: Mit einer Spindel jemanden in einen hundertjährigen Schlaf versetzen? Mit einem Ring jemanden dahin wünschen, wo der Pfeffer wächst?

Vielleicht würde ich jemanden, der ganz fies ist, mit dem Pinocchio-Fluch der blauen Fee belegen, der dafür sorgt, dass ihm die Nase wächst, wenn er lügt oder jemandem Schaden zufügen will. 😉

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Hast du mal Märchen gelesen und weißt du, was für schreckliche Dinge den Menschen darin zustoßen? Wer würde da freiwillig tauschen wollen?

Schade, dass die Prinzessinnen aus den Zertanzten Schuhen keinen schwulen Bruder hatten. An ihrer Seite hätte ich gern eine magische Anderswelt besucht, ohne Gefahr zu laufen, dass in einer Nacht dort hundert Jahre in der Menschenwelt vergehen. Und einen verfluchten Prinzen zu erlösen: das hat doch auch was. Nur das Tanzen müsste echt nicht sein. Ich habe zwei linke Füße.

Mehr zu Christian gibt es hier:

Blog: Darkstars Fantasy News
Facebook: Christian Handel

Vielen Dank, Christian!

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

During the Fairy Tale Summer I also asked a few other author*esses questions about their adaptations and Fairy Tales.

Christian Handel – Author of „Rosen & Knochen“ (Roses & Bones)

A few things about you:

Although I have been living in Berlin for many years now, I grew up as a real country boy. Even as a child I loved fairy tales and developed a passion for comics and fantasy novels quite early on. My main job is described by many people as dust-dry (which it is not), and I am quite a geek (Buffy forever!). It makes me incredibly happy that two years ago I found the courage to start writing seriously. Thanks to all the people who support me.

Beforehand a few questions about Rosen & Knochen, the first part of the Witchforest-Chronicles

1. Which element for your Fairy Tales was the hardest to realize?

The magic. I love writing dialogues. I am also working on these in the revision, but they often come naturally to me. It was so much more difficult to describe the ghostly phenomena and the magical occurrences in and around the witch’s house in such a way that when reading them they corresponded atmospherically to what I had in mind.

2. What reduced you most to despair working on the Fairy Tales?

I really enjoyed writing roses and bones. But the finale was a battle. Originally the story had a different ending. But that wasn’t action-oriented enough and my main characters weren’t involved enough.

I already noticed when I was writing that this didn’t work properly, but I lacked the brilliant idea. A good friend told me very clearly that my gut was right. But she also gave me courage and threw ideas back and forth with me until I could take a completely new direction.

3. Which Version (Movie, Tale, Adaptation) of your Fairy Tales, except your own, do you like most?

As an absolute Fairy Tale fan, there are so many that it is really impossible for me to decide. The novels of the Australian authoress Juliet Marillier definitely have a special place in my heart. They showed me how various fairy-tale fabrics can be realized in fantasy. However, her books are really only mentioned here as an example.

As far as cinematic adaptations are concerned, I love the Czech Fairy Tale films of the 70s and 80s as well as Disney cartoons. And I’m absolutely thrilled with Maleficent – for me it’s a perfect adaptation of a Fairy Tale, not only in terms of content, but also visually and in terms of performance, which remains true to the old stories, but still surprises the viewer, makes them dream and pity and offers something new.

4. A Movie-Person comes to you and wants to turn your Witchforest-chronicles into a movie, whom do you see in the leading roles?

Of course it would be a dream to see roses and bones as dark fantasy flick – but a nightmare to cast the roles. It’s a good thing that an author hardly ever has a say there anyway.

That’s not the answer you want to hear, of course. When writing about Rose and Muireann I sometimes thought about Willow and Tara from Buffy. Of course, the two pairs are very different from each other. But I hope to have given my two witch hunters a relationship as glittering with fairy dust as Joss Whedon gave his two witches. And to stick with a Whedon production: The young Summer Glau from Firefly would certainly not only have been a great Muireann optically.

5. What’s your wish for the future of the Witchforest-Chronicles?

What most authors probably want for their books: many enthusiastic readers and the chance to write many more books in this world.

Let’s take a closer look at your passion for Fairy Tales …

6. What is your loveliest memory regarding Fairy Tales?

Here too I cannot possibly limit myself to a single memory. My parents not only endured my passion for Fairy Tales, they also encouraged it.

Then there was a radio play cassette of The Goose Girl that I used to listen time and again.

Also, a few years ago I was allowed to visit the set of a Fairy Tale film and do a long interview with a fairy tale film director – that was pretty cool.

7. What do you prefer? Happy End or Bad End?

Even though I also like stories that have a sad ending (not least because they often stay in my memory much longer), happy endings make me happy.

8. What bothers/enthuses you the most about Fairy Tales?

What excites me about Fairy Tales is not only their magical scenery, but also the strength and courage that their heroines and heroes have. Men venture down into the underworld on their adventure journeys and women travel to countries beyond the sun and moon to save their loved ones.

Nothing really bothers me. If I had to look for a needle in a haystack, it’s that most Fairy Tales are heteronormative. Unfortunately so are most adaptations.

9. What is typically for a Fairy Tale for you?

The magical and wonderful breaks into everyday life as if naturally. Animals can speak, with the help of objects you can do magic and good almost always triumphs over evil. Moreover, women are no less courageous and strong – or dangerous – than men.

At the End a few fantastical Questions:

10. You meet a talking animal, that makes you believe they’re an enchanted human. What would you do?

Is it a frog? Then I’d throw him against the wall. ( Whoever knows the real Grimm version of The Frog King knows why).

Otherwise I would definitely listen to what the animal has to say – because mostly those who didn’t listen to talking animals look pretty dumbfounded later in the Fairy Tale.

11. A Fairy Godmother wants to grand you three wishes, what would you wish for?

I fear that what most of us would wish for could not be fulfilled by a fairy godmother. Being happy, health and time.

12. Which Fairy Tale way would you choose to get rid of someone?

Oh, that’s a nasty question. I like those! Let’s see what options are available: to put someone into a hundred years of sleep with a spindle? Want someone far away with a ring?

Maybe I’d put the Pinocchio Curse of the Blue Fairy on someone who’s mean enough to make his nose grow when he lies or wants to hurt someone. 😉

13. Bonusquestion: With which Fairy Tale character would you like to trade places?

Have you read fairy tales and do you know what terrible things happen to the people in them? Who would want to trade of their own free will?

It’s a pity the princesses from the The Twelve Dancing Princesses didn’t have a gay brother. At their side I would have liked to visit a magical other world without running the risk of a hundred years going by in the human world in one night. And to redeem a cursed prince: that is also something. Only the dancing wouldn’t have to be real. I have two left feet.

More about Christian here:

BlogDarkstars Fantasy News
Facebook: Christian Handel

Thank you very much, Christian!

Anne/PoiSonPaiNter

Christian Handel: Rosen & Knochen

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Letzten Märchensommer hatte ich mir gerade vorgenommen, Rosen & Knochen, den ersten Band der Hexenwald-Chroniken, vorzustellen, dann kam Janna Ruth’s Gastbeitrag „Wie man ein Märchen adaptiert„, in dem sie genau das gemacht hat.
Dieses Jahr bekommt ihr die Rezensionen zu dieser Adaption von „Schneeweißchen und Rosenrot“ in einem „Hänsel und Gretel“ Abenteuer.

Worum geht’s?

4 of 5 stars

Die Dämonenjägerinnen Muireann und Rose aka Schneeweißchen und Rosenrot werden von einem Dorf um Hilfe gebeten. Es wird vom Geist einer toten Hexe geplagt, der feurige Hirsche, aggressive Vogelschwärme und andere Dinge auf jeden jagt, der es wagt den Wald zu betreten.

Auf der Suche nach dem Ursprung des Spuks erfahren die beiden nicht nur mehr über die schrecklichen Dinge, die im Hexenhaus geschehen sind, sondern auch mehr über sich selbst.

Können sie diesen Auftrag unbeschadet überstehen?

Das Leseerlebnis

Das Buch hat nicht nur ein aufwendig gestaltetes Cover, sondern auch auf jeder Seite Äste, die die Seite umrahmen. Was anfangs doch etwas erschlagend wird, fällt bald nicht mehr auf.

Die Geschichte wechselt zwischen der Beschreibung der aktuellen Ereignisse und Visionen in die Vergangenheit. Beides ist ausführlich und fesselnd beschrieben und es war, als wenn ich mit den beiden zusammen im Hexenhaus festsaß.

Sehr klasse fand ich auch die Kurzgeschichte „Der Flötenspieler“ am Ende, die ebenfalls in der Welt der Hexenwald Chroniken spielt.

Die Charaktere

Da die Geschichte aus Muireanns Perspektive erzählt wird, hatte ich die größte Verbindung zu ihr und konnte ihre Handlungen gut nachvollziehen. Mit Rose bin ich nicht wirklich warm geworden. Was dadurch natürlich ein Nachteil für einige der Plotelemente war. Die Beziehung der beiden wirkte z.B. für mich etwas gezwungen, bei der Interaktion in diese Richtung fehlte mir etwas, dass es für mich glaubwürdig gemacht hat. Irgendwie eine emotionale Komponente, die mich hätte fühlen lassen, dass die beiden zusammengehören. So wirkte es eher, doch etwas einseitig, aber das kann durchaus daran liegen, dass wir alles aus Muireanns Sichtweise erfahren haben und nie in Rose‘ Kopf gucken konnten.

Die kämpferischen Fähigkeiten der beiden sind leider viel zu wenig gezeigt worden, aber das, was sie anwandten, machte Lust auf mehr.

Die Hexe ist ne fiese Möp und die Kinder waren für ihren kurzen Auftritt gut charakterisiert.

Generelle Meinung

Die Integration der Märchenelemente aus „Hänsel und Gretel“ ist wunderbar gelungen und ist in einer Variation, die ich so nicht erwartet hätte. „Schneeweißchen und Rosenrot“ kommt nur namentlich zum Tragen, aber die Hintergründe der beiden lassen so viel vermuten, was es noch zu erzählen gibt, dass das nicht weiter stört. Nur die Verbindung zu ihnen war für mich etwas holprig.

Mit dieser Geschichte wurde eine faszinierende Welt erschaffen aus der ich gerne mehr lesen möchte. Mehr über diese beiden Jägerinnen, mehr neue Geschichten und ich bin gespannt, was noch kommen wird.

Dinge, die ich hinzufügen möchte

Ein paar von euch können Goodies zu diesem Buch während des Sommers gewinnen. (Das Schreiben eigener Rezensionen zu Märchen(adaptionen) bringt übrigens auch 3 Punkte. 😉 )

Morgen gibt es dann auch noch ein Interview mit Christian.

Anne/PoiSonPaiNter

© Für das Cover gehören den rechtmäßigen Besitzern.
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Lies auf Deutsch

Last Märchensommer I was about to introduce Rosen & Knochen (Roses & Bones), the first volume of the Hexenwald-Chroniken (Witchforest Chronicles), then came Janna Ruth’s guest post „Adapting a fairy tale„, in which she did just that.
This year you get the review of this adaptation of „Snow White and Rose Red“ in a „Hansel and Gretel“ adventure.

What is it about?

4 of 5 stars

The demon hunters Muireann and Rose aka Snow White and Rose Red are asked by a village for help. It is plagued by the ghost of a dead witch who sics a blazing deer, an aggressive flock of birds and other things on anyone who dares to enter the forest.

In their search for the origin of the spook, the two learn not only more about the terrible things that happened in the witch’s house, but also more about themselves.

Can they survive this mission unscathed?

The reading experience

The book has not only an elaborately designed cover, but also branches on every side that frame the page. What at the beginning is a bit overwhelming, soon doesn’t stand out anymore.

The story changes between the description of current events and visions into the past. Both are described in captivating detail and it was as if I was stuck in the witch house with them.

I also liked the short story „Der Flötenspieler“ (The Flutist) at the end, which also plays in the world of the Hexenwald Chronik.

The characters

Since the story is told from Muireann’s perspective, I had the strongest connection to her and was able to understand her actions well. With Rose, I didn’t really warm up. This of course was a disadvantage for some of the plot elements. For example, the relationship between the two seemed somewhat forced to me, and when interacting in this direction, something was missing that made it believable to me. Somehow an emotional component that would have made me feel that they belonged together. This way it seemed rather one-sided, but that may well be because we learned everything from Muireann’s point of view and could never look into Rose’s head.

Unfortunately, the fighting skills of the two were not shown enough, but what they used made me want more.

The witch is a nasty puppy and the children were well characterized for their short appearance.

General Opinion

The integration of the fairy tale elements from “ Hansel and Gretel “ has been wonderfully done and is in a variation that I would not have expected. „Snow white and rose red“ only comes into play through their names, but the backgrounds of the two make one suspect there is so much more to tell that it doesn’t bother any further. Only the connection to them was a bit bumpy for me.

With this story a fascinating world was created from which I would like to read more. More about these two huntresses, more new stories and I am curious what will follow.

Stuff I’d like to add

Tomorrow there will also be an interview with Christian.

Anne/PoiSonPaiNter

© For the cover belongs to its rightful owner.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

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Na aus welcher Ballade stammt der Titel? Natürlich aus dem Erlkönig! Einer Ballade, die wir vermutlich alle in unserer Schulzeit lernen mussten.

Carola Wolff hat sich das Geheimnis des Erlkönigs mal etwas genauer angeschaut …

Der Erlkönig – zwischen Märchen, Mythos und Ballade

Goethes Erlkönig zählt zu den naturmagischen Balladen, in denen die Natur von ihrer lockenden, beglückenden aber auch tödlichen Seite dargestellt wird. Ein Vater reitet mit seinem Sohn des nachts nach Hause, der Knabe wird von einem magischen Wesen angesprochen und zum Bleiben verlockt. Der Vater hört davon nichts, sieht jedoch die Angst seines Sohnes, reitet verzweifelt schneller und schafft es am Ende doch nicht. Der Knabe stirbt.

Balladen sind eine Gedichtform, in der Geschichten erzählt werden. Für die des Erlkönig gibt es verschiedene Interpretationen. Erzählt die Ballade von einem kranken Kind, das nicht mehr rechtzeitig zum Arzt gelangt? Handelt es sich um die schreckliche Geschichte eines sexuellen Mißbrauchs, oder geht es noch um etwas ganz anderes, steckt vielleicht ein uralter Mythos dahinter?

Mich hat die Ballade von jeher schon fasziniert. Ich habe ein wenig nachgeforscht, und finde es sehr spannend, was sich für Querverweise und Wurzeln finden lassen.

Goethe soll unter anderem von einer Dänischen Ballade inspiriert worden sein: Erlkönigs Tochter. Dort gibt es einen Ellerkonge (oder Elverkonge), einen Elfenkönig, der, falsch übersetzt, zu einem Erlkönig wurde. Oder hat Goethe das etwa absichtlich getan?

Der Dichter und Schriftsteller Robert Ranke-Graves schreibt in Die weiße Göttin, dass der dänische Ellerkonge tatsächlich der altenglische Gott Bran (der König der Erlen) sei. Und Bran entführt Kinder in die andere Welt.

Ranke-Graves wird von Burk zitiert in seinem Essay Die Erlkönigin. Dort beschreibt Burk, wie alte Mythen um die Welt reisen, ihre Gestalt wandeln, in neuem Kleid auftauchen und kommt zu dem Schluss:

„Die Legende vom männlichen Erlen-und Elfenkönig überliefert daher eine nur noch schemenhafte Erinnerung an eine uralte weibliche weiße und dreifaltige Todesgöttin, die ursprünglich im alten Griechenland beheimatet war und deren Kult über Spanien nach England wanderte, wo Alphito alias Cerriwen ihr Geschlecht wechselte und zu Bran wurde.“

Und welcher Mythos verbirgt sich hinter der griechischen Göttin Alphito (die kleine Jungen stiehlt)? Niemand anderes als Lilith, Adams erste Frau.

Lilith wurde bestraft, weil sie sich weigerte, Adam zu gehorchen und im Paradies zu bleiben. Deshalb werden seither jeden Tag hundert ihrer Kinder von drei Engeln getötet. Kein Wunder, dass sie sich in einen Nachtdämon verwandelt und an menschlichen Kindern schadlos hält. Bilder zeigen Lilith mit langen, wirren Haaren und Flügeln. Die Krone und der Schweif des Erlkönigs könnten also durchaus eine volkstümliche Verballhornung ihrer Haare und Flügel sein.

Der Erlkönig ist also eigentlich … eine Erlkönigin?

Ich finde das faszinierend. Und es hat mich angeregt, den Fluch des Erlkönigs zu schreiben. Eine etwas andere Geschichte vom Erlkönig.

Wie erklären wir uns die Welt? Durch Geschichten: Mythen, Märchen, Überlieferungen.

Der Kampf mit dem Drachen, die Begegnung mit Hexen und magischen Wesen, darin spiegeln sich Naturgewalten wieder, denen der Mensch hilflos gegenüber steht. Wie gehen wir mit ihnen um, lassen sie sich durch Opfer bezähmen, oder durch Tapferkeit und List? Aber auch die eigene Psyche, die dunklen Strömungen in uns, finden Eingang z.B. in Märchen. Das Ungezähmte, Wilde in uns, die alten Instinkte, nur notdürftig von Zivilisation und guten Manieren übertüncht. Eine Quelle, die wir anzapfen, in Kreativität verwandeln können.

Am Anfang war das Wort.

Also lasst uns eine Geschichte erzählen …

Die Autorin

Carola Wolff lebt in Berlin, zusammen mit Stapeln ungezogener Bücher, die überall herum lümmeln und einer extensiven Sammlung literarischer Teebecher. Sie ist gelernte Buchhändlerin, hat einen BA in englischer Literatur und ein Faible für alles Britische. Jetzt schreibt sie u.a. Jugendfantasyromane. Wer mehr über sprechende Raben und magische Musenküsse wissen möchte, der sei hiermit herzlich eingeladen, Carola auf Twitter, Facebook oder ihrer Homepage beim Schreiben über die Schulter zu gucken.

Homepage: Carola Wolff
Facebook: Carola Wolff
Twitter: @carolawolff

Im Verlauf des Märchensommers kannst du übrigens „Der Fluch des Erlkönigs“ als Gesamtpreis der vier Märchenrallye Runden und als einen der Hauptpreise des Sommers gewinnen.

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

Who rides there so late through the night dark and drear?

Well, what ballad does the title come from? From the Erlkönig, of course! A ballad we all probably had to learn in our school days.

Carola Wolff took a closer look at the Erlkönig’s secret…

The Erlkönig – between fairy tale, myth and ballad

Goethe’s Erlkönig is one of the nature magical ballads, in which nature is represented by its luring, pleasing yet also deadly side. A father rides home at night with his son, the boy is approached by a magical being and enticed to stay. The father hears nothing of this, but sees the fear of his son, desperately rides faster and still does not succeed in the end. The boy dies.

Ballads are a form of poetry in which stories are told. There are different interpretations for the Erlkönig’s. Does the ballad tell of a sick child who can’t get to the doctor in time? Is it the terrible story of a sexual abuse, or is there something completely different, perhaps an ancient myth behind it?

I have always been fascinated by the ballad. I did some research and find it very exciting what cross-references and roots can be found.

Goethe is said to have been inspired by a Danish ballad: Erlkönig’s daughter. There is an Ellerkonge (or Elverkonge), an elf king who, wrongly translated, became an Erlking/Erlkönig. Or did Goethe do it deliberately?

The poet and writer Robert Ranke-Graves writes in The White Goddess that the Danish Ellerkonge is indeed the old English god Bran (the king of the alders). And Bran abducts children to the other world.

Ranke-Graves is quoted by Burk in his essay Die Erlkönigin (The Alder Queen). There Burk describes how old myths travel around the world, change their shape, appear in a new dress and comes to the conclusion:

„The legend of the male alder- and elven-king tells of an only shadowy memory of an ancient female white and triune goddess of death, who originally lived in ancient Greece and whose cult migrated via Spain to England, where Alphito alias Cerriwen changed her gender and became Bran.“

And what myth hides behind the Greek goddess Alphito (who steals little boys)? None other than Lilith, Adam’s first wife.

Lilith was punished for refusing to obey Adam and stay in paradise. That is why since then one hundred of their children have been killed by three angels every day. No wonder she’s turning into a night demon and harming human children. Pictures show Lilith with long, chaotic hair and wings. The crown and tail of the Erlkönig could therefore be a folkloric corruption of her hair and wings.

So the Erlking is actually… an Erlqueen?

I find that fascinating. And it has inspired me to write Fluch des Erlkönigs (The Curse of the Erlkönig). A slightly different story about the Erlkönig.

How do we explain the world? Through stories: Myths, fairy tales, lore.

The struggle with the dragon, the encounter with witches and magical beings, this reflects the forces of nature that humans face helplessly. How do we deal with them, can they be tamed by sacrifice, or by bravery and cunning? But also our own psyche, the dark currents within us, find their way into e.g. fairy tales. The untamed, savage in us, the old instincts, only poorly obscured by civilization and good manners. A source that we can tap into, transform into creativity.

In the beginning was the word.

So let’s tell a story…

The Authoress

Carola Wolff lives in Berlin, along with stacks of naughty books lurking around and an extensive collection of literary tea cups. She is a trained bookseller, has a BA in English literature and a weakness for everything British. Now she writes, among other things, fantasy novels for young people. If you want to know more about talking ravens and magical muse kisses, you are kindly invited to look Carola over her shoulder on Twitter, Facebook or her homepage while writing.

Homepage: Carola Wolff
Facebook: Carola Wolff
Twitter: @carolawolff

Anne/PoiSonPaiNter

Der Weg zum Märchen

Schon in meiner Nerdwoche: Superheldinnen gab es einen Beitrag über deren inspirierende Wirkung, doch auch von einfachen Dingen in der Natur kann man Inspiration für märchenhafte Geschichten finden.

Dabei nimmt euch Laura Kier mit auf ihren Weg durch den heimatlichen Wald und zeigt euch, welche Geschichten sich hinter jedem Baum und unter jedem Strauch verborgen halten.

Folgt ihr hier entlang: Sonne, Wind und die Abenddämmerung – ein märchenhafter Inspirationsspaziergang

Wenn euch das noch immer nicht genug inspiriert hat, um eure eigenen Märchengeschichten zu schreiben, dann empfehle ich euch ihre Märchenzeit vom vergangenen Jahr, wo ihr den Anfang einer märchenhaften Geschichte erschaffen könnt.

Hier entlang: Märchenzeit

Wen es interessiert, so sieht mein Anfang aus:

Es war einmal … eine Eishexe, die wünschte sich nichts sehnlicher, als den Regen zurückzuholen und damit die dürren Felder zu wässern. Doch eine Schneezauberin hat sämtliche Wolken gestohlen und über die Berge davon getrieben.

Meine Charakterin heißt übrigens Neata. Sehr neat. B)

Mal sehen, ob ich irgendwann mal die Geschichte schreibe … oder vielleicht diese Figuren bereits im Eishörnchen eingebaut habe? Wir werden sehen …

Viel Spaß und lasst euch inspirieren!

Die Autorin

In Märchen, Romanen und Blogbeiträgen erzählt Laura Kier davon, den eigenen Träumen zu folgen. 1985 wurde sie im Ruhrgebiet geboren, studierte in Düsseldorf Biologie, schwenkte nach dem Diplom in die Softwareentwicklung um und lebt nun in Niedersachsen. Neben dem Schreiben gehören Malen und Zeichnen zu ihrem Leben dazu.

Homepage: Weltenpfad
Facebook: Laura Kier
Twitter: @weltenpfad
Instagram: Weltenpfad

Anne/PoiSonPaiNter

Märchensommer: Spruchreif

Herzlich willkommen zur fünften Woche des Märchensommers! Schön das ihr euren Weg hergefunden habt!

Auch heute könnt ihr wieder einen Punkt für die Gesamtpreise des Märchensommers ergattern indem ihr die unten gestellte Frage in den Kommentaren beantwortet.

Doch vorweg eine kleine Buchvorstellung …

Eine etwas andere Märchensammlung sind die Rosenmärchen von Marlies Lüer.
Darin kombiniert sie selbst geschriebene Märchen, wie auch Märchenadaptionen, die sie zuvor einzeln herausgebracht hatte mit drei unveröffentlichen Geschichten.

Allen Märchen liegen altbekannte und noch immer „moderne“ Themen zugrunde: Missgunst, Ausgrenzung, aber auch Liebe und Heldentum.

Der Salzprinz und Schneeweißen und Rosenrot bilden die Grundlagen für zwei der enthaltenen Geschichten.

Aber nun zur Tagesfrage:

Welchen Spruch aus einem Märchen wirst du nie wieder vergessen?

Ich glaube in meinem Fall könnte ich getrost sagen: (so gut wie) alle.
Wie ich bereits beim Lieblingsmärchen im vergangenen Jahr erzählt habe, kann ich den Spruch der Gänsemagd auf Stichwort zitieren und auch bei anderen Märchen ist es nicht anders.

“Oh, Falada, der du da hangest”
“Oh, Jungfer Königin, die du da gangest. Wenn das deine Mutter wüsst, das Herz im Leib tät ihr zerspringen.

Vielleicht können sich ja ein paar von euch an die Spruch-Rätsel erinnern, die es letztes Jahr auf Twitter gab, da musste ich nur nachgucken, wie sie buchstabiert wurden. 😀
Für dieses Jahr stand die Überlegung im Raum das auch zu machen, es vielleicht sogar in die Punkte einfließen zu lassen, aber so richtig, hat es dann nicht mehr reingepasst.

Wer sein Märchensprüche-Wissen aber mal auffrischen möchte, kann u.a. diese Seite nutzen: Märchenatlas: Wer hat das gesagt?

Anne/PoiSonPaiNter

© Für das Cover gehört den rechtmäßigen Besitzern. Es dient hier lediglich zur Veranschaulichung.

#CroMär: Kapitel 4

Regina hat letzte Woche mit sich gehadert, wird sie tatsächlich in den fragwürdigen Apfel beißen? Wies es weiter mit dem vierten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 4 – Fischige Angelegenheiten

Bevor Regina noch einmal die Zweifel überkommen konnten, biss sie in den Apfel. Er war tatsächlich saftig, sofort tropfte es ihr übers Kinn. Er schmeckte auch nicht schlecht, aber trotzdem… irgendwie falsch. Als wäre es ganzer Apfelkuchen, nicht nur ein Apfel.
Vorsichtshalber nahm sie keinen zweiten Bissen, sondern stapfte zurück zu ihrem Fahrrad und steckte den Apfel in eine der unzähligen Plastikdosen, die ihre Mutter für ihre Oma mitgeben hatte. Der Kuchen wurde dadurch zwar ein Bisschen gedrückt, aber ansonsten verstanden sie sich bestimmt gut. Jedenfalls würde sie erst einmal die Wirkung abwarten. Neuen Code testete man schließlich auch erst einmal Häppchenweise.
Sie kettete das Fahrrad ab, prüfte ihr Handy – das Spiel lief noch, alles gut – und schob das Fahrrad den lästigen Stück des Weges, der zu dicht bewachsen war. Seltsam, dass ausgerechnet hier heute so viele Leute unterwegs waren. Und am seltsamsten war definitiv dieser Förster gewesen. Einen Kuss wollte er. Ihren ersten richtigen mit Wolf, Sandkasten Küsschen zählten da nicht.
In Reginas Magen gurgelte es, der Apfel war an der Arbeit.
Jedenfalls würde sie ihm weder ihren ersten noch sonst einen geben. So ein Unsinn! Der Kerl hatte überhaupt nichts in der Hand, womit er sie zwingen könnte. Und wenn es doch darauf ankäme, dann wäre wenn dann sie diejenige, die hier im Vorteil wäre. Einen Kuss, pah. Wenn das nicht eindeutig unter sexuelle Belästigung fiel!
Die Geräusche aus ihrem Bauch wurden noch unheimlicher. Als würden kleine Blubberblasen in ihr aufsteigen. Und tatsächlich, wenn sie den Mund öffnete, hatte sie sogar das Gefühl, sie würde Marzipangeruch ausatmen. Was das wohl bedeutete?
Erleichtert sah sie, dass der Pfad wieder befahrbar wurde und schwang sich auf den Sattel. Was auch immer mit ihr passierte, es sollte am besten nicht hier unbeobachtet mitten im dichten Wald geschehen, wo man sie erst nach Tagen finden würde. Obwohl sie bei der Besucherfrequenz heute vielleicht wiederum Glück hätte, aber man musste es ja nicht darauf ankommen lassen.
Eine schöne Geschichte war das, jetzt wurde ihr auch noch übel. Was hatte ihr ihre Tante da nur angedreht? Regina trat rascher in die Pedale.

Sie war selten so froh gewesen, selbst einen Schlüssel zur Wohnung ihrer Oma zu haben, wie in diesem Moment. Das Nicht-darauf-warten-müssen, dass die Tür von innen geöffnet wurde, verschaffte ihr wertvolle Sekunden. Sie stürzte zur Tür hinein, mitsamt Schuhen durch den Flur und direkt zum Klo. Dann war alles vorbei.
„Bist du das, Regina?“, kam es aus dem Wohnzimmer, begleitet von gedämpften Gesprächen des Fernsehers.
„Ja“, schniefte sie.
„Was?“
Den Kopf über der Kloschüssel wartete sie noch eine Salve ab. „Ja!“, brüllte sie dann.
„Warum machst du so komische Geräusche?“
Regina verdrehte gedanklich die Augen, hatte praktisch jedoch gerade andere Dinge zu tun. Verdammt, das war doch nicht normal! Und das war nur die Wirkung von einem einzigen Bissen. So bekamen sechs Kilo in einer Woche natürlich einen ganz anderen Beigeschmack. Und so viel stimmte natürlich auch: Sie hatte jetzt definitiv keinen Hunger mehr.
Dann, endlich, war es vorbei. Zittrig kam Regina auf die Füße, spülte erst das Klo, dann den Mund. Noch während sie das Bad verließ, wählte sie bereits die Telefonnummer ihrer Tante.
„Hallo, Susi. Du, dein Apfel ist furchtbar zum Kotzen.“
„Hallöchen Regina. Was ist dir denn über die Leber gelaufen? Probier ihn doch erst einmal, dann wirst du sehen, dass ich –“
„Ich hab ihn schon gekostet, das ist doch das Problem!“
Reginas Oma lag auf dem Sofa, die Decke bis zur Brust gezogen und winkte Regina mit der Fernbedienung zu. Regina signalisierte ihr, dass sie den Fernseher leiser stellen sollte und diese kam augenblicklich der Bitte nach. Für Skandälchen war sie ganz Ohr, eigene Erkrankung hin oder her. Und am besten wandelte sie die danach gleich in eine kleine, fragwürdige Geschichte um, die sie bei nächster Gelegenheit zum Besten gab.
„Du meinst, er hat zu Erbrechen geführt?“
„Wie der beste Magen-Darm-Infekt.“
„So war das aber nicht gedacht. Die bisherigen Tests an Tieren haben nichts dergleichen ergeben. Es wirkt leicht abführend, das ist richtig, aber von Erbrechen wurde nicht berichtet.“
„Frag sie, welche Tiere es waren“, forderte Reginas Oma.
War ihr Handy so laut, dass sie das hatte mithören können? „Welche Tiere waren es denn?“
„Ratten und Kaninchen, so weit ich weiß. Die Routine eben.“
„Kein Wunder, dass sie nichts festgestellt haben. Die können auch nicht erbrechen“, behauptete ihre Oma.
Regina schirmte das Mikro mit einer Hand ab. „Woher weißt du das denn bitte?“
Ihre Oma deutete vielsagend auf den Fernseher.
„Das stimmt zwar“, hörte Regina Tante Susi in deutlich pikiertem Tonfall sagen (die hatte anscheinend auch viel zu gute Ohren!), „aber du kannst Mama ausrichten, dass Übelkeit bei Ratten sozusagen einen Fressflash verursacht und das hätte wohl kaum zum gewünschten Ergebnis geführt. Das haben zumindest die zuständigen Experten gesagt.“
Das wurde Regina eindeutig zu viel Spekulation. „Egal, was der Grund ist, es war jedenfalls eine Sauerei und du solltest alle anderen Testkandidaten vorwarnen. Ich werde jedenfalls keinen weiteren von diesen Höllendingern essen.“
Und um ihrer Aussage Nachdruck zu verleihen, legte sie auf.
„Das war aber unhöflich.“
Regina schnauffte nur und ließ sich dann neben ihrer Oma aufs Sofa sinken. Jetzt saßen sie hier und waren beide krank. Und vielleicht, ging ihr verspätet auf, war sie doch etwas zu unhöflich zu ihrer Tante gewesen. Was, wenn diese gar nichts dafür konnte, und stattdessen dieser Polizist etwas an dem Apfel gedreht hatte? Immerhin hatte er ihn sogar in seiner Tasche gehabt!
„Was sollte der Apfel überhaupt bewirken?“, fragte ihre Oma neugierig.
„Er sollte mich abnehmen lassen.“
„Und was sollte er wirklich bewirken?“
Regina ließ den Kopf zurücksinken. Sie fühlte sich zittrig und elend. Sie wollte gar nicht wissen, was ein ganzer Apfel bewirkt hätte. Mindestens Bewusstseinsverlust, so viel stand fest.
„Gibt es da etwa einen jungen Herren?“, neckte ihre Oma.
Was half es da, es zu leugnen? „Er hat mich zum Wunderjunggesellenball eingeladen“, brummte Regina. „Und mir sogar das Kleid gezeigt, in dem er mich am liebsten sehen will.“
„Ich kann dich sehr gut verstehen. Als ich in deinem Alter war…“
Na also, hier kam sie schon, eine ihrer Geschichten. Das hatte ja nicht lange gedauert.
„Da hatte ich, ob du es glaubst oder nicht, auch ein paar Pfunde mehr auf den Rippen. Außerdem gab es da einen Jungen… ach, alle Mädchen der Klasse waren hinter ihm her. Er sah aber auch unverschämt gut aus, mit seinen Grübchen. Und witzig war er! Ich konnte mein Glück kaum fassen, als er mich einlud, beim Frühlingsball seine Begleitung zu sein. Aber es gäbe eine Bedingung, meinte er. Es gäbe einen Kostümwettbewerb und den müssten wir unbedingt gewinnen. Da er schon sein Kostüm ausgewählt hatte und als Wassermann gehen würde, müsste ich meins anpassen und als Meerjungfrau gehen. Mit Fischschwanz und Muschel-BH.“
Regina runzelte die Stirn. Na klar.
„Ich hatte natürlich meine Bedenken“, fuhr ihre Oma fort. „Der enganliegende Fischschwanz würde mich wie eine Leberwurst aussehen lassen und noch dazu bauchfrei… Aber es war mein Schwarm, also verkaufte ich meine Seele und wurde zur Meerjungfrau.“ Sie seufzte melodramatisch. „Was ich jedoch nicht wusste, war, dass der Wettbewerb in Wahrheit eine Wette war und die ging darum, wer seine Begleitung dazu bringen konnte, im absurdesten Aufzug zu erscheinen. Und natürlich hatte er mich ausgewählt, weil er wusste, dass er mit mir das leichteste Spiel haben würde. Tatsächlich getanzt hat er dann den ganzen Abend mit einer anderen.“ Sie klopfte Regina sacht auf den Arm. „Deswegen, meine Liebe, sollte man vorsichtig sein und sich nicht für jemanden verbiegen, nur weil er einem einmal angelächelt hat.“
„Muschel-BH? Schwarm? Aus welcher Telenovela hast du denn diese Geschichte? Die muss ja ganz schrecklich gewesen sein.“
„Aber sie hätte mir so passieren können.“
„Ach, Oma. Ich bin doch keine zehn mehr, ich bin zu alt für Märchen. Du hattest nie Gewichtsprobleme, ich kenn doch die alten Fotos von dir.“
„Es ist doch die Botschaft, die zählt.“
„Eigentlich ist es die Wahrheit, die zählt.“ Regina schälte sich wieder vom Sofa. „Ich hol mal die Sachen rein, die Mama für dich mitgegeben hat, bevor sie noch jemand aus dem Fahrradkorb klaut.“
„Das heißt, du willst trotzdem zum Ball.“
Natürlich wollte sie trotzdem. Es war nun mal nicht irgendjemand, es war Wolf. Und zum Glück würde sie nicht als Meerjungfrau gehen, sondern ein normales Kleid anziehen. Nun ja, mit Glitzersteinen. Und zu viel Ausschnitt. Aber was tat man nicht alles.
„Dann lass wenigstens deine Mutter deine gute Fee sein und das Kleid für dich anpassen“, rief ihr ihre Oma hinterher. „Damit es wenigstens dein Kleid wird und nicht das für eines dieser super skinny Models.“
Wo auch immer sie diesen Begriff schon wieder aufgeschnappt hatte. Regina seufzte. Manchmal wünschte sie sich, sie könnte auch einfach eine dieser ganz normalen Omas haben, die Tee kochten, Kuchen backten und strickten. Aber diese Fähigkeiten waren irgendwie alle direkt zu ihrer Mutter übergegangen.

Hinter den Kulissen

Letztes Jahr hat sie noch mitgerätselt, in diesem Märchensommer ist Anne Danck, die selbst auch an eigenen Märchenadaptionen schreibt, direkt beteiligt. Wer weiß, vielleicht ist sie dann in Auflage 3 mit ihrem eigenen Buch vertreten. 😀

Anne/PoiSonPaiNter

The Weekend Guess #116

Read in English

wegWas ist der Weekend Guess?

Ein von mir formuliertes Rätsel, das Wortwitze und Wortspiele über die Antwort selbst enthalten könnte, wird hier zum Lösen für meine Leser*innen eingestellt.

Worum geht es bei den Fragen?

Diese sieben speziellen Fragen drehen sich um Märchen, schließlich ist Märchensommer. 😉

Was ist deine Aufgabe dabei und was bringt das für dich?

Du kannst versuchen das Rätsel zu lösen und damit fünf Punkte für die gesammte Märchensommer Challenge sammeln!

Lasst uns einen Blick auf das vierte Märchenrätsel werfen:

Pauschalreise mit Federvieh

Welches Märchen suche ich?
Kleiner Tipp: Es ist kein traditionelles Märchen.
Wenn ihr die Antwort kennt, benutzt NICHT die Kommentare, sondern sendet eure Antwort über das Formular!

Morgen gibt es wieder ein weiteres #CroMär Kapitel!

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

wegWhat is the Weekend Guess?

A riddle formulated by me that could contain puns and wordplays on the answer itself are put on here for my readers to answer.

What are the questions about?

These seven special Question are all about Fairy Tales, it’s the Fairy Tale Summer after all. 😉

What is your part in this and what is in it for you?

You can try to solve the riddle and my German readers can earn points by solving this for the overall prices. You can try as well, but won’t be getting any points for it.

Let’s take a look at the fourth Fairy Tale Riddle

Package trip with poultry

Which Fairy Tale am I looking for?
Little hint: It’s not a traditional Fairy Tale
If you know the answer do NOT answer in the comments and send your answer via the form above!

Anne/PoiSonPaiNter

Nora Bendzko: Kindsräuber

Read in English

Im letzten Märchensommer hatte ich euch bereits die Galgenmärchen von Nora Bendzko vorgestellt.
Dieses Jahr bekommt ihr die Rezensionen zu den Büchern. Angefangen mit Band 2, weil von vorne anfangen kann ja jeder.

Worum geht’s?

5 of 5 stars

Schon seit ihrer Kindheit kann Alene Geistern sehen und ihr wurde immer eingebläut vor ihnen wegzurennen. Doch diesem einen Geist kann sie nicht entkommen.

Sie sieht das schwarze Rumpelstilzchen zum ersten Mal, als die königliche Familie in Prag einzieht und hört seinen finsteren Reim. Kurz danach verschwinden oder sterben Kinder, deren Mütter zuvor den Geist gesehen haben.

Nun ist Alene selbst schwanger und begegnet nicht nur dem Rumpelstilzchen, sondern auch ihrem Kindheitsfreund Patrik Emil erneut. Auf ihrer Suche nach Antworten gelangt sie ins Prager Schloss und erfährt mehr über das dunkle Geheimnis des Geistes …

 

Das Leseerlebnis

Die Welt, die in dieser Geschichte aufgebaut wird ist düster und faszinierend. Ich wollte das Buch streckenweise gar nicht weglegen, weil da doch wieder etwas interessantes gerade passierte und ich wissen wollte, was dahinter steckte. Einige erzählerische Elemente (wie z.B. die Schwangerschaft, die ganz andere Gründe hat, als man ursprünglich annimmt) machten das nur noch umso stimmiger.

Dadurch, dass ich grade erst ein paar Monate zuvor selbst noch einmal in Prag gewesen bin, und auf der Burg, die in dieser Geschichte ein Hauptschauplatz ist, habe ich beim Lesen versucht die Orte aus dem Text mit den Bildern in meinem Kopf zu verknüpfen. Ich muss sagen, es hat erstaunlich gut geklappt. Andersherum wäre es eventuell gruselig geworden, mal schauen, ob es mich irgendwann nochmal dahin verschlägt. 😀

Die Charaktere

Ich mag Alene. Sie macht, was sie für richtig hält, stellt sich grausigen Geistern und verliert doch nicht ihre Güte und vor allem sich selbst, auch wenn sie manchmal kurz davor ist. Sie ist ein Charakter, der viel durchmachen muss und auch entsprechend menschlich auf diese Geschehnisse reagiert.

Patrik war mir hingegen etwas zu … hmm … undurchsichtig? Man wusste nie genau, woran man bei ihm ist und ich glaube kurzzeitig hätte ich ihm auch eine Beziehung zu einem der männlichen Nebencharaktere zugetraut. Eventuell wurde darauf sogar eingegangen und ich hab es wieder vergessen, ich sollte mir wirklich angewöhnen Rezensionen zeitnaher zu schreiben … Wie auch immer. Das zwischen ihm und Alene war das einzige, was ich nicht vollkommen nachvollziehen konnte, weil er so verschlossen wirkte.

Die Königin war ein ebenso wunderbarer Charakter. Wie so oft würde hier mehr sagen, aber einiges der Geschichte vorwegnehmen. 🙁

Der Großteil der restlichen Königsfamilie und Figuren haben mich mit dem Wunsch nach mehr Informationen zurückgelassen, aber dadurch, dass die Hauptfigur so wunderbar war, kann ich darüber hinweg sehen.

Generelle Meinung

Allein durch Alenes Charakter, der Einarbeitung des historischen Materials und der Umsetzung der Märchenelemente ist Kindsräuber verdient auf der Shortlist des Indie Seraph gelandet. Ich habe mehrfach mit einem breiten Grinsen dagesessen, wenn wieder eines der oben genannten Elemente anders war, als man es erwarten würde und es hat einfach Spaß gemacht diesen düsteren Thriller im Prag des 30-jährigen Kriegs zu verfolgen.

Dinge, die ich hinzufügen möchte

In der Hintergrundgeschichte eines der Charakteren gibt es ein Easter Egg zum Galgenmärchen Wolfsucht, das ich im Juli rezensieren werde. Hab ich mich sehr drüber gefreut, als ich das entdeckt habe. 😀

Letztes Jahr habe ich Nora bereits interviewed, wer also gerne nachlesen möchte, kann das gerne tun. Gerade arbeitet sie an einem weiteren Galgenmärchen zu Rapunzel.

Einen Print dieses Buches könnt ihr auch während des Sommers gewinnen. (Das Schreiben eigener Rezensionen zu Märchen(adaptionen) bringt übrigens auch 3 Punkte. 😉 )

Anne/PoiSonPaiNter

© Für das Cover gehören den rechtmäßigen Besitzern.
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Lies auf Deutsch

Last Märchensommer I already introduced you the Galgenmärchen (hangman’s tales) by Nora Bendzko.
This year  you get the reviews for the books. Starting with volume 2, because starting from the beginning is simple.

What is it about?

5 of 5 stars

Alene has been seeing ghosts since she was a child and has always been told to run away from them. But she cannot escape this one ghost.

She sees the black Rumpelstiltskin for the first time when the royal family arrives in Prague and hears his sinister rhyme. Shortly afterwards, children whose mothers have seen the spirit disappear or die.

Now Alene herself is pregnant and meets not only Rumpelstiltskin but also her childhood friend Patrik Emil again. In her search for answers, she enters Prague Castle and learns more about the ghost’s dark secret…

The reading experience

The world that is established in this story is dark and fascinating. I didn’t even want to put the book down at times, because something interesting was happening and I wanted to know what was behind it. Some narrative elements (such as the pregnancy, which has completely different reasons than originally assumed) only made this all the more consistent.

Having just been back to Prague, and at the castle, which is the main stage in this story, a few months before, I tried to link the places in the text with the images in my head while reading it. I must say, it worked out surprisingly well. The other way around, it might have been spooky, let’s see if I will ever visit it again. 😀

The characters

I like Alene. She does what she thinks is right, faces gruesome spirits and yet does not lose her goodness and above all herself, even if she is sometimes on the brink. She is a character who has to go through a lot and also reacts humanly to these events.

Patrik, on the other hand, was a little too… hmm … obscure? You never knew exactly where you stood with him and I think for a moment I would have thought he had a relationship with one of the male side characters. Maybe it was even discussed and I forgot again, I should really get used to writing reviews sooner… However. The thing between him and Alene was the only thing I couldn’t fully understand, because he seemed so withdrawn.

The queen was an equally wonderful character. As so often would telling more reveal too much of the story. 🙁

Most of the rest of the royal family and characters left me wanting more information, but because the main character was so wonderful, I can overlook it.

General Opinion

Through Alene‘ s character alone, the incorporation of the historical material and the implementation of the fairy tale elements, Kindsräuber deserved to be placed on the Shortlist of the Indie Seraph. I have sat here several times with a broad grin when one of the above elements was different than one would expect and it was simply fun to follow this dark thriller in Prague during the 30-year war.

Stuff I’d like to add

In the background story of one of the characters there is an Easter Egg to the Galgenmärchen Wolfsucht, which I will review in July. I was very happy when I found this. 😀

Last year I already interviewed Nora, so if you’d like to read it, you’re welcome to do so. She is currently working on another Galgenmärchen  about Rapunzel.

Anne/PoiSonPaiNter

© For the cover belongs to its rightful owner.

Schreiberlinge im Interview: Diandra Linnemann

Read in English

Im Rahmen des Märchensommers habe ich auch ein paar anderen AutorInnen Fragen über ihre Adaptionen und Märchen gestellt.

Diandra Linnemann – Autorin von „Magie hinter den sieben Bergen“

Ein paar Daten zu dir:

Diandra Linnemann, 1982 geboren, seitdem nichts dazugelernt. Zur Tarnung arbeite ich als Übersetzerin im medizinischen Bereich, aber meine fast schon fanatische Hingabe gehört absurden und fantastischen Geschichten. Seit 2012 schreibe ich an „Magie hinter den sieben Bergen“ – die Reihe findet im November 2018 voraussichtlich ihren krönenden Abschluss – aber da jeder Mensch ein wenig Abwechslung braucht, habe ich außerdem neben diversen Kurzgeschichten zwischendrin auch ein paar längere Werke veröffentlicht:

Vorneweg ein paar Fragen zu deiner Reihe „Magie hinter den sieben Bergen“:

1. Was war an deinen Märchenbestandteilen am Schwierigsten umzusetzen?

Auch, wenn es absurd klingt: Die Magie. Ich wollte Zauber und Fähigkeiten, die perfekt in unsere moderne Welt passen, gleichzeitig märchenhaft sind, und nicht so abartig stark, dass man jedes Problem mit einem Fingerschnipsen lösen kann. Außerdem befinden wir uns natürlich in Deutschland, da gibt es für alles Regeln und Vorschriften – sogar für die gute Fee.

2. Was hat dich bei der Arbeit an der Reihe am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Die Geschichten spielen ja vor meiner eigenen Haustür, und fast jedes Gebäude, das ich als Schauplatz verwendet habe, ist in der Zwischenzeit abgerissen oder grundlegend modernisiert worden. Gerade bei der Recherche zu Schauplätzen war das wirklich schwierig, und wenn man heute durch Bonn geht, sieht die Stadt ganz anders aus als 2012. Im Gegensatz dazu ist das Siebengebirge wahrscheinlich noch genau so märchenhaft wie weilands zu Schneewittchens Zeiten.

3. Warum hast du dich dafür entschieden, dass eine Hexe, die ja in Märchen meist nur die Böse ist, bei dir in die Rolle der Hauptfigur schlüpft?

Hexen gibt es auch in der „echten“ realen Welt – nur ist das leider bei weitem nicht so aufregend wie in meinen Büchern. Ich habe versucht, den real existierenden heidnischen Glauben der Hexen mit meinen Vorstellungen von einer fantastischen Welt zu verbinden. Ich würde Helena jetzt nicht direkt als „gut“ bezeichnen, aber sie ist definitiv jemand mit einem Moralkodex. Zum Glück sind wir auch einigen Hexen mit finsteren Absichten begegnet, um nicht zum Klischee zu verkommen.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte deine Reihe umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Das überlasse ich lieber der Fantasie der Leser. In der Welt von Film und Fernsehen kenne ich mich nicht besonders gut aus.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft der Reihe?

Tja, das Ende ist vorherbestimmt (unheimliches Kichern) – also wünsche ich mir in erster Linie, dass meine Leser mit mir bis zum bitteren Ende durchhalten und genau so für Helena und ihren Assistenten Falk die Daumen drücken, wie ich es tue. Leider ist nach neun Bänden wirklich Schluss, und ich hoffe, dass wir sie alle sehr vermissen werden. (Langfristig steht noch die Veröffentlichung in drei Sammelbänden zur Debatte, aber auch dafür brauche ich erst einmal wieder Zeit, und die ist ja immer Mangelware.)

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Wir hatten, als ich klein war, ein ziemlich abgelesenes riesiges Märchenbuch mit wunderschönen Kupferstichen und Tuschezeichnungen, in dem wir Geschwister oft gemeinsam gelesen haben. Das war vor den „pädagogisch wertvoll aufbereiteten“ zahnlosen Märchen, ich war damals noch im Kindergartenalter. Leider ist das Buch irgendwann im Laufe diverser Umzüge verschwunden. Meine Lieblingsmärchen waren „Der eiserne Heinrich“ und „Rumpelstilzchen“.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Als Leserin sind mir Happy Ends lieber, aber als Autorin weiß ich, dass das einfach nicht immer passiert. Aber seien wir mal ehrlich – auch ein sogenanntes „Happy End“ ist ja nicht das berüchtigte „und wenn sie nicht gestorben sind …“, sondern immer nur eine Momentaufnahme. Vielleicht kocht im nächsten Moment die Milch über oder es gibt einen Strafzettel, die Schwiegermutter stirbt oder man erbt einen Wurf verfluchter Dämonenkatzen. Was man draus macht, davon handelt dann die nächste Geschichte.

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Am meisten ärgere ich mich über modernere Versuche, alles in Märchen auf Archetypen, das menschliche Unterbewusstsein und Sexualität herunterzuinterpretieren. In vielen Fällen ruiniert das die Geschichten, indem es sie einschränkt. Weniger extrem haben wir das alle im Deutschunterricht ja auch schon machen müssen – natürlich kann man Geschichten interpretieren, aber manchmal ist eine blaue Tür einfach blau.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Der strukturierte Aufbau: Drei Wünsche, Gut gegen Böse, sprechende Tiere, der Lohn für die guten und die schlechten Taten. Mir gefällt der Gedanke, dass die Taten einer Person Konsequenzen haben – und wenn ich dabei bin etwas Fragwürdiges zu tun, überlege ich oft, ob ich gewillt wäre, die Konsequenzen zu tragen, die meine Tat in einem Märchen hätte. Wahrscheinlich bin ich dadurch kein besserer Mensch geworden, aber definitiv ein reflektierterer.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Da ich unglaublich naiv bin an das Gute im Menschen glaube, würde ich wahrscheinlich versuchen, der Person zu helfen. Natürlich könnte das grandios nach hinten losgehen, wenn die Verwandlung eine gerechte Strafe oder Lektion war …

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

Die offiziellen Antworten wie „Weltfrieden“, „ein Mittel gegen Krebs“ oder „nie mehr mittelmäßige Musik in den Charts“ lassen wir mal außen vor, und ich antworte ganz egoistisch;

  • Eine nie versiegende Kanne gut schmeckenden Bio-FairTrade-Kaffees.
  • Genügend Zeit zur freien Verfügung, um all meine Pläne in die Tat umzusetzen.
  • Die Fähigkeit, Pflanzen und Tiere zu verstehen.

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Zählt Voodoo als Märchenweg? Gut, schwarze Magie. Oder Gift. (Merkwürdig, die Antwort auf diese Frage war bislang die einfachste. Ich sollte mir vielleicht Gedanken machen.)

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Frau Holle – ihr Leben klingt, wenn man frische Landluft und harte Arbeit mag, ziemlich gut. Sie hat alles, was sie benötigt. Außerdem muss sie sich nie Gedanken um lästige Prinzen machen.

Mehr zu Diandra gibt es hier:

Blog: Diandras Geschichtenquelle
Twitter: @maerchenquelle
Facebook: Diandras Geschichtenquelle – Diandra Linnemann

Vielen Dank, Diandra!

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

During the Fairy Tale Summer I also asked a few other author*esses questions about their adaptations and Fairy Tales.

Diandra Linnemann – Authoress of „Magie hinter den sieben Bergen“ (Magic behind the Seven Mountains)

A few things about you:

Diandra Linnemann, born in 1982, has not learned anything since then. For camouflage I work as a translator in the medical field, but my almost fanatical devotion belongs to absurd and fantastic stories. Since 2012 I’ve been writing „Magic Behind the Seven Mountains“ – the series is expected to end in November 2018 – but since everyone needs a little variety, I’ve also published a few longer works in addition to various short stories in between:

Beforehand a few questions about your series „Magie hinter den sieben Bergen

1. What was the hardest part in realizing your Fairy Tale elements?

Even if it sounds absurd: magic. I wanted spells and abilities that fit perfectly into our modern world, that were fairytale-like at the same time, and not so abnormally strong that you can solve every problem with a flick of your finger. And of course we are in Germany, there are rules and regulations for everything – even for the fairy godmother.

2. What reduced you most to despair working on your Fairy Tales?

The stories are playing on my own doorstep, and almost every building I have used as a setting has since been demolished or fundamentally modernised. This was really difficult when researching locations, and when you walk through Bonn today, the city looks very different from 2012, whereas the Siebengebirge is probably just as enchanted as it was in Snow White’s day.

3. Why did you decide that a witch, who is usually only the bad guy in Fairy Tales, takes on the role of the main character?

There are also witches in the „real“ real world – but unfortunately this is far less exciting than in my books. I tried to connect the real pagan faith of witches with my ideas of a fantastic world. I wouldn’t exactly call Helena „good“, but she is definitely someone with a code of ethics. Fortunately, we also met some witches with sinister intentions in order not to degenerate into a cliché.

4. A Movie-Person comes to you and wants to turn your Pralines into a movie, whom do you see in the leading roles?

I’d rather leave that to the reader’s imagination. I don’t know much about the world of film and television.

5. What’s your wish for the future of the Pralines?

Well, the end is predestined (uncanny giggling) – so I wish first and foremost that my readers hold out with me to the bitter end and keep their fingers crossed for Helena and her assistant Falk just as I do. Unfortunately, after nine volumes, it really is over, and I hope that we will all miss them very much. (In the long run the publication in three compilations is still under discussion, but I need time again for that, and it is always in short supply.)

Let’s take a closer look at your passion for Fairy Tales …

6. What is your loveliest memory regarding Fairy Tales?

When I was a little girl, we had a huge Fairy Tale book with beautiful copper engravings and ink drawings, in which we siblings often read together. That was before the toothless fairy tales, which were „prepared with pedagogical value“, I was still in kindergarten age at that time. Unfortunately, the book has disappeared sometime in the course of various moves. My favourite Fairy Tales were „The Frog Prince“ and „Rumpelstiltskin„.

7. What do you prefer? Happy End or Bad End?

As a reader I prefer happy endings, but as an author I know that this just doesn’t always happen. But let’s be honest – even a so-called „happy end“ is not the notorious „and they lived happily ever after…“, but only a snapshot. Maybe the milk boils over the next moment or there is a fine, the mother-in-law dies or you inherit a litter of cursed demon cats. What you make of it, that’s what the next story is about.

8. What bothers/enthuses you the most about Fairy Tales?

Most of all, I am annoyed by more modern attempts to interpret everything in fairy tales down to archetypes, the human subconscious and sexuality. In many cases this ruins the stories by limiting them. Less extreme is what we all had to do in German lessons – of course you can interpret stories, but sometimes a blue door is just blue.

9. What is typically for a Fairy Tale for you?

The structured composition: Three wishes, good against evil, talking animals, the reward for good and bad deeds. I like the idea that a person’s actions have consequences – and when I’m about to do something questionable, I often wonder if I’d be willing to bear the consequences if my actions had been in a Fairy Tale. Probably didn’t make me a better person, but definitely a more reflective one.

At the End a few fantastical Questions:

10. You meet a talking animal, that makes you believe they’re an enchanted human. What would you do?

Since I am incredibly naive believe in the good in people, I would probably try to help them. Of course this could backfire if the transformation was a just punishment or lesson…

11. A Fairy Godmother wants to grand you three wishes, what would you wish for?

The official answers like „world peace“, „a cure for cancer“ or „never again mediocre music in the charts“ are left out for once, and I answer quite selfishly;

  • A never-ending pot of good tasting organic FairTrade coffee.
  • Enough time at my disposal to put all my plans into action.
  • The ability to understand plants and animals.

12. Which Fairy Tale way would you choose to get rid of someone?

Does voodoo count as a Fairy Tale way? All right, black magic. Or poison. (Strangely, the answer to this question has been the easiest so far. I should probably be worried.)

13. Bonusquestion: With which Fairy Tale character would you like to trade places?

Frau Holle – her life sounds pretty good when you like fresh country air and hard work. She has everything she needs. Besides, she never has to worry about annoying princes.

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Thank you very much, Diandra!

Anne/PoiSonPaiNter