Monthly Archives: Juli 2018

Märchensommer Auswertung

Seit einer Woche ist der Märchensommer nun vorbei und ihr wartet bestimmt schon alle gespannt darauf, wer was gewonnen hat. 🙂

Doch bevor wir uns dem widmen, möchte ich erstmal eine Runde

!!!DANKESCHÖN!!!

an alle Beteiligten verteilen!
An alle, die eine Märchenrallye-Station übernahmen!
An alle, die eine #Märchenente bei sich versteckt haben!
An alle, die Bilder für die Bilderrätsel gezeichnet, fotografiert und herausgesucht haben!
An alle Autor*innen, die sich meinen Interviewfragen gestellt und mir Goodies und Preise gegeben haben!
An alle, die Gastbeiträge beigesteuert haben!
An alle Autorinnen, die ein #CroMär Kapitel verfasst haben!
und natürlich
An alle, die Beiträge geteilt, kommentiert, mitgerätselt und/oder sich anderweitig beteiligt haben!

Ein besonderer Dank geht vor allem an Sarah von Trimagie, Mel von Drachengeschichten und Nordlichter und Tina Skupin für die Hilfe bei der Organisation der Bilderrätsel und der Märchenrallye!

Und damit alle gucken können, wo sie falsch geraten haben und was die richtigen Lösungen sind, gibt es, wie schon letztes Jahr, die Zusammenfassung.

Doch nun zum wirklich interessanten Teil:

Die Gewinner

Im letzten Jahr haben gerade mal 11 Leute mitgemacht, dieses Jahr haben insgesamt 41 Leute Antworten eingereicht. 27 davon haben es mindestens bis zur kleinen Goodie-Tüte geschafft!
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die Märchenspinnerei größer geworden ist, ich jetzt offiziell eine Fee bin oder einfach weil Sarah und Mel große Nummern in der Bloggerszene sind, aber es ist mega genial!

Und an diese 27 kann ich jetzt jede Menge Preise verteilen!

#Märchenente

In dieser Aktion war der Wurm drin … die Enten wurden wunderbar versteckt, aber Facebook wollte einfach nicht mitspielen und hat den Hashtag, der die Verknüpfung bilden sollte, einfach nicht richtig angezeigt. Selbst die von Sandra, der Bücherhexe ausgearbeitete Beschreibung der beteiligten Blogs hat nur bedingt geholfen. „Nur“ vier Leute, haben alle Enten gefunden und sich damit für das E-Book von Sabrina Schuhs „Unter schwarzen Federn“ und die dazugehörigen Goodies qualifiziert.

Das E-Book gewonnen hat …. *Trommelwirbel* … Carina Orthoff!

Die weiteren Gewinner Sabrina Siebert, Caro Denkert und Tanjas Buchgarten, erhalten ebenfalls die signierten Goodie Tüten mit Ente!

#AxolotlAusgefragt

Bei dieser kleinen Sonderaktion zu Sylvia RießAxolotlkönig musstet ihr euer Wissen über sie und das Werk unter Beweis stellen. Unter den Teilnehmer, die alle Fragen richtig beantwortet haben, habe ich das Print und die Plakate verlost.

Die signierte Originalfassung des Axolotlkönigs hat gewonnen … *Trommelwirbel* … Nicole Knappstein!

Die Axolotl-Plakate von der Leipziger Buchmesse haben gewonnen … *Trommelwirbel* …  Sabrina Siebert und Carina Orthoff!

Goodies erhalten: Sarah Trimagie und Tanjas Buchgarten

Märchenrallye

Im diesen Jahr war die Märchenrallye nicht eine große, sondern vier kleine Runden, was einige viel angenehmer fanden. Zu gewinnen, gab es natürlich auch noch etwas.

Runde 1: Ein E-Book von Katherina Ushachovs Zarin Saltan hat gewonnen … *Trommelwirbel* … Nihal Aylis!

Runde 2: Ein E-Book von Tina SkupinHollerbrunn hat gewonnen … *Trommelwirbel* … Carina Orthoff!

Runde 3: Ein E-Book von Paula RooseDrachenschuld hat gewonnen … *Trommelwirbel* … Lena Silbernagl!

Runde 4: Ein Hardcover Print von Carola WolffDer Fluch des Erlkönigs hat gewonnen … *Trommelwirbel* … Rabea Blue!

Und nun zu den Punkten, die ihr über den gesamten Sommer hinweg sammeln konntet …

Gaaaanz viele Goodies für euch!

Stufe 1

Die erste Gewinnstufe, eine kleine Goodie Tüte, haben sich errätselt … *Trommelwirbel* …

Rebecca Bauer, Maren Conradt, Karen Lottegier, roehmreimann (von Instagram), Mel Amanyar, Ylva Schauster, Olaf Hielscher, Marina Bonzelet, Susann Grunow

Stufe 2

Die zweite Gewinnstufe, eine kleine Goodie Tüte und eine mittlere Goodie Tüte, hat sich errätselt … *Trommelwirbel* …  Yvonne Schmelz

Stufe 3

Die dritte Gewinnstufe, die kleine und mittlere Goodie Tüte, sowie das Postkartenset mit märchenhaften Postkarten von Nami/SophiePanic YoyoBlätterklingen & Mohnfuchs und Andrea Andi Ha von Trimagie, haben sich errätselt … *Trommelwirbel* …

Nihal Aylis, Katherina Ushachov, Jenny Siebentaler, Anne Danck, Svenja Krause, Andrea Trimagie, Christina Löw, Lena Silbernagl

Als Dankeschön für ihre Hilfe erhält auch Mel Amanyar ein Postkartenset.

Stufe 4

Alles aus Stufe 3, sowie die Möglichkeit sich eines dieser 16 E-Books auszusuchen, haben sich errätselt … *Trommelwirbel* …

Elenor Avelle, Sarah Trimagie

Eure Auswahl:

  • 3x Der Axolotlkönig von Sylvia Rieß (dpp 2018 Longlist Titel)
  • Kein Schnee im Hexenhaus von Susanne Eisele
  • 3x Leuchtendschwarzer Rabenmond von Valentina Kramer
  • Zarin Saltan von Katherina Ushachov
  • Der siebte Sohn von Julia Maar (dpp 2018 Shortlist Titel)
  • Unter schwarzen Federn von Sabrina Schuh
  • 2x Träume voller Schatten von Christina Löw
  • Tropfen der Ewigkeit von Eva-Maria Obermann
  • 2x Drachenschuld von Paula Roose
  • Die Geister von Ure von Carmen Capiti

Stufe 5

Alles aus Stufe 4, d.h. die Möglichkeit sich eines der oben genannten 16 E-Books und eines dieser 8 Prints auszusuchen, haben sich errätselt … *Trommelwirbel* …

Irina Döbler, Tanjas Buchgarten, Carolin Denkert, Sabrina Siebert, Nicole Knappstein, Carina Orthoff, Rabea Blue

Eure Auswahl:

  • Ein Buch nach Wunsch (Wert: 10 €)
  • Zarin Saltan von Katherina Ushachov (signiert)
  • Kindsräuber von Nora Bendzko (Seraph 2018 Shortlist Titel)
  • Der Axolotlkönig von Sylvia Rieß (signierte Neuauflage mit Bildern & Extrakapitel, dpp 2018 Longlist Titel)
  • Die Perlmuttschmetterlinge von Laura Kier (signiert) + Traumafabel Short von Blätterklingen & Mohnfuchs
  • Der Fluch des Erlkönigs von Carola Wolff (Hardcover)
  • Die Geister von Ure von Carmen Capiti (signiert)
  • Tropfen der Ewigkeit von Eva-Maria Obermann (signiert)

Zusätzlich dazu gibt es noch die fünf selbst hergestellten Notizhefte von Isabell Dieckmann (Isadié), die an die Damen mit der höchsten Punktzahl gehen:

Irina Döbler, Tanjas Buchgarten, Carolin Denkert, Sabrina Siebert, Nicole Knappstein

Irina und Tanja haben sich übrigens bis zum Schluss ein Kopf an Kopf rennen geleistet und sind am Ende mit 132 von 129 möglichen Punkten beide an der Spitze!

Da Tanja bereits ein Meerschweinchen von Christina Löw bekommen hat, zieht demnächst eines bei Irina ein (es versteckt sich auf dem Goodie Bild in dem Zeitungsschnipsel). 😉

So, das sollten dann alle Preise sein … also dann:

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ALLEN GEWINNERN!!!

Und damit ihr auch alle eure Preise bekommen könnt, füllt bitte das folgende Formular aus.

Hinweise:

  • Bei Stufe 1-3 bitte einfach einen „-“ in den E-Book und Print Feldern machen!
  • Stufe 3/4 geben bitte jeweils eine 1. und 2. Wahl des E-Book und Prints an!
  • Wer bis zum 31.7. keine Rückmeldung gibt, kann leider keine Preise bekommen!

So, ich mach dann erstmal ne Blogpause … 😀

Anne/PoiSonPaiNter

#CroMär: Kapitel 7

Regina und ihre Oma wurden letzte Woche in Pantoffeln verwandelt! Können sie sich daraus wieder befreien und war Wolf wirklich nie im Wald gewesen? Wie alles endet erfahrt ihr heute im siebten und letzten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 7 – Alles Quak (Anne Zandt)

“Ina”
“Gina”
“Regina!”
Dumpf und sehr weit weg, drang das Wort zu ihr vor. Wie durch eine Schicht Watte, die ihr auf den Ohren lag.
“Liebling, hörst du mich?” Regina versuchte sich umzusehen, doch alles was sie erkennen konnte war der Teppich, aus einer ihr gänzlich unbekannten Perspektive. War sie hingefallen? “Omi?”, versuchte sie unsicher zu antworten. Angst schwang in ihrer Stimme mit. Ein flaues Gefühl breitete sich in ihr aus, als sie merkte, dass sich ihr Mund nicht bewegte, sie gar keinen Mund mehr zum Bewegen hatte.
“Den Göttern sei dank, du hörst mich!”, drang die Stimme ihrer Oma erneut zu ihr. Diesmal war sie klarer und deutlicher.
Ihre Gedanken wollten sich der Frage widmen, seit wann ihre Oma gläubig war, doch diese hielt sie davon ab.
“Flöckchen”, begann sie mit einem Spitznamen, den sie nicht mehr verwendet hatte, seit Regina ein kleines Mädchen gewesen war. “Du musst mir jetzt vertrauen. Ich erkläre dir nachher alles”, versprach sie und führte dann ihren Plan aus. Er klang so merkwürdig, wie sie sich fühlte und doch so einfach.
Stehen bleiben. Das war die Anweisung ihrer Oma gewesen. Aber wie blieb man stehen, wenn jemand anderes für die eigene Bewegung sorgte? Regina strengte sich an. Ihre Oma glaubte an sie. Mit ganzer Kraft stemmte sie sich gegen den Boden, keinen Millimeter würde sie sich davon abheben. Jagas Fuß drückte und presste, aber Regina blieb stur, ließ sich nicht Beiseite schieben. Als auch ihre Oma das Gleiche tat, kam die Alte ins Straucheln und fiel sogleich vorne über. Regina löste sich von ihrem Fuß und wurde unwirsch gegen die Wand geschleudert, ihrer Oma erging es nicht viel besser. Diese landete jedoch im Sessel. Mit schmerzendem Bauch merkte Regina, wie sich ihre Gliedmaßen und vor allem ihr Körper wieder in seine richtige Form verwandelte. Mit einem Stöhnen saß sie schließlich an die Wand gelehnt und fühlte sich, als wenn sie mit einem Bauchklatscher ins Schwimmbecken gesprungen war. Vor ihr rappelte sich ihre Oma mühsam aus dem Sessel auf.
“Du hinterhältige Vettel! Wie kannst du es wagen meine Enkelin so auszunutzen?!”, fuhr sie die noch immer am Boden liegende Jaga an, die nur verwirrt zu ihr hinaufstarrte.
“Das ist nicht … wie- ?”, doch weiter kam sie nicht. Ein Rumpeln ertönte und die Fenster sprangen auf. Kurz darauf schossen Äpfel aus dem Nichts auf die Hexe nieder. Aus allen Richtungen kamen sie und Regina konnte gar nicht so schnell gucken, wie ihre Oma die Arme bewegte, um wie es schien die Äpfel zu steuern, denn je nachdem, wie sie mit den Armen durch die Luft fuhr, so änderten sie ihre Richtung. Jaga krümmte sich am Boden und versuchte kriechend den zerplatzenden Geschossen zu entkommen, doch Reginas Oma war schneller. Immer wieder dirigierte sie die Äpfel genau da hin, wohin Jaga sich drehte.
“Das wirst du büßen!”, schrie diese schließlich mit ihrer krächzenden Stimme. Ein Wirbel umschloss sie und dann war sie verschwunden.
Regina starrte ungläubig auf die Apfelreste, die überall auf dem Boden verteilt lagen. Ihre Oma seufzte. “Tut mir Leid, Flöckchen, das du da mit reingezogen wurdest…” Ihre Oma nahm sie in den Arm, aber Regina wusste einfach nicht was sie denken oder fühlen sollte. Und das merkte auch ihre Oma, denn sie ließ sie schnell wieder los. “Lass uns das hier aufräumen, dann erkläre ich dir alles, einverstanden?”, bat sie hoffnungsvoll. Sie hatte Regina noch immer an den Schultern gefasst und sah ihrer Enkelin direkt in die Augen, bis diese zaghaft nickte.

Ohne viel zu reden hatten sie bald das Wohnzimmer wieder hergerichtet. Ein paar Äpfel hatten überlebt, die hatten sie in eine Schale getan. “Die kann man noch nutzen”, hatte ihre Oma nur kommentiert.
Nun saßen sie auf der Couch und ihre Oma begann zu erzählen. Vom Familiengeheimnis, von ihrer Fehde mit Jaga, davon was eines Tages auch auf Regina zukommen würde, wenn der Mantel der Holle auf sie überging. Hätte sie all diese bizarren Erlebnisse in den letzten Stunden nicht mit eigenen Augen gesehen, sie hätte ihrer Oma kein Wort geglaubt. So allerdings hatte sie keine andere Wahl. Eine Weile schwiegen sie damit Regina das Gesagte verarbeiten konnte, dann sprudelten die Fragen nur so aus ihr heraus. Wie funktioniert das mit der Magie? Dem Wetter? Hatte ihre Oma Helfer? War das Märchen wirklich irgendwann einmal passiert? Hatten ihre Mutter und ihre Tante auch Fähigkeiten? Viel wichtiger: Hatte sie selbst Fähigkeiten? All das und noch vieles mehr musste ihre Oma erklären.
Beiläufig hatte diese einige der Äpfel zerteilt und hielt Regina ein Stück entgegen. Nach der Erfahrung mit Susis Apfel hatte Regina eigentlich die Nase voll davon, aber eine Stimme in ihr sagte, dass sie den Apfel essen sollte, um diese Abneigung wieder loszuwerden. Zögerlich biss sie hinein und wurde sogleich von der frischen Süße überrascht. Der Apfel schmeckte einfach köstlich. Sie nahm sich noch ein paar weitere Stücke, während sie zusammen mit ihrer Oma versuchte den Tag zu rekapitulieren. Offensichtlich steckte Jaga hinter allem, das hieß Wolf hatte sie nicht zum Ball eingeladen. Eine enttäuschende, wenn auch wesentlich einleuchtendere Erkenntnis als die Tatsache, dass er SIE zu so etwas einladen würde.

Regina hatte gar nicht bemerkt, wie viel Zeit bereits vergangen war, als ihre Mutter sie anrief.
“Bist du noch bei Oma?”, fragte sie als Begrüßung.
“Ja wir haben uns verquatscht.” Regina blickte zu ihrer Oma, die aber nur den Kopf schüttelte. Es war besser ihre Mutter erfuhr vorerst nichts von den Vorfällen.
“Gut, gut”, erwiderte ihre Mutter nur und Regina konnte sie vor ihrem inneren Auge nicken sehen. “Da wurde übrigens ein Paket für dich abgegeben. Hast du irgendwo ein Kleid bestellt?” Ihre Stimme klang vorwurfsvoll und Regina konnte sich vorstellen warum, immerhin war ihre Mutter eine der besten Schneiderinnen in der Gegend.
“Ein Kleid?”, fragte Regina betont und blickte erneut zu ihrer Oma. Diese zuckte nur mit den Schultern. An anderen Ende der Leitung beschrieb ihre Mutter das Kleid von Wolfs Foto und Reginas Augen weiteten sich bei jedem Wort.
“Oh, warte, da ist grade ein Umschlag rausgefallen.” Regina hörte es rascheln. “Eine Einladung zum Wunderjunggesellenball. Von Wolf. War das nicht dein Schwarm aus der Schule? Wieso lädt er dich zu dieser schnöseligen Veranstaltung ein und schickt dir ein überteuertes, viel zu kleines Kleid?”
Regina klappte die Kinnlade runter. Ein Glück war ihre Oma gefasster. “Diesen seltsamen Ball gibt es wirklich?”, hakte sie sogleich nach.
“Mutter, was glaubst du wofür ich mich die letzten Tage so abrackere?”, erwiderte Reginas Mutter leicht genervt.
“Das heißt, er hat mich wirklich eingeladen?” Regina hatte das Telefon gesenkt und starrte ungläubig vor sich.

Ihre Oma ergriff es und Regina hörte gedämpft, wie sie versuchte ihre Tochter dazu zu überreden, das Kleid für Regina anzupassen, damit sie hingehen konnte.
“Aber der Ball wird ihr doch keinen Spaß machen!”, argumentierte ihre Mutter.
“Darum geht es doch gar nicht, Grete”, widersprach ihre Oma, wissentlich die Kurzform nutzend, die Reginas Mutter schon vor Jahren abgelehnt hatte. Peggy Kohlweiß klang in ihren Ohren einfach besser.
“Worum geht es dann?”, fragte diese und bekam eine Kurzfassung des Zusammentreffens zu hören und bald schon waren Mutter und Tochter sich einig, dass Regina gehen sollte.
Reginas Mutter würde ihre Kontakte nutzen, um auch für Reginas Freundinnen Einladungen zu bekommen und das geschickte Kleid so anpassen, dass es zu ihrer Tochter passte. Zögerlich stimmte auch Regina zu.

Der Abend des Balls war gekommen und Regina war sich sicher, dass ihre Mutter sich selbst übertroffen hatte. Das ehemals blaue, viel zu enge Kleid, schmiegte sich genau richtig an ihre Rundungen, ohne das es gepresst wirkte und war mit roten und schwarzen Stoffbahnen versetzt. Ihre Freundin Becky hatte es als “punkig” bezeichnet und da konnte Regina ihr nur zustimmen. Sie hätte nie gedacht, dass sie sich in einem mit billigen Strasssteinen besetztem Kleid je so gut fühlen würde. Trotzdem konnte sie ihre Nervosität nicht abschütteln. Egal wie oft sie sich sagte, dass es sie nicht interessierte, was Wolf dachte, so oft erwischte sie sich dabei, wie sie sich genau darüber sorgte. Mit ihren Freundinnen zu der viel zu kitschigen und schnöseligen Musik zu tanzen, nahm ihr das aber schnell. Denn obwohl sie alle drei keine Discos und Dorffeste mochten, hatten sie ihren Spaß dabei sich über den Kitsch, der über die Tische verteilt lag, die altbackenen Girlanden und die Ernsthaftigkeit zu amüsieren, die einige Teilnehmer ihnen entgegenbrachten.

Letztendlich kam der Moment, in dem sie Wolf gegenüberstand. Er trug einen maßgeschneiderten Smoking, der wesentlich teurer war als das Kleid, das er ihr geschenkt hatte. Das war allerdings auch keine Kunst, wie Peggy schnell bei der Überarbeitung festgestellt hatte. Wolf pfiff anerkennend und begutachtete sie von den hochgesteckten Haaren bis zu den neuen Sneakers in ihrer Lieblingsfarbe.
“Du siehst fantastisch aus”, kommentierte er anschließend.
“Ich weiß”, erwiderte sie nur und ärgerte sich darüber, dass sie sich über das Kompliment freute und sie alles andere als souverän klang.
Mit seinem umwerfenden Lächeln bat er sie zum Tanz, den sie schlecht ablehnen konnte, da sie ja offiziell seine Begleitung war. Sie versuchten sich im 1-2-Tipp, aber keiner von ihnen war sonderlich geschickt darin. Trotzdem fühlte es sich für Regina an, als ob sie sich näher kamen, als ob das gemeinsame Lachen sie wieder mehr zu den Freunden machte, die sie einst gewesen waren. Vielleicht sogar zu mehr.

Kaum hatte dieser Gedanke sich seinen Weg gebahnt, tippte jemand Regina auf die Schulter. Neben ihr stand der Förster, der ihr im Wald geholfen hatte, in einem heruntergekommenen Anzug. An seinen Ellenbogen und Knien klafften Löcher und die Farbe war vielleicht mal schwarz gewesen. Mit offenem Mund starrte sie ihn an. Daran hatte sie gar nicht mehr gedacht…
“Du hast ihn beeindruckt”, eröffnete er ihr mit einem finsteren Grinsen. “Anders als erwartet, aber du hast es geschafft. Dann wäre also meine Bezahlung fällig”, erinnerte sie der Förster und zeigte seine vergilbten Zähne in einem süffisanten Grinsen.
“Was für eine Bezahlung? Was geht hier ab? Wer ist der Typ?” Die Fragen sprudelten nur so aus Wolf hervor, der angewidert auf den Förster hinabsah.
“Äähm, er hat mir bei was geholfen und will dafür jetzt ähm den ersten Kuss”, erklärte Regina widerwillig und spürte wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg.
“Du willst sie küssen?” Entsetzt starrte Wolf von Regina zum Förster. Der ungläubige und verletzende Tonfall ging nicht spurlos an ihr vorüber und ihr Herz zog sich krampfhaft zusammen. So viel zu ihrer winzigen Hoffnung, dass Wolf ihr beistehen würde.
Doch der Förster lachte nur. “Ich habe nie von ihr gesprochen.”
“Nicht?” – “Was?”, fragten die beiden gleichzeitig.
Der Förster wandte sich Regina zu und sie konnte seinen schlechten Atem riechen als er sich zu ihr herüberbeugte.
“Glaub mir Kleines: Es ist besser so. Für das, was für dieses Fest noch geplant ist, ist es eine gerechte Strafe.” Seine Stimme klang ernst und entschlossen. Noch bevor Regina etwas sagen konnte, hatte der Förster sich Wolf am Revers gegriffen und zu einem Kuss heruntergezogen. Wolf versuchte sich zu befreien, wedelte wild mit den Armen, aber der andere hatte wesentlich mehr Kraft als man ihm zutrauen würde. Regina brachte keinen Ton hervor und konnte nur starren. Endlich ließ der Förster Wolf los und machte einen Schritt zurück, wie um sein Werk zu betrachten. Wolfs angeekelter Blick wich einer Fratze des Entsetzen. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem breiten Grinsen, dass bald schon nicht mehr natürlich aussah und sich über die Breite seines Gesichts erstreckte. Seine Haut bekam einen grünlichen Ton und seine Augen wanderten geweitet an seine Stirnseiten. Dann machte es plopp und Wolf war verschwunden. Nur noch sein Smoking lag zusammengesunken auf dem Boden. Regina machte einen Schritt zurück, betrachtete den Förster, was er mit großer Sicherheit nicht war, angsterfüllt und sah sich panisch im Saal um. Irgendjemand musste das doch gesehen haben! Irgendein leises Quaken riss sie aus ihren Gedanken. Dort zwischen den Stofflagen kämpfte sich ein großer, grüner Frosch hervor. Erneut blickte sie zum falschen Förster, dieser lächelte sie aufrichtig an und erst jetzt bemerkte sie, dass er wesentlich gepflegter schien. Die nicht mehr verfilzten Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, der wilde Bart zu einem gut getrimmten gestutzt und der Anzug wies keinerlei Makel mehr auf.

“Ein Tanz, Fräulein Holle, während ich alles erkläre?”, fragte er und hielt ihr die Hand entgegen.
Noch ehe sie widersprechen konnte, hatte er schon ihre Hand genommen und sie an sich gezogen. Sie spürte, wie ihr Widerstand und ihre Angst nachließen, anscheinend beruhigte er sie auf magische Weise, damit sie nicht vor ihm davonlief. Eigentlich hätte Regina ihn deswegen anfahren und sich mit Händen und Füßen wehren sollen, allerdings wollte sie auch wissen, was hier vor sich ging. Und vor allem, woher er von ihrer Oma wusste, also hielt sie sich zurück. Gekonnt und langsam führte er sie über das Parkett, offensichtlich tat er auch irgendetwas mit ihren Füßen, denn sie hatte keine Befürchtungen, ihm ungeschickt auf die seinen zu treten. Oder schlimmer noch auf Frosch-Wolf, der dicht neben ihnen hockte und zum Glück noch immer von niemandem entdeckt worden war.

Ihr Gegenüber erzählte ihr, dass er ein wandernder Zauberer sei, der hin und wieder ihre Oma besuchte und schon viel von ihr gehört hatte. Als er erfuhr, wozu der Ball dienen sollte, konnte er nicht anders als sich einzumischen. Die eingeladenen Mädchen sollten bloßgestellt werden und ja, Regina war erst die siebte Wahl gewesen. Alle anderen hatte er erfolgreich davon abhalten können herzukommen. Bei ihr allerdings wollte er sehen, wie eine Holle, damit umgehen würde und hat ihr deshalb einen falschen Apfel gegeben, um sie auf den richtigen Weg zu bringen. Regina starrte ihn an. Er hatte absichtlich dafür gesorgt, dass es ihr nach dem Apfel schlecht ging? Wobei, wenn sie es objektiv betrachtete war es genau das Richtige gewesen, um ihr die rosa Brille von der Nase zu schleudern.
“Und was mach ich jetzt?”, fragte sie anstatt ihm Vorwürfe zu machen.
“Jetzt genießt du einen schönen Ballabend mit deinen Freundinnen und überlässt jemand anderem den Frosch”, schlug er vor und lächelte sie verschwörerisch an, “Außer, natürlich, du kannst ihm wahrhaft verzeihen, dann kannst du versuchen ihn zu erlösen.”
“Mit einem Kuss?”, hakte Regina unsicher nach.
“Ich vermute eher die andere Variante.” Der Zauberer lachte auf und Regina blieb stehen. Für einen Augenblick schaute sie zu dem einsam quakenden Frosch, der zwischen Wolfs Anzug hervorlugte. “Heute nicht”, entschied sie mit einem Grinsen.
Er sollte ruhig etwas aus seiner Situation lernen, bevor sie half, ihn wieder in seine menschliche Gestalt zu verwandeln.
“Eine gute Entscheidung”, bestätigte der Zauberer und ließ sie herumwirbeln, sodass ihr Rocksaum sich wunderbar drehte.

Hinter den Kulissen

Und schon sind wir am Ende des Märchens angelangt.
Ich hoffe ihr hattet Spaß!

An dieser Stelle nochmal ein Großes

Dankeschön!

an alle Mitschreiberinnen: Carola WolffPaula RooseAnne DanckChristina Löw und Sarah Wagner!

Es war fantastisch dabei zuzusehen, wie ihr alle diese Idee genommen habt und zu etwas ganz eigenem gemacht habt. Ich hoffe, ihr seid mit dem Ende so zufrieden wie ich. Irgendwie musste ich ja die ganzen Fäden verknüpfen, die ihr gesponnen habt. 😀

Aber nicht nur das,

dieser Beitrag stellt auch das Ende des Märchensommers dar!

Nur noch heute könnt ihr alle offenen Punkte sammeln, um euch für die wunderbaren Preise zu qualifizieren!

Morgen – spätestens innerhalb der nächsten Tage – gebe ich dann bekannt, wer welche Stufe erreicht hat!

Ich hoffe ihr hattet Spaß und noch viel Erfolg bei den letzten Rätseln!

Anne/PoiSonPaiNter

The Weekend Guess #119

Read in English

wegWas ist der Weekend Guess?

Ein von mir formuliertes Rätsel, das Wortwitze und Wortspiele über die Antwort selbst enthalten könnte, wird hier zum Lösen für meine Leser*innen eingestellt.

Worum geht es bei den Fragen?

Diese sieben speziellen Fragen drehen sich um Märchen, schließlich ist Märchensommer. 😉

Was ist deine Aufgabe dabei und was bringt das für dich?

Du kannst versuchen das Rätsel zu lösen und damit fünf Punkte für die gesammte Märchensommer Challenge sammeln!

Lasst uns einen Blick auf das neunte und vorerst letzte Märchenrätsel werfen:

Herrscherin der weißen Pracht

Welches Märchen suche ich?
Wenn ihr die Antwort kennt, benutzt NICHT die Kommentare, sondern sendet eure Antwort über das Formular!


Morgen gibt es dann das letzte #CroMär Kapitel!

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

wegWhat is the Weekend Guess?

A riddle formulated by me that could contain puns and wordplays on the answer itself are put on here for my readers to answer.

What are the questions about?

These seven special Question are all about Fairy Tales, it’s the Fairy Tale Summer after all. 😉

What is your part in this and what is in it for you?

You can try to solve the riddle and my German readers can earn points by solving this for the overall prices. You can try as well, but won’t be getting any points for it.

Let’s take a look at the ninth and for now last Fairy Tale Riddle

Ruler of the white splendor

Which Fairy Tale am I looking for?
If you know the answer do NOT answer in the comments and send your answer via the form above!

Anne/PoiSonPaiNter

Nora Bendzko: Bärenbrut und Wolfssucht

Read in English

Nachdem ihr im  bereits die Rezension zum Galgenmärchen Kindsräuber von Nora Bendzko lesen konntet, folgt nun die Doppel-Rezension zu Wolfssucht (angelehnt an Rotkäppchen) und dessen Vorgeschichte Bärenbrut (angelehnt an Der Bärenhäuter).

Worum geht’s?

4 of 5 stars

4 of 5 stars

Bärenbrut erzählt die Geschichte von Thorben, der seinen Vater durch einen Bären verliert und erfahren muss, dass ein dunkles Geheimnis in ihm steckt. Ein Geheimnis, das nicht nur ihn, sondern auch seine Frau Elfriede und seinen Sohn Skandar in Gefahr bringen könnte.

Wolfssucht spielt einige Jahre nach dem Ende von Bärenbrut. Irina musste mit ihrer Familie aus ihrem Heimatdorf fliehen und wurde dabei von Skandar gerettet. Als die beiden heranwachsen will er sie zur Frau nehmen, doch sie widersetzt sich ihm. Stattdessen versucht sie aus ihrer Realität zu fliehen und fühlt sich dabei von dem Monster, das ihren Wald bedroht, angezogen.

Das Leseerlebnis

Bärenbrut zählt nur als Kurzgeschichte, dementsprechend klein und kurz ist die Printausgabe. Als Novelle ist Wolfssucht allerdings auch recht schmal. Das Nervige ist an dieser Stelle mein innerer Monk, der es furchtbar findet dass alle drei Bände ( Die beiden hier und Kindsräuber) unterschiedliche Formate haben…

Während Bärenbrut nur einige Ausschnitte aus Thorbens Leben aufgreift, geht Wolfssucht etwas mehr ins Detail und auch in tiefere Abgründe des menschlichen Daseins. Wer bereits selbst Erfahrungen mit sexueller Gewalt gemacht hat oder nicht gerne über dieses Thema liest, sollte das Buch mit Vorsicht genießen, denn diese ist grundlegende Plotelemente hinter den Ereignissen.

Was mich beim Lesen von Wolfssucht etwas irritierte, war eine Rückblende, die von einer anderen Erzählerin stammte und entsprechend anders war. Ich verstehe, wieso die Szene nicht einfach erzählt wurde, fand es dennoch merkwürdig, weil ich so nie weiß, was der Charakter dem die Geschichte erzählt wird, wirklich erfährt.

Die Charaktere

Wo ich in Bärenbrut die Handlungen von Thorben und den andere noch nachvollziehen konnte, fiel es mir in Wolfssucht sehr schwer, da die Charaktere doch sehr eigensinnig sind. Einen wirklichen Bezug konnte ich zu keinem von ihnen entwickeln.

Skandar hat sich von der Vorgeschichte zum eigentlichen Teil extrem verändert, was zwar zum Teil an den Ereignissen aus Bärenbrut liegt, dennoch keine Entschuldigung für sein überzogenes Verhalten ist. Die Macht, die er durch seine Position als Jäger hat, nutzt er schamlos aus, um sich die Dinge so zurechtzubiegen, wie er es will. Ein Verhalten, dass ich im wahren Leben grauenvoll finde, hier aber glaubhaft dargestellt wurde.

Auch Irina ist nicht viel besser. Sie ist arrogant und überheblich und je weiter die Geschichte voran schreitet, umso mehr entrückt sie der Wirklichkeit, bis sie die Dinge ganz und gar nicht mehr so sieht, wie sie tatsächlich sind. Anders kann ich mir ihr verstörendes Verhalten nicht erklären. Sie verliert sich vollends in ihrer Andersartigkeit und sucht die Gefahr, bis sie süchtig nach ihr wird und keine logischen Argumente mehr annehmen kann. Dennoch ist es auf eine merkwürdige Art faszinierend ihrem Weg zu folgen, auch wenn es kein Guter ist.

Der Wolfsmensch wird hauptsächlich als Monster charakterisiert, erst später erfährt man, warum er so handelt, wie er es tut. Es ist grauenhaft und erschreckend zugleich. Gelungen finde ich an dieser Stelle, dass [SPOILER]kein Wolf wie im Ursprungsmärchen, sondern ein verwilderter Mensch dahinter steckt.[/SPOILER]

Leider wird jedoch nicht erklärt, wie(so) Irina dazu in der Lage ist, die Erinnerungen des Wolfsmenschen zu sehen …

Da das Dorf, in dem beide Geschichten spielen, sehr isoliert ist, erfüllen die anderen Charaktere hauptsächlich entsprechenden Stereotypen mit dazugehörigem Aberglauben.

Generelle Meinung

Beide Bände haben kein Happy End, was sie schon allein von den meisten Märchenadaptionen abhebt. Hinzu kommt, dass Wolfssucht mich mit einem merkwürdigen Gefühl zurückließ. Zu sagen, die Geschichte hätte mir gefallen, wäre in dem Sinne falsch, als dass es kein traditionelles Gefallen ist, aber sie hat mich als Studie in die Abgründe des menschlichen Verhaltens definitiv fasziniert.

Für mich wird die Geschichte eines Mädchens erzählt, dass alles verloren hat und sich in ihrer Andersartigkeit verliert und dafür verurteilt wird. Die Spirale des Hasses und der Verzweiflung ist dadurch auf wunderbar verstörende Weise aufgezeigt und mit sehr bildhafter und fesselnder Sprache unterlegt. Wer sich in die düstere Welt von Rotkäppchen wagen möchte, ist hier gut aufgehoben.

In Bärenbrut hätte ich mir ein bisschen mehr Bezug zu den Charakteren gewünscht und in beiden eine Erklärung der übernatürlichen Elemente.

Dinge, die ich hinzufügen möchte

Dadurch, dass Wolfssucht vor Bärenbrut geschrieben wurde, taucht ein Schlüsselcharakter aus der Vorgeschichte nicht weiter in der Hauptgeschichte auf, doch eine Ereignis lässt vermuten, dass er im Hintergrund dennoch seine Finger im Spiel hatte.

Kurz nachdem ich die Bücher gelesen hatte, veröffentlichte Mareike von Crow and Kraken ihre Rezension zu Wolfssucht und ich war erstaunt, wie anders sie das Buch interpretiert hat. Auch ein paar andere Leserstimmen äußerten sich genervt oder entsetzt, der Großteil lobte bisher die für den dpp 2017 nominierte Novelle, für ihren Mut, die Dinge genau so verstörend zu beschreiben, wie sie es tat. Es ist faszinierend zu verfolgen, wie andere reagieren und ein gutes Beispiel dafür, wie sehr Meinungen auseinandergehen können.

Übrigens ist das Original Rotkäppchen auch sehr sexuell – und streckenweise kannibalistisch. Da gab es im letzten Märchensommer einen Beitrag zu: Das wahre Ende deutscher Märchen (Teil 1).

Letztes Jahr habe ich Nora bereits interviewed, wer also gerne nachlesen möchte, kann das gerne tun. Gerade arbeitet sie an einem weiteren Galgenmärchen zu Rapunzel.

Ein paar von euch können Goodies zu diesen Büchern, und ein*r sogar eine Printausgabe von „Kindsräuber“, während des Sommers gewinnen. (Das Schreiben eigener Rezensionen zu Märchen(adaptionen) bringt übrigens auch 3 Punkte. 😉 )

Anne/PoiSonPaiNter

© Für das Cover gehören den rechtmäßigen Besitzern.
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Lies auf Deutsch

After you were able to read the review of Nora Bendzko’s  Kindsräuber(Child thieve) during the Märchensommer, here is the double review of Wolfssucht (Wolfaddiction – based on Little Red Riding Hood) and its prequel to Bärenbrut (Bearspawn – based on The Bearskin).

What is it about?

4 of 5 stars

4 of 5 stars

Bärenbrut tells the story of Thorben, who loses his father because of a bear and has to learn that there is a dark secret within him. A secret that could endanger not only him, but also his wife Elfriede and his son Skandar.

Wolfssucht takes place a few years after the end of Bärenbrut. Irina had to flee her home village with her family and was saved by Skandar. As the two grow older, he wants to marry her, but she rejects him. Instead, she tries to escape her reality and is drawn to the monster threatening their forest.

 

The reading experience

Bärenbrut is only a short story, so the print edition is accordingly small and short. As an novella, however, Wolfssucht is also quite slender. The annoying thing at this point is my inner Monk, who finds it terrible that all three volumes ( These two and Kindsräuber) have different formats…

While Bärenbrut only touches on a few aspects of Thorben’s life, Wolfssucht goes into more detail and also into deeper depths of human existence. Those who have already experienced sexual violence themselves or do not like to read about this topic should read the book with caution, because this is the basic plot element behind the events.

What irritated me when reading Wolfssucht was a flashback that came from another narrator and was therefore different. I understand why the scene was not simply told, but I found it strange, because I never know what the character to whom the story is told really learns.

The characters

Where I could still understand the actions of Thorben and the others in Bärenbrut, it was very difficult for me in Wolfssucht, since the characters are really obstinate. I couldn’t really relate to any of them.

Skandar has changed extremely from the prequel to the actual part, which is partly due to the events from Bärenbrut, but is nevertheless no excuse for his exaggerated behavior. He shamelessly uses the power he has through his position as the hunter to bend things the way he wants. A behaviour that I find horrible in real life, but which has been portrayed here in a credible way.

Irina isn’t much better either. She is arrogant and prideful and the more the story progresses, the more she is detached from reality until she no longer sees things as they really are. Otherwise I can’t explain her disturbing behavior. She loses herself completely in her otherness and searches for danger until she becomes addicted to it and can no longer accept logical arguments. Nevertheless, it is in a strange way fascinating to follow her path, even if it is not a good one.

The wolf man is mainly characterized as a monster, only later one learns why he acts the way he does. It’s horrible and frightening at the same time. At this point I find it well done that[SPOILER]it is not a wolf like in the original fairy tale, but an feral human behind it[/SPOILER].

Unfortunately, it is not explained how/why Irina is able to see the memories of the wolf man…

Since the village in which both stories are set is very isolated, the other characters mainly fulfill respective stereotypes with associated superstitions.

General Opinion

Neither volume has a happy ending, which alone sets them apart from most fairy tale adaptations. In addition, Wolfssucht left me with a strange feeling. To say that I liked the story would be wrong in the sense that it is not a traditional liking, but it has definitely fascinated me as a study into the abysses of human behavior.

For me it tells the story of a girl who has lost everything and loses herself in her otherness and is condemned for it. The spiral of hatred and despair is thus shown in a wonderfully disturbing way and underscored with very pictorial and captivating language. If you want to venture into the dark world of Little Red Riding Hood, you are in good hands here.

In Bärenbrut I would have liked to have had a little more of a connection to the characters and in both of them an explanation of the supernatural elements.

Stuff I’d like to add

The fact that Wolfssucht was written before Bärenbrut means that a key character from the prequel no longer appears in the main story, but an event suggests that he still had his fingers in the background.

Shortly after reading the books, Mareike von Crow and Kraken published her review of Wolfssucht and I was intrigued at how differently she interpreted the book. A few other readers‘ voices were also annoyed or appalled, the majority praised the novella nominated for the dpp 2017, for its courage to describe things just as disturbingly as it did. It is fascinating to see how others react and a good example of how much opinions can diverge.

By the way, the original Little Red Riding Hood is also very sexual – and sometimes cannibalistic. Last fairytale summer there was a contribution about it: The true ending of German Fairy Tales (Part 1).

Last year I already interviewed Nora, so if you’d like to read it, you’re welcome to do so. She is currently working on another Galgenmärchen  about Rapunzel.

Anne/PoiSonPaiNter

© For the cover belongs to its rightful owner.

Schreiberlinge im Interview: Anna Kleve

Read in English

Im Rahmen des Märchensommers habe ich auch ein paar anderen AutorInnen Fragen über ihre Adaptionen und Märchen gestellt.

Anna Kleve – Autorin von „Schuld der Ahnen“

Ein paar Daten zu dir:

Ich wurde 1986 im Bergischen Land geboren. Aufgrund des Aufbaus unserer Wohnung befand sich das große Bücherregal (eine ganze Wand) bei mir im Zimmer. Irgendwann habe ich angefangen die alten Kinderbücher meiner Mutter zu lesen.
Damals habe ich auch Bilder zu den gelesenen Büchern gemalt. Es hat mich also auch teilweise zum Malen gebracht.
In der Schule fing ich irgendwann an kleine Geschichten zu schreiben. Meistens kleine Szenen zu Büchern, die ich gelesen hatte. Deshalb bin ich als nächstes wohl auch zum Fanfiction schreiben gekommen und darüber zur Gay-Fantasy.
Zwar schreibe ich meistens Gay-Fantasy, wie mein Debüt “Seelenband“ oder das Liebste von meinen eigenen Büchern “Das Geheimnis seiner Aura“ oder einige Kurzgeschichten wie meine Neueste und wohl auch Verrückteste “Orkisch verliebt“, aber ich habe auch Romantasy, wie “Elementarblut“ und Kinderfantasy, wie meine “Drachenmärchen“ geschrieben.
Deshalb sehe ich mich auch mehr als Fantasyautorin und nicht auf ein Subgenre beschränkt.

Vorneweg ein paar Fragen zu deiner Reihe „Schuld der Ahnen“:

1. Was war/ist an deinen Märchenbestandteilen am Schwierigsten umzusetzen?

Mit den magischen Kräften, die ich mir auf Umwegen hergeleitet habe, nicht zu übertreiben. Oder die Fähigkeiten sich nicht zu schnell entfalten zu lassen.

2. Was hat dich/bringt dich bei der Arbeit an der Reihe am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Das aus dem geplanten einen Buch plötzlich zwei wurden und ich im ersten Teil noch einiges umschreiben musste, damit “nicht nur“ die Beziehung der Protagonisten vorkommt.

3. Warum hast du dich dafür entschieden, dass die eigentlichen Märchen zwar tatsächlich passiert, aber nicht nacherzählt werden?

Ich habe einen Thementag gesehen, bei dem es um die Herkunft der Märchen (z. B. Schneewittchen, der Rattenfänger von Hameln) ging. Dabei kam mir der Gedanke, dass ich das in einer Geschichte kombinieren kann. Um das zu tun, war eine andere Welt nicht schlecht (man bedenke wie viele Königreiche es braucht, bei so vielen Prinzen und Prinzessinnen). Aber ich habe das dann auch noch mit abgeleiteten magischen Kräften gewürzt.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte deine Reihe umsetzen. Wen siehst du in den Hauptrollen?

Ehrlich bin ich mir da nicht so sicher. Wenn ich komplett selbstaussuchen sollte, würde ich vermutlich unbekannte Schauspieler aussuchen. Die Idee hätte was, aber um mal einen Namen in den Raum zu werfen. Wenn er jünger wäre, hätte ich für Eldan vielleicht Orlando Bloom gesagt. Aber bei Caleb? Keine Ahnung.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft der Reihe?

Dass mich meine Figuren auch weiterhin beim Schreiben überraschen, selbst wenn das heißt, dass dann wieder mehr als die geplanten Teile bei rauskommen. Auch, wenn mich das gelegentlich in den Wahnsinn treibt.

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Früher, wenn in der Vorweihnachtszeit Märchenfilme gezeigt wurden, die ich vorher noch gar nicht kannte, weil bei uns halt die Grimmschen Märchen mehr im Fokus stehen.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Das kommt immer darauf an, wie es gemacht ist. Ich mag auch “Die kleine Meerjungfrau“, obwohl es ja kein Happy End im klassischen Sinn ist. Die Liebesgeschichte endet für “Die kleine Meerjungfrau“ ja nicht gut, aber immerhin bekommt sie als Luftgeist eine unsterbliche Seele. Andererseits finde ich auch Märchen wie “Die Schöne und das Biest“ schön, wo es ja zu einem richtigen Happy End kommt. Ich denke, ich muss die Art eines Endes gefühlsmäßig nachempfinden können, um es zu mögen, egal was es für ein Ende ist. Ein Happy End nach dem Motto: Ist so, weil es muss ein Happy End sein. Das eher nicht.

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Am meisten stört es mich, dass in vielen Märchen die Frauen einfach nur rettungsbedürftig sind (auch, wenn ich weiß, dass es oft der Zeit, in der es geschrieben wurde geschuldet ist). Besonders begeistert bin ich dann, wenn eine Frau dann auch mal in einem Märchen etwas aktiver sein darf.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Ein Konflikt oder ein Dilemma, mit dem die Figuren zu tun haben.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Kommt auch auf die Umstände an. Aber eventuell erst einmal nach Details fragen, nachdem ich gecheckt habe, ob irgendwo in der Nähe nicht ein Lautsprecher angebracht ist, weil mich jemand reinlegen will.

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

Die Zeit manipulieren können (hätte ich mehr Zeit zum Schreiben), an mehreren Orten gleichzeitig sein können (so könnte ich unangenehme und angenehme Dinge gleichzeitig erledigen) und meine Bücher in den Buchhandlungen stehen haben (ich will die einfach mal im Buchladen in die Hand nehmen können).

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Die glühenden Schuhe der Stiefmutter von Schneewittchen oder den Ofen der Hexe aus Hänsel und Gretel, selbst wenn das brutal klingen mag. Das sind einzigen Todesarten, die mir auf Anhieb einfallen, bei denen die Toten tatsächlich tot geblieben sind.

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Allerleirauh! Aus mehreren Gründen: Zuerst konnte sie ihren späteren Weg teilweise selbst beeinflussen und zum zweiten zeigt sich in dieser Geschichte, dass es nicht immer nur um Schönheit gehen muss. Mit dem Pelz gilt sie ja nicht, als besonders schön. Und sie ist erfindungsreich.

Mehr zu Anna gibt es hier:

Blog: Anna Kleve – Fantasyautorin
Facebook: Anna Kleve
Twitter: @klevefantasy

Vielen Dank, Anna!

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

During the Fairy Tale Summer I also asked a few other author*esses questions about their adaptations and Fairy Tales.

Anna Kleve – Authoress of „Schuld der Ahnen“ (Guilt of the ancestors)

A few things about you:

I was born in 1986 in the Bergisches Land. Due to the layout of our apartment, the large bookcase (a whole wall) was in my room. At some point I started reading my mother’s old children’s books.
At that time I also drew pictures of the books I had read. So it also partly made me draw.
I started writing little stories at school. Mostly small scenes from books I’d read. That’s probably why I next came to write fan fiction and through that to gay fantasy.
Although I usually write gay fantasy, like my debut „Seelenband“ (Soulbond) or the favorite of my own books „Das Geheimnis seiner Aura“ (The secret of his Aura) or some short stories like my latest and probably also the craziest „Orkisch verliebt“ (Orkish in love), I have also written romantasy, like „Elementarblut“ (Elementblood) and Kinderfantasy, like my „Drachenmärchen“ (Dragongirl).
That’s why I see myself more as a fantasy author and not limited to a subgenre.

Beforehand a few questions about your series „Schuld der Ahnen“

1. What was/is the most difficult to realize about your Fairy Tale components?

Not to exaggerate with the magical powers that I have derived in a divergent way. Or the ability not to develop too quickly.

2. What brings you/has brought you most to despair while working on the series?

That the planned one book suddenly became two and I had to rewrite some things in the first part, so that „not only“ the relationship of the protagonists is present.

3. Why did you decide that the actual fairy tales actually happened but were not retold?

i watched a theme day about the origin of Fairy Tales (e.g. Snow White, the Pied Piper of Hamelin). It occurred to me that I could combine that in a story. To do this, another world wasn’t bad (consider how many kingdoms it takes, for so many princes and princesses). But I also spiced it up with derived magical powers.

4. A Movie-Person comes to you and wants to turn series into a movie, whom do you see in the leading roles?

Honestly, I’m not so sure. If I had to choose completely by myself, I would probably choose unknown actors. That’s an idea, but to put a name to it. If he was younger, I might have said Orlando Bloom for Eldan. But Caleb? I don’t know.

5. What’s your wish for the future of the series?

That my characters continue to surprise me while I‘ m writing, even if that means that more than the planned parts might be the result again. Even if that sometimes drives me crazy.

Let’s take a closer look at your passion for Fairy Tales …

6. What is your loveliest memory regarding Fairy Tales?

In the past, when Fairy Tale films were shown in the pre-Christmas period, which I didn’t even know before, because the Grimm Fairy Tales are more in focus here.

7. What do you prefer? Happy End or Bad End?

It always depends on how it’s done. I also like „The Little Mermaid“, although it’s not a happy ending in the classical sense. The love story doesn’t end well for „The Little Mermaid“, but at least she gets an immortal soul as an air spirit. On the other hand I also like Fairy Tales like „Beauty and the Beast“, where it comes to a real happy end. I think I must be able to feel the kind of ending to like it, no matter what the end. A happy end according to the motto: It‘ because it has to be a happy end. No, I don’t think so.

8. What bothers/enthuses you the most about Fairy Tales?

What bothers me most is that in many Fairy Tales women are simply in need of saving (even if I know that it is often due to the time in which it was written). I am especially enthusiastic when a woman can be a bit more active in a Fairy Tale.

9. What is typically for a Fairy Tale for you?

A conflict or dilemma the characters have to face.

At the End a few fantastical Questions:

10. You meet a talking animal, that makes you believe they’re an enchanted human. What would you do?

Depends on the circumstances. But maybe first ask for details after I checked if there is a loudspeaker somewhere in the vicinity, because someone wants to fool me.

11. A Fairy Godmother wants to grand you three wishes, what would you wish for?

To manipulate time (if I could have more time to write), be in several places at once (so I could do unpleasant and pleasant things at the same time) and have my books in the bookstores (I just want to be able to pick them up in the bookstore).

12. Which Fairy Tale way would you choose to get rid of someone?

The red-hot shoes of the stepmother of Snow White, or the oven of the witch of Hansel and Gretel, even if that may sound brutal. These are the only deaths I can think of right away that actually left the dead dead.

13. Bonusquestion: With which Fairy Tale character would you like to trade places?

Allerleirauh! For several reasons: At first she could partly influence her later path herself and secondly this story shows that it doesn’t always have to be about beauty. She’s not considered particularly beautiful with the fur. And she’s inventive.

More about Anna here:

Blog: Anna Kleve – Fantasyautorin
Facebook: Anna Kleve
Twitter: @klevefantasy

Thank you very much, Anna!

Anne/PoiSonPaiNter

#AxolotlAusgefragt

Vor mehr als einem Jahr schwamm der erste Band der Märchenspinnerei in die weite Welt.

Diesem ersten Band, dem Axolotlkönig von Sylvia Rieß, ist heute diese Aktion gewidmet, denn seit damals ist viel Zeit ins Land gegangen. Nicht nur hat der kleine Lurchi eine Bonusszene bekommen(, die ich verursacht habe), sondern mit dem Herrn der Sieben Königreiche auch einen pelzigen kleinen Bruder, den ich als Teil einer Facebook Aktion von seinem Geisterhusten befreien musste.

Im November wurde der „Solidaritätslurch“ im Rahmen der Blogger gegen Cybermobbing-Kampagne, noch einmal auf die Reise geschickt und er kann auch immer noch weitergeschickt werden. Es ist eine einfache Möglichkeit Leuten zu zeigen, dass sie in den weiten des Internets nicht alleine sind.
Denn das ist eines der Kernthemen des Buches.

Obendrauf gab es dann noch die Nominierung zum Deutschen Phantastik Preis, auch wenn es da „nur“ bis zur Longlist reichte. Für die LBM gab es dafür ein paar tolle Plakate, die stolz an den Wänden der Phantastik-Halle hingen.

Aber worum geht es heute überhaupt genau?

Wir feiern noch einmal den Axolotl (habe meine Rezension aus dem letzten Sommer dafür ganz frisch übersetzt) und dafür verlose ich zwei signierte Axolotl-LBM-Plakate und ein signiertes Print der Originalausgabe des Axolotlkönigs (noch ohne Bonusszene, den Print MIT Bonusszene, könnt ihr im Gesamtsommer gewinnen). Alle Teilnehmer erhalten außerdem ein Goodie Paket von Sylvia, solange der Vorrat reicht.

Was müsst ihr dafür tun?

Einfach so viele Fragen wie möglich zum Axolotlkönig richtig beantworten, je mehr umso höher die Preischancen. Und die Fragen sind auch wirklich nicht schwer.

Ein kleiner Tipp: Viele der Informationen lassen sich im Klappentext, auf Sylvia’s Blog und in den FB-Veranstaltungen zum Buch finden. 😉

Viel Erfolg!

Anne/PoiSonPaiNter

Anna Kleve: Magisches Erbe

Read in English

Als Vorbereitung auf die LBM habe ich einige Nornenwerke gelesen, u.a. auch den ersten Band von Anna Kleves Schuld der AhnenMagisches Erbe.

Worum geht’s?

3 of 5 stars

Eldan liebt Märchen, Märchenbücher und Adaptionen über alles und saugt alles auf, was er zum Thema finden kann. Als eine merkwürdige Katze mit einem Brief durch einen Spiegel kommt, erfährt er den Grund dafür.
Er ist der Erbe der Zauberin Morgan le Fay und soll nun an einer besonderen Schule lernen, seine Kräfte zu kontrollieren.

Diese Schule ist in einer Welt, in der die Märchen, die er kennt, die Realität sind. Zusammen mit Caleb, dem Erben von Schneewittchen, muss er sich in dieser Welt zurechtzufinden. Vor allem aber auch was es heißt, wenn man für die Taten seiner Ahnen verantwortlich gemacht wird … erst recht, als ein magischer Gegenstand verschwindet …

Das Leseerlebnis

Das Buch hat ein recht großes Format, daher fällt es wieder in die Kategorie unhandlich, stören tut das aber nicht.

Vom Klappentext her habe ich eine märchenhafte Welt erwartet, in die ich gemeinsam mit Eldan eintauche und sie erkunde. Anfangs war dem auch so, da wurden die Eigenheiten und Zusammenhänge erklärt und es war faszinierend von den Unterschieden zwischen Realität und Märchenwelt zu erfahren. Die Schule klingt spannend und auch die Flugwesen und Formen der Magie und ach, die Welt ist super faszinierend …

Sobald sich Eldan und Caleb näher kamen, rückte allerdings der Fokus auf die beiden und der Weltenbau-Aspekt geriet in den Hintergrund. Zeitgleich merkte ich wieder, dass ich einfach keine Romance Leserin bin.

Die Charaktere

Als Märchenkenner wirkte Eldan anfangs etwas neunmalklug, was sich aber schnell legte, als er in die andere Welt eintauchte. Doch irgendwie fand er immer seinen Weg, egal wie viele Steine ihm in den Weg gelegt wurden. Normalerweise finde ich solche Kämpfer-Charaktere klasse, hier wirkte es aber eher wie ein Fall von Hauptcharakter-Syndrom*. Was mich dann eher einen Blick auf die anderen Charaktere werfen ließ.

Caleb hat mit seinem Erbe – eine Ausstrahlung, die dafür sorgt, dass jeder ihn mag – eine interessante Fähigkeit. Vor allem, da er zu denjenigen gehört, die von „hemmungslos ausnutzen“ zu „bleibt mir doch alle vom Acker“ wechselte und wir ihn in letzterer Phase kennen lernen. Auch hier spielt wieder das Hauptcharakter-Syndrom hinein, denn Eldan ist natürlich der einzige, der von dieser Ausstrahlung nicht beeinflusst wird und auch ein paar andere Dinge, die ich nicht verraten möchte, sind einfach stimmig zwischen den beiden.

Unabhängig davon wird realistisch dargestellt, wie die Beziehung der beiden entsteht und anfangs waren sie auch noch echt knuffig … bis sie mir auf den Keks gingen … denn irgendwie „kribbelte“ es ständig und mehrere Male landeten sie dann auch miteinander im Bett. Und das fand die nicht-Romance-Leserin in mir dann langweilig.

Eine entfernte Cousine von Caleb gesellte sich zu den beiden und hätte eine gute Ergänzung ihres Teams werden können, leider wird sie bald aufs Abstellgleis gestellt, weil sie sich zu sehr auf die Meinungen anderer Leute verlässt, als dem zu glauben, was direkt vor ihr ist. Menschlich nachvollziehbar, schade trotzdem für einen anfangs vielversprechenden Charakter.

Calebs Fangirls sind wunderbar nervig, genau so, wie man sich verblendete Teenager vorstellt, von den meisten anderen Charakteren erfuhr man leider nicht so viel.

An dieser Stelle seien noch Calebs Greif und Eldans Pegasus lobenswert erwähnt. Ersterer ist irgendwie ulkig (er fangirled Calebs Vater der mit Greifen arbeitet) und letzterer einfach nur ne coole Socke.

Was alle Charaktere gemein haben: Sie haben interessante Aspekte, werden aber streckenweise auf Klischees reduziert, was mir ein bisschen wie verschwendetes Potential erscheint.

Generelle Meinung

Anna hat eine wirklich faszinierende Welt erschaffen, von der ich gerne mehr lesen möchte und auch gerne mehr gelesen hätte. Ich meine: Es gibt ein Flugrennen auf Greifen und Pegasi, Magie, die auf faszinierende Weise harmonieren kann, versteckte Konflikte und Lobbies und ganz viel Märchen mit Twist.

Aber leider wechselte der Fokus auf die Beziehung der Hauptfiguren und das ständige „Kribbeln“. Das Wort kam wirklich häufig vor und erinnerte mich ein bisschen an „Benjamin nodded“ aus „The Graduate“ oder „und so“ aus dem „Fänger im Roggen„, die eine ähnliche Frequenz hatten.  Das hat es für mich schwer gemacht, die Geschichte weiterhin zu genießen .

Aus verlässlicher Quelle – der Autorin, höhö – weiß ich, dass in Teil 2 die Welt weiter ausgebaut wird. Da bin ich also gespannt. 🙂

Dinge, die ich hinzufügen möchte

Am Anfang der Geschichte gibt es ein kleines Easter Egg. Eines der Bücher die Eldan mit an seine neue Schule nimmt, ist nämlich kein geringeres als Zarin Saltan von Katherina Ushachov.

Ursprünglich sollte dies ein Einzelband werden, aber da sich immer mehr Ideen dazugemischt haben, wurde er in zwei Teile aufgespalten. Anna arbeitet noch am zweiten Teil und ebenfalls an einer neuen Version des Covers, seid also gespannt!

Donnerstag gibt es dann auch noch ein Interview mit ihr.

Anne/PoiSonPaiNter

* Das Hauptcharakter-Syndrom ist für mich eine Eigenheit von Hauptcharakteren, denen alles zufällt und die so besonders sind und alles können, einfach nur weil sie der Hauptcharakter sind. Mein Paradebeispiel hier ist immer Ichigo aus Bleach.

© Für das Cover gehören den rechtmäßigen Besitzern.
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Lies auf Deutsch

In preparation for the LBM I read some works by Norns, among others the first volume of Anna Kleves Schuld der Ahnen: Magisches Erbe (Ancestral Sin: Magical Heritage).

What is it about?

3 of 5 stars

Eldan loves fairy tales, fairy tale books and adaptations more than anything and absorbs everything he can find on the subject. When a strange cat comes through a mirror with a letter, he discovers the reason.
He is the heir of the sorceress Morgan le Fay and is now to learn to control his powers at a special school.

This school is in a world where the fairy tales he knows are reality. Together with Caleb, the heir of Snow White, he has to find his way around this world. But above all what it means when you are blamed for the deeds of your ancestors… especially when a magical object disappears…

The reading experience

The book has a quite large format, so it falls again into the category unhandy, but that doesn’t interfere.

From the blurb I expected a fairy-tale world, into which I dive together with Eldan and explore it. At the beginning it was like this, the peculiarities and connections were explained and it was fascinating to experience the differences between reality and fairy tale world. The school sounds exciting and also the flying creatures and forms of magic and ah, the world is super fascinating…

As soon as Eldan and Caleb got closer, however, the focus receded into the two and the world construction aspect faded into the background. At the same time I realized again that I’m just not a romance reader.

The characters

As a fairy-tale expert, Eldan seemed a bit smart-ass at first, but this quickly subsided when he immersed himself in the other world. But somehow he always found his way, no matter how many obstacles were put in his way. Usually I like such fighter characters, but here it seemed more like a case of main character syndrome*. Which let me to take a look at the other characters.

Caleb has an interesting ability with his heritage – a charisma that makes everyone like him. Especially since he belongs to those who changed from „unrestrained exploitation“ to “ get the hell away from me“ and we get to know him in the latter phase. Again, the main character syndrome plays into it, because Eldan is of course the only one who is not influenced by this charisma and also a few other things that I don’t want to reveal are simply coherent between the two.

Irrespective of this, the relationship between the two is portrayed realistically and at the beginning they were also really cute… until they got on my nerves… because somehow it kept „tingling“ and several times they ended up in bed together. And the non-Romance reader in me found that boring.

A distant cousin of Caleb joined them and could have been a good addition to their team, unfortunately she is soon put on the sidelines because she relies too much on the opinions of other people than to believe what is right in front of her. Humanly understandable, but a pity for an initially promising character.

Caleb’s fangirls are wonderfully annoying, just as one imagines dazzled teenagers, unfortunately you didn’t learn as much about most of the other characters.

Caleb’s Griffin and Eldan’s Pegasus are also worthy of praise. The former is kind of funny (he fangirled Caleb’s father who works with Griffins) and the latter just a cool sock.

What all characters have in common: They have interesting aspects, but are sometimes reduced to clichés, which seems a bit like wasted potential to me.

General Opinion

Anna has created a really fascinating world, of which I would like to read more and would have liked to have read more. I mean: There’s a flight race on Griffins and Pegasi, magic that can harmonize in a fascinating way, hidden conflicts and lobbies and lots of fairy tales with twists.

But unfortunately the focus changed to the relationship of the main characters and the constant „tingling“. The word was really used very often and reminded me a bit of „Benjamin nodded“ from „The Graduate“ or „though“ from „Catcher in the Rye“, which had a similar frequency.  That made it difficult for me to continue enjoying the story.

From a reliable source – the authoress, höhö – I know that in part 2 the world is further expanded. So I’m curious. 🙂

Stuff I’d like to add

At the beginning of the story there is a little Easter Egg. One of the books Eldan takes to his new school is none other than Zarin Saltan (Tzaritza Saltan) by Katherina Ushachov.

Originally this was to be a single volume, but as more and more ideas have been added, it has been split into two parts. Anna is still working on the second part and also on a new version of the cover, so stay tuned!

There will also be an interview with her on Thursday.

Anne/PoiSonPaiNter

* The main character syndrome is for me a peculiarity of main characters who have everything and who are so special and can do everything just because they are the main character. My prime example here is always Ichigo from Bleach.

© For the cover belongs to its rightful owner.

Märchensommer: Entsorgung

Herzlich willkommen zur letzten Runde des Märchensommers! Schön das ihr euren Weg hergefunden habt!

Auch heute könnt ihr wieder jeden Montag einen Punkt für die Gesamtpreise des Märchensommers ergattern indem ihr die unten gestellte Frage in den Kommentaren beantwortet.

Doch vorweg eine kleine Buchvorstellung …

Dieses Buch ist noch gar nicht geschlüpft. Erst am 13.07. erblickt es das Licht der Welt.

Nachdem sie letztes Jahr über Volksmärchen für den Märchensommer geschrieben hat, reiht sich Eva-Maria Obermann nun mit ihrer Rapunzel Adaption „Tropfen der Ewigkeit“ in die Riege der Märchenspinnerei ein.

In dieser steampunkigen Welt bekommt die Geschichte vom Mädchen im Turm nochmal eine ganz andere Wirkung, als Valeria zu ergründen versucht, wer sie eigentlich ist.

Aber nun zur Frage des Tages:

Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Ich glaube mittlerweile ist klar, dass ich mich glaube eher zu den Bösewichten zählen, oder sie zumindest interessanter als so manch eine/n HeldIn finde. Deswegen konnte ich mir diese Frage nicht nehmen lassen.
Letzte Jahr war ich der Meinung, das Drachenfeuer doch recht effektiv ist:

Die subtilen Weisen, wie die Böse Königin versucht Schneewittchen loszuwerden, sind zwar sehr verführerisch, aber jemanden mit Drachenfeuer zu brutzeln erscheint mir dann doch wesentlich epischer. 😉

Aber so ein bisschen Manipulation und flüstern der richtigen Wörter in die richtigen Ohren kann da auch ganz hilfreich sein … bin halt auch eine Slytherin … und ja, Katherina hat mich auf die Idee gebracht. 😀

Anne/PoiSonPaiNter

© Für die Cover gehört ihren rechtmäßigen Besitzern und dienen hier lediglich zur Veranschaulichung.

#CroMär: Kapitel 6

Regina und ihre Oma sind letzte Woche eingeschneit und ihre Oma hat ihr eine entscheidende Frage gestellt. Wies es weiter mit dem sechsten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 6 – Das Pantoffelrätsel

„Schon, aber die sind nicht halb so charmant“, sagte eine angenehm raue Stimme neben ihnen, in der ein leises Lachen schwang.
Regina wirbelte herum. Tatsächlich da stand er. Wolf. Lässig lächelnd und nicht eine einzige Schneeflocke in den schwarzen Haaren.
„Wie …?“, stammelte sie.
Er zwinkerte ihr kurz zu und ging dann mit langen Schritten direkt zu ihrer Großmutter.
„Oder gnädige Frau“, fragte er und griff galant nach ihrer Hand, „was meinen Sie?“
„Wolf?“, Reginas Oma sah ihn staunend an. „Bist du das?“
Er nickte. Sein Lächeln wurde noch breiter.
Regina schaute von ihrer Oma zu Wolf und wieder zurück. Sie verstand überhaupt nichts mehr. Was geschah hier? Wie kam Wolf in diese Hütte? Ihre Oma räusperte sich.
„Hat dir keiner beigebracht, dass man an die Tür klopft, bevor man reinkommt?“, schimpfte sie. „Und was ist das für eine Geschichte mit dem Ball? Was fällt dir ein, meiner Enkelin so den Kopf zu verdrehen?“
Reginas Wangen nahmen schlagartig die Farbe ihres Pullovers an.
„Vielleicht ist es ja umgekehrt?“, erwiderte Wolf. „Vielleicht hat sie mir den Kopf verdreht.“
„Wer‘s glaubt“, schnaubte die Oma. „Seh ich aus wie eine alte Schachtel, der man jeden Mist erzählen kann?“
Doch Wolf schaute jetzt zu Regina. Sein Blick fühlte sich so intensiv an wie eine Berührung. Sie schluckte.
„Sei doch nicht dumm, mein Mädchen“, riss Omas Stimme sie aus dem Sog. „Grad hast du mir noch gesagt, du seist zu alt für Märchen. Ich weiß nicht, was er vorhat, aber es ist sicher nichts Gutes.“
Noch immer spürte sie Wolfs Blick auf sich.
“Pah!” Das rostige Lachen ihrer Oma ging in einen ordentlichen Hustenanfall über. „Ich war auch mal jung, vergiss das nicht.“ Reginas Oma seufzte. “Ich leg mich mal einen Moment ins Bett, mir wird das grade alles zu viel”, raunte sie ihrer Enkelin zu und hatte tatsächlich den Fernseher ausgeschaltet.
Umständlich erhob sie sich vom Sofa und schlurfte Richtung Schlafzimmertür.
„Warten Sie, ich helfe Ihnen.“ Wolf war schon an ihrer Seite.
„Untersteh dich“, protestierte sie. „Seh ich aus, als ob ich keine drei Schritte mehr allein machen könnte?“
Doch sie wirkte tatsächlich etwas wackelig auf den Beinen. Regina registrierte erleichtert, dass sie sich trotz ihres Protests auf Wolfs dargebotenen Arm stützte. Gemeinsam verließen die beiden das Zimmer. Regina hörte sie aus dem Nebenraum reden. Freundlich fragte Wolfs Stimme, ob sie noch etwas brauche. Oma schien zum Glück die Lust aufs Schimpfen vergangen zu sein. Vielleicht war sie bereits eingeschlafen? Sie war so ungewöhnlich still.
Hastig strich sich Regina ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und zog die Kapuze ihres Pulli enger um sich. Das dürfte doch alles nicht wahr sein. Erst traf sie Wolf im Wald und nun war er hier… wieder schüttelte sie den Kopf, der Tag konnte gar nicht mehr verrückter werden. Die Tür knarrte leise. Wolf stand wieder im Raum.
Als Regina ihn sah, musste sie feststellen, dass sie falsch gelegen hatte. Sie konnte sich das Lachen einfach nicht verkneifen. Aus irgendeinem obskuren Grund, hatte er sich die hellgraue Strickjacke ihrer Oma umgehängt. Sein rechter Fuß steckte in einem glänzend grauen Pantoffel. Das Material kam Regina irgendwie bekannt vor. Vielleicht eine Art Fell? Irgendwo hatte sie diese glänzenden grauen Strähnen schon gesehen. Der linke Fuß blieb ohne Pantoffel.
Regina grinste ihn an.
„Aber Oma“, rief sie mit Kleinmädchenstimme, „du siehst so anders aus!“
Wolf erwiderte ihr Grinsen.
„War kalt“, meinte er schulterzuckend. „Dieser ganze Schnee auf einmal.“
„Ja der ist wirklich komisch“, stimmte Regina zu. Dann wusste sie nicht mehr, was sie sagen sollte. Die Situation war einfach zu absurd.
Wolf schlenderte zu dem Sessel, in dem Regina saß und ließ sich auf die Armlehne sinken. Lässig legte er seinen Arm auf die Rückenlehne. Wie zufällig berührte er ihre Haare. Hitze schoss Regina durch den Körper. Unter seinen Fingern wurde sie weich wie Butter. In ihr kribbelte es erwartungsvoll. Wie sehr sie sich danach sehnte, ihm nah zu sein!
Aber irgendwo in ihrem Hinterkopf klang noch die Warnung ihrer Oma. Sei nicht dumm, mein Mädchen. Sie musste herausfinden, was er hier wollte.
Regina räusperte sich und bemühte sich, seine Hand in ihrem Haar zu ignorieren. „Was machst du hier? Gibts noch ein paar Schuhe zum Kleid?“
„Ach, dieser Ball“, Wolf beugte sich vor und sah ihr direkt in die Augen. „Nachdem ich dich wiedergesehen habe, waren mir eine Woche einfach zu lang“
Er streckte die Hand aus. Sanft fuhr er ihr über die Wange. Regina fiel. Haltlos. Jede Frage, jeder Einwand blieb zurück. Da waren nur noch sie und er und ein Rausch stärker als die Wirklichkeit.
Sie seufzte, als er sanft ihren Hals und ihre Schultern streichelte. Seine Lippen fanden ihre. Regina schloss die Augen.
Viel öfter als sie zählen konnte, hatte sie davon geträumt, dass er sie küsste. Ein leidenschaftlicher Kuss, in dem sie so viele Nuancen von ihm erschmecken konnte und dieses kleine bisschen Mehr, das süchtig machte.
Soweit ihre Träume. Seine Lippen waren eiskalt. Sie rissen Regina aus ihrem Rausch. Statt nun endgültig in ihrem Miteinander zu versinken, fühlte sie sich plötzlich seltsam klar. Bilder schossen ihr durch den Kopf. Tante Susi und ihr Apfel – der kleine Mann im Wald – das dunkelblaue Ballkleid – der Schnee – das Brot – der graue Pantoffel an Wolfs rechtem Fuß. Alles Erinnerungen an die Ereignisse dieses Tages. Doch Regina kam es plötzlich so vor, als wäre jede einzelne wichtig. Als müsste sie alle zusammensetzen, um das Muster zu erkennen.
Wie im Krimi, dachte sie. Hatte Oma sie jetzt schon angesteckt mit ihrer Liebe zu billiger Dramatik? Das war doch Quatsch! Es gab weder ein Verbrechen, noch einen Mörder, also keinerlei Grund auf Indizienjagd zu gehen.
Wolfs Lippen auf ihren fühlten sich unangenehm an. Seine Hände auf ihren Schultern waren wie Eis. Sie öffnete die Augen und zog ruckartig ihren Kopf zurück.
In seinen dunklen Augen sah sie ein seltsames gieriges Funkeln. Sein Griff wurde fester. Täuschte sie sich oder breitete sich die Kälte langsam auch in ihrem Körper aus?
„Gefällt es dir nicht?“, fragte er lächelnd.
Regina blinzelte. Für einen Moment hatte sie nicht sein Gesicht gesehen. Da waren Falten gewesen, tiefe Falten, Tränensäcke unter den Augen, leicht gräuliche Haut. Im nächsten Moment sah er wieder ganz normal aus. Regina schauderte. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht.
Sie versuchte, sich vom Sessel hochzustemmen und schaffte es nicht. Nicht die kleinste Bewegung brachte sie zustande. Ihr Körper fühlte sich jetzt so kalt an, wie die Hand auf ihrer Schulter. Er war vollkommen steif. Regina keuchte entsetzt.
Wolf lachte. Kein jugendliches Lachen, ein altes, kurzatmiges Lachen. Wieder erschien vor ihren Augen das faltige Gesicht, das sie bereits gesehen hatte. Diesmal verwandelte es sich nicht in Wolfs attraktive Züge zurück. Stattdessen begann sich nun auch der restliche Körper zu verändern, wurde kleiner und krummer an der Hand auf ihrer Schulter spürte sie lange Nägel wachsen, die sich schmerzhaft in ihre Haut bohrten.
„Endlich“, schnarrte die Alte mit russischem Akzent.
Endlich was?, wollte Regina fragen. Doch inzwischen waren auch ihre Lippen steif.
„Verwandlung ist gut“, erklärte die Alte ungefragt, „aber so unbequem.“
Sie musterte Regina mit zahnlosen Lächeln.
„Nein, ich bin nicht Wolf. Er ist weit weg. Denkt schon lang nicht mehr an dich. Glaub der alten Jaga. Sie kennt das Leben.“
Regina funkelte sie wütend an. Wenigstens dazu war sie noch im Stande.
„Leben ist hart. Leben ist grausam“, philosophierte die alte Jaga weiter.
Oh, wie gern wäre Regina ihr an die Gurgel gesprungen!
„Aber heute lächelt es“, grinste die Alte. „ Wie lang ich darauf gewartet habe! Und nützlich seid ihr zwei Hübschen mir auch noch. Es ist so kalt mit all dem Schnee.“
In diesem Augenblick entschloss sich eines der Puzzleteile in ihrem Kopf sein Geheimnis preiszugeben. Ihr fiel ein, woher sie das graue Material des Pantoffels kannte. Es war kein Fell. Es waren Haare – Omas Haare. Ein Schrei formte sich in ihrem Inneren. Er schrillte zu ihren Lippen, doch diese, steif und verschlossen, ließen ihn nicht heraus. Wie ein Echo raste er in ihr hin und her, bis Regina glaubte, von seinem Klang zu zerspringen.
Die Alte presste ihr beide Hände auf die Schultern. Ihre Lippen bewegten sich in einem seltsamen Singsang. Regina schrumpfte. Es tat nicht weh, was wahrscheinlich an Jagas betäubendem Klammergriff lag, war aber ein sehr eigenartiges Gefühl. Sie spürte wie ihre Zellen kleiner wurden und sich zusammenschoben. Immer weiter verlor sie ihre Körperform. Erst gab es keine Nase und keine Ohren mehr. Dann schob sich das, was von ihrem Kopf noch übrig geblieben war mit dem Hals zusammen. So ging das weiter. Die ganze Zeit hatte sie dabei Jagas Grinsen mit penetranter Deutlichkeit vor Augen.
„Nimm‘s nicht so schwer Schätzchen“, kicherte die kratzige Stimme der Alten. „Jede Geschichte hat ein Happy End – fragt sich nur für wen.“
Regina war nur noch ein formloser Knäuel aus braunen Locken mit einem Schlupfloch, in das sich nun ein runzliger Fuß schob.

Hinter den Kulissen

Wie bereits erwähnt, stammte die ursprüngliche Idee zum gemeinsamen Schreiben von Sarah Wagner, die bereits bei der Nerdwoche mit einem Beitrag mitgemacht hatte. Leider leidete sie darunter, dass Christina nochmal ihr Kapitelende überarbeitete und es dann nicht mehr zusammenpasste, also haben wir Christinas Ende zu einer Mischung aus neu und alt gemacht, damit es wieder stimmig wurde.

An einer Stelle musste ich auch die Handlung etwas drehen, da, wie Anne anmerkte, es so irgendwie sehr unhöflich war. Ursprünglich bat Regina nämlich ihre kranke Oma das Zimmer zu verlassen, damit die beiden reden konnten. Ich denke, sorum passt es besser.

Und wer nicht weiß, wer Jaga ist, dem Empfehle ich Katherina’s Beitrag: Grimm’sche Hexe und Baba Jaga – zwei Mal Hexe? – Teil 1 und Teil 2.

Anne/PoiSonPaiNter

The Weekend Guess #118

Read in English

wegWas ist der Weekend Guess?

Ein von mir formuliertes Rätsel, das Wortwitze und Wortspiele über die Antwort selbst enthalten könnte, wird hier zum Lösen für meine Leser*innen eingestellt.

Worum geht es bei den Fragen?

Diese sieben speziellen Fragen drehen sich um Märchen, schließlich ist Märchensommer. 😉

Was ist deine Aufgabe dabei und was bringt das für dich?

Du kannst versuchen das Rätsel zu lösen und damit fünf Punkte für die gesammte Märchensommer Challenge sammeln!

Lasst uns einen Blick auf das sechste Märchenrätsel werfen:

Löchrige Fußbedeckung

Welches Märchen suche ich?

Wenn ihr die Antwort kennt, benutzt NICHT die Kommentare, sondern sendet eure Antwort über das Formular!

Morgen gibt es wieder ein weiteres #CroMär Kapitel!

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

wegWhat is the Weekend Guess?

A riddle formulated by me that could contain puns and wordplays on the answer itself are put on here for my readers to answer.

What are the questions about?

These seven special Question are all about Fairy Tales, it’s the Fairy Tale Summer after all. 😉

What is your part in this and what is in it for you?

You can try to solve the riddle and my German readers can earn points by solving this for the overall prices. You can try as well, but won’t be getting any points for it.

Let’s take a look at the sixth Fairy Tale Riddle

Holey footwear

Which Fairy Tale am I looking for?

If you know the answer do NOT answer in the comments and send your answer via the form above!

Anne/PoiSonPaiNter