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Schreiberlinge im Interview: Mika M. Krüger

Das Märchensommer Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Nicht nur die Märchenspinnerrinnen kommen im Märchensommer zu Wort. Auch ein paar anderen Autorinnen habe ich Fragen über ihre Adaptionen und Märchen gestellt.

Mika M. Krüger

Ein paar Daten zu dir:

Hallo, schön, dass ihr vorbeischaut. Ich bin Mika und mein Metier ist das Düstere. Seit ungefähr 2012 veröffentliche ich Bücher und Kurzgeschichten in den Genres Krimi, Dystopie und Horror. Bevor ich mich dem Schreiben widmete, studierte ich im beschaulichen Halle Japanologie und Deutsch als Fremdsprache. Während meiner Studienzeit reiste ich zum Sprachlernen mehrmals nach Japan und lebte dort insgesamt zwei Jahre. Diese Erfahrung hat meinen Schreibstil und meine Sicht auf die Welt maßgeblich beeinflusst. Inzwischen wohne ich in Berlin und teile mein Zuhause mit zwei Kaninchen, die mich ganz schön auf Trab halten.

Meine bisherigen Veröffentlichungen:

2014: Sieben Raben, 2016: Totenläufer, 2019: Dystopische Kurzgeschichten (Heft) und einige gruslige oder kriminalistische Kurzgeschichten in Anthologien.

Vorneweg ein paar Fragen zu deinem Märchen:

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Hm… da muss ich jetzt erstmal etwas überlegen. Rückblickend betrachtet war der schwierigste Teil wohl das Tschechisch, das im Buch auftaucht. Ich wollte damals unbedingt einen Bezug zum Märchenland Tschechien herstellen, spreche allerdings kein Wort Tschechisch und war nur mal als Touristin in Prag. Letztlich habe ich mir die Sätze durch Stöbern in tschechischen Foren, Wörterbuchrecherche und Vergleichen von Übersetzungen zusammengeklaubt und mich auf sehr simple Worte konzentriert. Fertigkeiten, die ich durch mein Studium gelernt habe, denn Sprachen funktionieren eigentlich wie puzzeln, man muss am Ende nur die richtigen Teile zusammenfügen.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Ehrlich gesagt gab es da nicht wirklich was. Märchen funktionieren intuitiv und fügen sich wie von selbst zusammen. Sieben Raben habe ich damals in einem halben Jahr verfasst, korrigiert und dann veröffentlicht. Heute könnte ich das niemals mehr in dem Tempo und frage mich auch, wie ich das geschafft habe. So schnell zu schreiben hat den großen Vorteil, dass sich der Handlungsstrang fließend aufbaut und beim Lesen keine Brüche zu spüren sind.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Soweit ich weiß gibt es von den Sieben Raben nur wenige Fassungen. Mir sind damals bei der Recherche nur zwei untergekommen, und ich kenne auch keine Verfilmung. Es ist dennoch mein persönliches Lieblingsmärchen, weil eine Schwester ihre Brüder rettet und es nicht anders herum ist. Also klar, ich mag die tschechische Erzählung am liebsten, in der das Mädchen den Mond und die Sonne trifft und sich am Ende den Finger abschneidet, um den Glasberg aufzuschließen.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen. Wen siehst du in den Hauptrollen?

Öhm, keine Ahnung. Jennifer Lawrence? Bitte ggfs. irgendeinen Namen einstreuen, der euch gefällt, ich habe keine realen Vorlagen für meine Figuren und suche auch nicht nach Abbildern. Ausnahmen bestätigen in dem Fall die Regel.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft deiner Märchen?

Ich habe den Plan, zumindest noch eine kurze Märchenadaption zu schreiben. Mir schwebt da eine Idee zu „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“ im Kopf herum, die ursprünglich als Roman geplant war. Daraus werde ich wohl eine Kurzgeschichte machen. Ansonsten habe ich noch nicht entschieden, was ich in Zukunft im Genre Märchen für Projekte angehen werde, daher kann ich keinen konkreten Wunsch formulieren. Sicher ist, dass sie mich niemals ganz loslassen werden und sich gerade in meinen Horrorgeschichten immer auch etwas Märchenhaftes verbirgt.

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Das ist einfach. Wie ich als Kind aus dem Bücherregal meiner Mutter ein Märchenbuch nach dem anderen herausgezogen und gelesen habe. Nicht nur Grimms Märchen, sondern auch welche aus dem Orient oder aus Asien. Es gab wunderschöne Illustrationen und es waren fest gebundene Bücher mit dem Geruch von altem Papier. Das fühlte sich irgendwie besonders an.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Dazwischen. Ich mag beides nicht sonderlich. Weder das übermäßig Gute noch das übermäßig Schlechte. Es kommt mir einfach unrealistisch vor, dass etwas nur ‚toll‘ oder nur ‚schlecht‘ ist. In der Realität erleben wir ja auch eher eine Schattierung in der Mitte. Allerdings habe ich in meinen Geschichten einen Hang zu Buchausgängen, die man generell eher als negativ bezeichnet würde.

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Also erstmal, gibt’s da wirklich was, was stören kann? Mir fällt da gerade nichts ein. Sicher gibt’s die eine oder andere Erzählung, die mich nicht umhaut, aber sonst… Ich bin offen für Neues, es muss mir ja nicht alles gefallen.

Was ich an Märchen mag: Dass ich in jeder Geschichte eine eigene Welt entdecken kann und mir nicht zu viel verraten wird. Dadurch ist viel Platz für Fantasie und das beflügelt mich zu eigenen Ideen.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Tiere. Ganz eindeutig Tiere. Sie gehören einfach dazu. Ob sprechend, singend, tanzend, völlig egal. Märchen mit Tierbezug sind mir die liebsten und deshalb sind meistens auch immer welche in meinen Geschichten zu finden. Katze, Kaninchen, Rabe, Eichhörnchen. Tiere bereichern uns nicht nur in der Realität, sondern auch in der Literatur.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Hm… Da gibt es mehrere Varianten. Ich würde wohl als erstes annehmen, dass ich halluziniere und eine weltliche Erklärung suchen. Wenn ich die nicht finde und das Tier weiter mit mir spricht, müsste ich mal herausfinden, ob der Mensch, der im Tier steckt, als Strafe verzaubert oder aber böswillig in einen Tierkörper gesteckt worden ist. Bei letzterem würde ich wohl versuchen zu helfen und mich auf eine Reise ins Ungewisse einlassen. Bei ersterem würde ich das Tier vielleicht füttern und darauf aufpassen, sonst aber nichts groß tun.

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

Ich bin relativ skeptisch, was solche Dinge betrifft und gehe erstmal davon aus, dass da vielleicht ein Trick hinter steckt. Also frage ich, was der Preis für das Erfüllen der Wünsche ist und tue nichts bevor ich nicht ganz sicher bin, dass es sich nicht um einen Trick handelt. Danach würde ich wochenlang darüber nachgrübeln, was ich mir wünschen könnte und wem ich vielleicht was Gutes tun könnte, bis die Fee ungeduldig wird und ihre nächste Klientin sucht.

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Ich schreibe über Blut, Mord und Monster, aber ich kann keinem den Tod wünschen. Nicht mal meinen größten Feinden. Keine Frage für mich also.

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Am ehesten mit dem gestiefelten Kater. Die Figur gefällt mir wahnsinnig gut. Obwohl ich zugeben muss, dass ich ungern mit Figuren aus Märchen tauschen wollen würde. Sie stecken ja in Geschichten, in denen sie etwas lernen sollen, und das oft auf unangenehme Art. Nicht selten müssen sie durch ziemlichen Mist durch, worauf ich ehrlich gesagt keine Lust habe. Ich lasse mir lieber im Nachgang alles erzählen und schreibe es auf wie die alten Minnesänger. 😉

Mehr zu Mika gibt es hier:

Homepage: Dunkelfeder
Facebook: Mika Krueger Autorin
Instagram: mika_krueger
Twitter: @mika_kruger

Vielen Dank, Mika!

Anne/PoiSonPaiNter

Märchenspinnerei im Interview: Elena Münscher

Heute im Interview im Rahmen des Märchensommers: Märchenspinnerin Elena Münscher.

Banner der Märchenspinnerei. Es zeigt links ein Spinnrad auf dessem Faden zur Spindel verschiedene Märchenfiguren sitzen, stehen oder laufen.

Elena Münscher – Autorin von „Ein Funke Magie“

Ein paar Daten zu ihr:

Ich bin, was die Herkunft meiner Familie angeht, halb Oldenburgerin, halb Hannoveranerin und lebe in Niedersachsen. Ich schreibe schon mehrere Jahre, allerdings bislang in einem ganz anderen Genre, weshalb ich die Märchen unter einem Pseudonym veröffentliche.

Das Thema Märchen fand ich schon immer interessant. So habe ich schon früh besonders die Märchen mit guten und bösen Wassernixen, Berggeistern und Kobolden geliebt. Besonders fasziniert hat mich das Märchen von der Gänsemagd mit dem sprechenden Pferdekopf. Leicht morbid, aber als Kind liebte ich Grusel. Ich war damals auch Fan der Fernsehserie „The Addams Family“ und wünschte mir mehr als einmal ein hilfreiches eiskaltes Händchen. Bei dieser Märchen-Faszination war der Weg zur eigenen Märchen und damit zur Märchenspinnerei leicht.

Warum genau musste es dieses Märchen sein?

Wie oben bereits erwähnt, mag ich Kobolde, und ein solcher ist Rumpelstilzchen im Original-Märchen ja wohl. Ich habe mir immer Gedanken gemacht, was Rumpelstilzchen mit dem Kind der Müllerstochter überhaupt anfangen will. Jetzt habe ich eine Antwort gefunden. Eine … unkonventionelle, fürchte ich. Aber jetzt gibt es wenigstens einen richtigen Grund dafür.

Vorneweg ein paar Fragen zu deinem Band „Ein Funke Magie“ und der Märchenspinnerei:

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Da ich ein historisches Setting an einem real existierenden Ort gewählt habe, musste ich darauf achten, dass dieser Ort sich tatsächlich für die Handlung eignete. Das erforderte einige Recherchen, mit der Schwierigkeit, dass über genau die Orte, die ich brauchte, recht wenig überliefert war. Das historische Setting an sich war da bedeutend einfacher.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Die schlichte Tatsache, dass ich dazu neige, mich kurz zu fassen, und meine Betaleserinnen mich dann dezent darauf hinweisen mussten, dass meine Leser ja das Buch lesen und nicht meine Gedanken dazu, ich ihnen also schon ein paar Sätze mehr bieten sollte.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Die Sylter Sage, in der Rumpelstilzchen ein Meermann mit Namen Ecke Nekkepenn ist.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Rumpelstilzchen als Animation, für Adelheid fände ich Emma Watson  ideal.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft der Märchenspinnerei?

Das wir es schaffen, die Märchenspinnerei fest als Marke zu etablieren, die Qualität und vielfältige, gute Unterhaltung liefert. Und wer weiß, vielleicht werden wir entdeckt, und es wird sogar mal eine unserer Adaptionen verfilmt?

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Ganz traditionell meine Mutter, die mir Märchen als Gutenacht-Geschichten vorlas.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Bei Märchen tatsächlich das Happy End, ansonsten lese ich auch Geschichten mit (überzeugendem) Bad End gerne.

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Was mich stört? Dass sie meist nur sehr kurz sind.

Was mich begeistert? Dass in den Märchen die Frauen nicht zu kurz kommen, auch wenn sie natürlich, der Entstehungszeit der Märchen geschuldet, meist ein sehr traditionelles Rollenbild zeigen.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Das Unbestimmte in Zeit und Raum Märchen könnten überall und zu jedem beliebigen Zeitpunkt spielen.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Ich würde es an einen guten Psychologen verweisen, der ihm klarmacht, dass ein ganz normales, sprechendes Tier besser dran ist als ein verzauberter Mensch.

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

In der heutigen Zeit?
Gesundheit.
Ansonsten ein erfolgreiches Buch und ganz viele nette Menschen, mit denen ich meine Freude teilen kann.

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Den klassischen Zauber. Dein Chef redet nur Quark? Dann wäre er die Idealbesetzung für einen Frosch.

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Frau Holle. Sie ist trotz ihrer offenkundig großen Macht bodenständig und gerecht.

Mehr zu Elena gibt es hier:

Autorenblog: Elena Münscher

Vielen Dank, Elena!

Das Märchensommer Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Anne/PoiSonPaiNter

Märchenspinnerei im Interview: Tina Skupin, Janna Ruth & Mira Lindorm

Das heutige Märchensommer Interview mit den  Märchenspinnerinnen gibt es in einem Dreigespann. 
Banner der Märchenspinnerei. Es zeigt links ein Spinnrad auf dessem Faden zur Spindel verschiedene Märchenfiguren sitzen, stehen oder laufen.

Grad erst vorgestellt, geht es mit diesen dreien weiter:

Tina Skupin: Wild Hunt Casino

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Die Show. Mein Buch spielt ja in Las Vegas, und Brüderchen und Schwesterchen sind Artisten. Die Show, Fire and Stag, die sie auf die Beine stellen, ist der emotionale Kern des Buches.

Eine Show ist etwas Visuelles, ist ja schon im Namen SHOW! Es lebt von den Elementen auf der Bühne, und gleichzeitig von dem Live-Gefühl. Ein Video eines Konzerts ist nicht das gleiche Gefühl wie das Konzert selbst! Ich musste dieses Gefühl vermitteln, und gleichzeitig die Show, und ich glaub, das war eine der Schwierigsten Sachen überhaupt, die ich je in einem Buch gemacht hab.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Mein Hauptcharakter, Ti. Die basiert ja auf der bösen Stiefmutter im Originalmärchen. Ich wollte einen moralisch grauen Charakter, eine Person, mit der man mitfiebert, die sich aber nicht immer ok verhält, und manchmal sogar absolut scheußlich. Den ersten Rückmeldungen nach zu urteilen, ist mir das gelungen, aber das hat einige Durchgänge gebraucht, und die tatkräftige Hilfe meiner Schreibschwester Janna Ruth, die das Märchen aus der Richtung von Schwesterchen interpretiert hat. Wir haben uns gegenseitig lektoriert, und sie hat immer den Finger auf Wunde gelegt, wenn Ti gar zu böse wurde.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Ich bin da Traditionalist: das Original-Grimmärchen.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Ganz eindeutig Cate Blanchett als Ti – Ti ist Cate Blanchetts beste Rollen der letzten Jahre: Galadriel, Oceans 8 und Hela. Zendaya als Anita, ein sehr junger Antonio Banderas als Ernesto. Viggo Mortensen als Arawn und als Oberon… hmm, schwierig. Vielleicht Leonardo di Caprio? Ich glaube der hätte Spaß daran, mal so richtig richtig böse zu sein!

Mehr zu Tina gibt es hier:

Interview zu Hollerbrunn: Tina Skupin
Meine Rezension zu Die Supermamas

Homepage: Tina Skupin
Facebook: Tina Skupin Autor
Twitter: @TinaSkupin

Janna Ruth – Der Herr der wilden Jagd

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Mit Sicherheit war das Schwerste Dylans Autismus auf eine Art darzustellen, die realistisch aber unaufdringlich ist. Dazu habe ich mir sogar zum ersten Mal einen Sensitivity Reader dazugeholt.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Eigentlich nichts. Kompliziert war es eine gute Adaption des Mords an Schwesterchen, ihrer Geistwerdung und letztendlichen Wiederbelebung zu finden, die immer noch in dieses eher realistisch gehaltene Märchen passt.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Ich kenne ehrlich gesagt keine andere Fassung außer dem Original. Mittlerweile weiß ich zwar, dass es schon ein paar Mal umgesetzt wurde, wenn auch längst nicht so oft wie bekanntere Märchen, aber gelesen oder gesehen habe ich noch keine.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Oje, da muss ich schon wieder passen. Ich sehe meine Charaktere recht selten mit Schauspielern besetzt. Eigentlich fast nie. Aber die Briten haben so wunderbare Jungschauspieler, vielleicht findet sich unter ihnen jemand, der noch nicht durch lauter andere Rollen bekannt ist und Arawn, Carys und Dylan seine ganz eigene Farbe geben kann.

Mehr zu Janna gibt es hier:

Interview zu Im Bann der Zertanzten Schuhe: Janna Ruth

HomepageJanna Ruth
FacebookAuthor Janna Ruth
Twitter@Janna_Mobs

Mira Lindorm – Ein Kind der Magie

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Am meisten Schwierigkeiten machte mir die Liebesgeschichte, die auch in der Handlung steckt. Ich hätte sie am liebsten weggelassen, aber dann wäre ein Happy End, wie es das Märchen haben sollte, nicht möglich gewesen.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Ganz prosaisch die Zeit. Als ich das Märchen schrieb, war es ja noch für eine Veröffentlichung im Zeilengold-Verlag bestimmt, und ich hatte eine enge Deadline. Wenn ich damals schon gewusst hätte, dass ich es letzten Endes erst ein Jahr später und ganz woanders veröffentlichen würde, wäre die Arbeit um einiges leichter gewesen.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Der Film „Rumpelstilzchen“ von 2006 mit Katharina Thalbach als Rumpelstilzchen.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Niemand bestimmtes, fürchte ich. Rumpelstilzchen sollte hager und klein sein, etwas struppig und mit ungehobelten Manieren, und die Müllerstochter ein schlichtes, ländlich naives Mädchen – denn der König im Märchen heiratet sie ganz bestimmt nicht wegen ihres Aussehens, sondern nur, weil sie das Gold beschafft hat.

Mehr zu Mira gibt es hier:

Interview zu Herzenswünsche kommen teuer: Mira Lindorm

Autorenblog: Mira Lindorm
Facebook: 1002 Märchennacht

Vielen Dank, Tina, Janna & Mira!

Das Märchensommer Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Anne/PoiSonPaiNter

Märchenspinnerei im Interview: Rabea Blue

Heute im Interview im Rahmen des Märchensommers: Märchenspinnerin Rabea Blue.

Banner der Märchenspinnerei. Es zeigt links ein Spinnrad auf dessem Faden zur Spindel verschiedene Märchenfiguren sitzen, stehen oder laufen.

Rabea Blue – Autorin von „Saving Rapunzel“

Ein paar Daten zu ihr:

Hi, ich bin Rabea, Jahrgang 1985 und lebe in Südhessen, am Rande des Odenwalds. Schon als Kind habe ich Geschichten über z.B. Außerirdische geschrieben und habe dieses Hobby nach meinem BWL-Studium glücklicherweise wieder aufgenommen, denn es ist ein für mich ein wunderbarer Ausgleich zu Familie und Brotjob.

Ich schreibe hauptsächlich Fantasy und habe bereits zwei Teile einer Reihe, eine Science-Fiction Novelle als auch mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht.

Vorneweg ein paar Fragen zu deinem Band „Saving Rapunzel“ und der Märchenspinnerei:

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Ehrlich gesagt das offensichtlichste: Rapunzels lange Haare.

Es war schwierig sich zu überlegen, wie lang die Haare sein durften, ohne dass Jane von den Mitgliedern der Sekte, in der sie aufwuchs, als zu ungewöhnlich auffiel.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Die Testleser in Form einiger anderer Märchenspinnerinnen waren nicht überzeugt von dem ursprünglichen Plot und ich war kurz davor alles einzustampfen. Irgendwann reifte die Idee, den Aufbau etwas individueller zu gestalten und so hat es sich schließlich durchgesetzt.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Disneys Rapunzel – Neu verföhnt 🙂

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Puh, vielleicht Jake Gyllenhaal als Diego und Emilia Clarke als Jane.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft der Märchenspinnerei?

Dass wir weiter wachsen und nicht müde werden, mehr und mehr Märchen zu adaptieren 😉

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Dass mein Papa früher meiner Schwester und mir an den Wochenenden Märchen aus riesigen Bilderbüchern vorgelesen hat.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Happy 🙂

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Es steckt meistens eine Warnung oder ein Appell dahinter.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Die Originalfassungen sind oft echt grausam.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Es fragen, wie man helfen kann, es wieder zurückzuverwandeln.

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

Ewige Gesundheit für mich und meine Lieben, Hermines Zeitumkehrer und einen Blick in ein alternatives Leben.

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Vermutlich die Art, wie die Geißlein den Wolf losgeworden sind: in den Brunnen schmeißen. Aber auch nur, weil wir einen uralten Brunnen in unserem Hof stehen haben.

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Mit Disneys Arielle 😉

Mehr zu Rabea gibt es hier:

Facebook: Rabea Blue Autorin
Twitter: @RabeaBlue
Instagram: BlueRabea

Vielen Dank, Rabea!

Das Märchensommer Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Anne/PoiSonPaiNter

Märchenspinnerei im Interview: Laura Kier und Sabrina Schuh

Auch in diesem Märchensommer gibt es wieder Interviews mit den  Märchenspinnerinnen. Da ich einigen bereits ein paar Fragen über ihre erste Adaptionen und Märchen gestellt habe, gab es für sie nur den kleinen Bogen zum erneuten ausfüllen.
Banner der Märchenspinnerei. Es zeigt links ein Spinnrad auf dessem Faden zur Spindel verschiedene Märchenfiguren sitzen, stehen oder laufen.

Montag vorgestellt, machen diese beiden den Anfang:

Laura Kier: Myalig – gestohlene Leben

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Nah genug am Märchen zu bleiben, damit es erkennbar ist.

Ich bin Bauchschreiber, d.h. ich entdecke erst beim Schreiben die meisten meiner Welten und Charaktere. Ich habe zwar oft vorab grobe Ideen – bspw. „Ich schreibe eine Märchenadaption im Steampunk-Setting“ – aber dann auch den Plot so zu ziehen, dass es stimmig für meine Charaktere und die Adaption ist war schwierig. Nach mehreren Überarbeitungsrunden und Hilfe von anderen Autoren und Lektoren ist es dann aber geglückt und Myalig wurde für die Shortlist beim SERAPH nominiert.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Die Zeit.

Zunächst sollte Myalig im November 2018 erscheinen, aber es war vorne und hinten noch nicht rund. Mir fehlte ein wichtiger Schlüssel (die Bluttests), auf die ich erst im Juli 2019 durch eine liebe Freundin kam. Als ich den Schlüssel endlich eingebaut hatte, wurde die Zeit bis zur Veröffentlichung im September aber wieder sehr knapp. Ich habe es aber geschafft und viel über meine Zeitplanung gelernt.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Tatsächlich die neuste Realverfilmung von Disney. Auch wenn ich mir immer noch wünsche, dass das Biest dieses flauschige, liebenswerte, süße Biest bleibt.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Äh … Ich hab es ehrlich gesagt nicht so mit Schauspielernamen. Bin schon froh, wenn ich mir ein paar merken kann. Von daher weiß ich auch nicht, mit wem ich Amanda, Levente und Bartholomew besetzen würde.

Wobei Hugh Jackman im Wolverine-Style definitiv ein tolles Biest und vor allem einen in meinen Augen besser aussehenden Prinzen als in den Disney-Versionen abgeben würde.

Darf ich Groot als Bartholomew casten? Oder Data von der Enterprise?

Für Amanda habe ich im Moment wirklich keine Idee. Vielleicht würde ich da bei Emma Watson aus der Disney-Realverfilmung bleiben? Hmm …

5. Was wünscht du dir für die Zukunft der Märchenspinnerei?

Weitere tolle Märchenadaptionen, die von vielen Lesern begeistert gelesen und gekauft werden. Ohne euch schreiben wir schließlich nur für die Schublade oder unsere Geschichten verstauben zwischen den Buchdeckeln. Deshalb wünsche ich mir vor allem weiterhin viele treue Leser, die uns begleiten und motivieren weiterzumachen.

Mehr zu Laura gibt es hier:

Interview zu Märchen statt Pralinen: Laura Kier

Homepage: Weltenpfad
Facebook: Laura Kier
Twitter: @weltenpfad
Instagram: Weltenpfad

Sabrina Schuh – Unter gläsernen Fassaden

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Die Elemente an sich ließen sich alle schön umsetzen, die größte Herausforderung war sicherlich zwei so verschiedene Grundmärchen (Aschenputtel und Dickens Weihnachtsgeschichte) in eine Geschichte zu packen und miteinander zu verweben.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Die Tatsache, dass sich mir mit beiden Hauptfiguren zwei Mathe- und Physiknerds mit einer Leidenschaft für Kryptographie vorgestellt haben. Alles Themen, die ich persönlich nicht wirklich durchschaue. Trotzdem musste ich das natürlich fürs Buch tun und genau das war die größte Herausforderung.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Es gibt natürlich keine Verfilmung, die beide Märchen mischt. Bei Dickens Weihnachtsgeschichte habe ich keinen speziellen Favoriten, ich mag sie alle und schaue auch zu Weihnachten immer alles an, was mir in die Finger kommt.
Bei „Aschenputtel“ hatte ich gaaaanz früher bei meiner Oma ein tolles Kinderbuch aus der Kindheit meiner Mutter und ich habe das absolut geliebt. Leider ist es nicht mehr auffindbar, sonst hätte ich es euch gezeigt.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Ich bin echt langweilig, was diese Frage angeht, aber ich würde tatsächlich gern einen neuen Cast haben. Unverbrauchte Gesichter, die nicht immer mit irgendwas assoziiert und vergleichen werden, gefallen mir einfach besser als bekannte Schauspieler.

Mehr zu Sabrina gibt es hier:

Interview zu Unter schwarzen Federn: Sabrina Schuh
Interview zu Unter pinken Sternen
Interview zu Das Herz der Sidhe

Facebook: Sabrina Schuh  – Autorin

Vielen Dank, Laura & Sabrina!

Das Märchensommer Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Anne/PoiSonPaiNter

Schreiberlinge im Interview: Torsten Low

Vor mehr als einem Jahr setzte ich Meara Finnegan einen Floh ins Ohr, oder zumindest ließ ich ihren bereits vorhandenen wachsen. Gemeinsam wollten wir den letzten Dezember nutzen, um Leuten Kurzgeschichten näher zu bringen. Leider scheiterte das an Mearas Zeitplan. Ein weiterer Versuch sollte im neuen Jahr gestartet werden, doch nun scheiterte es an meinen Plänen. Sie ließ es sich jedoch nicht nehmen und erschuf das #KGFestival, das ihr in diesem September auf ihrem und anderen teilnehmenden Blogs verfolgen konntet.

Nun habe ich die Ehre, das Festival zu abzuschließen und zwar mit einem Interview einer wahren Größe wenn es um Anthologien geht: Torsten Low, dem Kopf hinter dem Verlag Torsten Low.

2009 traf ich Torsten in Zislow auf seiner Lesereise für seine erste Anthologie Lichtbringer, bei dieser Gelegenheit entstand ein Interview, das ihr auf Literatopia finden könnt.

Seitdem ist einiges an Zeit ins Land gezogen, aber lest selbst, was sich im Hause Low alles getan hat …

1. Vor zehn Jahren sind wir uns auf deiner allerersten Lesereise persönlich begegnet. Hätte ich dir damals vorhergesagt, dass deine Anthologien regelmäßig Preise gewinnen und ein großer Bestandteil deines Verlagssortiments sind, hättest du mir geglaubt?

Hmm, ich weiß nicht. Davon geträumt hatte ich natürlich schon.

Weißt du, mein erster BuchmesseCon in Dreieich 2008 war in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Auch bei der Erschaffung von Träumen. Als dann an dem Abend Oliver Plaschka seinen Preis für »Fairwater« in Empfang genommen hat, sagte ich zu meiner Frau: Nächstes Jahr ist unser »Lichtbringer« für diesen Preis nominiert. Und in zwei oder drei Jahre später gewinnen wir ihn dann!
Ich habe in den letzten Jahren sehr häufig feststellen dürfen, wie viel Kraft Träume und Wünsche haben. Und wie viele Wünsche auch wirklich in Erfüllung gehen, wenn man einfach nur für diese kämpft.

2. Seit deiner ersten Lesereise bist du auf vielen Messen und Lesungen unterwegs. Was ist für dich das Schönste und Anstrengendste an diesem Teil der Verlagsarbeit? Wie gut lässt es sich mit deiner Familie vereinbaren, dass du immer so viel auf Achse bist?

Das Anstrengendste sind die 1-4 Stunden Auto packen vor der Fahrt. Danach geht für uns alle eigentlich der Fun los. Und das Schönste ist das Treffen mit unseren AutorInnen, die gemeinsamen Essen, das gemeinsame Feiern, die gemeinsamen Lesungen, tolle Gespräche mit großartigen Menschen.

Natürlich geht so was nicht, wenn die Familie nicht mitzieht. Tina lebt genau wie ich auf Veranstaltungen und Cons. Und für Emily wurde der Begriff »Con-Kind« erfunden.
Weißt du, als Emily damals geboren wurde, sagten uns manche … hmm … Freunde oder so: »Jetzt werdet ihr endlich sesshaft!« oder »Endlich hört euer Vagabundenleben auf!« oder auch »Ihr habt jetzt Verantwortung, da müsst ihr mit euren Spielereien aufhören!«
Und Tina und ich – wir setzten uns zusammen und stellten uns die Frage: Müssen wir uns jetzt wirklich zu Hause einmauern, nur weil wir ein Kind haben? Müssen wir wirklich einfach alle unsere Träume auf den Müll werfen, nur weil wir ein Kind haben?
Ich meine, wir hatten keine tödliche Krankheit, wir hatten keine schwerwiegende Behinderung – wir hatte »nur« ein Kind.
Wir wussten, dass es nicht funktionieren würde, wenn nur einer von uns auf Veranstaltung sein würde. Der Daheimgebliebene würde es hassen und daran wäre vielleicht sogar unsere Familie zerbrochen.

Also trafen wir die Entscheidung, die bis heute gilt: Der Verlag – das sind wir drei. Und wir gehen, wann immer es passt, zu dritt auf Veranstaltungen.

Emily tourt mit uns, seit sie 2 Monate alt ist. Sie hat in ihren jungen Jahren Erfahrungen gesammelt, die viele Kinder (und selbst Erwachsene) nie sammeln können. Sie kennt Menschen in ganz Deutschland und halb Europa, ist in den Bürgerhäusern und Messehallen zu Hause und hat bei ihren Con-Besuchen ganz nebenbei eine Offenheit anderen Menschen gegenüber entwickelt, wie sie bei Kindern ihres Alters echt selten ist. Und sie liebt diese Touren, weil sie auf den Veranstaltungen auch nie zu kurz kommt. So kennt sie fast jeden Spielplatz in der Nähe jedes Congeländes, auf dem wir mal waren – und sie hat mit 8 Jahren mit Rollenspielen angefangen und mastert auch für Kinder und Erwachsene mit ihrem selbstausgedachten Spielsystem. Und vor ein paar Wochen hat sie die Kinder im Wohngebiet zu ihrer ersten Lesung aus einem Märchenbuch bei uns zu Hause eingeladen … Naja – was man halt vorgelebt bekommt.

Alles in allem – wir sind eine Con-Familie und als solche auf Veranstaltungen glücklich. Oder wie es Tom Daut mal formulierte: Wir sind die Kelly-Family der Phantastik. Und ja, darauf sind wir stolz!

3. Du gehst mit deiner Arbeit als Verleger offen um, hast u.a. für Verlorene Werke darüber geschrieben. Was war für dich das absolute Highlight deiner bisherigen Karriere und auf welche Erfahrung hättest du lieber verzichtet?

Mein persönliches Highlight ist nach wie vor die Preisverleihung für den BuCon Ehrenpreis 2017 für unsere Verdienste als Verlag um die deutschsprachige Phantastik. An dem Abend standen mir echt die Tränen der Rührung in den Augen. Und es war einer der seltenen Momente, in denen man mich mal sprachlos erleben konnte.

Tatsächlich gibt es jedoch keine Erfahrung, auf die ich verzichten möchte. Ich habe gelernt, dass auch die schlechten Erfahrungen zu was gut sind – man kann aus ihnen weitaus mehr lernen, als aus den positiven Erfahrungen. Und am Ende ist der Torsten von heute nur deshalb so, wie er ist, weil er all diese Erfahrungen – gute und weniger gute – machen durfte.

4. Gefühlt hat sich in den letzten Jahren der Buchmarkt verstärkt Anthologien zugewandt. Wie ist dein Eindruck? Würdest du jetzt den gleichen Schritt wie zur Verlagsgründung noch einmal wagen oder haben sich die Möglichkeiten zu sehr verändert um das gleiche Niveau zu erreichen, dass dein Verlag heute besitzt?

Ich bin noch nicht mal davon überzeugt, dass dem wirklich so ist. Vielmehr glaube ich, dass die heutigen Verlage sichtbarer sind, als noch vor 10, 20 Jahren. Wenn ich sehe, wie lange ich bei Libri und KNV kämpfen musste, um ins Sortiment aufgenommen zu werden und damit in Buchhandlungen als »lieferbar« gelistet zu sein und bei Amazon direkt bestellbar zu sein. Zumindest in der Beziehung haben es viele neue Verlage heute einfacher.

Wenn du meinem damaligen Ich gesagt hättest, was alles dafür nötig ist, um an dem Punkt anzukommen, wo wir heute stehen – ich glaube, mein damaliges Ich hätte abgewunken und die Sache sein lassen. Weil ich damals nicht mal ansatzweise hätte erahnen können, was uns für unsere Arbeit und unsere Zeit zurückerhalten haben (und noch immer zurückerhalten).
Man kann es niemanden erklären, der nie bei einem unserer Autorenessen dabei gewesen ist – unsere AutorInnen bringen uns eine unwahrscheinliche Liebe und ein unwahrscheinliches Vertrauen entgegen und wir erwidern dieses. Das ist unsere Familie, die wir uns selbst gewählt haben. Und von der wir damals – bei der Lesereise 2009 – noch nicht einmal ansatzweise wussten, dass wir diese Familie haben.

Deswegen würde ich heute mit dem heutigen Wissen um unsere Entwicklung den Weg jederzeit wieder beschreiten. Unabhängig von der Arbeit, unabhängig von der investierten Zeit. Einfach, weil diese – unsere – Familie all das wert ist. All das und noch viel mehr …

5. Immer mehr Selfpublisher versuchen sich an Anthologien. Was hältst du von dieser Entwicklung und siehst du sie als Konkurrenz?

Du hast vorhin das »Verlagsgeplauder« erwähnt – ich habe meine Erfahrungen und mein Wissen ja noch nie eifersüchtig gehütet wie einen Schatz. Deswegen sehe ich andere VerlegInner und andere AutorInnen auch nicht als direkte Konkurrenz an, sondern vielmehr als Kollegen, von denen jeder einzelne in seinem Gebiet auf seine ganz spezielle Weise gut ist.
Gerade deswegen finde ich Selfpublishing (jetzt nicht nur auf Anthologien bezogen) als eine großartige Möglichkeit. Aber ich sehe auch Schwierigkeiten: Nicht jeder ist für Selfpublishing gemacht und nicht jeder ist in der Lage, alle Bereiche der Verlagsarbeit selber zu stemmen. Bei manchen geht das sogar bis zur hoffnungslosen Verschuldung für den großen Traum. Das ist dann wirklich ungesund.

6. Von Einhörnern bis Chtulhu-Hommage hast du schon einige Themen abgedeckt. Welches hat dir am meisten Spaß gemacht und welches willst du unbedingt in einem zukünftigen Projekt umsetzen?

Nimm es mir nicht übel, aber diese Frage möchte ich nicht beantworten. Das ist so, als würdest du eine Mutter fragen, welches von ihren Kindern sie am liebsten hätte.
Einigen wir uns darauf: Jedes einzelne unserer Buchprojekte ist ein Herzensprojekt, wo verdammt viel Herzblut der AutorInnen, HerausgebInner und von mir drin steckt.

Und zur Zukunft kann ich leider noch nicht so viel sagen. Es ist gerade sehr, sehr viel am Entstehen, aber vieles ist doch noch … geheim 😉
Vielleicht so viel: Behaltet mal unsere neue Facebook-Fanpage mit dem ominösen Namen »TraustDuDich« im Auge …
Da ist zwar noch nicht viel zu entdecken – aber in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten wird da so richtig der Elf abgehen.

7. Bei den »Fantastischen Sportlern« hattest du ein Wendecover, für »Geisterhafte Grotesken« gibt es Hörspielversionen, »Auf den Spuren von H.P. Lovecraft« sind Comics. Auf welche anderen Gimmicks kann man sich freuen und welche wird es weiterhin geben?

Du hast noch die Musik-Downloads in den »Metamorphosen« und den »Verbotenen Büchern« vergessen. Und bei den im Oktober erscheinenden »Geistern der Vergangenheit« machen wir mit QR-Codes herum. Lasst euch überraschen.

8. Auf der Leipziger Buchmesse 2019 hast du gemeinsam mit dem Wölfchen Verlag die Sticker-Aktion „Phantastikleser für Integration, Inklusion und Menschlichkeit“ erschaffen. Wie wichtig sind dir Beiträge zu Diversität in deinen Ausschreibungen und wie haben sich die Einreichungen dahingehend in den letzten Jahren verändert?

Der Sticker ist ja eigentlich eine Weiterentwicklung. Vorher hatten wir den Sticker, den André Wiesler entwickelt hatte: Wir bekämpfen das Böse in allen Formen – und dann ein Vampir, Cthulhu und Hitler.
Das Problem mit dem Sticker (so cool er von der Idee und Umsetzung her ist) war, dass er gegen etwas war – und es ist immer verdammt einfach, gegen etwas zu sein – aber nicht zu sagen, wofür man eigentlich ist.
Deswegen der 2. Sticker. Wölfchen und ich – wir wollten einfach bekennen, wofür wir stehen.

Für die Ausschreibungen und die Einreichungen selbst hat das keine sonderlich großen Auswirkungen. Ich denke aber, dass gerade bei den phantastischen Autoren dieses Thema grundsätzlich sehr viel stärker gewichtet ist, eben weil auch beispielsweise für manchen LeserIn der Reiz der Fantasy darin besteht, Vielfalt präsentiert zu bekommen.

9. Deine Reihe Dunkel über Daingistan war damals der Grund für die Verlagsgründung. Schaffst du es heute noch neben der Verlagsarbeit auch selbst zu schreiben?

Früher schrieb ich Romane, heute schreibe ich Verlagsverträge und Rechnungen. Und Interviews.

Naja, das ist nicht die ganze Wahrheit. Ab und an komme ich dazu, eine Kurzgeschichte zu verfassen, die dann bei einem anderen Verlag erscheint. Aber ja, ich gebe zu, meine Schreibzeit ist verdammt knapp geworden. Aber das ist nicht schlimm.

Auch wenn ich es früher nicht geglaubt hätte – quasi als »Geburtshelfer« für Herzensprojekte zu sein ist für mich genauso befriedigend – vielleicht sogar noch mehr –, wie selbst zu schreiben.

10. Spielen wir mal Orakel: Wo siehst du dich und deinen Verlag in zehn Jahren? Was hast du in der Zwischenzeit erreicht? Wird deine Tochter in deine Fußstapfen getreten sein?

Tatsächlich hat mir Emily bereits jetzt (mit 9 Jahren) ihre Hilfe im Verlag fest zugesichert – ihr werdet die Kelly-Family der Phantastik also nicht los 😉

Unser neues Label (Codename »TraustDuDich«, siehe Antwort 6), welches dann bereits seit 10 Jahren existiert, wird es geschafft haben, einen weiteren Bereich des Phantastikmarktes fest in lowsche Hände zu bringen.

Ich werde es vielleicht in 10 Jahren geschafft haben, so weit vom Verlag leben zu können, dass ich meinen Brotjob reduzieren könnte.
Ursprünglich wollt ich ja bis 2018, 2019 komplett aus dem Brotjob aussteigen. Das wäre aber nur gangbar gewesen, wenn ich auf einige Dinge verzichtet hätte, die mir wichtig sind, beispielsweise nur unter dem kompletten Verzicht auf Anthologien, den Verzicht auf deutschsprachige Autoren und den Verzicht darauf, in Deutschland zu drucken.
Diese drei Punkte sind aber meiner Meinung nach ein elementarer Bestandteil unseres Verlages. Der Verlag Torsten Low ohne Anthologien und ohne deutschsprachige Autoren wäre alles, nur nicht mehr der Verlag Torsten Low. Und dass wir eben dort drucken und Arbeitsplätze sichern, wo wir auch unsere Umsätze generieren, nämlich hier in Deutschland – das gehört für mich einfach zur unternehmerischen Verantwortung (auch wenn mancher das gerne mal ins Lustige zieht, weil wir ja vielleicht gerade mal einen drittel Arbeitsplatz in unserer Druckerei sichern). Gerade die großen Unternehmen haben viel zu oft den Art. 14, Absatz 2 des Grundgesetzes vergessen, der da sagt: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Deswegen ist es mir nicht wichtig, dass ich mit dem Verlag reich wäre. Und ich möchte auch nicht um jeden Preis vom Verlag leben können. Aber vielleicht 1-2 Tage pro Woche weniger im Brotjob, die ich dann mehr für den Verlag nutzen könnte – das würde ich schon annehmen, wenn es mit meinen Grundsätzen konform geht.

Ansonsten gibt es uns in 10 Jahren seit bereits 24 Jahren, so dass wir 2029 wahrscheinlich mit der Vorbereitung einer großen Feier beschäftigt sein werden – mit einer 25-Jahre-Feier, bei der alle AutorInnen, HerausgeberInnen, LektorInnen und GrafikerInnen des Verlages eingeladen sein werden. Und von diesem Fest 2030 werden alle, die dabei gewesen sind, sagen: Das war das beste und schönste Autorenessen, das man jemals erlebt hat …

Mehr zum Verlag Torsten Low

Homepage: Verlag Torsten Low
Facebook: Verlag Torsten Low

Vielen Dank, Torsten!

Anne

Märchenspinnerei im Interview: Sabrina Schuh & Christina Löw

Ein letztes Märchenspinnerinnen Doppelinterview gibt es heute im Märchensommer.

Die eine Adaption ist schon etwas älter, die andere gerade frisch geschlüpft …

Sabrina Schuh – Unter pinken Sternen

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

„Sterntaler“ verschenkt ja ihren ganzen Besitz. Meine Protagonistin kann das nicht so extrem tun, aber allgemein dieses Verschenken einzubauen, war ziemlich herausfordernd, denn es sollte ja glaubwürdig in die Geschichte integriert werden und zu moderner Obdachlosigkeit passen.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Hmm… die Recherche. Sie hat mich nicht direkt zur Verzweiflung gebracht, aber sie hat mich extrem mitgenommen, denn die ganzen Gespräche und Schicksale gehen einem schon an die Nieren.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Ich liebe das Original am meisten, das ist einfach mein Lieblingsmärchen seit dem Kindergarten. Außerdem gibt es von den Öffentlich-Rechtlichen eine Verfilmung von 2011, die ich ganz gut finde.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Ich habe auf der Straße beim Recherchieren einen jungen Mann kennengelernt, der die Rolle von Fabian perfekt besetzen könnte. Für die Nebenrolle des Sicherheitsmanns habe ich einen ehemaligen Arbeitskollegen vor Augen und für Silke eine bestimmte Bloggerin. Ich stehe auf unverbrauchte Gesichter, daher wird euch das vermutlich wenig weiterhelfen.

Mehr zu Susanne gibt es hier:

Interview zu Unter schwarzen Federn: Sabrina Schuh

Facebook: Sabrina Schuh  – Autorin

Christina Löw – Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Die Idee, mich an einer Adaption des gestiefelten Katers zu versuchen, kam mir zum ersten Mal im Herbst 2017, als ich eigentlich an meiner Zwerg-Nase-Adaption arbeiten sollte … doch irgendwie wurde der Plot nicht rund. Einige Zeit später entwarf ich mehrere Kurzgeschichten rund um den gestiefelten Kater, doch auch dabei kam ich nicht zum Abschluss. Etwas fehlte, etwas passte noch nicht.

Bis ich mich Mitte Juli 2018 erneut hinsetzte und im brainstormenden Ping-Pong mit meinem Mann nicht nur die grobe Geschichte, die heute »Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein« heißt, mehr oder minder in einem Rusch plottete, sondern auch gleich noch die Vorgeschichte mit entwarf. (Letztere schlummert bislang unveröffentlicht, aber fertig geschrieben in meiner Schublade.)

Langer Rede kurzer Sinn: Am schwierigsten auf dem Weg vom Märchen zu meiner Adaption fiel es mir, unter allen möglichen Ideen, die mir durch den Kopf schwirrten, diejenige auszuwählen, die aus dem Märchen am besten ›meine‹ Geschichte macht. Denn der Stoff des Märchens reicht bei mir dramaturgisch gesehen maximal bis zum ›Midpoint‹ meines Buchs.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Nachdem der Plot endlich rund war? Nicht mehr viel. 😀

Das Schreiben selbst hat mir Spaß gemacht und danach habe ich aus dem Lektorat und von meinen Testleserinnen so viel hilfreiches Feedback bekommen, dass ich selbst den Überarbeitungsprozess eher als bereichernd wahrgenommen habe.

Und auch die Recherchen, die stellenweise ziemlich (!) zeitaufwendig waren, haben mir eher erneut gezeigt, wie spannend ich es finde, mir ganz viel Detailwissen anzueignen. Immerhin kann ich jetzt z.B. allen, die es wahrscheinlich nicht wissen wollen, genau erklären, wie in Japan der Ticketkauf beim Busfahren funktioniert. (Nicht, dass das später im Buch gelandet wäre.) 😉

Einiges Nerven hat mich dagegen die Titelsuche gekostet … Es brauchte mehrere Wochen, unzählige Stunden und auch die helfenden Hirnzellen einiger Menschen, bis der Titel endlich stand.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Ich bin vor einiger Zeit auf das Buch »Janosch erzählt Grimms Märchen« gestoßen und mag die darin enthaltene Adaption vom gestiefelten Kater recht gern. Im Unterschied zur grimmschen Fassung, in der der Kater dem jüngsten Sohn einfach alle seine Wünsche (und noch mehr) erfüllt, zeigt Janoschs Kater dem Protagonisten, was im Leben einem wirklich Zufriedenheit schenkt – und das ist nicht ein Überfluss an materiellen Gütern.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Meine Protagonistin ist – wie auch alle Mitglieder ihrer Familie – japanischer Abstammung. Das schränkt bei einer deutschen Verfilmung das Casting schon deutlich ein, fürchte ich. Bei einer internationalen Produktion hätte ich aber ein paar Ideen. 🙂

Noch etwas schwieriger als Yuki wäre es wahrscheinlich, Sasuke zu casten … denn natürlich kann diesen Kater nicht jedes Katzentier spielen. 😉

Mehr zu Katherina gibt es hier:

Interview zu Träume voller SchattenChristina Löw

Homepage: Christina Löw
Facebook: Christina Löw
Twitter: @christina_loew

Vielen Dank, Sabrina & Christina!


Anne/PoiSonPaiNter

Schreiberlinge im Interview: Monja Schneider

Das Märchensommer Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Nicht nur die Märchenspinnerrinnen kommen im Märchensommer zu Wort. Auch ein paar anderen Autorinnen habe ich Fragen über ihre Adaptionen und Märchen gestellt.

Monja Schneider

Ein paar Daten zu dir:

Geboren wurde ich am Valentinstag des Jahres 1971 in Heidelberg.

Zum Schreiben gekommen bin ich durch meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Kirchengemeinde. Irgendwie meinten meine Mitstreiter immer: »Mach mal, du kannst das doch«, wenn es eine Geschichte oder ein Theaterstück zu schreiben gab. Die Storys wurden immer länger, irgendwann habe ich auch mal mit eine paar Freundinnen angefangen, StarWars Fanfiction zu schreiben. Und irgendwann meinten sie, ich solle doch mal was an den Verlag schicken.

Glücklicherweise war ich schüchtern und habe erstmal ein Fernstudium im Schreibhandwerk gemacht, um Sicherheit zu bekommen. Meine ersten Veröffentlichungen (2009/2010) waren Kurzgeschichten in Anthologien. Mein erster Roman »Rabenschwester« erschien noch in einem Verlag, aber 2015 habe ich einen Vortrag über Selfpublishing (das damals noch in den Kinderschuhen steckte) gehört und es einfach mal ausprobiert. Heute bin ich überzeugte Selfpublisherin und Mitglied im Selfpublisher-Verband.

Ich lebe zusammen mit zwei Katzen, zwei Katern und zwei Meerschweinchen an der badischen Bergstraße und arbeite »nebenbei« noch als Verwaltungsangestellte.

Meine Veröffentlichungen:

  • Rabenschwester
  • Lieber Rotwein als tot sein
  • Konstantin – in der Welt habt ihr Angst
  • Weihnachten auf Italienisch
  • Gwenyn und Karney – Legenden von Gearran I
  • Dracaena – die geheime Bruderschaft
  • Principessa
  • Memoiren eines Bussards
  • Die Gebeine von Dolores

Vorneweg ein paar Fragen zu deinen Märchen:

1. Welches Element deiner Märchen war am Schwierigsten umzusetzen?

Puh, schwierig. Ich denke, die sieben Brüder der Rabenschwester mit ihren Charakteren und Eigenheiten zu »erschaffen«, war eine Herausforderung. Zumal Rabenschwester ja mein Debüt war und ich es so gar nicht mit dem Planen hatte.

2. Was hat dich bei der Arbeit an den Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Naja, wie gesagt, mit dem Planen hatte ich es nicht so. Und diese sieben Brüder haben irgendwann gemacht, was sie wollen. Und dann kam noch dieser Frosch in Nebenrolle, der plötzlich eine Hauptrolle haben wollte. Aber alles in allem ist es dann doch gut ausgegangen und sie lebten glücklich bis zum Ende ihrer Tage.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) der Märchen, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Puh, da könnte ich mich jetzt gar nicht entscheiden. Es gibt so viele tolle Märchenverfilmungen. Ich gestehe, ich schaue mir sonntags immer die Märchenfilme an. Außergewöhnlich finde ich Maleficent, die dunkle Fee, weil der Film mal eine neue Perspektive auf die Geschichte wirft. Fand ich sehr eindrücklich.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte deine Märchen umsetzen. Wen siehst du in den Hauptrollen?

Definitiv Alain Delon. 95% meiner Hauptcharaktere sehen aus wie Alain Delon. Also in seinen älteren Filmen. Auch wenn er selbst mit 73 in »Asterix bei den olympischen Spielen« eine super Schauspielleistung erbracht hat (und seine blauen Augen so richtig zur Geltung kamen). So war zum Beispiel ein Bild von ihm in »Die schwarze Tulpe« mein Vorbild für Enzio aus Principessa. Heute würde ich ihm die Rolle des Vaters der sieben Brüder und der Rabenschwester geben.

Sheena Rabenschwester und Principessa Stella müsste ich wohl eine unbekannte Neuentdeckung suchen, da die beiden noch sehr jung, erst 16 bzw. 14 Jahre alt, sind. Habe noch mit meiner Freundin gechattet. Sie meinte, Laura Berlin, die Charlotte aus Rubinrot, würde zu Rabenschwester Sheena passen und Jennifer Lawrence zu Principessa Stella. Stimmt, das passt Aber Miranda Otto (Eowyn) wäre eine super Besetzung für Stellas Mutter. Und Stella sieht ihrer Mutter sehr ähnlich.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft deiner Märchen?

Dass sie weiter bestehen und weiter so populär bleiben. Märchenadaptionen als Roman oder auf großer Leinwand sind ja erst in den letzten Jahren, im Zuge der Fantasy-Welle, aufgekommen. Was zeigt, wie zeitlos sie sind.

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Das alte Märchenbuch, das mir meine Oma geschenkt hat. Ein richtig dickes Buch mit schönen Bildern.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Ein Happy End, das wahre Leben ist schwierig und traurig genug.

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Eben dass es ein Happy End gibt begeistert mich, das Gute gewinnt und der/die Böse wird bestraft.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Wie oben schon erwähnt, sie sind zeitlos. Und das Gute und die Liebe gewinnen immer, auch wenn die Beteiligten durch schweres Leid/schwere Prüfungen müssen. Man kann fast sagen, dass Märchen etwas Pädagogisches an sich haben.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Wenn ich jetzt gemein wäre, würde ich sagen, dass ich nichts mache, weil Tiere die besseren Menschen sind O:-) Bin ich aber nicht – natürlich würde ich helfen, wenn es in meiner Macht steht.

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

Oh … einen Goldesel. Nicht, weil ich geldgierig bin, sondern weil ich dann an ganz vielen Stellen helfen könnte. Bei Kindern in Not oder Tierschutztieren. Und klar, ich würde mir schon auch ein paar Wünsche erfüllen, die ich mir jetzt nicht leisten kann.

Ich würde mir wünschen, dass keine meiner Freundinnen und Freunde (und Haustiere, das hatte ich auch schon zweimal) mehr an Krebs erkrankt und diese blöde Krankheit am besten vollständig ausgerottet wird.

Und der dritte Wunsch? Ich glaube, ich würde mir den irgendwie als Vorrat aufheben, falls ich mal dringend einen brauchen würde. Und hätte immer Angst, ihn »auszugeben«

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Ups, ich bin viel zu nett für sowas O:-)
Besonders eindrücklich fand ich ja, die böse Stiefmutter in glühenden Schuhen tanzen zu lassen, bis sie tot umfiel. Aber ich denke, das ist wenig praktikabel. Dann lieber schlafen lassen, den Bauch aufschlitzen, mit Steinen füllen und einfach abwarten, bis der Wolf in den Brunnen fällt und ertrinkt.

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Hm, wenn ich genau darüber nachdenke – ich glaube, Hans im Glück oder der Müllerssohn mit der goldenen Gans. Klar wäre es schön, eine Prinzessin zu sein. Aber wenn ich an Aschenputtel denke, oder an Dornröschen oder Schneewittchen – sie hatten es alle nicht leicht. Hans im Glück hat das Leben leicht genommen und ist heiter seines Weges gezogen, egal, was passiert ist. Das wünsche ich mir auch. manchmal, das zu können.

Mehr zu Monja gibt es hier:

Facebook: Monja Schneider
Homepage: Monja Schneider

Vielen Dank, Monja!

Anne/PoiSonPaiNter

Märchenspinnerei im Interview: Mira Lindorm

Gestern noch die Rezension, heute das Interview mit Märchenspinnerin Mira Lindorm im Rahmen des Märchensommers.

Banner der Märchenspinnerei. Es zeigt links ein Spinnrad auf dessem Faden zur Spindel verschiedene Märchenfiguren sitzen, stehen oder laufen.

Mira Lindorm – Autorin von „Herzenswünsche kommen teuer“

Ein paar Daten zu ihr:

Immer gerne. Ich bin eine typische „nebenbei“-Autorin. Vom Schreiben können die wenigsten Autoren leben, und ich bin da keine Ausnahme. Also schreibe ich in meiner Freizeit, als gutes Kontrastprogramm zu meiner sonstigen Verkaufs-Tätigkeit.

Wie heutzutage fast schon üblich, habe ich meine ersten Schreibübungen bereits während der Schulzeit gemacht. Manchmal direkt in der Schule, was meine Lehrer nicht wirklich prickelnd fanden, weil ich dann natürlich im Unterricht nicht aufgepasst habe.

Aus heutiger Sicht: Ein Glück, dass von diesen frühen Ergüssen und Gedichten (schwärmerisch-schwülstig) nichts an die Öffentlichkeit gekommen ist. Mit den Jahren wurde ich allerdings besser. Zahlt sich halt aus, wenn man viel und gerne liest.

Mein erstes Buch „Das Troll-Erbe“ erschien dann vor fünf Jahren im Bookshouse-Verlag, und mein zweites, „Herzenswünsche kommen teuer“, letztes Jahr im Machandel Verlag, der eine Kooperation mit den Märchenspinnerinnen hat. Das nächste Buch, ebenfalls eine Märchen-Adaption, wird diesen Sommer im Zeilengold-Verlag erscheinen – der hat ebenfalls mit den Märchenspinnerinnen eine Kooperation. Gegenseitiges Vernetzen ist gerade für die „Kleinen“ heute sehr, sehr wichtig.

An die Märchenspinnerinnen bin ich übrigens über das Tintenzirkel-Autorenforum gekommen, ein Forum speziell für Fantasy-Autoren. Mich hat von Anfang an beides fasziniert: Die Idee, Märchen zu bearbeiten, und die Tatsache, dass es ein Frauen-Kollektiv ist, bunt gemischt in Alter, Berufen und Interesse und gerade deshalb gegenseitig sehr befruchtend.

Ich hoffe, dass wir noch ganz viele neue Märchenromane herausbringen werden.

Vorneweg ein paar Fragen zu deinem Band „Herzenswünsche kommen teuer“ und der Märchenspinnerei:

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Die Liebesgeschichte. Sowohl ihre Entstehung als auch ihr Scheitern musste ja zu den Personen und zum Setting passen, und dazu brauchte ich ein wenig historische Recherche. Da konnte ich nicht einfach moderne Versatzstücke nehmen.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Verzweiflung ist nicht das richtige Wort. Aber ich war schon sehr verwundert, wie sehr das Märchen nach einem eher kindlich-harmlosen Anfang in blutige Aufstände und lebensgefährliche Situationen abdriftete.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Die alte Fassung von Gustav Weil, 1837-1841 als Übersetzung entstanden.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Schwierig. ich sehe darin Menschen mit stark ausgeprägten Zügen, dunklen Augen, schön, aber nicht unbedingt niedlich schön nach unseren Maßstäben, Menschen mit Charisma.
Von der Sorte gibt es nicht viele im europäischen oder amerikanischen Filmgeschäft. Jedenfalls nicht viele, die ich überhaupt kenne.

Ich würde tatsächlich auch an iranische Schauspieler denken. Leila Hatami wäre eine prima Sheherezade, Suleika könnte dargestellt werden von Golshifteh Farahani. und den Sultan müsste eine Charles Bronson-Typ spielen.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft der Märchenspinnerei?

Dass wir es schaffen, zu den Buchhändlern vorzudringen. Denen ist unsere Existenz, wenn überhaupt, nur marginal bekannt. Und ohne die Buchhändler, die zu einem Buch beraten und empfehlen können, werden viele unserer potentiellen Leser unsere Bücher nie finden.

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Ein Besuch im Märchenwald bei der Sommerrodelbahn in Ibbenbühren. Die Kästen mit den Figuren darin, die sich bewegen und deren Geschichte halb erzählt, halb gespielt wird, das fand ich als Kind genial.

Zugegeben, die Rodelbahn anschließend hatte auch ihren Anteil an den positiven Erinnerungen.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Weder-noch. Ich bevorzuge ein Sad/Soft End. Nicht alles heile Welt, aber ein positiv gestimmter Ausklang. Das findet man allerdings eher in Kunstmärchen als in den echten Volksmärchen.

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Am meisten stört es mich, wenn schöne, interessante Märchen „entschärft“ werden, angeblich, damit Kinder besser mit ihnen klarkommen. Es sind nicht die Kinder, sondern die Erwachsenen, die offensichtlich die Original-Märchen für zu unbekömmlich halten.

Was mich begeistert? Die Tatsache, dass Märchen eine Welt der Wunder für uns öffnen, in der alles möglich scheint und unkonventionelle Lösungen die Norm sind.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Bei echten Märchen, den Volksmärchen, das glückliche Ende. Und bei allen Märchen die Tatsache, dass es meist die Schwächeren, Unterprivilegierten sind, die gewinnen.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Ihm erklären, dass es heutzutage ganz bestimmt nicht die angenehmste Lebensvariante ist, wenn man ein Mensch ist, und dass es sich freuen soll, als Tier zu leben. Was die Überzeugung angeht, ein verzauberter Mensch zu sein, nun ja, eine Macke kann jeder haben.

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

Ich nehme an, es sollen Wünsche sein, die mich selbst betreffen und keine dritten Personen?

Weltfrieden und ähnliche Projekte wären schön, aber ich fürchte, das übersteigt das Können selbst der besten Fee. Also nehme ich lieber kleinere Ziele, die eher Aussicht auf Erfüllung haben.

Für mich selbst hätte ich gerne Gesundheit und einen klaren Verstand bis ins hohe Alter.

Dazu ein Buch aus meiner Feder, das so gut ist, das sich mindestens drei Produzenten darum reißen, es verfilmen zu dürfen.

Und ganz viele liebe Freundinnen und Freunde, die mich mein ganzen Leben begleiten und sich mit mir freuen dürfen.

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Den des Soldaten aus der Geschichte vom Feuerzeug. Der kann einen riesigen, übernatürlichen Hund beschwören, der ihm alle Hindernisse und Gegner aus dem Weg schafft.

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Mit Maren, der jungen Frau aus „Die Regentrude“, die ihre Ziele durchsetzt gegen den Willen ihres Vaters, etwas Wundersames erleben darf und letzten Endes das ganze Dorf vor der Dürre rettet.

Mehr zu Mira gibt es hier:

Autorenblog: Mira Lindorm
Facebook: 1002 Märchennacht

Vielen Dank, Mira!

Das Märchensommer Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Anne/PoiSonPaiNter

Schreiberling im Interview: Nora Bendzko

Vor zwei Jahren, war Nora Bendzko bereits als Interview-Gast im Märchensommer vertreten. Da sie seit dem, wie ihr vorgestern lesen konntet, ein weiteres Galgenmärchen veröffentlicht hat, gibt es auch für sie das Auffrischungsinterview.

Auch wenn im ursprünglichen Interview mit angesprochen, hier nochmal explizit:

Kindsräuber

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Ich hatte hier so viele Ideen, dass ich mich zwingen musste, bei den Märchenelementen zu bleiben und nicht völlig abzudriften. Es war nicht leicht, die wichtigsten Motive aus „Rumpelstilzchen“ herauszuziehen und neu zu interpretieren, sodass die Story überraschend bleibt. Aber es scheint geklappt zu haben. Ich höre oft bei „Kindsräuber„, dass die Story – in gutem Sinne – überhaupt nicht vorhersehbar sei.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Das Thema Schwangerschaft. Meine Protagonistin ist schwanger, womit ich überhaupt keine Erfahrungen habe. Auch wenn ich hier entsprechende Testleserinnen zu Rate gezogen habe, hat es mich fertiggemacht, nicht zu wissen, ob ich was halbwegs Realistisches abliefere. Ein paar Kardinalsfehler (die ich verschweige, hihi) habe ich dann auch gemacht und wurde von meinen Testleserinnen gerettet.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Eine Folge der ehemaligen KiKa-Serie „Simsalagrimm“ hat Rumpelstilzchen adaptiert und ein Computerspiel dazu gemacht, das ich als Kind verdammt geliebt habe. Ein erstaunlich undunkles Beispiel, ich weiß. Aber für mich mit einer herrlichen Nostalgie verbunden.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Bei einer Verfilmung wäre mir wichtig, die Rollen mit ethnisch passenden Schauspieler_innen zu besetzen. Die Story spielt in Prag, hat einige Charaktere tschechischer Herkunft und mit Protagonistin Alene eine Figur, deren Mutter Roma ist. Auch fände ich es schön, in Teilen Tschechisch und rekonstruiertes Pragerdeutsch zu hören.

Natürlich darf das neuste Galgenmärchen, dessen Releaseparty ich unterstützte, hier nicht fehlen:

Hexensold

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Das Plotting dieses Buches hat mir einige traumlose Nächte beschert. Aus irgendeinem Grund konnte ich gerade mal die Hälfte des Buches planen und stand dann vor einem Loch. Wie ich Rapunzel als Figur umsetzen wollte, wusste ich schnell, aber nicht, wie ich weitere Elemente verarbeiten sollte, ganz besonders was die Hexe anging. Ich habe einfach zu schreiben angefangen in der Hoffnung, im Schreibprozess kommen mir Ideen. Es war ein ziemliches Abenteuer.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Weniger „verzweifelt“ als „depriminiert“ wegen meines historischen Stoffs. Die Galgenmärchen sind generell tragisch mit dem 30-jährigen Krieg als Setting, aber der Veltliner Protestantenmord, den „Hexensold“ verarbeitet, gehört zu jenen grausamen Ereignissen, die für mich einfach nur unfassbar sind. Die Recherche kann dann emotional echt belastend sein. Vielleicht mit ein Grund, warum mir das Plotting so schwerfiel.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Hier würde ich tatsächlich die Disney-Version „Tangled“ nennen. Für mich gehört der Film zu den letzten von Disney, der noch den Witz und Charme ihrer 2D-Animationen hatte. Gleichzeitig waren die Figuren schön modern, Rapunzel nicht auf den Kopf gefallen und ihr Love Interest Flynn Ryder selten unterhaltsam. Eine schöne Schnittstelle zwischen altem und neuem.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Schwer zu sagen, wen ich in einer „Hexensold“-Verfilmung sehen wollen würde. Elegio ist so ein besonderer Charakter, ich glaube, ich möchte am liebsten kein bekanntes Gesicht, sondern jemand völlig Unbekanntes in seiner Rolle haben. Jemanden, der ein unbeschriebenes Blatt ist und die Figur richtig ausleben kann. Da Crossdressing ein wichtiges Element meiner Adaption ist, wäre ein androgyner oder queerer Schauspieler großartig.

Mehr zu Nora gibt es hier:

Interview zu Wolfssucht/Bärenbrut und Kindsräuber: Nora Bendzko

Homepage: Nora Bendzko
Facebook: Nora Bendzko
Twitter: @NoraBendzko
Instagram: @Nora_Bendzko

Vielen Dank, Nora!

Anne/PoiSonPaiNter