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Türchen #1

Und schon geht es los … Eröffnen möchte ich den Kalender mit einem Schnipsel aus

Der Wunsch der Königin

Die Geschichte ist  – wie ich an mehreren Stellen schon erzählt habe – aus einer Idee während eines Orgelkonzertes entstanden und sehr schnell von einer Kurzgeschichte auf Novellenlänge angewachsen (aktueller Stand: ~55k Wörter) und noch immer hat sie Lücken, die es zu füllen gilt. Leider wartet die Königin schon eine Weile auf meinem Stapel. Ein paar Überarbeitungen und Ergänzungen habe ich auf dem vorletzten Rockharz gemacht,  auf dem letzten dagegen kam ich kaum dazu. Irgendwann schreib ich es aber noch zu Ende.

Während des Adventskalenders werdet ihr vier Schnipsel bekommen. Diesen hier habe ich auf der LBM18  vorgelesen. Auch wenn die Story etwa in der Mitte der Handlung beginnt, finde ich, ist es ein guter Start. Vielleicht bekomme ich auch irgendwann mal hin, das Video so zu überarbeiten, dass man den Ton halbwegs vernünftig versteht …

Aber nun zum ersten Schnipsel:

Szene:  Königin Ahnya und ihr Gemahl Gunther befinden sich auf dem Weg zu ihrer Tante, die ihr schwächeres Reich an die jüngere Königin abtreten soll. Auf ihrer Reise wird die zweispännige, magisch geschützte, Kutsche von einer Reihe Wachen, Ahnyas Vertrauter, Beraterin und Freundin Mahri, dem Hofzauberer Emry, sowie dessen ehemaligen Mitschülern Andres und Marrtin, begleitet. Sie alle dienen der Königin, um sie vor Angriffen der verfeindeten und machtgierigen Tante zu schützen.

„Achtung!“, rief eine der Wachen und deutete auf einen großen, schwarzen Schatten, der sich zwischen den Wolken immer weiter auf sie zubewegte.
„Ein riesiger Adler!“
„Mit vier Beinen?!“, fragte ein Weiterer laut, als das Wesen ein Stück dichter gekommen war.
Sogleich ging ein Ruck durch die Reihe der Wachen und der Zug kam zum Stehen. Rings um die Kutsche spannten die Schützen ihre Bögen und einige Krieger zogen ihre Schwerter. Emry überlegte für einen Augenblick, ob er vom Pferd absteigen sollte, entschied sich aber dagegen. So gut es ging, suchte er einen festeren Sitz, sodass sein Pferd nicht bei jeder Bewegung gleich lostraben würde. Wieso hatte er nur zugestimmt zu reiten? Neben ihm stiegen das Königspaar und Mahri aus der Kutsche. Unruhig sahen sie sich um, bis ihr Blick auf dem potentiellen Angreifer ruhen blieb.

Als das Wesen dicht genug herangekommen war und angriffslustig aufschrie, gab Ahnya den Befehl zum Angriff. Pfeile schossen durch die Luft, doch das Wesen wich ihnen gekonnt aus. Die wenigen, die es erreichten, prallten einfach ab. Immer tiefer stürzte es hinab, immer dichter kam es den Pferden. Gerade noch rechtzeitig baute Emry einen magischen Schild über ihnen auf. Das Wesen stieß dagegen, schwebte einen Moment unschlüssig in der Luft und stieg erneut hinauf.
„Ein-ein Greif!“, entfuhr es Kurth ungläubig, der in seiner Kindheit Geschichten über diese Wesen gehört hatte. „Keine Waffe kann ihm etwas anhaben!“
Besorgt blickte Ahnya zu Emry hinauf. „Gibt es einen Zauber mit dem ihr die Pfeile verstärken könnt?“
Emry durchsuchte sein Gedächtnis nach einer Antwort, er hatte für die Reise so viel über Schutzzauber gelesen, dass er sich nicht mehr an Waffenzauber erinnern konnte. Doch bevor er die Möglichkeit hatte, weiter darüber nachzudenken, erschienen zwei weitere Greife am Himmel. Während der erste Greif noch in einiger Ferne schwebte, stürzten die anderen beiden mit ausgefahrenen Krallen in die Tiefe. Nun hoben alle drei Zauberer den Schild und die Bestien prallten daran ab. Einer versuchte, die unsichtbare Barriere zu zerkratzen, gab jedoch auf, als er sie nicht durchbrechen konnte. Gerade als sie den Schild wieder senken wollten, griff der erste Greif erneut an.

„Sie versuchen, euch auszulaugen“, bemerkte Gunther, als sich dieses Schauspiel noch mehrere Male wiederholte.
„Ja, und wenn uns nicht bald etwas einfällt, schaffen sie es auch …“, bestätigte Emry.
Mittlerweile hatten die Greife ihre Taktik geändert: Sie rammten mit voller Wucht ihre Schulter gegen den Schutzzauber. Jeder Stoß ließ Emry auf dem Pferd wanken, Andres und Marrtin auf dem Boden erging es nicht besser.
„Emry!“, rief Andres zu ihm hinauf. Seine ausgestreckten Hände zitterten und Schweißperlen rannen über seine Stirn. „Greife haben einen magischen Schild über der Haut“, erklärte er zwischen zwei Angriffen, „Wenn wir den durchbrechen, könnten wir sie verwunden.“
Ein Lächeln breitete sich auf Emrys Gesicht aus. „Dann weiß ich, was wir tun können.“ Doch bevor er weiterreden konnte, wurde er nach hinten gestoßen und trat dem Pferd dabei in die Seite. Es stieg hoch und warf ihn beinahe ab. Unfähig den Schild zu senken und die Zügel zu ziehen, presste Emry seine Unterschenkel gegen den Bauch des Pferdes, um nicht aus dem Sattel geschleudert zu werden und versuchte, mit dem Körper Gleichgewicht zu halten, sah sich allerdings schon stürzen. Beherzt griff Gunther nach den Zügeln und verhinderte somit Schlimmeres.
„Danke.“ Emry nickte dem König knapp zu und sah dann zur Königin: „Ich kann nicht gleichzeitig den Zauber halten und alle Pfeile verzaubern.“

Ahnya sah sich um. Die Schützen in ihrer Nähe hatten ihre Sehnen gelockert, waren aber schussbereit. Die reitenden Krieger und Fußsoldaten standen unnütz und mit gezogenen Waffen zwischen ihnen. Ihr Blick fiel auf Kurth, der hinter einem Wagenrad kauerte.
„Kurth! Köcher und Bogen!“, befahl sie dem jungen Knappen, der sogleich losspurtete, um die Gegenstände von einem der Transportpferde zu holen. Stolpernd kam der Knappe vor der Königin zum Stehen, als er sie ihr brachte. Ahnya nahm den Köcher und hielt ihn Emry entgegen. Dieser wartete bis der einzelne Greif wieder an der Reihe war und überließ den Schild den anderen beiden Zauberern. Mit der Hand über dem gefüllten Köcher schloss er die Augen und legte seine Magie um die Spitzen, die in ein leichtes Glühen gehüllt wurden. Als er fertig war, nickte er Ahnya zu und konzentrierte sich wieder auf den Schild. Diese nahm Kurth den Bogen ab und reichte ihm den Köcher. Einen Pfeil nahm sie heraus und befahl ihm knapp: „Verteil sie.“
Während der Knappe durch die Reihen der Bogenschützen flitzte, kletterte sie auf den Kutschbock. Ein Glück, bin ich noch nicht so dick, schoss ihr für einen Moment der Gedanke an ihren durch Emrys Illusion verdeckten Bauch in den Kopf.
Ehrfürchtig rutschte der Kutscher beiseite, nachdem er ihr aufgeholfen hatte. Wie sie es gelernt hatte, suchte sie sich einen festen Stand auf der schmalen Kutschbank.
„Bogenschützen, Aufstellung! Alle auf einen!“, befahl sie und spannte ihren eigenen Bogen. Ihre ganze Konzentration war auf den Greif gerichtet, der direkt auf sie zustürzte.
„Emry, auf meinen Befehl – Schild runter!“, rief sie.
Ihr Herz schlug wie wild in ihrer Brust. Die Männer schwiegen, die Pferde scharrten angespannt mit den Hufen, doch die mächtigen Flügelschläge des Greifens übertönten alles andere. Wenn der Zauber versagte …, nein, Emrys Zauber würde nicht versagen. Der Greif kam dichter, aber noch immer nicht in die Reichweite ihrer Bögen.
Dann endlich.
„Feuer!“
Der Greif setzte an, um den Schild zu attackieren, doch bevor er ihn treffen konnte, löste dieser sich unter seinen Klauen auf und elf Pfeile schossen auf ihn zu …

Hinter den Kulissen

Drei weitere Schnipsel aus diesem Roman werdet ihr noch zu sehen bekommen.
Seid gespannt. 🙂

Anne

Poisons Adventskalender geht in die fünfte Runde!

Aus der Feier in die Feier könnte man meinen.
Gestern noch habe ich Nora Bendzko bei der virtuellen Release-Party zu ihrem neusten GalgenmärchenHexensold“ unterstützt, schon sind wir mit großen Schritten in Richtung Weihnachten unterwegs.

Wie schon die Jahre zuvor, wird es auch diesmal wieder einen Adventskalender geben.
Und wieder wird er etwas anders sein.

Ursprünglich war etwas ganz anderes geplant, aber da es ein paar Schwierigkeiten in der Koordination gab, musste ich kurzfristig (Mitte November) „etwas“ umplanen und habe die Idee in den Januar/Februar 2019 verschoben.
Zusammen mit den Vorbereitungen zur BuchBerlin war die Erstellung des Kalenders relativ abenteuerlich…

Trotzdem könnt ihr ab morgen wieder hier täglich etwas finden!

Diesmal sind es aber keine neuen Geschichten oder eine Fortsetzung. Nein, diesmal bekommt ihr 19 Tage lang Schnipsel aus verschiedenen meiner Schreibprojekte zu sehen. Jeder Schnipsel bekommt dann auch eine kleine Erklärung zum Projekt dazu.
Muss euch ja ein bisschen neugierig machen, damit ihr mir in den Hintern treten könnt, ein paar davon endlich mal zu beenden. 😀

Warum nur 19?

Natürlich kann ich euch nicht ganz ohne Geschichten in die Weihnachtszeit schicken, also habe ich mir kurzerhand ein paar andere Autorinnen gesucht, die mir ihre Kurzgeschichten zur Verfügung stellen.
Diese könnt ihr dann jeweils an den Adventssonntagen und den Weihnachtstagen lesen.

Wer mitmacht verrate ich aber noch nicht.

Und wo finde ich den Kalender?

Wie jedes Jahr habe ich wieder eine Übersichtsseite angelegt.
Die findet ihr hier:

Poisons Adventskalender 2018

Meh, nur Schnipsel? Ich wollte doch ne neue Geschichte von dir!

Keine Bange, ich hatte zwar keine Zeit für meinen eigenen Kalender etwas Ausführliches zu schreiben, dafür wird es an anderen Stellen noch mehr zu lesen geben.

  1. June Is und ich haben keine Mühen gescheut, um eine besondere Geschichte für den Adventskalender des Büchestadt Kuriers zu erschaffen. An welchen zwei Tagen sie erscheint, wurde uns noch nicht verraten. Behaltet es also im Auge!
    Vermutlich wird es nicht unser letzter Ausflug in jene Welt sein.
  2. Neben vielen anderen Buchbloggern und Autor*innen nehme ich auch an Anja Buchmann’s Postkarten Adventskalender teil. D.h. pro Tag könnt ihr eine von mir persönlich geschriebene Weihnachtskarte gewinnen! Meine gibt es am 3. Dezember
  3. Bei der Bücherhexe auf Facebook werde ich eines meiner Projekte am 9. Dezember vorstellen.
  4. Auch die Nornen machen wieder einen Adventskalender. Ich weiß schon, wann ich dran bin und ihr dürft euch märchenhaft überraschen lassen. 🙂

Also dann! Wir sehen uns morgen mit dem ersten Schnipsel!

Anne

Verhextes Halloween

Eigentlich wollte ich ja noch einen Bericht zum #NornenHopping und zum #LitcampHH schreiben.
Eigentlich wollte ich auch mal wieder weiter an Geschichten schreiben.

Stattdessen bin ich jetzt bei Elenor Avelle und unterstütze sie bei ihrem Hexenhofmarkt.
Und damit ich trotzdem, wie es Tradition ist, an Halloween was hier zu stehen habe, habe ich mir von ihren Jungs vier Begriffe geben lassen, aus der ich dann eine kleine Geschichte geschrieben habe, die auf eben jenem Markt spielt.

Bekommen habe ich: klammheimlichPerspektiveMarvel und Cat Noir.
Bei den letzten beiden habe ich ein bisschen geschummelt, dass muss ich ja zugeben, aber lest selbst:

Das Gruselwusel

Es liebte Halloween, die Nacht, in der nicht nur der Schleier zwischen den Welten am dünnsten war, sondern auch die Sterblichen alles gruselig dekorierten, um das Dunkle zu feiern. Jedes Jahr auf’s Neue suchte sich das Gruselwusel einen Ort aus, um sie sich genauer anzusehen, was sie da so veranstalteten. Und ein bisschen Chaos zu verbreiten. Immerhin hatten die Menschen furchtbar ulkige Vorstellungen davon, was einen richtigen Grusel ausmachte.

Die Feier diesmal war sogar ein ganzer Hinterhofmarkt, was es besonders spannend fand. Aus den Schatten heraus sah es sich um. Überall standen die Menschen. An verschiedenen Ständen, unterhielten sie sich und lachten ausgelassen. Ein paar Kinder versuchten mit Stöcken auf Figuren einzuschlagen. ‘Piñata’ stand auf einem Pappschild darunter. Was auch immer das bedeuten sollte, es würde sich das einmal genauer ansehen. Geschickt kletterte es an der Wand hinauf und den Strick hinab, mit dem das etwas an der Decke befestigt war. Gerade als ein Kind zu einem erneuten Schlag ausholte, fing es an, das etwas hin und her zu schwingen. Der Stock sauste durch die Luft und verfehlte das Ding um Längen. Das Gruselwusel kicherte während es weiter schaukelte. Unter ihm jammerte das Kind, schrie schließlich nach seiner Mama und warf den Stock wütend zu Boden. Schnell huschte es weiter.

Klammheimlich stibitzte es sich einen lecker duftenden Lebkuchenmenschen, auf dem ein Skelett mit Zucker gemalt war und verschwand damit unter dem Tisch. Warum sich die Menschen vor Skeletten fürchteten, hatte es noch nie verstanden, schließlich steckte in jedem von ihnen eines.

Genüßlich knabberte es an seiner Beute und beobachtete die Menschen aus dieser Perspektive. Bald tauchten vor ihm ein paar Füße in schweren Stiefeln auf. Neugierig blickte es die schwarzen Hosenbeine nach oben bis sein Blick auf einige Anhänger an einer Kette fiel. Ein blaues Häuschen, ein Medaillon mit einem Drachen und ein Baumwesen mit einem Gesicht. Menschen trugen schon seltsamen Schmuck. Neben den Füßen erschien ein zweites Paar. Von den Zehenspitzen bis zum Hals, war der Mensch von einer schwarzen Stoffschicht umhüllt. Erst der Kopf war wieder frei, die Augen von einer ebenfalls schwarzen Maske bedeckt und auf dem blonden Haarschopf saßen Katzenohren. Wieder etwas, dass das Gruselwusel nicht verstand: Warum verkleideten sich die Menschen als Tiere? Das Kind bewegte sich und ein heller Laut drang an die Ohren des Gruselwusels. Gebannt starrte es auf das Glöckchen, dass an einem Band um den Hals des Kindes hing. Mit einem großen Happs schob es sich das halb aufgegessene Lebkuchenskelett in den Rachen, um dann flink auf die Schulter des Kindes zu klettern. Dieses merkte nichts von seinem Federgewicht, und so konnte es ungestört den drahtigen Arm nach dem Glöckchen ausstrecken, um es zu läuten. Der Ton erklang erst zaghaft, dann etwas lauter, aber das Kind bemerkte es nicht. Erst als das Gruselwusel kicherte, drehte es sich hektisch um, sodass es von der Schulter purzelte und auf den Boden plumpste. Schnell flitzte es hinter einen Grabstein, der an einer Wand lehnte. Als es dahinter hervorlugte, sah es eine blutige Hand, die aus einem falschen Erdhaufen herausragte. Es schnupperte kurz an ihr, aber essbar roch sie nicht.

Weiter hinten auf dem Markt sah das Gruselwusel Kinder hinter einer Tür verschwinden, um dann kurz danach aus einer direkt daneben kichernd wieder hinauszukommen. Das musste es sich genauer ansehen. Mit dem nächsten Kind schlüpfte es durch die Tür. Dahinter war es dunkel, nur die sich öffnende Tür erhellte kurz den Gang, der bald schon hinter einer Ecke verschwand. Die Wände waren mit schwarzem Stoff bespannt, und allerlei Spinnweben hingen von der Decke. Als die Kinder den Gang wieder verließen, blieb das Gruselwusel und suchte sich ein Plätzchen an der Wand, dort wo der Weg sich bog. Hier wartete es.

Als schließlich erneut ein Kind den Gang betrat und direkt auf es schauend vor der Wand stehen blieb, öffnete es die Augen. Es wusste, dass sie das gleißende Gelb in der Dunkelheit nicht übersehen konnten. Das darauffolgende Kreischen war herrlich und auch das ängstliche Gesicht als das Kind aus dem Gang stürmte. Kichernd fiel das Gruselwusel von der Wand hinab und rollte sich hin und her. Menschen erschrecken machte ihm doch am meisten Spaß an Halloween.

Also dann, passt auf euch auf in dieser geisterhaften Nacht!

Ich ziehe morgen dann weiter nach Hamburg, sammle noch ein paar Nornenbücher für den Verkauf an unserem Stand auf der BuchBerlin ein, bevor es dann übermorgen spontan mit Janzy für ein paar Tage nach Amsterdam geht. 🙂

Anne

#CroMär: Kapitel 7

Regina und ihre Oma wurden letzte Woche in Pantoffeln verwandelt! Können sie sich daraus wieder befreien und war Wolf wirklich nie im Wald gewesen? Wie alles endet erfahrt ihr heute im siebten und letzten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 7 – Alles Quak

“Ina”
“Gina”
“Regina!”
Dumpf und sehr weit weg, drang das Wort zu ihr vor. Wie durch eine Schicht Watte, die ihr auf den Ohren lag.
“Liebling, hörst du mich?” Regina versuchte sich umzusehen, doch alles was sie erkennen konnte war der Teppich, aus einer ihr gänzlich unbekannten Perspektive. War sie hingefallen? “Omi?”, versuchte sie unsicher zu antworten. Angst schwang in ihrer Stimme mit. Ein flaues Gefühl breitete sich in ihr aus, als sie merkte, dass sich ihr Mund nicht bewegte, sie gar keinen Mund mehr zum Bewegen hatte.
“Den Göttern sei dank, du hörst mich!”, drang die Stimme ihrer Oma erneut zu ihr. Diesmal war sie klarer und deutlicher.
Ihre Gedanken wollten sich der Frage widmen, seit wann ihre Oma gläubig war, doch diese hielt sie davon ab.
“Flöckchen”, begann sie mit einem Spitznamen, den sie nicht mehr verwendet hatte, seit Regina ein kleines Mädchen gewesen war. “Du musst mir jetzt vertrauen. Ich erkläre dir nachher alles”, versprach sie und führte dann ihren Plan aus. Er klang so merkwürdig, wie sie sich fühlte und doch so einfach.
Stehen bleiben. Das war die Anweisung ihrer Oma gewesen. Aber wie blieb man stehen, wenn jemand anderes für die eigene Bewegung sorgte? Regina strengte sich an. Ihre Oma glaubte an sie. Mit ganzer Kraft stemmte sie sich gegen den Boden, keinen Millimeter würde sie sich davon abheben. Jagas Fuß drückte und presste, aber Regina blieb stur, ließ sich nicht Beiseite schieben. Als auch ihre Oma das Gleiche tat, kam die Alte ins Straucheln und fiel sogleich vorne über. Regina löste sich von ihrem Fuß und wurde unwirsch gegen die Wand geschleudert, ihrer Oma erging es nicht viel besser. Diese landete jedoch im Sessel. Mit schmerzendem Bauch merkte Regina, wie sich ihre Gliedmaßen und vor allem ihr Körper wieder in seine richtige Form verwandelte. Mit einem Stöhnen saß sie schließlich an die Wand gelehnt und fühlte sich, als wenn sie mit einem Bauchklatscher ins Schwimmbecken gesprungen war. Vor ihr rappelte sich ihre Oma mühsam aus dem Sessel auf.
“Du hinterhältige Vettel! Wie kannst du es wagen meine Enkelin so auszunutzen?!”, fuhr sie die noch immer am Boden liegende Jaga an, die nur verwirrt zu ihr hinaufstarrte.
“Das ist nicht … wie- ?”, doch weiter kam sie nicht. Ein Rumpeln ertönte und die Fenster sprangen auf. Kurz darauf schossen Äpfel aus dem Nichts auf die Hexe nieder. Aus allen Richtungen kamen sie und Regina konnte gar nicht so schnell gucken, wie ihre Oma die Arme bewegte, um wie es schien die Äpfel zu steuern, denn je nachdem, wie sie mit den Armen durch die Luft fuhr, so änderten sie ihre Richtung. Jaga krümmte sich am Boden und versuchte kriechend den zerplatzenden Geschossen zu entkommen, doch Reginas Oma war schneller. Immer wieder dirigierte sie die Äpfel genau da hin, wohin Jaga sich drehte.
“Das wirst du büßen!”, schrie diese schließlich mit ihrer krächzenden Stimme. Ein Wirbel umschloss sie und dann war sie verschwunden.
Regina starrte ungläubig auf die Apfelreste, die überall auf dem Boden verteilt lagen. Ihre Oma seufzte. “Tut mir Leid, Flöckchen, das du da mit reingezogen wurdest…” Ihre Oma nahm sie in den Arm, aber Regina wusste einfach nicht was sie denken oder fühlen sollte. Und das merkte auch ihre Oma, denn sie ließ sie schnell wieder los. “Lass uns das hier aufräumen, dann erkläre ich dir alles, einverstanden?”, bat sie hoffnungsvoll. Sie hatte Regina noch immer an den Schultern gefasst und sah ihrer Enkelin direkt in die Augen, bis diese zaghaft nickte.

Ohne viel zu reden hatten sie bald das Wohnzimmer wieder hergerichtet. Ein paar Äpfel hatten überlebt, die hatten sie in eine Schale getan. “Die kann man noch nutzen”, hatte ihre Oma nur kommentiert.
Nun saßen sie auf der Couch und ihre Oma begann zu erzählen. Vom Familiengeheimnis, von ihrer Fehde mit Jaga, davon was eines Tages auch auf Regina zukommen würde, wenn der Mantel der Holle auf sie überging. Hätte sie all diese bizarren Erlebnisse in den letzten Stunden nicht mit eigenen Augen gesehen, sie hätte ihrer Oma kein Wort geglaubt. So allerdings hatte sie keine andere Wahl. Eine Weile schwiegen sie damit Regina das Gesagte verarbeiten konnte, dann sprudelten die Fragen nur so aus ihr heraus. Wie funktioniert das mit der Magie? Dem Wetter? Hatte ihre Oma Helfer? War das Märchen wirklich irgendwann einmal passiert? Hatten ihre Mutter und ihre Tante auch Fähigkeiten? Viel wichtiger: Hatte sie selbst Fähigkeiten? All das und noch vieles mehr musste ihre Oma erklären.
Beiläufig hatte diese einige der Äpfel zerteilt und hielt Regina ein Stück entgegen. Nach der Erfahrung mit Susis Apfel hatte Regina eigentlich die Nase voll davon, aber eine Stimme in ihr sagte, dass sie den Apfel essen sollte, um diese Abneigung wieder loszuwerden. Zögerlich biss sie hinein und wurde sogleich von der frischen Süße überrascht. Der Apfel schmeckte einfach köstlich. Sie nahm sich noch ein paar weitere Stücke, während sie zusammen mit ihrer Oma versuchte den Tag zu rekapitulieren. Offensichtlich steckte Jaga hinter allem, das hieß Wolf hatte sie nicht zum Ball eingeladen. Eine enttäuschende, wenn auch wesentlich einleuchtendere Erkenntnis als die Tatsache, dass er SIE zu so etwas einladen würde.

Regina hatte gar nicht bemerkt, wie viel Zeit bereits vergangen war, als ihre Mutter sie anrief.
“Bist du noch bei Oma?”, fragte sie als Begrüßung.
“Ja wir haben uns verquatscht.” Regina blickte zu ihrer Oma, die aber nur den Kopf schüttelte. Es war besser ihre Mutter erfuhr vorerst nichts von den Vorfällen.
“Gut, gut”, erwiderte ihre Mutter nur und Regina konnte sie vor ihrem inneren Auge nicken sehen. “Da wurde übrigens ein Paket für dich abgegeben. Hast du irgendwo ein Kleid bestellt?” Ihre Stimme klang vorwurfsvoll und Regina konnte sich vorstellen warum, immerhin war ihre Mutter eine der besten Schneiderinnen in der Gegend.
“Ein Kleid?”, fragte Regina betont und blickte erneut zu ihrer Oma. Diese zuckte nur mit den Schultern. An anderen Ende der Leitung beschrieb ihre Mutter das Kleid von Wolfs Foto und Reginas Augen weiteten sich bei jedem Wort.
“Oh, warte, da ist grade ein Umschlag rausgefallen.” Regina hörte es rascheln. “Eine Einladung zum Wunderjunggesellenball. Von Wolf. War das nicht dein Schwarm aus der Schule? Wieso lädt er dich zu dieser schnöseligen Veranstaltung ein und schickt dir ein überteuertes, viel zu kleines Kleid?”
Regina klappte die Kinnlade runter. Ein Glück war ihre Oma gefasster. “Diesen seltsamen Ball gibt es wirklich?”, hakte sie sogleich nach.
“Mutter, was glaubst du wofür ich mich die letzten Tage so abrackere?”, erwiderte Reginas Mutter leicht genervt.
“Das heißt, er hat mich wirklich eingeladen?” Regina hatte das Telefon gesenkt und starrte ungläubig vor sich.

Ihre Oma ergriff es und Regina hörte gedämpft, wie sie versuchte ihre Tochter dazu zu überreden, das Kleid für Regina anzupassen, damit sie hingehen konnte.
“Aber der Ball wird ihr doch keinen Spaß machen!”, argumentierte ihre Mutter.
“Darum geht es doch gar nicht, Grete”, widersprach ihre Oma, wissentlich die Kurzform nutzend, die Reginas Mutter schon vor Jahren abgelehnt hatte. Peggy Kohlweiß klang in ihren Ohren einfach besser.
“Worum geht es dann?”, fragte diese und bekam eine Kurzfassung des Zusammentreffens zu hören und bald schon waren Mutter und Tochter sich einig, dass Regina gehen sollte.
Reginas Mutter würde ihre Kontakte nutzen, um auch für Reginas Freundinnen Einladungen zu bekommen und das geschickte Kleid so anpassen, dass es zu ihrer Tochter passte. Zögerlich stimmte auch Regina zu.

Der Abend des Balls war gekommen und Regina war sich sicher, dass ihre Mutter sich selbst übertroffen hatte. Das ehemals blaue, viel zu enge Kleid, schmiegte sich genau richtig an ihre Rundungen, ohne das es gepresst wirkte und war mit roten und schwarzen Stoffbahnen versetzt. Ihre Freundin Becky hatte es als “punkig” bezeichnet und da konnte Regina ihr nur zustimmen. Sie hätte nie gedacht, dass sie sich in einem mit billigen Strasssteinen besetztem Kleid je so gut fühlen würde. Trotzdem konnte sie ihre Nervosität nicht abschütteln. Egal wie oft sie sich sagte, dass es sie nicht interessierte, was Wolf dachte, so oft erwischte sie sich dabei, wie sie sich genau darüber sorgte. Mit ihren Freundinnen zu der viel zu kitschigen und schnöseligen Musik zu tanzen, nahm ihr das aber schnell. Denn obwohl sie alle drei keine Discos und Dorffeste mochten, hatten sie ihren Spaß dabei sich über den Kitsch, der über die Tische verteilt lag, die altbackenen Girlanden und die Ernsthaftigkeit zu amüsieren, die einige Teilnehmer ihnen entgegenbrachten.

Letztendlich kam der Moment, in dem sie Wolf gegenüberstand. Er trug einen maßgeschneiderten Smoking, der wesentlich teurer war als das Kleid, das er ihr geschenkt hatte. Das war allerdings auch keine Kunst, wie Peggy schnell bei der Überarbeitung festgestellt hatte. Wolf pfiff anerkennend und begutachtete sie von den hochgesteckten Haaren bis zu den neuen Sneakers in ihrer Lieblingsfarbe.
“Du siehst fantastisch aus”, kommentierte er anschließend.
“Ich weiß”, erwiderte sie nur und ärgerte sich darüber, dass sie sich über das Kompliment freute und sie alles andere als souverän klang.
Mit seinem umwerfenden Lächeln bat er sie zum Tanz, den sie schlecht ablehnen konnte, da sie ja offiziell seine Begleitung war. Sie versuchten sich im 1-2-Tipp, aber keiner von ihnen war sonderlich geschickt darin. Trotzdem fühlte es sich für Regina an, als ob sie sich näher kamen, als ob das gemeinsame Lachen sie wieder mehr zu den Freunden machte, die sie einst gewesen waren. Vielleicht sogar zu mehr.

Kaum hatte dieser Gedanke sich seinen Weg gebahnt, tippte jemand Regina auf die Schulter. Neben ihr stand der Förster, der ihr im Wald geholfen hatte, in einem heruntergekommenen Anzug. An seinen Ellenbogen und Knien klafften Löcher und die Farbe war vielleicht mal schwarz gewesen. Mit offenem Mund starrte sie ihn an. Daran hatte sie gar nicht mehr gedacht…
“Du hast ihn beeindruckt”, eröffnete er ihr mit einem finsteren Grinsen. “Anders als erwartet, aber du hast es geschafft. Dann wäre also meine Bezahlung fällig”, erinnerte sie der Förster und zeigte seine vergilbten Zähne in einem süffisanten Grinsen.
“Was für eine Bezahlung? Was geht hier ab? Wer ist der Typ?” Die Fragen sprudelten nur so aus Wolf hervor, der angewidert auf den Förster hinabsah.
“Äähm, er hat mir bei was geholfen und will dafür jetzt ähm den ersten Kuss”, erklärte Regina widerwillig und spürte wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg.
“Du willst sie küssen?” Entsetzt starrte Wolf von Regina zum Förster. Der ungläubige und verletzende Tonfall ging nicht spurlos an ihr vorüber und ihr Herz zog sich krampfhaft zusammen. So viel zu ihrer winzigen Hoffnung, dass Wolf ihr beistehen würde.
Doch der Förster lachte nur. “Ich habe nie von ihr gesprochen.”
“Nicht?” – “Was?”, fragten die beiden gleichzeitig.
Der Förster wandte sich Regina zu und sie konnte seinen schlechten Atem riechen als er sich zu ihr herüberbeugte.
“Glaub mir Kleines: Es ist besser so. Für das, was für dieses Fest noch geplant ist, ist es eine gerechte Strafe.” Seine Stimme klang ernst und entschlossen. Noch bevor Regina etwas sagen konnte, hatte der Förster sich Wolf am Revers gegriffen und zu einem Kuss heruntergezogen. Wolf versuchte sich zu befreien, wedelte wild mit den Armen, aber der andere hatte wesentlich mehr Kraft als man ihm zutrauen würde. Regina brachte keinen Ton hervor und konnte nur starren. Endlich ließ der Förster Wolf los und machte einen Schritt zurück, wie um sein Werk zu betrachten. Wolfs angeekelter Blick wich einer Fratze des Entsetzen. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem breiten Grinsen, dass bald schon nicht mehr natürlich aussah und sich über die Breite seines Gesichts erstreckte. Seine Haut bekam einen grünlichen Ton und seine Augen wanderten geweitet an seine Stirnseiten. Dann machte es plopp und Wolf war verschwunden. Nur noch sein Smoking lag zusammengesunken auf dem Boden. Regina machte einen Schritt zurück, betrachtete den Förster, was er mit großer Sicherheit nicht war, angsterfüllt und sah sich panisch im Saal um. Irgendjemand musste das doch gesehen haben! Irgendein leises Quaken riss sie aus ihren Gedanken. Dort zwischen den Stofflagen kämpfte sich ein großer, grüner Frosch hervor. Erneut blickte sie zum falschen Förster, dieser lächelte sie aufrichtig an und erst jetzt bemerkte sie, dass er wesentlich gepflegter schien. Die nicht mehr verfilzten Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, der wilde Bart zu einem gut getrimmten gestutzt und der Anzug wies keinerlei Makel mehr auf.

“Ein Tanz, Fräulein Holle, während ich alles erkläre?”, fragte er und hielt ihr die Hand entgegen.
Noch ehe sie widersprechen konnte, hatte er schon ihre Hand genommen und sie an sich gezogen. Sie spürte, wie ihr Widerstand und ihre Angst nachließen, anscheinend beruhigte er sie auf magische Weise, damit sie nicht vor ihm davonlief. Eigentlich hätte Regina ihn deswegen anfahren und sich mit Händen und Füßen wehren sollen, allerdings wollte sie auch wissen, was hier vor sich ging. Und vor allem, woher er von ihrer Oma wusste, also hielt sie sich zurück. Gekonnt und langsam führte er sie über das Parkett, offensichtlich tat er auch irgendetwas mit ihren Füßen, denn sie hatte keine Befürchtungen, ihm ungeschickt auf die seinen zu treten. Oder schlimmer noch auf Frosch-Wolf, der dicht neben ihnen hockte und zum Glück noch immer von niemandem entdeckt worden war.

Ihr Gegenüber erzählte ihr, dass er ein wandernder Zauberer sei, der hin und wieder ihre Oma besuchte und schon viel von ihr gehört hatte. Als er erfuhr, wozu der Ball dienen sollte, konnte er nicht anders als sich einzumischen. Die eingeladenen Mädchen sollten bloßgestellt werden und ja, Regina war erst die siebte Wahl gewesen. Alle anderen hatte er erfolgreich davon abhalten können herzukommen. Bei ihr allerdings wollte er sehen, wie eine Holle, damit umgehen würde und hat ihr deshalb einen falschen Apfel gegeben, um sie auf den richtigen Weg zu bringen. Regina starrte ihn an. Er hatte absichtlich dafür gesorgt, dass es ihr nach dem Apfel schlecht ging? Wobei, wenn sie es objektiv betrachtete war es genau das Richtige gewesen, um ihr die rosa Brille von der Nase zu schleudern.
“Und was mach ich jetzt?”, fragte sie anstatt ihm Vorwürfe zu machen.
“Jetzt genießt du einen schönen Ballabend mit deinen Freundinnen und überlässt jemand anderem den Frosch”, schlug er vor und lächelte sie verschwörerisch an, “Außer, natürlich, du kannst ihm wahrhaft verzeihen, dann kannst du versuchen ihn zu erlösen.”
“Mit einem Kuss?”, hakte Regina unsicher nach.
“Ich vermute eher die andere Variante.” Der Zauberer lachte auf und Regina blieb stehen. Für einen Augenblick schaute sie zu dem einsam quakenden Frosch, der zwischen Wolfs Anzug hervorlugte. “Heute nicht”, entschied sie mit einem Grinsen.
Er sollte ruhig etwas aus seiner Situation lernen, bevor sie half, ihn wieder in seine menschliche Gestalt zu verwandeln.
“Eine gute Entscheidung”, bestätigte der Zauberer und ließ sie herumwirbeln, sodass ihr Rocksaum sich wunderbar drehte.

Hinter den Kulissen

Und schon sind wir am Ende des Märchens angelangt.
Ich hoffe ihr hattet Spaß!

An dieser Stelle nochmal ein Großes

Dankeschön!

an alle Mitschreiberinnen: Carola WolffPaula RooseAnne DanckChristina Löw und Sarah Wagner!

Es war fantastisch dabei zuzusehen, wie ihr alle diese Idee genommen habt und zu etwas ganz eigenem gemacht habt. Ich hoffe, ihr seid mit dem Ende so zufrieden wie ich. Irgendwie musste ich ja die ganzen Fäden verknüpfen, die ihr gesponnen habt. 😀

Aber nicht nur das,

dieser Beitrag stellt auch das Ende des Märchensommers dar!

Nur noch heute könnt ihr alle offenen Punkte sammeln, um euch für die wunderbaren Preise zu qualifizieren!

Morgen – spätestens innerhalb der nächsten Tage – gebe ich dann bekannt, wer welche Stufe erreicht hat!

Ich hoffe ihr hattet Spaß und noch viel Erfolg bei den letzten Rätseln!

Anne/PoiSonPaiNter

#CroMär: Kapitel 6

Regina und ihre Oma sind letzte Woche eingeschneit und ihre Oma hat ihr eine entscheidende Frage gestellt. Wies es weiter mit dem sechsten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 6 – Das Pantoffelrätsel

„Schon, aber die sind nicht halb so charmant“, sagte eine angenehm raue Stimme neben ihnen, in der ein leises Lachen schwang.
Regina wirbelte herum. Tatsächlich da stand er. Wolf. Lässig lächelnd und nicht eine einzige Schneeflocke in den schwarzen Haaren.
„Wie …?“, stammelte sie.
Er zwinkerte ihr kurz zu und ging dann mit langen Schritten direkt zu ihrer Großmutter.
„Oder gnädige Frau“, fragte er und griff galant nach ihrer Hand, „was meinen Sie?“
„Wolf?“, Reginas Oma sah ihn staunend an. „Bist du das?“
Er nickte. Sein Lächeln wurde noch breiter.
Regina schaute von ihrer Oma zu Wolf und wieder zurück. Sie verstand überhaupt nichts mehr. Was geschah hier? Wie kam Wolf in diese Hütte? Ihre Oma räusperte sich.
„Hat dir keiner beigebracht, dass man an die Tür klopft, bevor man reinkommt?“, schimpfte sie. „Und was ist das für eine Geschichte mit dem Ball? Was fällt dir ein, meiner Enkelin so den Kopf zu verdrehen?“
Reginas Wangen nahmen schlagartig die Farbe ihres Pullovers an.
„Vielleicht ist es ja umgekehrt?“, erwiderte Wolf. „Vielleicht hat sie mir den Kopf verdreht.“
„Wer‘s glaubt“, schnaubte die Oma. „Seh ich aus wie eine alte Schachtel, der man jeden Mist erzählen kann?“
Doch Wolf schaute jetzt zu Regina. Sein Blick fühlte sich so intensiv an wie eine Berührung. Sie schluckte.
„Sei doch nicht dumm, mein Mädchen“, riss Omas Stimme sie aus dem Sog. „Grad hast du mir noch gesagt, du seist zu alt für Märchen. Ich weiß nicht, was er vorhat, aber es ist sicher nichts Gutes.“
Noch immer spürte sie Wolfs Blick auf sich.
“Pah!” Das rostige Lachen ihrer Oma ging in einen ordentlichen Hustenanfall über. „Ich war auch mal jung, vergiss das nicht.“ Reginas Oma seufzte. “Ich leg mich mal einen Moment ins Bett, mir wird das grade alles zu viel”, raunte sie ihrer Enkelin zu und hatte tatsächlich den Fernseher ausgeschaltet.
Umständlich erhob sie sich vom Sofa und schlurfte Richtung Schlafzimmertür.
„Warten Sie, ich helfe Ihnen.“ Wolf war schon an ihrer Seite.
„Untersteh dich“, protestierte sie. „Seh ich aus, als ob ich keine drei Schritte mehr allein machen könnte?“
Doch sie wirkte tatsächlich etwas wackelig auf den Beinen. Regina registrierte erleichtert, dass sie sich trotz ihres Protests auf Wolfs dargebotenen Arm stützte. Gemeinsam verließen die beiden das Zimmer. Regina hörte sie aus dem Nebenraum reden. Freundlich fragte Wolfs Stimme, ob sie noch etwas brauche. Oma schien zum Glück die Lust aufs Schimpfen vergangen zu sein. Vielleicht war sie bereits eingeschlafen? Sie war so ungewöhnlich still.
Hastig strich sich Regina ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und zog die Kapuze ihres Pulli enger um sich. Das dürfte doch alles nicht wahr sein. Erst traf sie Wolf im Wald und nun war er hier… wieder schüttelte sie den Kopf, der Tag konnte gar nicht mehr verrückter werden. Die Tür knarrte leise. Wolf stand wieder im Raum.
Als Regina ihn sah, musste sie feststellen, dass sie falsch gelegen hatte. Sie konnte sich das Lachen einfach nicht verkneifen. Aus irgendeinem obskuren Grund, hatte er sich die hellgraue Strickjacke ihrer Oma umgehängt. Sein rechter Fuß steckte in einem glänzend grauen Pantoffel. Das Material kam Regina irgendwie bekannt vor. Vielleicht eine Art Fell? Irgendwo hatte sie diese glänzenden grauen Strähnen schon gesehen. Der linke Fuß blieb ohne Pantoffel.
Regina grinste ihn an.
„Aber Oma“, rief sie mit Kleinmädchenstimme, „du siehst so anders aus!“
Wolf erwiderte ihr Grinsen.
„War kalt“, meinte er schulterzuckend. „Dieser ganze Schnee auf einmal.“
„Ja der ist wirklich komisch“, stimmte Regina zu. Dann wusste sie nicht mehr, was sie sagen sollte. Die Situation war einfach zu absurd.
Wolf schlenderte zu dem Sessel, in dem Regina saß und ließ sich auf die Armlehne sinken. Lässig legte er seinen Arm auf die Rückenlehne. Wie zufällig berührte er ihre Haare. Hitze schoss Regina durch den Körper. Unter seinen Fingern wurde sie weich wie Butter. In ihr kribbelte es erwartungsvoll. Wie sehr sie sich danach sehnte, ihm nah zu sein!
Aber irgendwo in ihrem Hinterkopf klang noch die Warnung ihrer Oma. Sei nicht dumm, mein Mädchen. Sie musste herausfinden, was er hier wollte.
Regina räusperte sich und bemühte sich, seine Hand in ihrem Haar zu ignorieren. „Was machst du hier? Gibts noch ein paar Schuhe zum Kleid?“
„Ach, dieser Ball“, Wolf beugte sich vor und sah ihr direkt in die Augen. „Nachdem ich dich wiedergesehen habe, waren mir eine Woche einfach zu lang“
Er streckte die Hand aus. Sanft fuhr er ihr über die Wange. Regina fiel. Haltlos. Jede Frage, jeder Einwand blieb zurück. Da waren nur noch sie und er und ein Rausch stärker als die Wirklichkeit.
Sie seufzte, als er sanft ihren Hals und ihre Schultern streichelte. Seine Lippen fanden ihre. Regina schloss die Augen.
Viel öfter als sie zählen konnte, hatte sie davon geträumt, dass er sie küsste. Ein leidenschaftlicher Kuss, in dem sie so viele Nuancen von ihm erschmecken konnte und dieses kleine bisschen Mehr, das süchtig machte.
Soweit ihre Träume. Seine Lippen waren eiskalt. Sie rissen Regina aus ihrem Rausch. Statt nun endgültig in ihrem Miteinander zu versinken, fühlte sie sich plötzlich seltsam klar. Bilder schossen ihr durch den Kopf. Tante Susi und ihr Apfel – der kleine Mann im Wald – das dunkelblaue Ballkleid – der Schnee – das Brot – der graue Pantoffel an Wolfs rechtem Fuß. Alles Erinnerungen an die Ereignisse dieses Tages. Doch Regina kam es plötzlich so vor, als wäre jede einzelne wichtig. Als müsste sie alle zusammensetzen, um das Muster zu erkennen.
Wie im Krimi, dachte sie. Hatte Oma sie jetzt schon angesteckt mit ihrer Liebe zu billiger Dramatik? Das war doch Quatsch! Es gab weder ein Verbrechen, noch einen Mörder, also keinerlei Grund auf Indizienjagd zu gehen.
Wolfs Lippen auf ihren fühlten sich unangenehm an. Seine Hände auf ihren Schultern waren wie Eis. Sie öffnete die Augen und zog ruckartig ihren Kopf zurück.
In seinen dunklen Augen sah sie ein seltsames gieriges Funkeln. Sein Griff wurde fester. Täuschte sie sich oder breitete sich die Kälte langsam auch in ihrem Körper aus?
„Gefällt es dir nicht?“, fragte er lächelnd.
Regina blinzelte. Für einen Moment hatte sie nicht sein Gesicht gesehen. Da waren Falten gewesen, tiefe Falten, Tränensäcke unter den Augen, leicht gräuliche Haut. Im nächsten Moment sah er wieder ganz normal aus. Regina schauderte. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht.
Sie versuchte, sich vom Sessel hochzustemmen und schaffte es nicht. Nicht die kleinste Bewegung brachte sie zustande. Ihr Körper fühlte sich jetzt so kalt an, wie die Hand auf ihrer Schulter. Er war vollkommen steif. Regina keuchte entsetzt.
Wolf lachte. Kein jugendliches Lachen, ein altes, kurzatmiges Lachen. Wieder erschien vor ihren Augen das faltige Gesicht, das sie bereits gesehen hatte. Diesmal verwandelte es sich nicht in Wolfs attraktive Züge zurück. Stattdessen begann sich nun auch der restliche Körper zu verändern, wurde kleiner und krummer an der Hand auf ihrer Schulter spürte sie lange Nägel wachsen, die sich schmerzhaft in ihre Haut bohrten.
„Endlich“, schnarrte die Alte mit russischem Akzent.
Endlich was?, wollte Regina fragen. Doch inzwischen waren auch ihre Lippen steif.
„Verwandlung ist gut“, erklärte die Alte ungefragt, „aber so unbequem.“
Sie musterte Regina mit zahnlosen Lächeln.
„Nein, ich bin nicht Wolf. Er ist weit weg. Denkt schon lang nicht mehr an dich. Glaub der alten Jaga. Sie kennt das Leben.“
Regina funkelte sie wütend an. Wenigstens dazu war sie noch im Stande.
„Leben ist hart. Leben ist grausam“, philosophierte die alte Jaga weiter.
Oh, wie gern wäre Regina ihr an die Gurgel gesprungen!
„Aber heute lächelt es“, grinste die Alte. „ Wie lang ich darauf gewartet habe! Und nützlich seid ihr zwei Hübschen mir auch noch. Es ist so kalt mit all dem Schnee.“
In diesem Augenblick entschloss sich eines der Puzzleteile in ihrem Kopf sein Geheimnis preiszugeben. Ihr fiel ein, woher sie das graue Material des Pantoffels kannte. Es war kein Fell. Es waren Haare – Omas Haare. Ein Schrei formte sich in ihrem Inneren. Er schrillte zu ihren Lippen, doch diese, steif und verschlossen, ließen ihn nicht heraus. Wie ein Echo raste er in ihr hin und her, bis Regina glaubte, von seinem Klang zu zerspringen.
Die Alte presste ihr beide Hände auf die Schultern. Ihre Lippen bewegten sich in einem seltsamen Singsang. Regina schrumpfte. Es tat nicht weh, was wahrscheinlich an Jagas betäubendem Klammergriff lag, war aber ein sehr eigenartiges Gefühl. Sie spürte wie ihre Zellen kleiner wurden und sich zusammenschoben. Immer weiter verlor sie ihre Körperform. Erst gab es keine Nase und keine Ohren mehr. Dann schob sich das, was von ihrem Kopf noch übrig geblieben war mit dem Hals zusammen. So ging das weiter. Die ganze Zeit hatte sie dabei Jagas Grinsen mit penetranter Deutlichkeit vor Augen.
„Nimm‘s nicht so schwer Schätzchen“, kicherte die kratzige Stimme der Alten. „Jede Geschichte hat ein Happy End – fragt sich nur für wen.“
Regina war nur noch ein formloser Knäuel aus braunen Locken mit einem Schlupfloch, in das sich nun ein runzliger Fuß schob.

Hinter den Kulissen

Wie bereits erwähnt, stammte die ursprüngliche Idee zum gemeinsamen Schreiben von Sarah Wagner, die bereits bei der Nerdwoche mit einem Beitrag mitgemacht hatte. Leider leidete sie darunter, dass Christina nochmal ihr Kapitelende überarbeitete und es dann nicht mehr zusammenpasste, also haben wir Christinas Ende zu einer Mischung aus neu und alt gemacht, damit es wieder stimmig wurde.

An einer Stelle musste ich auch die Handlung etwas drehen, da, wie Anne anmerkte, es so irgendwie sehr unhöflich war. Ursprünglich bat Regina nämlich ihre kranke Oma das Zimmer zu verlassen, damit die beiden reden konnten. Ich denke, sorum passt es besser.

Und wer nicht weiß, wer Jaga ist, dem Empfehle ich Katherina’s Beitrag: Grimm’sche Hexe und Baba Jaga – zwei Mal Hexe? – Teil 1 und Teil 2.

Anne/PoiSonPaiNter

#CroMär: Kapitel 5

Reginas Oma hat ihr letzte Woche eine unglaubliche Geschichte erzählt, ob sie sich dadurch vom Ball abbringen lässt? Wies es weiter mit dem fünften Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 5 – Eingeschneit

Als Regina unten vor die Haustür trat, traute sie ihren Augen kaum: Schnee! Wohin sie auch blickte, alles war unter einer weißen Decke verborgen, ihr Fahrrad eingeschlossen. Sie blinzelte und kniff sich zur Sicherheit kurz in den Arm, doch der Schnee blieb. Sanft segelten noch einige Flocken vom Himmel und landeten auf ihrer ausgestreckten Hand, wo sie sogleich zu kleinen, kalten Wassertropfen wurden.
Regina schüttelte den Kopf. Ob sie nun auch noch halluzinierte? Wenn ja, lag das eindeutig an dem vermaledeiten Apfel, den Tante Susi ihr angedreht hatte. Wenn nein … War das überhaupt möglich, dass so schnell, so viel Schnee fiel? Sie war doch nur ein paar Minuten drinnen bei Oma gewesen.
Mit beiden Händen schaufelte Regina den Fahrradkorb frei, in dem sie das Essen für ihre Großmutter verstaut hatte. Vorsichtig schaute sie in die Plastikdose, die neben dem Kuchen auch den angebissenen Apfel enthielt, und zuckte zusammen: Der Apfel war wieder ganz, als hätte sie nie hineingebissen! Doch irgendwie sah der Kuchen anders aus. Vorhin war er noch saftig gewesen, jetzt wirkte er trocken und krümelig – als hätte er schon mehrere Wochen in der Dose zugebracht und nicht nur etwas mehr als eine Stunde.
Schnell drückte sie den Deckel fest zu, ergriff die Dose mit spitzen Fingern und schaute sich nach dem nächsten Mülleimer um. Dort verstaute sie den Plastikbehälter unter einer alten Zeitung, damit bloß niemand auf die Idee kam, Dose und Inhalt mitzunehmen.
Mit dem restlichen Essen kehrte Regina in die Wohnung zurück.

Während sie noch ihre Schuhe an der Fußmatte abstreifte, hörte sie ihre Oma aus dem Wohnzimmer rufen: „Komm schnell! Sie haben eine ganz sonderbare Eilmeldung durchgegeben!“
Regina hängte ihre Jacke an der Garderobe auf und stapfte dann auf Socken zu ihrer Oma.
„Du wirst nicht glauben –“ Ihre Oma stockte. Sie musterte Regina und an ihrem Gesicht konnte die sehr gut ablesen, wie die Rädchen hinter der Stirn ihrer Oma ratterten. „Was ist mit deinen Haaren passiert?“
Regina strich sich eine feuchte Strähne aus der Stirn. „Schnee“, sagte sie schlicht.
„Schnee?“ Ihrer Oma blieb der Mund offen stehen.
Regina deutete auf die flimmernde Mattscheibe des Fernsehers. „Das da.“
Ihre Oma folgte ihrem Blick. Zusammen sahen sie zu, wie ein sichtlich verwirrter Wettermann auf die hinter ihm eingeblendete Deutschlandkarte zeigte und den Zuschauern mitteilte: „Wie Sie sehen, gibt es in allen Teilen des Bundesgebiets Sonnenschein bei angenehmen, für die Jahreszeit schon fast überraschend hohen Temperaturen. Nur in einem Teil nicht. Dort ist ein drastischer Temperatursturz zu vermelden – mit Schneefall. Wir warnen vor plötzlicher Glätte und bitten Sie, vorsichtig zu sein.“ Er lachte nervös. „Schließlich wissen wir nicht, was das Wetter als Nächstes für uns bereithält. Vielleicht die nächste Eiszeit.“
Ihre Oma stellte den Ton aus und wandte sich Regina zu. „Schnee?“, wiederholte sie.
Regina nickte nur.
Ihre Oma schüttelte den Kopf. „Normal hätte ich das ja für einen schlechten Scherz gehalten. Versteckte Kamera oder so etwas, du weißt schon. Aber wenn du den Schnee gesehen hast …“
„Und gespürt.“
Ihre Oma schüttelte erneut den Kopf, doch zu Reginas Überraschung blieb sie stumm. Das passierte nicht oft. Normal hatte ihre Oma zu allem einen Spruch auf den Lippen – meistens ein Zitat aus einer ihrer Lieblingssoaps.

Statt weiter auf das Thema einzugehen, trug Regina die Plastikdosen in die Küche und stellte sie auf der Arbeitsplatte ab. „Hast du Hunger, Oma?“, rief sie über ihre Schulter. „Ich könnte dir etwas Lasagne aufwärmen.“
„Nein, nein, Liebling“, rief ihre Oma zurück. „Ich habe mir vorhin eine Tütensuppe gemacht. Das reicht erst mal.“
Regina grinste. Was das Essen anging, kam sie wirklich eher nach ihrer Oma als nach ihrer Mutter – die wiederum würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie wüsste, was die beiden verspeisten, wenn sie nicht dabei war. Also räumte Regina das Essen und die zusätzlichen Lebensmittel, die ihre Mutter ihr mitgegeben hatte, in Omas Kühlschrank.
Dabei nahm sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung war. Sie blinzelte und schaute noch einmal hin. Das konnte doch nicht sein … Hatte der Backofen ihr gerade wirklich zugeblinzelt? Nein, das war unmöglich. Sie rieb sich über die Augen und wandte sich zur Tür, um die Küche zu verlassen. Heute war wirklich der Wurm drin – erst recht seit Tante Susis Apfel!
Trotzdem verharrte sie auf der Schwelle und blickte noch einmal über die Schulter zurück. Ein leises Pling ertönte und das Licht im Backofen ging an. Regina zuckte zusammen, dennoch lief sie instinktiv auf das Gerät zu. „Oma? Hast du etwas im Ofen?“
Es war unwahrscheinlich, aber wie sonst sollte sie sich die plötzliche Interaktion des Backofens erklären? Sie bückte sich, schaute durch die Scheibe in den Ofen und sah ein Brot darin. „Oma? Da ist Brot in deinem Ofen!“
Sie wollte den Backofen ausschalten, denn wenn ein Pling ertönte, war das Brot darin sicherlich fertig, doch in dem Moment sah sie, dass dieser gar nicht an war. Wenn sie nach dem Temperaturregler ging, sollte nicht einmal das Licht an sein. Regina runzelte die Stirn, öffnete aber dennoch die Klappe – und der Duft von frisch gebackenem Brot stieg ihr in die Nase. Vorsichtig streckte sie die Hand aus und berührte das Brot mit einem Finger. Es war warm – nicht so heiß, wie es eigentlich sein sollte, wenn es gerade noch gebacken worden war. Aber doch so, als hätte man es vor einer halben Stunde gebacken und dann zum Abkühlen nach draußen gestellt.
Sie hörte langsame Schritte, die kurz hinter ihr verstummten. Regina drehte sich um und sah ihre Oma, die sich am Türrahmen festhielt. Sie schnupperte und dann richtete sie sich plötzlich auf und wirkte wieder fit, als hätte allein der Duft des Brots sie gesund gemacht.
„Oma, da ist Brot im Ofen“, wiederholte Regina, obwohl ihre Oma das natürlich längst selbst gesehen hatte. Doch etwas anderes fiel ihr nicht ein.
Als sie sich erneut zum Ofen umdrehte, bemerkte sie, dass sich dessen Inhalt in der Zwischenzeit noch weiter ›vermehrt‹ hatte: Das ganze Blech war voller Teigwaren – Brot, Brötchen, Croissants –, als wäre eine Großfamilie zum Brunch eingeladen.
Ganz vorsichtig und mit zwei Topflappen – von Reginas Mutter gestrickt, nicht von ihrer Oma – holte sie das Brot schließlich aus dem Ofen und stellte es auf der Arbeitsplatte ab. Skeptisch begutachtete sie es von allen Seiten, doch es sah aus wie ein ganz normales Gebäck, es roch so gut wie frisch vom Bäcker und auch sonst konnte Regina nichts erkennen, das sonderbar war. Nachdem sie auch die anderen Backwaren auf den Tisch gestellt hatte, blickte sie zu ihrer Oma auf. Die war allerdings bereits ins Wohnzimmer zurückgekehrt und schaute wahrscheinlich weiter Telenovelas.
Nachdem Regina sich eine Limo eingegossen hatte, fläzte sie sich neben ihrer Großmutter in einen Sessel und beobachtete sie für einen Augenblick. Eingekuschelt in ihre Decke starrte ihre Oma wie gebannt auf den Bildschirm. Mit einem Kopfschütteln versuchte Regina, das Geschehene zu verdrängen. Vermutlich konnte Oma sich nur nicht dran erinnern, dass sie etwas in den Ofen getan hatte. Schließlich zog Regina ihr Handy hervor und schaute, wie es um ihre Monster stand. Sie freute sich, dass eines der schon ewig liegenden Eier endlich geschlüpft war – da hatte sich die Wegstrecke von zu Hause zu ihrer Großmutter ja irgendwie doch noch ausgezahlt.

Erst in der nächsten Werbeunterbrechung schnitt Oma das andere Thema wieder an, dem Regina mit ihrem Gang nach draußen aus dem Weg gegangen war. „Wieso willst du eigentlich ausgerechnet mit Wolf zum Wunderjunggesellenball?“, fragte sie und schaute Regina stirnrunzelnd an. „Du könntest auch allein gehen oder mit einer deiner Freundinnen. Wäre das nicht einfacher?“

Hinter den Kulissen

Dieses Kapitel von Märchenspinnerin Christina Löw, musste auch noch ein bisschen überarbeitet werden. Ursprünglich hatte sie nämlich nicht geplant die Oma zu Frau Holle zu machen, aber so finde ich es irgendwie passender. 😀

Nächste Woche wird es hier ein bisschen mehr zu ihr geben. Nicht nur meine Rezension zu „Träume voller Schatten„, ihrer Zwerg Nase Adaption, sondern auch ein Interview mit ihr und meine Station ihrer Kreativtour #IchAlsZwerg zum Buch.

Im Verlauf des Märchensommers könnt ihr das Buch auch als E-Book gewinnen.

Anne/PoiSonPaiNter

Der Weg zum Märchen

Schon in meiner Nerdwoche: Superheldinnen gab es einen Beitrag über deren inspirierende Wirkung, doch auch von einfachen Dingen in der Natur kann man Inspiration für märchenhafte Geschichten finden.

Dabei nimmt euch Laura Kier mit auf ihren Weg durch den heimatlichen Wald und zeigt euch, welche Geschichten sich hinter jedem Baum und unter jedem Strauch verborgen halten.

Folgt ihr hier entlang: Sonne, Wind und die Abenddämmerung – ein märchenhafter Inspirationsspaziergang

Wenn euch das noch immer nicht genug inspiriert hat, um eure eigenen Märchengeschichten zu schreiben, dann empfehle ich euch ihre Märchenzeit vom vergangenen Jahr, wo ihr den Anfang einer märchenhaften Geschichte erschaffen könnt.

Hier entlang: Märchenzeit

Wen es interessiert, so sieht mein Anfang aus:

Es war einmal … eine Eishexe, die wünschte sich nichts sehnlicher, als den Regen zurückzuholen und damit die dürren Felder zu wässern. Doch eine Schneezauberin hat sämtliche Wolken gestohlen und über die Berge davon getrieben.

Meine Charakterin heißt übrigens Neata. Sehr neat. B)

Mal sehen, ob ich irgendwann mal die Geschichte schreibe … oder vielleicht diese Figuren bereits im Eishörnchen eingebaut habe? Wir werden sehen …

Viel Spaß und lasst euch inspirieren!

Die Autorin

In Märchen, Romanen und Blogbeiträgen erzählt Laura Kier davon, den eigenen Träumen zu folgen. 1985 wurde sie im Ruhrgebiet geboren, studierte in Düsseldorf Biologie, schwenkte nach dem Diplom in die Softwareentwicklung um und lebt nun in Niedersachsen. Neben dem Schreiben gehören Malen und Zeichnen zu ihrem Leben dazu.

Homepage: Weltenpfad
Facebook: Laura Kier
Twitter: @weltenpfad
Instagram: Weltenpfad

Anne/PoiSonPaiNter

#CroMär: Kapitel 4

Regina hat letzte Woche mit sich gehadert, wird sie tatsächlich in den fragwürdigen Apfel beißen? Wies es weiter mit dem vierten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 4 – Fischige Angelegenheiten

Bevor Regina noch einmal die Zweifel überkommen konnten, biss sie in den Apfel. Er war tatsächlich saftig, sofort tropfte es ihr übers Kinn. Er schmeckte auch nicht schlecht, aber trotzdem… irgendwie falsch. Als wäre es ganzer Apfelkuchen, nicht nur ein Apfel.
Vorsichtshalber nahm sie keinen zweiten Bissen, sondern stapfte zurück zu ihrem Fahrrad und steckte den Apfel in eine der unzähligen Plastikdosen, die ihre Mutter für ihre Oma mitgeben hatte. Der Kuchen wurde dadurch zwar ein Bisschen gedrückt, aber ansonsten verstanden sie sich bestimmt gut. Jedenfalls würde sie erst einmal die Wirkung abwarten. Neuen Code testete man schließlich auch erst einmal Häppchenweise.
Sie kettete das Fahrrad ab, prüfte ihr Handy – das Spiel lief noch, alles gut – und schob das Fahrrad den lästigen Stück des Weges, der zu dicht bewachsen war. Seltsam, dass ausgerechnet hier heute so viele Leute unterwegs waren. Und am seltsamsten war definitiv dieser Förster gewesen. Einen Kuss wollte er. Ihren ersten richtigen mit Wolf, Sandkasten Küsschen zählten da nicht.
In Reginas Magen gurgelte es, der Apfel war an der Arbeit.
Jedenfalls würde sie ihm weder ihren ersten noch sonst einen geben. So ein Unsinn! Der Kerl hatte überhaupt nichts in der Hand, womit er sie zwingen könnte. Und wenn es doch darauf ankäme, dann wäre wenn dann sie diejenige, die hier im Vorteil wäre. Einen Kuss, pah. Wenn das nicht eindeutig unter sexuelle Belästigung fiel!
Die Geräusche aus ihrem Bauch wurden noch unheimlicher. Als würden kleine Blubberblasen in ihr aufsteigen. Und tatsächlich, wenn sie den Mund öffnete, hatte sie sogar das Gefühl, sie würde Marzipangeruch ausatmen. Was das wohl bedeutete?
Erleichtert sah sie, dass der Pfad wieder befahrbar wurde und schwang sich auf den Sattel. Was auch immer mit ihr passierte, es sollte am besten nicht hier unbeobachtet mitten im dichten Wald geschehen, wo man sie erst nach Tagen finden würde. Obwohl sie bei der Besucherfrequenz heute vielleicht wiederum Glück hätte, aber man musste es ja nicht darauf ankommen lassen.
Eine schöne Geschichte war das, jetzt wurde ihr auch noch übel. Was hatte ihr ihre Tante da nur angedreht? Regina trat rascher in die Pedale.

Sie war selten so froh gewesen, selbst einen Schlüssel zur Wohnung ihrer Oma zu haben, wie in diesem Moment. Das Nicht-darauf-warten-müssen, dass die Tür von innen geöffnet wurde, verschaffte ihr wertvolle Sekunden. Sie stürzte zur Tür hinein, mitsamt Schuhen durch den Flur und direkt zum Klo. Dann war alles vorbei.
„Bist du das, Regina?“, kam es aus dem Wohnzimmer, begleitet von gedämpften Gesprächen des Fernsehers.
„Ja“, schniefte sie.
„Was?“
Den Kopf über der Kloschüssel wartete sie noch eine Salve ab. „Ja!“, brüllte sie dann.
„Warum machst du so komische Geräusche?“
Regina verdrehte gedanklich die Augen, hatte praktisch jedoch gerade andere Dinge zu tun. Verdammt, das war doch nicht normal! Und das war nur die Wirkung von einem einzigen Bissen. So bekamen sechs Kilo in einer Woche natürlich einen ganz anderen Beigeschmack. Und so viel stimmte natürlich auch: Sie hatte jetzt definitiv keinen Hunger mehr.
Dann, endlich, war es vorbei. Zittrig kam Regina auf die Füße, spülte erst das Klo, dann den Mund. Noch während sie das Bad verließ, wählte sie bereits die Telefonnummer ihrer Tante.
„Hallo, Susi. Du, dein Apfel ist furchtbar zum Kotzen.“
„Hallöchen Regina. Was ist dir denn über die Leber gelaufen? Probier ihn doch erst einmal, dann wirst du sehen, dass ich –“
„Ich hab ihn schon gekostet, das ist doch das Problem!“
Reginas Oma lag auf dem Sofa, die Decke bis zur Brust gezogen und winkte Regina mit der Fernbedienung zu. Regina signalisierte ihr, dass sie den Fernseher leiser stellen sollte und diese kam augenblicklich der Bitte nach. Für Skandälchen war sie ganz Ohr, eigene Erkrankung hin oder her. Und am besten wandelte sie die danach gleich in eine kleine, fragwürdige Geschichte um, die sie bei nächster Gelegenheit zum Besten gab.
„Du meinst, er hat zu Erbrechen geführt?“
„Wie der beste Magen-Darm-Infekt.“
„So war das aber nicht gedacht. Die bisherigen Tests an Tieren haben nichts dergleichen ergeben. Es wirkt leicht abführend, das ist richtig, aber von Erbrechen wurde nicht berichtet.“
„Frag sie, welche Tiere es waren“, forderte Reginas Oma.
War ihr Handy so laut, dass sie das hatte mithören können? „Welche Tiere waren es denn?“
„Ratten und Kaninchen, so weit ich weiß. Die Routine eben.“
„Kein Wunder, dass sie nichts festgestellt haben. Die können auch nicht erbrechen“, behauptete ihre Oma.
Regina schirmte das Mikro mit einer Hand ab. „Woher weißt du das denn bitte?“
Ihre Oma deutete vielsagend auf den Fernseher.
„Das stimmt zwar“, hörte Regina Tante Susi in deutlich pikiertem Tonfall sagen (die hatte anscheinend auch viel zu gute Ohren!), „aber du kannst Mama ausrichten, dass Übelkeit bei Ratten sozusagen einen Fressflash verursacht und das hätte wohl kaum zum gewünschten Ergebnis geführt. Das haben zumindest die zuständigen Experten gesagt.“
Das wurde Regina eindeutig zu viel Spekulation. „Egal, was der Grund ist, es war jedenfalls eine Sauerei und du solltest alle anderen Testkandidaten vorwarnen. Ich werde jedenfalls keinen weiteren von diesen Höllendingern essen.“
Und um ihrer Aussage Nachdruck zu verleihen, legte sie auf.
„Das war aber unhöflich.“
Regina schnauffte nur und ließ sich dann neben ihrer Oma aufs Sofa sinken. Jetzt saßen sie hier und waren beide krank. Und vielleicht, ging ihr verspätet auf, war sie doch etwas zu unhöflich zu ihrer Tante gewesen. Was, wenn diese gar nichts dafür konnte, und stattdessen dieser Polizist etwas an dem Apfel gedreht hatte? Immerhin hatte er ihn sogar in seiner Tasche gehabt!
„Was sollte der Apfel überhaupt bewirken?“, fragte ihre Oma neugierig.
„Er sollte mich abnehmen lassen.“
„Und was sollte er wirklich bewirken?“
Regina ließ den Kopf zurücksinken. Sie fühlte sich zittrig und elend. Sie wollte gar nicht wissen, was ein ganzer Apfel bewirkt hätte. Mindestens Bewusstseinsverlust, so viel stand fest.
„Gibt es da etwa einen jungen Herren?“, neckte ihre Oma.
Was half es da, es zu leugnen? „Er hat mich zum Wunderjunggesellenball eingeladen“, brummte Regina. „Und mir sogar das Kleid gezeigt, in dem er mich am liebsten sehen will.“
„Ich kann dich sehr gut verstehen. Als ich in deinem Alter war…“
Na also, hier kam sie schon, eine ihrer Geschichten. Das hatte ja nicht lange gedauert.
„Da hatte ich, ob du es glaubst oder nicht, auch ein paar Pfunde mehr auf den Rippen. Außerdem gab es da einen Jungen… ach, alle Mädchen der Klasse waren hinter ihm her. Er sah aber auch unverschämt gut aus, mit seinen Grübchen. Und witzig war er! Ich konnte mein Glück kaum fassen, als er mich einlud, beim Frühlingsball seine Begleitung zu sein. Aber es gäbe eine Bedingung, meinte er. Es gäbe einen Kostümwettbewerb und den müssten wir unbedingt gewinnen. Da er schon sein Kostüm ausgewählt hatte und als Wassermann gehen würde, müsste ich meins anpassen und als Meerjungfrau gehen. Mit Fischschwanz und Muschel-BH.“
Regina runzelte die Stirn. Na klar.
„Ich hatte natürlich meine Bedenken“, fuhr ihre Oma fort. „Der enganliegende Fischschwanz würde mich wie eine Leberwurst aussehen lassen und noch dazu bauchfrei… Aber es war mein Schwarm, also verkaufte ich meine Seele und wurde zur Meerjungfrau.“ Sie seufzte melodramatisch. „Was ich jedoch nicht wusste, war, dass der Wettbewerb in Wahrheit eine Wette war und die ging darum, wer seine Begleitung dazu bringen konnte, im absurdesten Aufzug zu erscheinen. Und natürlich hatte er mich ausgewählt, weil er wusste, dass er mit mir das leichteste Spiel haben würde. Tatsächlich getanzt hat er dann den ganzen Abend mit einer anderen.“ Sie klopfte Regina sacht auf den Arm. „Deswegen, meine Liebe, sollte man vorsichtig sein und sich nicht für jemanden verbiegen, nur weil er einem einmal angelächelt hat.“
„Muschel-BH? Schwarm? Aus welcher Telenovela hast du denn diese Geschichte? Die muss ja ganz schrecklich gewesen sein.“
„Aber sie hätte mir so passieren können.“
„Ach, Oma. Ich bin doch keine zehn mehr, ich bin zu alt für Märchen. Du hattest nie Gewichtsprobleme, ich kenn doch die alten Fotos von dir.“
„Es ist doch die Botschaft, die zählt.“
„Eigentlich ist es die Wahrheit, die zählt.“ Regina schälte sich wieder vom Sofa. „Ich hol mal die Sachen rein, die Mama für dich mitgegeben hat, bevor sie noch jemand aus dem Fahrradkorb klaut.“
„Das heißt, du willst trotzdem zum Ball.“
Natürlich wollte sie trotzdem. Es war nun mal nicht irgendjemand, es war Wolf. Und zum Glück würde sie nicht als Meerjungfrau gehen, sondern ein normales Kleid anziehen. Nun ja, mit Glitzersteinen. Und zu viel Ausschnitt. Aber was tat man nicht alles.
„Dann lass wenigstens deine Mutter deine gute Fee sein und das Kleid für dich anpassen“, rief ihr ihre Oma hinterher. „Damit es wenigstens dein Kleid wird und nicht das für eines dieser super skinny Models.“
Wo auch immer sie diesen Begriff schon wieder aufgeschnappt hatte. Regina seufzte. Manchmal wünschte sie sich, sie könnte auch einfach eine dieser ganz normalen Omas haben, die Tee kochten, Kuchen backten und strickten. Aber diese Fähigkeiten waren irgendwie alle direkt zu ihrer Mutter übergegangen.

Hinter den Kulissen

Letztes Jahr hat sie noch mitgerätselt, in diesem Märchensommer ist Anne Danck, die selbst auch an eigenen Märchenadaptionen schreibt, direkt beteiligt. Wer weiß, vielleicht ist sie dann in Auflage 3 mit ihrem eigenen Buch vertreten. 😀

Anne/PoiSonPaiNter

#CroMär: Kapitel 3

Letzte Woche wurde Regina ein etwas fragwürdiges Obst angedreht, was sie damit macht und wies es weiter mit dem dritten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 3 – Forsthilfe

Es war wirklich nicht fair von ihrer Tante, ausgerechnet Wolf ins Spiel zu bringen. Todesmutig hatte sie ihm ihre Gefühle gestanden und er hatte sie einfach nur ausgelacht. Nur Freunde seien sie. Nach dem er den Talentwettbewerb gewonnen hatte, nicht mal mehr das. Weil er keine Zeit mehr hatte. Sie hätte ihm die Augen auskratzen sollen. Stattdessen hat sie sich zurückgezogen und einfach nicht aufhören können, an ihn zu denken. Wenn er sich genug in der Welt ausgetobt hatte, vielleicht, das hoffte sie ganz insgeheim, vielleicht würde er zu ihr zurückkommen. Niemand vergaß seine Sandkastenliebe. Oder? Bestimmt nicht! Schmachtend starrte sie auf den Apfel. Sieben Kilo. In einer Woche. Er war wirklich wunderbar rot. Aber bildetet sie sich das ein oder roch er nach Marzipan? Wie eklig war das denn? Urplötzlich fielen ihr die Mädchen ein, mit denen Wolf in der Zeitung abgebildet war. Im hohen Bogen schleuderte sie den Apfel zwischen die Bäume, lobte sich ihre Pfunde und schob das Rad weiter.
Nach ein paar Metern sah sie ihn noch einmal im Moos liegen. Er war in der Nähe einer Ameisenstraße gelandet, doch die emsigen Arbeiter stürzten sich nicht auf ihn, sondern machten einen großen Bogen darum. Regina warf einen Blick über die Schulter, ob der pinke Neonblitz noch irgendwo zu sehen war – Tante Susi war verschwunden –, und kickte den Apfel tiefer ins Unterholz. Sie konnten sie mal, alle Wölfe und Hungerhaken dieser Welt. Sie blieb bei richtigen Äpfeln, echtem Marzipan und kaschierenden Kapuzenpullovern.
Der Wald wurde dichter. Schon oft hatte sie es verflucht, dass man die letzte Strecke nur schieben konnte, wenn man nicht von der anderen Seite kommen und die Straße nehmen wollte. Und das wollte sie definitiv nicht, auch wenn es hier manchmal unheimlich war. Kurz überlegte sie, ihr Rad an einen Baum zu ketten, um ohne besser vorwärts zu kommen, da entdeckte sie zwischen den Stämmen eine Gestalt auf sich zu kommen. Nicht schon wieder jemand, oder? War denn die ganze Stadt heute im Wald unterwegs? Das mit dem Anketten erübrigte sich. Schnell wegkommen war jetzt gefragt, aber die Gestalt bemerkte wohl ihren Plan und beschleunigte den Schritt.
„Hey, Regina, warte mal!“
Wie vom Donner gerührt blieb sie stehen. Unter tausend Stimmen hätte sie diese eine wiedererkannt. Hastig drehte sie sich um und nahm nun tatsächlich den Kopfhörer aus dem Ohr.
„Mensch, gut, dass ich dich gefunden habe!“ Er lächelte. Das gleiche zauberhafte, pulsbeschleunigende Lächeln wie damals, als er noch auf dem Schulhof die Pausen mit ihr verbracht hatte.
„Wolf? Bist du das?“
Er grinste. „Und ob. Ich musste ganz schön suchen, um dich zu finden.“
„Aber … aber … woher?“ Ihr blieb der Mund offen stehen. Er stand wirklich vor ihr. Hier. Mitten im Wald.
„Deine Mutter. Sie hat mir gesagt, dass du zu deiner Oma unterwegs bist. Da bin ich hinterher.“
„Du warst bei mir zuhause?“
„Gott, nein, wie kommst du darauf? Ich habe angerufen.“
Der Mund klappte wieder zu. „Ach so.“ Angerufen? „Aber wieso?“
„Hör zu! Ich brauche dich.“
„Mich?“
„Genau dich.“
„Wozu?“
„Nächsten Samstag ist der Wunderjunggesellenball. Na ja, wir bringen alle unsere erste Liebe mit. Und meine warst ja nun mal du.“
„Ich? Und was ist mit Lisa? Leonie? Sabrina? Elke? Martina? Und die hundert anderen, die mir nicht mehr einfallen?“
Er hob beschwichtigend die Hände. „Schon gut, schon gut. Es hat ein paar gegeben. Aber nur eine war die Erste. Und das bist du. Wie sollte ich meine Sandkastenliebe vergessen?“
Sie schluckte. „Im Ernst?“
„Würdest du mich begleiten?“
„Wunderjunggesellenball?“
„So heißt er nun mal.“
„Ich habe Samstag schon was vor.“
„Kannst du das nicht verschieben? Um der alten Zeiten willen?“
„Du solltest lieber eine von deinen Magermodels fragen.“ Sie wünschte sich, dass ihr Herz nicht wie verrückt pochen würde. Er sah noch tausend mal besser aus, als auf den vielen Fotos, die sie von ihm gesammelt hatte. Und war er wirklich durch den ganzen Wald gehetzt, um sie zu finden?
„Hab ich d… hab doch nur eine Sandkastenliebe.“
Ihr Blick schweifte langsam zwischen den Baumstämmen hin und her, als suchte sie dort nach dem Haken. Das war doch alles ein Traum, oder?
„Komm schon, sag ja!“ Da war es wieder, dieses Lächeln.
„Ich … ich kann nicht tanzen. Und ich habe kein Kleid.“
„Das mit dem Tanzen kriegen wir schon hin. Und für ein Kleid habe ich natürlich gesorgt.“ Er griff in seine Hosentasche und zog ein Bild heraus. „Wie wäre es mit dem hier?“ Ein Traum aus dunkelblauer Seide, schwingendem Rock und Swarovskisteinen besetztem Dekolleté zeigte sich darauf.
„Das … das … ich … da passe ich niemals rein.“ Es war abscheulich diese Worte sagen zu müssen. Feurige Röte zog sich über ihre Wangen. War ja klar, dass das alles nur ein Witz war. Er wollte sie demütigen, auf übelste Weise. Und sie wäre beinahe darauf reingefallen. Mit zittrigen Händen zog sie sich die Kapuze über und wandte sich ab.
Wolf legte ihr die Hand auf die Schulter. „Hey, warte. Das ist kein Witz. Geh mit mir zum Wunderjunggesellenball. Das Kleid ist wirklich für dich. Irgendwie wirst du da schon reinpassen. Natürlich nur, wenn du willst. Aber wie es aussieht, hast du wohl keine Lust.“
Doch. Hatte sie.
„Na, dann …“ Jetzt war er es, der sich abwandte.
Blitzartig fiel ihr Tante Susis Apfel ein. „Äh, doch. Warte! Ich habe Lust.“
„Du kommst mit?“ Seine Augen blitzen auf. So wie früher.
„Ja. Das mit dem Kleid bekomme ich hin. Wann treffen wir uns?“
Ein breites Grinsen überzog sein Gesicht. „Ich hole dich ab. Samstag um sechs.“
„In einer Woche?“
„In einer Woche, Baby.“
„Okay. Abgemacht.“
„Das Kleid lasse ich dir vorbeibringen.“
„Gut.“
„Dann bis Samstag in einer Woche.“
„Bis Samstag.“
Seine athletische Gestalt verschwand zwischen den Bäumen. Sie starrte ihm hinterher, als wäre er ein Geist. Ein wunderschöner Geist, ein Traum von einem Mann. Sie musste jetzt nur noch dafür sorgen, dass dieser Traum nicht ungeträumt blieb – und diesen verdammten Apfel wiederfinden, damit sie pünktlich zum Fest eher für das Kleid passende Figur hatte. Denn Tante Susi um einen weiteren Apfel zu bitten – eher würde sie sich von einer Klippe stürzen, als sich das dumme Grinsen ihrer Tante anzutun.
Das Fahrrad wurde jetzt doch an den Baum gekettet, samt Korb, denn beim Suchen brauchte sie die Hände frei. Aber wo zum Teufel hatte sie den Apfel hingetreten? Wo hatte sie ihre Tante getroffen. Wo war die Ameisenstraße? Gab es denn in diesem Wald nichts als Bäume, Bäume, Bäume?
Innerlich verfluchte sie ihre nerdige Angewohnheit, niemals ganz genau den gleichen Weg zu nehmen. Trotzdem musste sie es versuchen. In Gedanken tanzte sie schon einen Walzer mit Wolf, schwebte in seinen Armen, spürte seine Hand auf der Hüfte, roch seinen Atem. Sie. Brauchte. Diesen. Apfel.
Die Äste knackten unter ihren Schritten, Brombeerdornen verfingen sich in ihrem Hosenbein, mit einem Ruck befreite sie sich, stürzte vornüber und landete im Moos.
Verdammt.
„Kann ich Ihnen helfen, junge Frau?“
Verwirrt fuhr sie herum, nur, um festzustellen, dass sie dank ihres Körpergewichts gar nicht so einfach herumfahren konnte. Also drehte sie sich um.
Vor ihr stand ein kleiner, untersetzter Herr mit Rauschebart und Rotzbremse. An den äußersten Haaren über der Oberlippe klebten noch gelbe Reste der letzten Mahlzeit. Eine Forstuniform umspannte seine Wampe, der Hut hing halb über seinem Ohr. Er reichte Regina eine Hand und half ihr wieder auf die Beine.
„Kann ich Ihnen helfen?“, wiederholte er seine Frage, nachdem sie ihre Hosenbeine sortiert hatte.
„Ich such einen Apfel.“
„Einen Apfel?“
„Einen roten.“
„Einen roten Apfel?“
„Ja.“ Sein übler Atem ließ sie einen Schritt zurückweichen. „Einen roten Apfel. Er war ein Geschenk von meiner Tante. Ich brauche ihn dringend. Man könnte sagen, mein Leben hängt davon ab. Oder mein Glück. Meine Liebe. Einfach alles.“
„Wo haben sie ihn verloren?“
„Zwischen den Bäumen bei der Ameisenstraße.“
„Aha. Welcher Baum genau?“ Während er sprach, wippte sein Schnäuzer auf und ab, ein Teilchen des gelben Speiserestes löste sich, fiel herab und blieb im Rauschebart kleben.
„Das weiß ich doch nicht mehr.“
„Hmm. Schwierig, schwierig. Wenn sie keine genauere Beschreibung haben …“
„Nein.“
„Ich könnte Ihnen natürlich auch anders helfen.“
„Und wie?“ Sie tat einen Schritt auf ihn zu, bereute es augenblicklich, aber traute sich nicht, wieder zurückzutreten.
„Ich kann Ihnen den Apfel beschaffen.“
„Wirklich?“ Das Kleid blitzte vor ihrem inneren Auge auf. Sie tanzte mit Wolf in einem wunderschönen Kartenhaus.
„Sicher.“
„Ja dann.“
„Es hätte natürlich einen Preis.“
Das Kartenhaus stürzte zusammen. „Wie teuer wird es denn?“
Der Förster lachte hämisch. „Nicht teuer, eine winzige Kleinigkeit.“
„Und was?“
„Sollten sie ihren Liebsten auf dem Fest erobern …“
Woher wusste er denn jetzt von Wolf und dem Ball? „Ja?“
„… gehört der erste Kuss mir.“
„Was?“
„Also? Was ist?“
„Sie wollen einen Kuss?“ Sie presste die Lippen aufeinander.
„Den ersten Kuss. Nur, wenn Sie ihren Liebsten gewinnen. Sonst natürlich nicht.“
„Aber?“
„Das ist doch wohl nicht zuviel verlangt, wenn man bedenkt, was Sie bekommen.“
„Nein. Natürlich.“
„Und? Wollen Sie ihren Apfel zurück?“
Was sollte geschehen? Sollte sie wirklich Wolfs Herz erobern, dann würde ihr liebster doch verhindern, dass dieser sabbernde Bartträger sie küsste, oder nicht? Eigentlich war es ein völlig gefahrloser Deal. „Ja. Bitte helfen Sie mir.“
„Und ich bekomme den ersten Kuss?“
„Ja.“
„Abgemacht?“
„Abgemacht.“
Mit einem Freierlächeln schnippte er mit den Fingern. Ein winziger Blitz fuhr aus den Fingerspitzen. Dann steckte er seine Hand in die Uniformtasche und zog … den Apfel heraus. „Bitte sehr.“
„Aber.“ Ihr blieb nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag der Mund offen stehen. „Woher?“ Es war tatsächlich Tante Susis Apfel, samt Marzipangeruch.
„Wir sehen uns. Danken Sie mir später.“
Ehe sie sich versah, stand sie wieder alleine im Wald.

Hinter den Kulissen

Heute war Paula Roose dran, an deren Kapitel wir etwas rumdoktern mussten, da sich Regina in der ersten Fassung doch etwas zu sehr „geistig umnachtet“ anfühlte, als sie viel zu schnell auf Wolf eingegangen ist.
Ursprünglich war der Förster auch ein Polizist, aber so tief im Wald, war das dann doch etwas unpassend.
Von Paula könnt ihr übrigens im Verlauf des Märchensommers ihr Buch „Drachenschuld“ als Rundenpreis der dritten Märchenrallye Runde und als zwei der kleinen Hauptpreise des Sommers gewinnen.
Anne/PoiSonPaiNter
 

#CroMär: Kapitel 2

Nachdem wir letzte Woche mit Regina in den Wald gegangen sind, geht es heute weiter mit dem zweiten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens.

Kapitel 2 – Apfelprobleme

Sie radelte über den leicht holperigen Weg, immer tiefer in den Wald hinein. Es roch nach feuchter Erde und Moos. Das Sonnenlicht, gefiltert durch das dichte Blätterdach über ihr, tauchte alles in einen leichten hellgrünen Schimmer. Es war beinahe, als würde man unter Wasser fahren. Cool, dachte Regina. Aber am coolsten: keine Leute hier. Es gab sowieso überall viel zu viele Leute. Krabbelten durcheinander, schubsten, drängten, nervten. Regina war nicht besonders gesellig. Zu viele Menschen auf einmal machten ihr Kopfschmerzen.
„Regina? Juhu, Reginaaaaa!“
Da hatte sie sich wohl zu früh gefreut. Regina legte eine Vollbremsung hin. Sie konnte gar nicht anders. Denn da, genau vor ihr, war eine kleine, schlanke Frau in einem grellen, pinkfarbenen Jogging-Outfit aufgetaucht: Tante Susi. Ganz plötzlich, als hätte der Wald sie ausgespuckt. Regina konnte es dem Wald nicht verdenken. Sie würde auch spucken, wenn ihr diese botoxlippige Barbie im Magen liegen würde.
„Regina, Schätzchen, du machst auch Sport? Das ist eine hervorragende Idee. Wir können ja mal zusammen joggen.“
Susi warf gekonnt die blonden Locken zurück (Hildes Haarsalon: färben, föhnen, neuester Klatsch und Tratsch zusammen 300.- Euro mindestens) und musterte vielsagend Reginas kaum vorhandene Taille. Na wunderbar. Das hatte gerade noch gefehlt.
„Ich muß zu Oma. Notfall.“
„Und Proviant hast du dir auch mitgenommen, wie ich sehe?“
Die gekonnt gezupften Augenbrauen hoben sich. Susi hatte den Picknickkorb erspäht.
„Ist für Oma“, stellte Regina klar.
„Ah ja.“
Süffisanter Tonfall. Susi, rank und schlank, ihrem großen Vorbild Heidi Klum unermüdlich nacheifernd, war eine der Schlimmsten, die Regina ständig wegen ihres Gewichtes nervten. Wunderdiäten, Wunderpillen und am besten den Magen per Operation kleiner schnippeln. Susi schreckte vor nichts zurück. Hauptsache, Size Zero. Regina würde gerne ein paar Pfunde verlieren. Aber sie hatte nicht die geringste Lust, eine Nullnummer zu werden.
„Ich muss weiter.“
„Natürlich, Schätzchen, ich will dich ja auch gar nicht aufhalten. Aber ich hab da was, das wollte ich dir unbedingt zeigen.“
Susi nahm ihren kleinen stylischen Rucksack vom Rücken, öffnete ihn und holte … einen Apfel heraus.
„Hier, für dich.“
„Ne, danke. Hab keinen Hunger.“
Susi lächelte fein. „Du glaubst bestimmt, das ist nur ein ganz gewöhnlicher, wenn auch sehr rotbackiger, süß-saftiger Apfel?“
Regina zuckte mit den Schultern. Sie hatte nichts gegen Äpfel. Nur was gegen eine Apfeldiät.
„Aber das ist kein gewöhnlicher Apfel. Das ist eine neue Züchtung, mit Ballaststoffen. Du isst drei Stück am Tag, morgens, mittags, abends. Sie schmecken köstlich, versorgen dich mit allen nötigen Nährstoffen, vertreiben dein Hungergefühl und du wirst sehen, deine überflüssigen Kilos verschwinden wie durch Zauberhand. Eigentlich reicht schon einer, und du wirst keinen Hunger mehr haben.“
Eine neue Züchtung? Regina wollte gar nicht wissen, was da an Chemie und Gentechnik so alles drinsteckte. Aber das war Susi natürlich völlig egal. Sie arbeitete als Chemikerin für einen großen Kosmetikkonzern, der seine Cremes an wehrlosen Tieren ausprobierte und seine Abwässer so gut wie ungefiltert in den Fluss nebenan leitete.
„Ich bin doch keines von deinen Versuchskaninchen!“
„Völlig ungefährlich. Mein halbes Labor hat die schon probiert“, versicherte Susi.
„Danke, nein.“
„Schätzchen, du kannst bis zu sieben Kilo abnehmen in nur einer Woche. Denk doch mal an Wolf.“
Das war nicht fair. Woher wusste Susi von Reginas Schwäche für ihn? Wolf, der berühmteste, berüchtigtste Sohn der Stadt. Gewinner eines landesweiten Talentwettbewerbes, steile Karriere als Rockmusiker: Wolf & The Hounds of Hell würden in einer Woche in der Stadt gastieren. Wolf, ihr alter Sandkastenfreund, Nachbar, erste große Liebe und erste große Enttäuschung. Wolf, der nur interessiert war an den heißen Mädchen, denen, die sexy waren und selbstbewusst. Und trotzdem hatte Regina seine Karriere mitverfolgt, hatte Zeitungsartikel ausgeschnitten und sich natürlich alle seine Platten gekauft.
„Ich habe übrigens gehört, dass er schon hier in der Gegend sein soll“, flötete Susi. „Seine Mutter besuchen.“
„Ist mir egal“, behauptete Regina.
Aber ihr Herz machte einen verräterischen kleinen Hüpfer. Regina dachte an das Konzertticket, dass sie sich online bestellt hatte. Sie starrte den Apfel an. Sieben Kilo in einer Woche? Wer‘s glaubt … Und selbst wenn. Wolf würde sich wahrscheinlich gar nicht mehr an sie erinnern.
„Ich will nur dein Bestes“, sagte Susi mit süßem Lächeln und legte den rotbackigen Apfel in den Picknickkorb. „Denk in Ruhe darüber nach. Aber nicht zu lange.“
Regina sah ihr nach, wie sie leichtfüßig davonjoggte. Der Apfel glänzte einladend. Regina erinnerte sich an Wolfs Lächeln. Seine strahlend weißen Zähne, seine grünen Augen. Die langen dunklen Haare, die breiten Schultern.
Regina griff nach dem Apfel.

Hinter den Kulissen

Der heutige Beitrag stammt von Carola Wolff, die nicht nur ihren Namensvettern eingeführt hat, sondern bei deren Nachnamen ich grundsätzlich die Anzahl der Ls und Fs vertausche …

Im Verlauf des Märchensommers kannst du übrigens ihr Buch „Der Fluch des Erlkönigs“ als Gesamtpreis der vier Märchenrallye Runden und als einen der Hauptpreise des Sommers gewinnen.

Anne/PoiSonPaiNter