Schreiberlinge im Interview: Christian Handel

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Im Rahmen des Märchensommers habe ich auch ein paar anderen AutorInnen Fragen über ihre Adaptionen und Märchen gestellt.

Christian Handel – Autor von „Rosen & Knochen“

Ein paar Daten zu dir:

Obwohl ich inzwischen seit vielen Jahren in Berlin lebe, bin ich als richtiges Landei aufgewachsen. Schon als Kind habe ich Märchen geliebt und ziemlich früh eine Leidenschaft für Comics und Fantasyromane entwickelt. Mein Hauptberuf wird von ganz vielen Menschen als staubtrocken beschrieben (was er nicht ist), und ich bin ein ziemlicher Geek (Buffy forever!). Es macht mich unglaublich glücklich, dass ich vor zwei Jahren den Mut gefunden habe, ernsthaft mit dem Schreiben zu beginnen. Danke an alle Menschen, die mich dabei unterstützen.

Vorneweg ein paar Fragen zu Rosen & Knochen, dem ersten Band deiner Hexenwald-Chroniken:

1. Welches Element deiner Märchen war am Schwierigsten umzusetzen?

Die Magie. Ich liebe es, Dialoge zu schreiben. Zwar feile ich auch an diesen in der Überarbeitung, sie gehen mir aber oft wie von selbst von der Hand. Die Geistererscheinungen und die magischen Vorkommnisse in und um das Hexenhaus so zu beschreiben, dass sie atmosphärisch beim Lesen ungefähr dem entsprachen, was ich im Kopf hatte, war so viel schwieriger.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Rosen und Knochen hat mir beim Schreiben extrem viel Spaß gemacht. Das Finale war jedoch ein Kampf. Ursprünglich hatte die Geschichte ein anderes Ende. Das war jedoch zu wenig actionorientiert und meine Hauptfiguren waren dabei nicht involviert genug.

Ich merkte bereits beim Schreiben, dass das nicht richtig funktionierte, mir fehlte jedoch die zündende Idee. Eine gute Freundin hat mir sehr deutlich gesagt, dass mein Bauchgefühl stimmt. Sie hat mir aber auch Mut gemacht und mit mir so lange Ideen hin- und her geworfen, bis ich eine ganz neue Richtung einschlagen konnte.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) der Märchen, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Als absoluter Märchenfan gibt es da so viele, dass ich mich wirklich unmöglich entscheiden kann. Einen besonderen Platz in meinem Herzen haben auf alle Fälle die Romane der australischen Autorin Juliet Marillier. Sie zeigten mir, wie vielfältig märchenhafte Stoffe in der Fantasy umgesetzt werden können. Ihre Bücher sind hier aber wirklich nur stellvertretend genannt.

Was filmische Adaptionen angeht, liebe ich die tschechischen Märchenfilme der 70er und 80er Jahre sowie Disney-Trickfilme. Und absolut begeistert bin ich von Maleficent – für mich sowohl inhaltlich, als auch optisch und darstellerisch eine perfekte Märchenadaption, die alten Stoffen treu bleibt, den Zuschauer aber trotzdem überrascht, zum Träumen und Mitleiden bringt und etwas Neues bietet.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte deine Hexenwald-Chroniken umsetzen. Wen siehst du in den Hauptrollen?

Natürlich wäre es ein Traum, Rosen und Knochen als düsteren Fantasystreifen zu sehen – aber ein Alptraum, die Rollen besetzen zu müssen. Wie gut, dass ein Autor da ohnehin fast nie mitzureden hat.

Das ist natürlich nicht die Antwort, die du hören willst. Beim Schreiben über Rose und Muireann habe ich ab und an an Willow und Tara aus Buffy gedacht. Natürlich unterscheiden sich beide Paare stark voneinander. Aber ich hoffe, meinen beiden Hexenjägerinnen eine ähnlich vor Feenstaub glitzernde Beziehung geschenkt zu haben wie Joss Whedon seinen beiden Hexen. Und um bei einer Whedon-Produktion zu bleiben: Die junge Summer Glau aus Firefly wäre sicher nicht nur optisch eine großartige Muireann gewesen.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft der Hexenwald-Chroniken?

Was sich vermutlich die meisten Autoren für ihre Bücher wünschen: viele begeisterte Leser und die Chance, noch zahlreiche weitere Bücher in dieser Welt schreiben zu können.

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Auch hier kann ich mich unmöglich auf eine einzige Erinnerung beschränken. Meine Eltern haben meine Märchenleidenschaft nicht nur ertragen, sondern auch gefördert.

Dann gab es da eine Hörspielkassette von Die Gänsemagd, die ich rauf- und runtergehört habe.

Außerdem durfte ich vor ein paar Jahren das Set eines Märchenfilms besuchen und ein langes Interview mit einem Märchenfilmregisseur führen – das war ziemlich cool.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Auch wenn ich durchaus auch Geschichten mag, die ein trauriges Ende haben (nicht zuletzt, weil sie mir oft viel länger im Gedächtnis bleiben), machen mich Happy Ends glücklich.

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Was mich an Märchen begeistert ist nicht nur ihre magische Kulisse, sondern auch die Kraft und Mut, den ihre Heldinnen und Helden haben. Männer wagen sich auf ihren Abenteuerreisen selbst bis hinab in die Unterwelt und Frauen reisen in Länder jenseits von Sonne und Mond, um ihre Liebsten zu retten.

Richtig stören tut mich nichts. Wenn ich unbedingt die Nadel im Heuhaufen suchen müsste, dann, dass die meisten Märchen heteronormativ sind. Leider auch die meisten Adaptionen.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Das Magische und Wunderbare bricht wie selbstverständlich in den Alltag ein. Tiere können sprechen, mit Hilfe von Gegenständen kann man Zaubern und das Gute triumphiert fast immer über das Böse. Außerdem sind die Frauen nicht weniger mutig und stark – oder gefährlich – als die Männer.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Ist es ein Frosch? Dann würde ich ihn an die Wand klatschen. (Wer die richtige Grimm’sche Version vom Froschkönig kennt, weiß warum).

Ansonsten würde ich mir auf alle Fälle anhören, was das Tier zu sagen hat – denn meist gucken im Märchen diejenigen, die nicht auf sprechende Tiere gehört haben, später ziemlich dumm aus der Wäsche.

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

Ich befürchte, das, was die meisten von uns sich wünschen, könnte auch eine gute Fee nicht erfüllen. Glücklich sein, Gesundheit und Zeit.

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Oh, eine fiese Frage. Die mag ich! Lass mal überlegen, was man so für Möglichkeiten zur Auswahl hätte: Mit einer Spindel jemanden in einen hundertjährigen Schlaf versetzen? Mit einem Ring jemanden dahin wünschen, wo der Pfeffer wächst?

Vielleicht würde ich jemanden, der ganz fies ist, mit dem Pinocchio-Fluch der blauen Fee belegen, der dafür sorgt, dass ihm die Nase wächst, wenn er lügt oder jemandem Schaden zufügen will. 😉

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Hast du mal Märchen gelesen und weißt du, was für schreckliche Dinge den Menschen darin zustoßen? Wer würde da freiwillig tauschen wollen?

Schade, dass die Prinzessinnen aus den Zertanzten Schuhen keinen schwulen Bruder hatten. An ihrer Seite hätte ich gern eine magische Anderswelt besucht, ohne Gefahr zu laufen, dass in einer Nacht dort hundert Jahre in der Menschenwelt vergehen. Und einen verfluchten Prinzen zu erlösen: das hat doch auch was. Nur das Tanzen müsste echt nicht sein. Ich habe zwei linke Füße.

Mehr zu Christian gibt es hier:

Blog: Darkstars Fantasy News
Facebook: Christian Handel

Vielen Dank, Christian!

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

During the Fairy Tale Summer I also asked a few other author*esses questions about their adaptations and Fairy Tales.

Christian Handel – Author of „Rosen & Knochen“ (Roses & Bones)

A few things about you:

Although I have been living in Berlin for many years now, I grew up as a real country boy. Even as a child I loved fairy tales and developed a passion for comics and fantasy novels quite early on. My main job is described by many people as dust-dry (which it is not), and I am quite a geek (Buffy forever!). It makes me incredibly happy that two years ago I found the courage to start writing seriously. Thanks to all the people who support me.

Beforehand a few questions about Rosen & Knochen, the first part of the Witchforest-Chronicles

1. Which element for your Fairy Tales was the hardest to realize?

The magic. I love writing dialogues. I am also working on these in the revision, but they often come naturally to me. It was so much more difficult to describe the ghostly phenomena and the magical occurrences in and around the witch’s house in such a way that when reading them they corresponded atmospherically to what I had in mind.

2. What reduced you most to despair working on the Fairy Tales?

I really enjoyed writing roses and bones. But the finale was a battle. Originally the story had a different ending. But that wasn’t action-oriented enough and my main characters weren’t involved enough.

I already noticed when I was writing that this didn’t work properly, but I lacked the brilliant idea. A good friend told me very clearly that my gut was right. But she also gave me courage and threw ideas back and forth with me until I could take a completely new direction.

3. Which Version (Movie, Tale, Adaptation) of your Fairy Tales, except your own, do you like most?

As an absolute Fairy Tale fan, there are so many that it is really impossible for me to decide. The novels of the Australian authoress Juliet Marillier definitely have a special place in my heart. They showed me how various fairy-tale fabrics can be realized in fantasy. However, her books are really only mentioned here as an example.

As far as cinematic adaptations are concerned, I love the Czech Fairy Tale films of the 70s and 80s as well as Disney cartoons. And I’m absolutely thrilled with Maleficent – for me it’s a perfect adaptation of a Fairy Tale, not only in terms of content, but also visually and in terms of performance, which remains true to the old stories, but still surprises the viewer, makes them dream and pity and offers something new.

4. A Movie-Person comes to you and wants to turn your Witchforest-chronicles into a movie, whom do you see in the leading roles?

Of course it would be a dream to see roses and bones as dark fantasy flick – but a nightmare to cast the roles. It’s a good thing that an author hardly ever has a say there anyway.

That’s not the answer you want to hear, of course. When writing about Rose and Muireann I sometimes thought about Willow and Tara from Buffy. Of course, the two pairs are very different from each other. But I hope to have given my two witch hunters a relationship as glittering with fairy dust as Joss Whedon gave his two witches. And to stick with a Whedon production: The young Summer Glau from Firefly would certainly not only have been a great Muireann optically.

5. What’s your wish for the future of the Witchforest-Chronicles?

What most authors probably want for their books: many enthusiastic readers and the chance to write many more books in this world.

Let’s take a closer look at your passion for Fairy Tales …

6. What is your loveliest memory regarding Fairy Tales?

Here too I cannot possibly limit myself to a single memory. My parents not only endured my passion for Fairy Tales, they also encouraged it.

Then there was a radio play cassette of The Goose Girl that I used to listen time and again.

Also, a few years ago I was allowed to visit the set of a Fairy Tale film and do a long interview with a fairy tale film director – that was pretty cool.

7. What do you prefer? Happy End or Bad End?

Even though I also like stories that have a sad ending (not least because they often stay in my memory much longer), happy endings make me happy.

8. What bothers/enthuses you the most about Fairy Tales?

What excites me about Fairy Tales is not only their magical scenery, but also the strength and courage that their heroines and heroes have. Men venture down into the underworld on their adventure journeys and women travel to countries beyond the sun and moon to save their loved ones.

Nothing really bothers me. If I had to look for a needle in a haystack, it’s that most Fairy Tales are heteronormative. Unfortunately so are most adaptations.

9. What is typically for a Fairy Tale for you?

The magical and wonderful breaks into everyday life as if naturally. Animals can speak, with the help of objects you can do magic and good almost always triumphs over evil. Moreover, women are no less courageous and strong – or dangerous – than men.

At the End a few fantastical Questions:

10. You meet a talking animal, that makes you believe they’re an enchanted human. What would you do?

Is it a frog? Then I’d throw him against the wall. ( Whoever knows the real Grimm version of The Frog King knows why).

Otherwise I would definitely listen to what the animal has to say – because mostly those who didn’t listen to talking animals look pretty dumbfounded later in the Fairy Tale.

11. A Fairy Godmother wants to grand you three wishes, what would you wish for?

I fear that what most of us would wish for could not be fulfilled by a fairy godmother. Being happy, health and time.

12. Which Fairy Tale way would you choose to get rid of someone?

Oh, that’s a nasty question. I like those! Let’s see what options are available: to put someone into a hundred years of sleep with a spindle? Want someone far away with a ring?

Maybe I’d put the Pinocchio Curse of the Blue Fairy on someone who’s mean enough to make his nose grow when he lies or wants to hurt someone. 😉

13. Bonusquestion: With which Fairy Tale character would you like to trade places?

Have you read fairy tales and do you know what terrible things happen to the people in them? Who would want to trade of their own free will?

It’s a pity the princesses from the The Twelve Dancing Princesses didn’t have a gay brother. At their side I would have liked to visit a magical other world without running the risk of a hundred years going by in the human world in one night. And to redeem a cursed prince: that is also something. Only the dancing wouldn’t have to be real. I have two left feet.

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Thank you very much, Christian!

Anne/PoiSonPaiNter

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