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Das #Mörchen


Es tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat, aber zwischen Durchatmen, Überarbeitung und Vorbereitung für andere Aktionen/Veranstaltungen hab ich einfach kaum Zeit gefunden hier weiterzumachen. Da ihr euch für die tatsächliche Auswertung noch etwas gedulden müsst, möchte ich euch heute mit dem Ergebnis des #Mörchens die Wartezeit versüßen.

An drei Stellen habe ich euch am letzten Tag des Märchensommers einen Geschichtsanfang gegeben, den ihr weiterschreiben konntet.

Die Facebook-Gruppe schaffte es die Geschichte mit ein paar interessanten Wendungen zu beenden. Vielen Dank an die fleißigen Mitschreiberinnen Svenja Krause, Jessica Diana, Nicole Knappstein, Franci Becker und Bianca Schroeder! (Anm.: Absätze sind Schreiberwechsel, Fehlerchen hab ich korrigiert, aber viel mehr habe ich nicht angepasst.)

Das Mörchen

Es war einmal ein #Plotbunny, das hatte schon viele Geschichten vom großen Mörchen gehört. Nun, da es alt genug war, wollte es sich auf die Suche danach begeben … (Poison)

Es packte seine liebsten Dinge zusammen, schaute sich noch einmal in seinem behaglichen Heim um und machte sich auf den Weg. (Svenja)

Auf den Weg traf es eine Bäuerin und fragte sie: „Hallo ich bin auf der Suche nach dem Mörchen. Weißt du wo ich es finde?“
Die Bäuerin schaute recht verdutzt und erwiderte: „Herrje das ist mir ja noch nie passiert … ich weiß leider nichts davon aber frag doch mal in der Schenke nach, dort erzählt man sich die ein oder andere Geschichte.“
Das Pony namens Bunny machte sich auf den Weg zur Schenke und hoffte darauf dem Mörchen hier auf die Spur zu kommen. (Jessica)

Unser Pony kam in der Schenke an. Dort saßen 12 wunderliche Gestalten an einem runden Tisch und hinter dem Tresen stand ein zotteliger grimmiger Bär. Das Pony schluckte und ging langsam auf den Bären zu um ihn nach dem Mörchen zu fragen. Doch als es an dem runden Tisch vorbei ging sprang ein Zwerg mit blauer Haut vor es und sagte: „Du kommst hier nur vorbei wenn Du ehrlichen Herzens bist.
Zwölf Rätsel sollst du lösen dann kannst du besiegen jedes Böse.“ Das Pony war höchst erstaunt … (Nicole)

Und fragte „Was passiert wenn ich diese Rätsel nicht löse?“
Der blaue Zwerg entgegnete: „Dann wirst du dem Geheimnis vom Mörchen niemals auf die Spur kommen.“
Das Pony schluckte und sagte: „Ok dann los.“
Der Zwerg schaute es an und sprach: „Das erste Rätsel ist noch leicht, aber beachte es wird von Stufe zu Stufe schwerer: Es gibt einen Ort zu dem jeder Mensch mal gehen muss ganz egal ob er will oder nicht. Dieser Ort kann gut oder schlecht sein, je nachdem wie man als Mensch war. Welcher Ort ist das?“ (Jessica)

Dann war das Pony alleine und grübelte über das Rätsel. Im Moment fehlte ihm jedoch die zündende Idee und so bediente es sich erstmal an seinen Vorräten. (Svenja)

„Was könnte das sein?“, grübelte es. Hin und her gingen die Gedanken bis die Idee zum greifen nah war. Schnell wanderte es zum blauen Zwerg und sagte: „Ich glaube ich habe die Lösung und leicht war das nicht. Die Lösung ist das Jenseits.“
Der Zwerg entgegnete: „Gut geraten und ja das stimmt. Gut kann es sein wenn man in dem Himmel kommt oder schlecht wann man in der Hölle brennt. Sterben möchte jedoch keiner. Dann kommen wir nun zum zweiten Rätsel …“ (Jessica)

Diesmal trat eine zierliche Fee vor das Pony Bunny und sagte: „Ich stelle dir das zweite Rätsel. Was ist das? Am Morgen geht es auf vier Beinen zur Mittagszeit auf zwei und am Abend auf drei.“ Bunny überlegte hin und her doch so recht wollte ihm nichts einfallen … (Nicole)

Es verzog sich auf eine Blumenwiese. Grübelte und grübelte, rümpfte sein Näschen … Verzweifelte fast, als es in der Nähe eine Familie, der hässlichsten Arten, die diese Welt behausten und sich „Mensch“ nennt, sah: ein Ehepaar vor dessen Füßen ein speckiger Abklatsch auf allen vieren krabbelte und hinten dran ein ausgedörrtes Exemplar dieser Gattung, gestützt auf einen Stock. „Ein Dreibein“ dachte das Pony Bunny und lachte – da kam ihm die entscheidende Idee und hopgaloppelte rasch zur zierlichen Fee … (Franci)

„Naa hast du die Lösung gefunden?“, fragte die Fee und schwirrte dabei hin und her. (Svenja)

„Und ob“, antwortet das Pony Bunny. „Es ist der Mensch … am Anfang krabbelt er auf vier Beinen dann läuft er auf zwei und am Ende braucht er einen Stock und läuft auf drei Beinen.“
Die Fee flog einen Looping und sagte: „Zweites Rätsel gelöst!“
Nun war das dritte Rätsel an der Reihe und es kam … (Nicole)

von einem groß gewachsenen Elfen, der sich an einem Zwerg vorbeischob. „Zwölf Rätsel sind doch albern, ICH stelle dir ein schweres Rätsel, das Schwerste von allen und wenn du verlierst … werfen wir dich dem Drachen zum Fraß vor“, eröffnete er mit einem finsteren Grinsen im Gesicht. Er hatte sich zu Bunny hinuntergebeugt und seine Augen glänzten vor Boshaftigkeit „Ponys sind seine Lieblingsspeise …“
Er klatschte dramatisch in die Hände, als er sich wieder aufrichtete.Alle Augen wurde auf ihn gerichtet: „Nun gut, bist du bereit?“ Doch noch bevor Bunny antworten konnte fing er bereits an: „Der Händler hat es, wenn seine Bilanz positiv ist. Der Dieb hat es, wenn er nicht gefasst wird. Der Spieler hat es, wenn er richtig antwortet. Was bin ich?“ (Poison)

„Herrje ich hatte ja auf weitere leichte gehofft, aber dann gleich ein solches Rätsel ich weiß nicht ob ich richtig liege, doch ich hoffe es. Ich möchte meinem Traum endlich einen Schritt näher kommen ich tippe auf den Gewinn“, erwiderte Bunny. (Jessica)

Der Elf grinste Bunny an. „Du willst wirklich zum Mörchen? Meinst Du ein kleines hüpfendes Pony kann mein Rätsel lösen? Ist das wirklich dein letztes Wort? Dein Pony Leben hängt davon ab.“
Bunny wich drei Schritte zurück überlegte und sagte dann … (Nicole)

„Ein Pony muss tun was ein Pony tun muss“ und schaute den Elf entschlossen an. (Svenja)

Der Elf grinste nutzte seine übernatürlichen Kräfte und verfrachtet das Pony in eine Seifenblase und ließ es circa einen Meter über dem Boden schweben. Bunny wollte sich befreien doch so sehr es es versuchte es passierte nichts. Der Elf lief los und die Seifenblase folgte ihm. (Nicole)

„Tja, mutig, mutig, kleines Pony.“ Der Elf stupste die Seifenblase an. „Aber die Antwort ist …. FALSCH!“, brüllte der Elf ihm schließlich entgegen und fing an schallend zu lachen. „Auf zum Drachen mit ihm!“, verkündete er mit einer theatralischen Geste.
„Genaugenommen …“, mischte sich ein Gnom mit dicker Brille und einem Klemmbrett unter dem Arm ein. „Genaugenommen, kann man die Antwort als richtig gelten lassen. Alle drei Parteien erwirtschaften mit ihren Vorhaben einen Gewinn.“
„Aber es ist nicht MEINE Lösung!“, schrie der Elf nun diesen an. (Poison)

„Aber wenn ich doch Recht hatte? Und naja lieber Elf es führen mehrere Wege nach Rom“, sprach das Pony weise.
Der Elf explodierte förmlich und sein Kopf wurde knallrot. „Du traust dich was. Spazierst hier rein und stellst mich in Frage!!! Sowas habe ich schon lange nicht mehr erlebt“, wandte der Elf sich zornig dem Pony zu. (Jessica)

„Was mir einfällt?“ Bunny war entrüstet. „Ich habe Recht und du willst mich trotzdem verfüttern? Nur weil ich nicht DEINE Antwort hatte. Das ist ja wohl Grund genug und jetzt lass mich runter und zeig mir dem Weg zum Mörchen.“ Das Pony schaute den Elf grimmig an. (Nicole)

Der Blick war so grimmig dass der Elf Angst hatte von den Augen durchbohrt zu werden und so willigte er lieber ein. Denn es wäre ja nicht der erste Mord durch einen Blick. Die sollen ja bekanntlich töten können. (Svenja)

Schließlich knickte der Elf ein und sagte: „Ok dir scheint dein Vorhaben wirklich wichtig zu sein. Ich werde dir helfen.“
Aufgeregt galoppierte Bunny in der Schenke umher bis es schließlich vor dem Elf stand und abwartete. (Jessica)

„Komm mit „, sagte der Elf und führte Bunny zu einem kleinen Hof im Wald. „Hier soll das Mörchen sein?“, fragte es und schaute sich ratlos um. (Svenja)

„Ja, hier wirst du finden was du suchst“, antwortete der Elf drehte sich um und verschwand.
Bunny wollte noch etwas fragen doch der Elf war schon verschwunden. Also ging es auf den Hof zu und sah sich um. Es war wirklich schön hier. Der Hof war eingesäumt von wunderschönen Blumenwiesen und dazwischen sprudelte ein Bächlein, welches in einen glitzernden See floss. Bunny ging auf das Haus zu und hörte plötzlich ein seltsames Geräusch. Sie spitzte die Ohren doch sie konnte nicht erahnen wer oder was dieses Geräusch machte. (Nicole)

Vorsichtig schlich sie um die Hausecke. Dabei hielt sie sich eng an der Wand.
Als sie fast um die Ecke war hörte sie wieder das Geräusch. (Svenja)

Es klang wie eine Mischung aus Weinen und Lachen. Bunny schlich weiter, trat dabei unbemerkt auf einen Stock. Das Brechen des Zweiges klang in ihren Ohren wie ein Pistolenschuss. Bunny blickte angstvoll auf und starrte auf … (Nicole)

einen Esel. Bunny war erstaunt über dieses Tier das ihr so ähnlich war aber so ein anderes Geräusch als sie machte
Vorsichtig ging sie näher heran. Da erblickte der Esel sie. (Svenja)

„Was bist du“, fragte der Esel erstaunt.
„Ich bin ein Plotpony“, erwiderte Bunny stolz.
Verwirrt starte der Esel Bunny an und entgegnete … (Jessica)

„Und ich bin ein Esel … mein Name ist Donny und ich wohne hier auf dem Hof. Ich habe alles was ich brauche und doch habe ich das Gefühl es fehle mir etwas“ und Donny machte wieder dieses komische Geräusch „Iiiiii….ahhhh“.
Bunny schaute ihn besorgt an. (Nicole)

„Also, wenn ich traurig bin, hilft es mir immer, wenn ich mit jemanden darüber rede. Hast du denn keinen Tierfreund?“, fragte Bunny besorgt. (Jessica)

„Nein, ich bin der einzige Esel hier. Aber wie kommst du eigentlich hier her?“, fragte Donny.
Bunny erzählte also von der zurückliegenden Reise.
„Ahh das Mörchen hab ich schon mal gesehen!!“, sagte er am Ende aufgeregt und bat Bunny mitzukommen. (Svenja)

Die beiden liefen los und Bunny war so aufgeregt das sie wie ein Känguru hinter Donny herhopste. Donny musste kichern das sah schon lustig aus. Dann blieb Donny stehen und Bunny hüpfte mit vollem Schwung in ihn hinein. Ups. (Nicole)

Dabei purzelten sie kopfüber einen kleinen Hang hinunter! Unten angekommen ragten acht Beine wild durcheinander in die Höhe! Donny und Bunny sahen sich an und prusteten lauthals los! So viel Spaß hatten sie schon lang nicht mehr! (Bianca)

Fast hätten sie vergessen wonach sie suchten. Dann nach einigen Lachanfällen fragte Bunny: „Wo ist nun endlich das Mörchen?“ (Svenja)

Donny schaute sich kurz um dann zeigte er auf etwas und sagte: „Schau dort drüben!“
Bunny konnte es nicht glauben! Vor ihnen lag ein kristallklarer See, der so funkelte, dass sie die Augen zukneifen musste.
In der Mitte des Sees war eine kleine Insel, die in geheimnisvollen Nebel eingehüllt war! (Bianca)

Donny und Bunny hüpften ins Wasser und schwammen rüber zu der nebligen Insel. Am Ufer angekommen mussten die beiden erstmal durchschnaufen und das Wasser aus dem Fell bekommen. Dann sahen sich die beiden auf der Insel um. (Nicole)

Es war der perfekte Ort für die aktuelle Hitzewelle. Strand, Sonne und Meer umsäumt von kleinen Fachwerkhäuschen und Möwen am blauen Himmel. Donny sah sich entzückt um aber Bunny hatte die Mission Mörchen nicht vergessen und drängte den Esel sie endlich zum Ziel zu bringen. (Svenja)

Bunny fragte: „Wo finden wir denn nur das Mörchen und wie sieht es aus?“
Doch dann hörte es ein Wispern, dann ein Raunen! Es rief nach ihnen!
„Hier bin ich! Kommt her!“
Donny rief erfreut: „Ich erkenne die Stimme … es ist das MÖRCHEN! Komm schnell Bunny! Wir folgen der Stimme!“
Bunny war total aufgeregt! Wie mochte es wohl aussehen?
Sie gingen an den kleinen Häuschen vorbei und steuerten auf einen wunderschönen Garten zu mit außergewöhnlichen Pflanzen und Blumen,
Langsam wurde die Stimme lauter.
„Hier bin ich! Genau vor euch!“
Donny sprang vor Aufregung hoch: „Da ist es!“
Bunny sah verwundert auf und erblickte ein seltsames Wesen: Halb Mensch halb Pflanze, welches von ein einem seltsamen Nebel umgeben war, dass sie aber freundlich zu sich winkte.
„Ihr hattet eine lange und aufregende Reise“ sagte das Mörchen und schmunzelte schelmisch. (Bianca)

„Was möchtet ihr beiden von mir das ihr den weiten Weg auf euch genommen habt?“ Donny schaute Bunny sprachlos an.
Bunny sagte: „Ich suche dich weil …“ (Nicole)

„Ich kein Plotpony mehr sein möchte. Ich möchte sein wie alle anderen.“
Das Möhrchen schaute Bunny traurig an und entgegnete: „Ich vermag es leider dich nicht ändern, aber ich gebe dir etwas auf den Weg. Du bist einzigartig.“(Jessica)

Und es beschrieb genau wie es ist einzigartig zu sein. Da wurde Bunny ganz nachdenklich und mit warmen Gefühl im Herzen rief es die Worte: „Ich bin stolz ein Plotpony zu sein!“
Alle feierten eine coole Party … (Svenja)

und begriffen, dass es wundervoll fabulös ist, einzigartig, ungewöhnlich & mackenhaftplotastisch zu sein. (Franci)

~ Ende ~

Wer sich an den anderen beiden Versionen noch versuchen mag kann dies gerne auf meiner Facebook– bzw. Twitter-Seite tun.

Bitte geduldet euch noch ein wenig für die vollständige Auswertung. Nach dem Litcamp Hamburg am Wochenende sollte ich ein bisschen mehr Luft haben um es nächste Woche fertigzustellen!

Anne/Poisonpainter

The Weekend Guess #126

wegWas ist der Weekend Guess?

Ein von mir formuliertes Rätsel, das Wortwitze und Wortspiele über die Antwort selbst enthalten könnte, wird hier zum Lösen für meine Leser*innen eingestellt.

Worum geht es bei den Fragen?

Diese sieben speziellen Fragen drehen sich um Märchen, schließlich ist Märchensommer. 😉

Was ist deine Aufgabe dabei und was bringt das für dich?

Du kannst versuchen das Rätsel zu lösen und damit fünf Punkte für die gesammte Märchensommer Challenge sammeln!

Lasst uns einen Blick auf das siebte Märchenrätsel werfen:

Blumige Kochkunst

Welches Märchen suche ich?

Wenn ihr die Antwort kennt, benutzt NICHT die Kommentare, sondern sendet eure Antwort über das Formular!

Anne/PoiSonPaiNter

Märchenspinnerei im Interview: Sabrina Schuh & Christina Löw

Ein letztes Märchenspinnerinnen Doppelinterview gibt es heute im Märchensommer.

Die eine Adaption ist schon etwas älter, die andere gerade frisch geschlüpft …

Sabrina Schuh – Unter pinken Sternen

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

„Sterntaler“ verschenkt ja ihren ganzen Besitz. Meine Protagonistin kann das nicht so extrem tun, aber allgemein dieses Verschenken einzubauen, war ziemlich herausfordernd, denn es sollte ja glaubwürdig in die Geschichte integriert werden und zu moderner Obdachlosigkeit passen.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Hmm… die Recherche. Sie hat mich nicht direkt zur Verzweiflung gebracht, aber sie hat mich extrem mitgenommen, denn die ganzen Gespräche und Schicksale gehen einem schon an die Nieren.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Ich liebe das Original am meisten, das ist einfach mein Lieblingsmärchen seit dem Kindergarten. Außerdem gibt es von den Öffentlich-Rechtlichen eine Verfilmung von 2011, die ich ganz gut finde.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Ich habe auf der Straße beim Recherchieren einen jungen Mann kennengelernt, der die Rolle von Fabian perfekt besetzen könnte. Für die Nebenrolle des Sicherheitsmanns habe ich einen ehemaligen Arbeitskollegen vor Augen und für Silke eine bestimmte Bloggerin. Ich stehe auf unverbrauchte Gesichter, daher wird euch das vermutlich wenig weiterhelfen.

Mehr zu Susanne gibt es hier:

Interview zu Unter schwarzen Federn: Sabrina Schuh

Facebook: Sabrina Schuh  – Autorin

Christina Löw – Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein

1. Welches Element deines Märchens war am Schwierigsten umzusetzen?

Die Idee, mich an einer Adaption des gestiefelten Katers zu versuchen, kam mir zum ersten Mal im Herbst 2017, als ich eigentlich an meiner Zwerg-Nase-Adaption arbeiten sollte … doch irgendwie wurde der Plot nicht rund. Einige Zeit später entwarf ich mehrere Kurzgeschichten rund um den gestiefelten Kater, doch auch dabei kam ich nicht zum Abschluss. Etwas fehlte, etwas passte noch nicht.

Bis ich mich Mitte Juli 2018 erneut hinsetzte und im brainstormenden Ping-Pong mit meinem Mann nicht nur die grobe Geschichte, die heute »Der Kater unterm Korallenbaum, oder: Wünschen will gelernt sein« heißt, mehr oder minder in einem Rusch plottete, sondern auch gleich noch die Vorgeschichte mit entwarf. (Letztere schlummert bislang unveröffentlicht, aber fertig geschrieben in meiner Schublade.)

Langer Rede kurzer Sinn: Am schwierigsten auf dem Weg vom Märchen zu meiner Adaption fiel es mir, unter allen möglichen Ideen, die mir durch den Kopf schwirrten, diejenige auszuwählen, die aus dem Märchen am besten ›meine‹ Geschichte macht. Denn der Stoff des Märchens reicht bei mir dramaturgisch gesehen maximal bis zum ›Midpoint‹ meines Buchs.

2. Was hat dich bei der Arbeit am Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Nachdem der Plot endlich rund war? Nicht mehr viel. 😀

Das Schreiben selbst hat mir Spaß gemacht und danach habe ich aus dem Lektorat und von meinen Testleserinnen so viel hilfreiches Feedback bekommen, dass ich selbst den Überarbeitungsprozess eher als bereichernd wahrgenommen habe.

Und auch die Recherchen, die stellenweise ziemlich (!) zeitaufwendig waren, haben mir eher erneut gezeigt, wie spannend ich es finde, mir ganz viel Detailwissen anzueignen. Immerhin kann ich jetzt z.B. allen, die es wahrscheinlich nicht wissen wollen, genau erklären, wie in Japan der Ticketkauf beim Busfahren funktioniert. (Nicht, dass das später im Buch gelandet wäre.) 😉

Einiges Nerven hat mich dagegen die Titelsuche gekostet … Es brauchte mehrere Wochen, unzählige Stunden und auch die helfenden Hirnzellen einiger Menschen, bis der Titel endlich stand.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) deines Märchens, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Ich bin vor einiger Zeit auf das Buch »Janosch erzählt Grimms Märchen« gestoßen und mag die darin enthaltene Adaption vom gestiefelten Kater recht gern. Im Unterschied zur grimmschen Fassung, in der der Kater dem jüngsten Sohn einfach alle seine Wünsche (und noch mehr) erfüllt, zeigt Janoschs Kater dem Protagonisten, was im Leben einem wirklich Zufriedenheit schenkt – und das ist nicht ein Überfluss an materiellen Gütern.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte dein Märchen umsetzen, wen siehst du in den Hauptrollen?

Meine Protagonistin ist – wie auch alle Mitglieder ihrer Familie – japanischer Abstammung. Das schränkt bei einer deutschen Verfilmung das Casting schon deutlich ein, fürchte ich. Bei einer internationalen Produktion hätte ich aber ein paar Ideen. 🙂

Noch etwas schwieriger als Yuki wäre es wahrscheinlich, Sasuke zu casten … denn natürlich kann diesen Kater nicht jedes Katzentier spielen. 😉

Mehr zu Katherina gibt es hier:

Interview zu Träume voller SchattenChristina Löw

Homepage: Christina Löw
Facebook: Christina Löw
Twitter: @christina_loew

Vielen Dank, Sabrina & Christina!


Anne/PoiSonPaiNter

Schreiberlinge im Interview: Monja Schneider

Nicht nur die Märchenspinnerrinnen kommen im Märchensommer zu Wort. Auch ein paar anderen Autorinnen habe ich Fragen über ihre Adaptionen und Märchen gestellt.

Monja Schneider

Ein paar Daten zu dir:

Geboren wurde ich am Valentinstag des Jahres 1971 in Heidelberg.

Zum Schreiben gekommen bin ich durch meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Kirchengemeinde. Irgendwie meinten meine Mitstreiter immer: »Mach mal, du kannst das doch«, wenn es eine Geschichte oder ein Theaterstück zu schreiben gab. Die Storys wurden immer länger, irgendwann habe ich auch mal mit eine paar Freundinnen angefangen, StarWars Fanfiction zu schreiben. Und irgendwann meinten sie, ich solle doch mal was an den Verlag schicken.

Glücklicherweise war ich schüchtern und habe erstmal ein Fernstudium im Schreibhandwerk gemacht, um Sicherheit zu bekommen. Meine ersten Veröffentlichungen (2009/2010) waren Kurzgeschichten in Anthologien. Mein erster Roman »Rabenschwester« erschien noch in einem Verlag, aber 2015 habe ich einen Vortrag über Selfpublishing (das damals noch in den Kinderschuhen steckte) gehört und es einfach mal ausprobiert. Heute bin ich überzeugte Selfpublisherin und Mitglied im Selfpublisher-Verband.

Ich lebe zusammen mit zwei Katzen, zwei Katern und zwei Meerschweinchen an der badischen Bergstraße und arbeite »nebenbei« noch als Verwaltungsangestellte.

Meine Veröffentlichungen:

Vorneweg ein paar Fragen zu deinen Märchen:

1. Welches Element deiner Märchen war am Schwierigsten umzusetzen?

Puh, schwierig. Ich denke, die sieben Brüder der Rabenschwester mit ihren Charakteren und Eigenheiten zu »erschaffen«, war eine Herausforderung. Zumal Rabenschwester ja mein Debüt war und ich es so gar nicht mit dem Planen hatte.

2. Was hat dich bei der Arbeit an den Märchen am meisten zur Verzweiflung gebracht?

Naja, wie gesagt, mit dem Planen hatte ich es nicht so. Und diese sieben Brüder haben irgendwann gemacht, was sie wollen. Und dann kam noch dieser Frosch in Nebenrolle, der plötzlich eine Hauptrolle haben wollte. Aber alles in allem ist es dann doch gut ausgegangen und sie lebten glücklich bis zum Ende ihrer Tage.

3. Welche Fassung (Film, Erzählung, Adaption) der Märchen, außer deiner eigenen, magst du am liebsten?

Puh, da könnte ich mich jetzt gar nicht entscheiden. Es gibt so viele tolle Märchenverfilmungen. Ich gestehe, ich schaue mir sonntags immer die Märchenfilme an. Außergewöhnlich finde ich Maleficent, die dunkle Fee, weil der Film mal eine neue Perspektive auf die Geschichte wirft. Fand ich sehr eindrücklich.

4. Ein Film-Mensch kommt auf dich zu und möchte deine Märchen umsetzen. Wen siehst du in den Hauptrollen?

Definitiv Alain Delon. 95% meiner Hauptcharaktere sehen aus wie Alain Delon. Also in seinen älteren Filmen. Auch wenn er selbst mit 73 in »Asterix bei den olympischen Spielen« eine super Schauspielleistung erbracht hat (und seine blauen Augen so richtig zur Geltung kamen). So war zum Beispiel ein Bild von ihm in »Die schwarze Tulpe« mein Vorbild für Enzio aus Principessa. Heute würde ich ihm die Rolle des Vaters der sieben Brüder und der Rabenschwester geben.

Sheena Rabenschwester und Principessa Stella müsste ich wohl eine unbekannte Neuentdeckung suchen, da die beiden noch sehr jung, erst 16 bzw. 14 Jahre alt, sind. Habe noch mit meiner Freundin gechattet. Sie meinte, Laura Berlin, die Charlotte aus Rubinrot, würde zu Rabenschwester Sheena passen und Jennifer Lawrence zu Principessa Stella. Stimmt, das passt Aber Miranda Otto (Eowyn) wäre eine super Besetzung für Stellas Mutter. Und Stella sieht ihrer Mutter sehr ähnlich.

5. Was wünscht du dir für die Zukunft deiner Märchen?

Dass sie weiter bestehen und weiter so populär bleiben. Märchenadaptionen als Roman oder auf großer Leinwand sind ja erst in den letzten Jahren, im Zuge der Fantasy-Welle, aufgekommen. Was zeigt, wie zeitlos sie sind.

Schauen wir uns deine Märchenleidenschaft mal etwas genauer an…

6. Was ist deine schönste Erinnerung, wenn es um Märchen geht?

Das alte Märchenbuch, das mir meine Oma geschenkt hat. Ein richtig dickes Buch mit schönen Bildern.

7. Was magst du lieber? Happy End oder Bad End?

Ein Happy End, das wahre Leben ist schwierig und traurig genug.

8. Was stört/begeistert dich bei Märchen am meisten?

Eben dass es ein Happy End gibt begeistert mich, das Gute gewinnt und der/die Böse wird bestraft.

9. Was ist für dich typisch an einem Märchen?

Wie oben schon erwähnt, sie sind zeitlos. Und das Gute und die Liebe gewinnen immer, auch wenn die Beteiligten durch schweres Leid/schwere Prüfungen müssen. Man kann fast sagen, dass Märchen etwas Pädagogisches an sich haben.

Zum Schluss noch ein paar märchenhafte Fragen:

10. Du triffst auf ein sprechendes Tier, das dir weismachen will, dass es ein verzauberter Mensch ist. Was würdest du tun?

Wenn ich jetzt gemein wäre, würde ich sagen, dass ich nichts mache, weil Tiere die besseren Menschen sind O:-) Bin ich aber nicht – natürlich würde ich helfen, wenn es in meiner Macht steht.

11. Eine gute Fee will dir drei Wünsche erfüllen, was würdest du dir wünschen?

Oh … einen Goldesel. Nicht, weil ich geldgierig bin, sondern weil ich dann an ganz vielen Stellen helfen könnte. Bei Kindern in Not oder Tierschutztieren. Und klar, ich würde mir schon auch ein paar Wünsche erfüllen, die ich mir jetzt nicht leisten kann.

Ich würde mir wünschen, dass keine meiner Freundinnen und Freunde (und Haustiere, das hatte ich auch schon zweimal) mehr an Krebs erkrankt und diese blöde Krankheit am besten vollständig ausgerottet wird.

Und der dritte Wunsch? Ich glaube, ich würde mir den irgendwie als Vorrat aufheben, falls ich mal dringend einen brauchen würde. Und hätte immer Angst, ihn »auszugeben«

12. Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Ups, ich bin viel zu nett für sowas O:-)
Besonders eindrücklich fand ich ja, die böse Stiefmutter in glühenden Schuhen tanzen zu lassen, bis sie tot umfiel. Aber ich denke, das ist wenig praktikabel. Dann lieber schlafen lassen, den Bauch aufschlitzen, mit Steinen füllen und einfach abwarten, bis der Wolf in den Brunnen fällt und ertrinkt.

13. Bonusfrage: Mit welcher Märchenfigur würdest du gerne tauschen?

Hm, wenn ich genau darüber nachdenke – ich glaube, Hans im Glück oder der Müllerssohn mit der goldenen Gans. Klar wäre es schön, eine Prinzessin zu sein. Aber wenn ich an Aschenputtel denke, oder an Dornröschen oder Schneewittchen – sie hatten es alle nicht leicht. Hans im Glück hat das Leben leicht genommen und ist heiter seines Weges gezogen, egal, was passiert ist. Das wünsche ich mir auch. manchmal, das zu können.

Mehr zu Monja gibt es hier:

Facebook: Monja Schneider
Homepage: Monja Schneider

Vielen Dank, Monja!

Anne/PoiSonPaiNter

Märchensommer: Montagsfrage #7

Herzlich willkommen zur siebten und auch schon letzten Woche des Märchensommers! Schön das ihr euren Weg hergefunden habt!


Auch heute könnt ihr wieder einen Punkt für die Gesamtpreise des Märchensommers ergattern indem ihr die unten gestellte Frage in den Kommentaren beantwortet.

Doch vorweg eine kleine Buchvorstellung …

Unterschiedlicher könnten die beiden Märchenadaptionen von Monja Schneider nicht klingen. Während Rabenschwester in einem doch eher mittelalterlichen Setting Die sieben Raben mit dem Froschkönig verbindet, widmet sich Principessa dem Schweinehirten in einer italienisch wirkenden Welt.

Allein von den Protagonisten her (zwei Frauen vs. Mann) klingt Rabenschwester für mich ansprechender.

Von beiden Büchern könnt ihr übrigens mit entsprechender Punktzahl E-Books gewinnen!

Aber nun zur Frage des Tages:

Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Meine Lieblingsfrage in den Märchensommer-Interviews … es macht Spaß zu sehen, für welches Vorgehen sich die Leute so entscheiden.

Ich selbst habe bisher die Varianten Drachenröstung und gezielte Manipulation gewählt. Die beiden zu kombinieren ist aber auch sehr reizvoll. 😀

Anne/PoiSonPaiNter

© Für die Cover gehört ihren rechtmäßigen Besitzern und dienen hier lediglich zur Veranschaulichung.

Akazukin-chan und der Große Böse Wolf

Nachdem er uns schon die Mär von Chen und der Geschichte eines Brüderpaars erzählte, widmet sich Jan Laumeier einem weiteren Thema im Märchensommer.

Deutsche Märchen in japanischen Comics

Wenn ich das Wort „Märchen“ höre, denke ich zuerst an Schneewittchen, Rotkäppchen und die Sieben Geißlein. Das Bild in meinem Kopf ist ein Amalgam kreiert von den Grimms und Disney. Als zweites denke ich an Mangas.
Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Kultur ihre eigene Faszination auf Japan ausübt und so gibt es für uns vertraute Motive in japanischer Kunst, unter anderem deutsche (oder gemeinhin so gedachte) Märchen in Mangas. Als zwei typische Beispiele dieses internationalen Kulturaustausches sehen wir uns an: Grimms Manga von Kei Ishiyama und Ludwig Revolution von Kaori Yuki.

Ludwig Revolution erschien von 1999 bis 2007 in verschiedenen japanischen Manga-Magazinen. Die Handlung ist kurz erklärt: Prinz Ludwig, kurz Lui, muss auf Anordnungen seines Vaters eine Braut finden, also reist er durch die Lande und durch die Grimm‘schen Märchen. Der Manga kommt aus der Feder Kaori Yukis und das sollte den Ton dieser Märchenadaption bereits deutlich machen. Sie ist bekannt für ihren düsteren Stil, der stark von der Gothic- und Lolita-Szene inspiriert ist.
Das passt nicht zu Märchen? Au contraire!

Mittlerweile hat sicherlich jeder von dem Freund mit der Neigung zur Besserwisserei gehört, dass so manches Grimm‘sche Märchen eine viel düstere Geschichte ist, als es uns Disney vormachen will. Beispielsweise schneiden sich die Schwestern Aschenputtels ihre Zehen ab, um in den lieblichen Schuh zu passen. Allerdings treibt Kaori Yuki diese düsteren Elemente noch weiter an. In ihrem Manga geht Rotkäppchens Märchen wie folgt:

Lisette trägt eine graue Kappe und ist seit Kindesbeinen mit Prinz Luis Diener befreundet. Eines Tages trägt die Mutter ihr auf, Kuchen und Wein zur Oma zu bringen, die im Wald wohnt. Wie üblich wird vor dem bösen Wolf gewarnt. Als Lisette im Wald an eine Kreuzung kommt, weiß sie nicht – anders als der Leser – dass jemand den Wegweiser manipulierte und sie geht nichts ahnend in die falsche Richtung. Sie kommt an der verkohlten Ruine eines Hauses an und glaubt, dass die Leiche dort ihre Oma ist. Dann taucht ein Wolf vor ihr auf und erklärt, die Oma und Lisette seien Opferungen an den Wolfsgeist, damit die Eltern einen Haufen Gold erhalten können. Man kann sich den Zorn und Schmerz in Rotkäppchen vorstellen. Sie rennt nach Hause.

Zuhause sitzen ihre Eltern beim Essen und sorgen sich um Lisette, die ziemlich spät dran ist. Sie wissen von dem verbrannten Haus, denn was die Geschwister Hänsel und Gretel vor kurzem dort anstellten, ist in allen umliegenden Dörfern bekannt. Lisette erreicht endlich ihr Elternhaus und von Zorn geblendet tötet sie ihre Eltern mit einer Axt.

Des Prinzen Diener, genannt Will, tritt ein und sieht die Leichen und das ganze Blut überall. Auch die eigentlich graue Kappe des Mädchens ist in Blut getränkt und leuchtet nun Rot. Natürlich ist er schockiert. Lisette eröffnet ihm, dass jeder im Dorf die Gutmütigkeit des lieben Wills ausnutzt und mit hässlichen Worten lässt sie ihren Zorn auch an ihm aus. Sie versucht auch ihn zu töten, aber Prinz Lui geht dazwischen und rettet Will das Leben.

So klingt die Geschichte Rotkäppchens bereits äußerst düster, aber es gibt einen kleinen Twist in der Sache: Prinz Lui hat Lisette absichtlich zum falschen Haus gelockt und ihr mit Hilfe einer Attrappe diese Lügengeschichte erzählt. Ihre Eltern hatten den Tod, und solch einen brutalen dazu, nicht verdient.

Nachdem sie ihre Eltern tötete und das Dorf verließ, wird Lisette zu einer Auftragsmörderin mit einem Rachefeldzug gegen Prinz Lui, den sie abgrundtief hasst. Es ist offensichtlich, warum.
Dies ist nur ein kleiner Einblick in die Märchenwelt von Kaori Yuki, wo die Geschichten makaber und die Figuren abstoßend sind. Weitere Beispiele:

  • Prinz Ludwig ist selbstsüchtig und sexistisch. Im ersten Kapitel wird er als nekrophil vorgestellt und stellt in seinen privaten Räumen dutzende schöne, aber tote Frauenkörper aus.
  • Schneewittchen spannt ihrer (hier leiblichen) Mutter den Ehemann, also ihren eigenen Vater, und außerdem auch den Liebhaber aus, dann täuscht sie ihren eigenen Tod vor, um ihre Mutter in den Selbstmord zu treiben und das Königreich an sich zu bringen.
  • Dornröschen ist eine naive und egozentrische Zauberin, die sich von einer Geliebten des Königs belügen lässt und sich in Selbstmitleid gramt, weil ihr Schönheit und Intelligenz in die Wiege gelegt (oder gezaubert) wurden. Deswegen verdammt sie ihr ganzes Königreich in einen tiefen Schlaf, der schlussendlich alle Untertanen und sie selbst tötet.
  • König Blaubart ist ein Torfkopf und blind für die Wahrheit, dass er seine große Liebe aus falschem Stolz tötete und nun jede seiner anderen Frauen an einem falschem Maßstab misst. Für ihr Scheitern, das er selbst für die Frauen heraufbeschwört, muss er sie töten. Erneut eine Ausstellung toter Frauenkörper.

Und genauso geht es mit vielen anderen Märchen weiter. Ludwig Revolution hat vier Bände und erzählt zwölf dunkle Geschichten. Dies hier sind definitiv keine Kindermärchen mehr, aber dann waren die ursprünglichen Geschichten auch nicht immer jugendfrei.

Auf der anderen Seite des Spektrums japanischer Unterhaltungskunst haben wir Grimms Manga von Kei Ishiyama, in Japan erschienen 2007. Ishiyama hat einen fröhlicheren und leichteren Ansatz für eine moderne Interpretation der uns bekannten Märchen. Ihr Zeichenstil ist niedlich und romantisch.
Die Märchen werden nicht mit einer übergeordneten Handlung verbunden, sondern stehen für sich selbst als eine Reihe von Kurzgeschichten und in dem Sinne ist dies hier der Grimm‘schen Sammlung ähnlicher als unser Beispiel zuvor.
Als Vergleich Ishiyamas Version des Märchens Rotkäppchen:

Um ein wahrer Wolf zu werden muss Wölfchen eine menschliche Jungfrau fressen. Unsicher, was das genau bedeuten soll, beratschlagt er sich mit den Sieben Geißlein, aber Waldtiere haben ihre eigenen Sorgen. Sie warnen das Wölfchen vor dem Jäger.

Im Wald begegnet er zufällig Rotkäppchen und verliebt sich sofort in sie. Unbedarft erzählt sie von ihrer Oma und dass sie ihr Kuchen bringen will. Nervös über seine plötzlichen Gefühle rennt Wölfchen davon. Er läuft zum Haus der Oma. Mit einem Eimer auf dem Kopf, um seine Wolfsohren zu verstecken, hilft er der Oma mit dem Feuerholz und Kamin. Gemeinsam warten sie darauf, dass Rotkäppchen ankommt.
Allerdings bringt Rotkäppchen, unbedarft wie sie ist, den Jäger mit. Natürlich erkennt dieser sofort, dass der Junge mit dem Eimer auf dem Kopf gar kein Mensch ist und will ihn erschießen. Doch Rotkäppchen geht dazwischen und sagt einen sehr klugen Satz: „Jeder hat Angst, wenn man mit dem Gewehr auf ihn zielt.“ Das Wölfchen macht ihr daraufhin einen Heiratsantrag und mit den Worten, sie könnten zuerst Freunde werden, nimmt sie diesen irgendwie an.

Zum Abschluss sehen wir beide ein paar Jahre später als Jugendliche wieder, wo Wölfchen sie vor übergriffigen Männern beschützt. Ob er nun ein wahrer Wolf ist oder nicht, ist ihm nicht mehr wichtig, denn er hat nun jemanden, den er beschützen will. Gemeinsam spielt das Paar in einer Blumenwiese.

In dieser Geschichte gibt es keinen Twist oder doppelten Boden. Die Romantik zwischen Wölfchen und Rotkäppchen ist ehrlich und der kurze dramatische Ausflug mit dem Jäger ist verständlich und schnell behoben. Niemand kommt zu Schaden, niemand wird hinters Licht geführt. (Wölfchens Eimer, um seine Ohren zu verstecken, hat niemand geglaubt.)
Ebenso die anderen Geschichten bleiben dramatisch, aber friedvoll. Rapunzel ist hier zwar ein Mann, aber er singt gerne und freut sich, eine Familie zu gründen. Hänsel ist eingebildet und narzisstisch, aber wie wichtig Familie ist, weiß er auch ohne Mordkomplott. Die Figuren bei Ishiyama sind grundsätzlich Gut in ihrem Herzen und ihre menschlichen Fehler machen sie liebenswert. Auch gibt es hier die berühmte Moral von der Geschicht‘, die man Kindern gerne erzählt:

  • Rotkäppchen lehrt uns, dass nicht alles ein böser Wolf ist, selbst wenn es so aussieht.
  • Rapunzel lehrt uns, dass man niemals die Hoffnung aufgeben sollte, selbst wenn die Situation aussichtslos ist.
  • Hänsel und Gretel lehren uns, dass Familie wichtiger ist als Macht und Reichtum.
  • Die Zwölf Jäger lehren uns, dass wahre Liebe immer gewinnt und ähnlich erbauliche Lektionen in weite mit niedlicher Romantik und einer Spur fröhlichen Humors.

Diese Märchen sagen zwar nicht die Zauberformel, aber sie fühlen sich so an: sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Diese Adaption hält sich mehr an den Geist der Grimm‘schen Märchensammlung, die kinderfreundlich und lehrreich sein wollte.

Es gibt noch zahlreiche andere Adaptionen der Grimm‘schen Märchen und anderen Geschichten dieser Art in japanischen Comics. Meist pendeln sie zwischen diesen beiden Extremen: Entweder sie sind düster und gruselig, es fließt viel Blut und psychische Angriffe sind so weit verbreitete wie physische. Oder die Mangas sind romantisch und lustig, mit süßen Zeichnungen und einem wahren Happy End. In allen Fällen sieht man die alten Geschichten in einem neuen Licht.

Der Gastautor:

In Greifswald studierte Jan Laumeier Sprachwissenschaft und trat mit dem Autorenverein GUStAV zu Lesungen auf. Das Publikum lachte, weinte und staunte mit seinen Kurzgeschichten. Er schreibt von Problemen der Liebe und des Alltags, von Mythen, Magie und Tod, von fremden Kulturen und Sprachen. Sein Lieblingszitat ist: „Habe keine Angst vor der Perfektion: du wirst sie nie erreichen.“ (Salvador Dalí)

Homepage: Tintenlöwe
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Twitter: Ingenius11

Anne/PoiSonPaiNter

The Weekend Guess #125

wegWas ist der Weekend Guess?

Ein von mir formuliertes Rätsel, das Wortwitze und Wortspiele über die Antwort selbst enthalten könnte, wird hier zum Lösen für meine Leser*innen eingestellt.

Worum geht es bei den Fragen?

Diese sieben speziellen Fragen drehen sich um Märchen, schließlich ist Märchensommer. 😉

Was ist deine Aufgabe dabei und was bringt das für dich?

Du kannst versuchen das Rätsel zu lösen und damit fünf Punkte für die gesammte Märchensommer Challenge sammeln!

Lasst uns einen Blick auf das sechste Märchenrätsel werfen:

Gesticktes Missverständnis

Welches Märchen suche ich?

Wenn ihr die Antwort kennt, benutzt NICHT die Kommentare, sondern sendet eure Antwort über das Formular!

Anne/PoiSonPaiNter

Mira Lindorm: Herzenswünsche kommen teuer

Auch heute gibt es im Märchensommer wieder eine Rezension. Diesmal zum zehnten Band der Märchenspinnerei: Herzenswünsche kommen teuer von Mira Lindorm, einer Weiterführung der Märchen aus 1001 Nacht.

Worum geht’s?

4 of 5 stars

1001 Nacht erzählte Sheherezade Geschichten, in der 1002 wurde ihre Tochter Suleika gezeugt.

Unter den Schätzen ihrer Mutter versteckt entdeckt diese die Wunderlampe und befreit den Genie daraus. Schnell erfüllt er ihr den ersten Wunsch und das kleine Mädchen muss lernen, dass sie mit ihren Worten vorsichtig umgehen muss. Denn Geniemagie ist gar nicht so einfach zu kontrollieren …

Das Leseerlebnis

Wie ich es vom Machandel Verlag bereits kannte, sind auch in diesem Band viele Illustrationen. Jedes Kapitel endet mit einem dazu passenden Bild. Das kurze Buch ist in vier Kapitel eingeteilt , die jeweils die drei Herzenswünsche und deren Konsequenzen behandeln. In gewisser Hinsicht trifft hier „in der Kürze liegt die Würze“ zu, denn trotz knapp 100 Seiten Länge entsteht eine faszinierende Geschichte.

Die Charaktere

Ich bin mir relativ sicher, das ich keinen der Charaktere gemocht habe. Allerdings glaube ich, dass keiner wirklich als sympatisch ausgelegt ist. Allerdings hat das nicht dafür gesagt, dass mir die Geschichte schlechter gefallen hat, eher im Gegenteil. Gerade diese Unnahbarkeit und vor allem die Veränderungen, die Suleika und einer der Nebencharaktere durchmachen ist es, die die Geschichte vorantreiben und interessant machen. Die Veränderung eben jenes Nebencharakters war dabei erschreckend und doch verständlich, aufgrund des Weltenbaus. Umso tiefer trifft es, wenn Suleika mit eben jener Konsequenz ihres Wunsches konfrontiert wird.

Mit Hilfe eines weiteren Nebencharakters wird auch ein schöner Bogen geschwungen, den ich schon früher erwartet beziehungsweise fast aufgegeben hatte, bis er dann tatsächlich kam.

Aufgrund der Kürze der Geschichte, kann ich euch leider nicht mehr sagen ohne zu viel zu verraten. O=)

Generelle Meinung

Es ist leicht einem sympatischen Charakter ein Happy End zu gönnen, aber schwerer einem verwöhnten Gör beim Wachsen zuzusehen, wie sie ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und verändert. Die Wünsche und vor allem deren Erfüllung sind unglaublich genial umgesetzt. Das Genies spitzfindig sind, kennt man vielleicht aus diversen Medien, aber wie sehr sie Dinge wörtlich oder nicht wörtlich nehmen war beeindruckend und erschreckend zu verfolgen.

Ich kenne die Märchen aus 1001 Nacht nur stückweise, trotzdem fühlte ich mich ohne Weiteres in das Setting versetzt oder zumindest in das Setting des „Was danach geschah“. 🙂

Dinge, die ich hinzufügen möchte

Mira Lindorm ist ein geschlossenes Pseudonym, daher ist nicht viel zur Autorin bekannt. Dennoch habe ich die Chance bekommen, ihr das Märchensommer Interview zu schicken. Das könnt ihr dann morgen lesen.

Anne/PoiSonPaiNter

© Für das Cover gehören den rechtmäßigen Besitzern.

Die Sage hinter dem Roman

Gestern habe ich euch Die Braut von Bärenfels vorgestellt. In diesem Märchensommer erzählt Irene L. Krauß ein bisschen zu deren Hintergründen.

Wirklichkeit und Fiktion – wie eine Sage zu einem Roman wird

Entstehung der Idee

Skizze von Agnes aus Die Braut von Bärenfels (c) Irene L. Krauß


In meiner Freizeit spiele ich Saxofon in einem Blasorchester, und vor einigen Jahren haben wir bei einem Konzert das Stück „Wildenstein“ aufgeführt, mittelalterlich angehauchte Musik, bei der es um die Sage von Agnes von Bärenfels geht. Da die Geschichte im Südschwarzwald spielt, wo ich selbst sieben Jahre lang gewohnt habe, wurde ich gleich hellhörig und habe im Internet nach der Sage geforscht. Von der Geschichte über die Ritterstochter war ich so fasziniert und berührt, dass für mich klar war: Agnes hat das Potential einer neuen Disney-Prinzessin, und wenn Disney schon nicht auf sie aufmerksam wird, muss zumindest ich ihre Geschichte aufschreiben.

Die Sage

Der Wildenstein ist ein rund 200 Meter hoher Felsen in der Wehraschlucht im Südschwarzwald. Ein Kreuz auf seiner Spitze soll an Agnes von Bärenfels erinnern, die dort in einer Situation höchster Not ein Versteck fand.
Der Kaiser hatte zum Kreuzzug aufgerufen, und Agnes’ Vater, Ritter Engelbrecht von Bärenfels, und ihr Bruder Wernher mussten die Familie zurücklassen und sich auf den Weg ins Heilige Land begeben. Die Schönheit von Agnes hatte sich weithin herumgesprochen, und so umwarben sie viele Männer. Ein fremder Ritter bedrängte sie in der Abwesenheit ihres Vaters sehr und wollte sie zwingen, ihn zu heiraten. In ihrer Not floh Agnes von der Burg, ohne ihre Mutter Elsbeth einzuweihen, und kämpfte sich durch die Wildnis. Dabei verließ sie sich ganz auf den Schutz der Heiligen Jungfrau Maria, die ihr das Versteck unter dem Wildenstein zuwies. Die Muttergottes schickte Agnes durch Tauben Essen und Trinken. Als die Ritter vom Kreuzzug heimkehrten, machte Engelbrecht sich sofort auf die Suche. Wieder kamen dabei die Tauben zu Hilfe, und er konnte seine geliebte Tochter in die Arme schließen. Der fremde Ritter aber wurde verjagt und ward nie wieder gesehen.

Ein realer Hintergrund

Burgruine Bärenfels (c) Adolf Krauß


Die Burg Bärenfels existiert ebenso wie der Felsen „Wildenstein“ im wunderschön wilden Wehratal im Südschwarzwald. Bärenfels ist inzwischen nur noch eine Ruine, deren gut erhaltener Wehrturm jedoch bestiegen werden kann und einen wunderbaren Ausblick bis weit in die Schweiz und die Alpen hinein bietet.
Die Familie Bärenfels war im Mittelalter sehr einflussreich und stellte lange Zeit die Schultheißen und später Bürgermeister von Basel.

Der geschichtliche Hintergrund im Roman

Die erwähnten geschichtlichen Ereignisse wie der Kreuzzug gegen Alexandria fanden tatsächlich statt. Die Seefahrt nach Alexandria nahm die im Buch beschriebene Route ein, sämtliche Ereignisse drumherum sind eine Mischung aus geschichtlichen Fakten und meiner Einbildungskraft.

Urlaubstipp

Das Wehratal (c) Irene Krauß


Wandern im Schluchtensteig, der auch durch die Wehraschlucht führt vorbei an Agnes’ einstmaligem Zuhause, gehört zu den schönsten Wandererlebnissen in Deutschland. Die südbadische Küche ist von der feinen schweizer und französischen Küche beeinflusst, die Natur im Südschwarzwald ist einzigartig. Die Wanderwege können auch gut von Kindern bewältigt werden, sind jedoch nicht immer Kinderwagen geeignet. In der Regel trifft man nur wenige andere Wanderer unterwegs.

Die Gastautorin:

Geboren in Wales, aufgewachsen in GB, Afrika und Deutschland lebt I. L. Krauß heute dort, wo andere Urlaub machen: im wunderschönen Allgäu. Egal ob Fantasy oder Liebesroman – eines vereint ihre Romane: Spannung und Abenteuer liebt sie über alles und baut diese deshalb auch in ihre Geschichten ein. Nebenbei arbeitet die Autorin auch als Architektin, in ihrer Freizeit spielt sie Saxophon und malt und liest viel.

Homepage: Irene Krauß
Facebook: Irene Krauß Autorin

Anne/PoiSonPaiNter

Märchensommer: Montagsfrage #6

Herzlich willkommen zur sechsten und auch schon vorletzten Woche des Märchensommers! Schön das ihr euren Weg hergefunden habt!


Auch heute könnt ihr wieder einen Punkt für die Gesamtpreise des Märchensommers ergattern indem ihr die unten gestellte Frage in den Kommentaren beantwortet.

Doch vorweg eine kleine Buchvorstellung …

Die Braut von Bärenfels von Irene L. Krauß ist eine Romanfassung der Sage von Agnes vom Bärenfels aus dem Schwarzwald. Mehr zur Sage und den Hintergründen der Entstehung des Buches, erzählt Irene euch morgen in einem Gastbeitrag. (Das diese auch in die Kategorie Märchen fallen, hat übrigens Carmen Capiti letztes Jahr für den Sommer aufgearbeitet: Sage mal, Märchen?)

Diejenigen, die bei der vierten Rallye-Runde mitgemacht haben, sind schon bei Karin Kaiser vorbeigekommen. Dort hat sie euch ein bisschen was zum Gestiefelten Kater erzählt, der die Grundlage ihrer Kurzgeschichte Katzenmensch Oder: Der Gestiefelte Kater 2.0 bildet. Doch anstatt eines Müllerburschen, gibt es bei ihr eine Müllerstochter deren Leben auf den Kopf gestellt wird.

Ebenfalls mit dem gestiefelten Kater beschäftigt sich Christina Löw im siebzehnten Band der Märchenspinnerei, der am Samstag erscheinen wird. Mit Der Kater unterm Korallenbaum oder: Wünschen will gelernt sein gibt sie dem Ganzen einen japanischen Hauch, auch wenn die Handlung zu großen Teilen in Köln spielt.

Die Braut und den Katzenmenschen gibt es als Print im Märchensommer zu gewinnen, vom Kater zwei E-Books. Katzenmensch ist dabei sogar ein exklusiver Print, da es das sonst nur als E-Book gibt. Sammelt also fleißig die notwendigen Punkte dafür!

Aber nun zur Frage des Tages:

Wer wärst du, wenn du in einem Märchen leben würdest/könntest?

Definitiv nicht die Protagonist … zumindest nicht, wenn es ein Märchen ist, wo die nur entführt oder so wird und nichts zu ihrer Rettung beträgt … Ich glaube, ich passe besser in die Rolle der verschrobenen, aber hilfreichen „Alten“, also sowas wie ne Mischung aus Frau Holle und Baba Jaga vielleicht. 😀

Anne/PoiSonPaiNter

© Für die Cover gehört ihren rechtmäßigen Besitzern und dienen hier lediglich zur Veranschaulichung.