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Türchen #19

Auch heute gibt es wieder eine Szene aus DarkFairys und meinem Projekt

Warlords

Diese Szene stammt ebenfalls aus dem zweiten Band. Etwas später als die erste Szene und mit einem unserer Lieblingscharaktere.

Kurz vorher gibt es auch eine Zeile, die es so vermutlich nicht in die Endfassung schaffen wird, aber uns momentan, also zumindest mich, immer wieder zum Schmunzeln bringt: Wenn die Wellen sanft den Leichnam umspielen …

Sorry …

Kommen wir zum siebzehnten Schnipsel:

„Hey… wenn du weiter so gräbst landest du in meinem Schlafzimmer und da haben kleine Mönche wahrlich nichts verloren!“, ertönte eine Stimme vom Rand des Grabes her. Coelestin musste nicht aufsehen um zu wissen, wer dort saß.
„Was willst du?“, fragte Coelestin gereizt. „Aber, aber wer wird denn gleich so aufbrausend?“, scherzte Luzifer und schob sich seinen Hut etwas aus dem Gesicht. Er stand nun in voller Pracht und Größe direkt vor Coelestin im Grab, mit einem Fuß auf dessen Schaufel gestützt. Gedankenverloren blickte er über ihn hinweg in den Himmel, während der Wind die Feder an seinem Hut umspielte, sich aber sonst weiter kein Haar oder Stoff an seinem Körper bewegte. „Sag, Coelestin, ist das Meer nicht eine wundervolle Schöpfung des Herren?“, fragte er nach einer Pause. „Die Freiheit und die Unendlichkeit, die sich in seinen sanft wogenden Wellen widerspiegelt. Eine wahre Wonne, die man sich bis in alle Ewigkeit ansehen könnte.“ Wissentlich zitierte er den Verstorbenen, ein hämisches Grinsen auf den Lippen.
„Nimm den Fuß da weg. Ich habe zu tun!“, fauchte Coelestin und sah dem Höllenfürsten hasserfüllt ins Gesicht.
„Wut steht dir gut, kleiner Mönch.“, erwiderte dieser nur und nahm Coelestins Kinn zwischen Zeigefinger und Daumen, damit dieser sich seinem Blick nicht entziehen konnte. Sein Grinsen wurde nur noch breiter, als er den Zorn in des jungen Mannes Augen noch besser sehen konnte. Coelestin hätte den Höllenfürsten am liebsten angebrüllt. Ihm ins Gesicht gespuckt und ihm alles vorgeworfen, was bis jetzt passiert war. Mit einem Ruck riss er seinen Kopf aus der Hand des Satans. „Ja ich bin wütend! Auf dich, weil du mich nicht arbeiten lässt!“, sagte er, wohlwissend dass es eigentlich nicht stimmte.
„Coelestin…Coelestin…“, wisperte Luzifer in dessen Ohr. Er stand nun hinter ihm, seine Hände auf Coelestins Schultern und zu ihm hinab gebeugt.
Coelestin riss sich los und wirbelte herum. Er schlug mit seiner freien Hand nach dem Höllenfürsten.
„Aber nicht doch…“, meinte dieser nur als er elegant auswich und wieder auf der anderen Seite auftauchte. „So wirst du mich niemals treffen. Du bist geblendet vom Zorn, mein Freund.“, erklärte er finster und schob sich den Hut mit einer Hand etwas tiefer ins Gesicht um den Ausdruck seiner Augen zu verbergen.

Hinter den Kulissen

Ach, ich mag Luzi, wir beide mögen Luzi … es macht einfach sooo viel Spaß ihn zu schreiben …

Ihn würde ich ganz dreist auch zu den guten Bösewichten zählen … 😀

Heute erschien außerdem mein Gastbeitrag im Nornennetz zum Thema „Märchen als Weihnachtstradition“: Da bleib ich doch lieber bei Märchen!

Anne

#CroMär: Kapitel 7

Regina und ihre Oma wurden letzte Woche in Pantoffeln verwandelt! Können sie sich daraus wieder befreien und war Wolf wirklich nie im Wald gewesen? Wie alles endet erfahrt ihr heute im siebten und letzten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 7 – Alles Quak (Anne Zandt)

“Ina”
“Gina”
“Regina!”
Dumpf und sehr weit weg, drang das Wort zu ihr vor. Wie durch eine Schicht Watte, die ihr auf den Ohren lag.
“Liebling, hörst du mich?” Regina versuchte sich umzusehen, doch alles was sie erkennen konnte war der Teppich, aus einer ihr gänzlich unbekannten Perspektive. War sie hingefallen? “Omi?”, versuchte sie unsicher zu antworten. Angst schwang in ihrer Stimme mit. Ein flaues Gefühl breitete sich in ihr aus, als sie merkte, dass sich ihr Mund nicht bewegte, sie gar keinen Mund mehr zum Bewegen hatte.
“Den Göttern sei dank, du hörst mich!”, drang die Stimme ihrer Oma erneut zu ihr. Diesmal war sie klarer und deutlicher.
Ihre Gedanken wollten sich der Frage widmen, seit wann ihre Oma gläubig war, doch diese hielt sie davon ab.
“Flöckchen”, begann sie mit einem Spitznamen, den sie nicht mehr verwendet hatte, seit Regina ein kleines Mädchen gewesen war. “Du musst mir jetzt vertrauen. Ich erkläre dir nachher alles”, versprach sie und führte dann ihren Plan aus. Er klang so merkwürdig, wie sie sich fühlte und doch so einfach.
Stehen bleiben. Das war die Anweisung ihrer Oma gewesen. Aber wie blieb man stehen, wenn jemand anderes für die eigene Bewegung sorgte? Regina strengte sich an. Ihre Oma glaubte an sie. Mit ganzer Kraft stemmte sie sich gegen den Boden, keinen Millimeter würde sie sich davon abheben. Jagas Fuß drückte und presste, aber Regina blieb stur, ließ sich nicht Beiseite schieben. Als auch ihre Oma das Gleiche tat, kam die Alte ins Straucheln und fiel sogleich vorne über. Regina löste sich von ihrem Fuß und wurde unwirsch gegen die Wand geschleudert, ihrer Oma erging es nicht viel besser. Diese landete jedoch im Sessel. Mit schmerzendem Bauch merkte Regina, wie sich ihre Gliedmaßen und vor allem ihr Körper wieder in seine richtige Form verwandelte. Mit einem Stöhnen saß sie schließlich an die Wand gelehnt und fühlte sich, als wenn sie mit einem Bauchklatscher ins Schwimmbecken gesprungen war. Vor ihr rappelte sich ihre Oma mühsam aus dem Sessel auf.
“Du hinterhältige Vettel! Wie kannst du es wagen meine Enkelin so auszunutzen?!”, fuhr sie die noch immer am Boden liegende Jaga an, die nur verwirrt zu ihr hinaufstarrte.
“Das ist nicht … wie- ?”, doch weiter kam sie nicht. Ein Rumpeln ertönte und die Fenster sprangen auf. Kurz darauf schossen Äpfel aus dem Nichts auf die Hexe nieder. Aus allen Richtungen kamen sie und Regina konnte gar nicht so schnell gucken, wie ihre Oma die Arme bewegte, um wie es schien die Äpfel zu steuern, denn je nachdem, wie sie mit den Armen durch die Luft fuhr, so änderten sie ihre Richtung. Jaga krümmte sich am Boden und versuchte kriechend den zerplatzenden Geschossen zu entkommen, doch Reginas Oma war schneller. Immer wieder dirigierte sie die Äpfel genau da hin, wohin Jaga sich drehte.
“Das wirst du büßen!”, schrie diese schließlich mit ihrer krächzenden Stimme. Ein Wirbel umschloss sie und dann war sie verschwunden.
Regina starrte ungläubig auf die Apfelreste, die überall auf dem Boden verteilt lagen. Ihre Oma seufzte. “Tut mir Leid, Flöckchen, das du da mit reingezogen wurdest…” Ihre Oma nahm sie in den Arm, aber Regina wusste einfach nicht was sie denken oder fühlen sollte. Und das merkte auch ihre Oma, denn sie ließ sie schnell wieder los. “Lass uns das hier aufräumen, dann erkläre ich dir alles, einverstanden?”, bat sie hoffnungsvoll. Sie hatte Regina noch immer an den Schultern gefasst und sah ihrer Enkelin direkt in die Augen, bis diese zaghaft nickte.

Ohne viel zu reden hatten sie bald das Wohnzimmer wieder hergerichtet. Ein paar Äpfel hatten überlebt, die hatten sie in eine Schale getan. “Die kann man noch nutzen”, hatte ihre Oma nur kommentiert.
Nun saßen sie auf der Couch und ihre Oma begann zu erzählen. Vom Familiengeheimnis, von ihrer Fehde mit Jaga, davon was eines Tages auch auf Regina zukommen würde, wenn der Mantel der Holle auf sie überging. Hätte sie all diese bizarren Erlebnisse in den letzten Stunden nicht mit eigenen Augen gesehen, sie hätte ihrer Oma kein Wort geglaubt. So allerdings hatte sie keine andere Wahl. Eine Weile schwiegen sie damit Regina das Gesagte verarbeiten konnte, dann sprudelten die Fragen nur so aus ihr heraus. Wie funktioniert das mit der Magie? Dem Wetter? Hatte ihre Oma Helfer? War das Märchen wirklich irgendwann einmal passiert? Hatten ihre Mutter und ihre Tante auch Fähigkeiten? Viel wichtiger: Hatte sie selbst Fähigkeiten? All das und noch vieles mehr musste ihre Oma erklären.
Beiläufig hatte diese einige der Äpfel zerteilt und hielt Regina ein Stück entgegen. Nach der Erfahrung mit Susis Apfel hatte Regina eigentlich die Nase voll davon, aber eine Stimme in ihr sagte, dass sie den Apfel essen sollte, um diese Abneigung wieder loszuwerden. Zögerlich biss sie hinein und wurde sogleich von der frischen Süße überrascht. Der Apfel schmeckte einfach köstlich. Sie nahm sich noch ein paar weitere Stücke, während sie zusammen mit ihrer Oma versuchte den Tag zu rekapitulieren. Offensichtlich steckte Jaga hinter allem, das hieß Wolf hatte sie nicht zum Ball eingeladen. Eine enttäuschende, wenn auch wesentlich einleuchtendere Erkenntnis als die Tatsache, dass er SIE zu so etwas einladen würde.

Regina hatte gar nicht bemerkt, wie viel Zeit bereits vergangen war, als ihre Mutter sie anrief.
“Bist du noch bei Oma?”, fragte sie als Begrüßung.
“Ja wir haben uns verquatscht.” Regina blickte zu ihrer Oma, die aber nur den Kopf schüttelte. Es war besser ihre Mutter erfuhr vorerst nichts von den Vorfällen.
“Gut, gut”, erwiderte ihre Mutter nur und Regina konnte sie vor ihrem inneren Auge nicken sehen. “Da wurde übrigens ein Paket für dich abgegeben. Hast du irgendwo ein Kleid bestellt?” Ihre Stimme klang vorwurfsvoll und Regina konnte sich vorstellen warum, immerhin war ihre Mutter eine der besten Schneiderinnen in der Gegend.
“Ein Kleid?”, fragte Regina betont und blickte erneut zu ihrer Oma. Diese zuckte nur mit den Schultern. An anderen Ende der Leitung beschrieb ihre Mutter das Kleid von Wolfs Foto und Reginas Augen weiteten sich bei jedem Wort.
“Oh, warte, da ist grade ein Umschlag rausgefallen.” Regina hörte es rascheln. “Eine Einladung zum Wunderjunggesellenball. Von Wolf. War das nicht dein Schwarm aus der Schule? Wieso lädt er dich zu dieser schnöseligen Veranstaltung ein und schickt dir ein überteuertes, viel zu kleines Kleid?”
Regina klappte die Kinnlade runter. Ein Glück war ihre Oma gefasster. “Diesen seltsamen Ball gibt es wirklich?”, hakte sie sogleich nach.
“Mutter, was glaubst du wofür ich mich die letzten Tage so abrackere?”, erwiderte Reginas Mutter leicht genervt.
“Das heißt, er hat mich wirklich eingeladen?” Regina hatte das Telefon gesenkt und starrte ungläubig vor sich.

Ihre Oma ergriff es und Regina hörte gedämpft, wie sie versuchte ihre Tochter dazu zu überreden, das Kleid für Regina anzupassen, damit sie hingehen konnte.
“Aber der Ball wird ihr doch keinen Spaß machen!”, argumentierte ihre Mutter.
“Darum geht es doch gar nicht, Grete”, widersprach ihre Oma, wissentlich die Kurzform nutzend, die Reginas Mutter schon vor Jahren abgelehnt hatte. Peggy Kohlweiß klang in ihren Ohren einfach besser.
“Worum geht es dann?”, fragte diese und bekam eine Kurzfassung des Zusammentreffens zu hören und bald schon waren Mutter und Tochter sich einig, dass Regina gehen sollte.
Reginas Mutter würde ihre Kontakte nutzen, um auch für Reginas Freundinnen Einladungen zu bekommen und das geschickte Kleid so anpassen, dass es zu ihrer Tochter passte. Zögerlich stimmte auch Regina zu.

Der Abend des Balls war gekommen und Regina war sich sicher, dass ihre Mutter sich selbst übertroffen hatte. Das ehemals blaue, viel zu enge Kleid, schmiegte sich genau richtig an ihre Rundungen, ohne das es gepresst wirkte und war mit roten und schwarzen Stoffbahnen versetzt. Ihre Freundin Becky hatte es als “punkig” bezeichnet und da konnte Regina ihr nur zustimmen. Sie hätte nie gedacht, dass sie sich in einem mit billigen Strasssteinen besetztem Kleid je so gut fühlen würde. Trotzdem konnte sie ihre Nervosität nicht abschütteln. Egal wie oft sie sich sagte, dass es sie nicht interessierte, was Wolf dachte, so oft erwischte sie sich dabei, wie sie sich genau darüber sorgte. Mit ihren Freundinnen zu der viel zu kitschigen und schnöseligen Musik zu tanzen, nahm ihr das aber schnell. Denn obwohl sie alle drei keine Discos und Dorffeste mochten, hatten sie ihren Spaß dabei sich über den Kitsch, der über die Tische verteilt lag, die altbackenen Girlanden und die Ernsthaftigkeit zu amüsieren, die einige Teilnehmer ihnen entgegenbrachten.

Letztendlich kam der Moment, in dem sie Wolf gegenüberstand. Er trug einen maßgeschneiderten Smoking, der wesentlich teurer war als das Kleid, das er ihr geschenkt hatte. Das war allerdings auch keine Kunst, wie Peggy schnell bei der Überarbeitung festgestellt hatte. Wolf pfiff anerkennend und begutachtete sie von den hochgesteckten Haaren bis zu den neuen Sneakers in ihrer Lieblingsfarbe.
“Du siehst fantastisch aus”, kommentierte er anschließend.
“Ich weiß”, erwiderte sie nur und ärgerte sich darüber, dass sie sich über das Kompliment freute und sie alles andere als souverän klang.
Mit seinem umwerfenden Lächeln bat er sie zum Tanz, den sie schlecht ablehnen konnte, da sie ja offiziell seine Begleitung war. Sie versuchten sich im 1-2-Tipp, aber keiner von ihnen war sonderlich geschickt darin. Trotzdem fühlte es sich für Regina an, als ob sie sich näher kamen, als ob das gemeinsame Lachen sie wieder mehr zu den Freunden machte, die sie einst gewesen waren. Vielleicht sogar zu mehr.

Kaum hatte dieser Gedanke sich seinen Weg gebahnt, tippte jemand Regina auf die Schulter. Neben ihr stand der Förster, der ihr im Wald geholfen hatte, in einem heruntergekommenen Anzug. An seinen Ellenbogen und Knien klafften Löcher und die Farbe war vielleicht mal schwarz gewesen. Mit offenem Mund starrte sie ihn an. Daran hatte sie gar nicht mehr gedacht…
“Du hast ihn beeindruckt”, eröffnete er ihr mit einem finsteren Grinsen. “Anders als erwartet, aber du hast es geschafft. Dann wäre also meine Bezahlung fällig”, erinnerte sie der Förster und zeigte seine vergilbten Zähne in einem süffisanten Grinsen.
“Was für eine Bezahlung? Was geht hier ab? Wer ist der Typ?” Die Fragen sprudelten nur so aus Wolf hervor, der angewidert auf den Förster hinabsah.
“Äähm, er hat mir bei was geholfen und will dafür jetzt ähm den ersten Kuss”, erklärte Regina widerwillig und spürte wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg.
“Du willst sie küssen?” Entsetzt starrte Wolf von Regina zum Förster. Der ungläubige und verletzende Tonfall ging nicht spurlos an ihr vorüber und ihr Herz zog sich krampfhaft zusammen. So viel zu ihrer winzigen Hoffnung, dass Wolf ihr beistehen würde.
Doch der Förster lachte nur. “Ich habe nie von ihr gesprochen.”
“Nicht?” – “Was?”, fragten die beiden gleichzeitig.
Der Förster wandte sich Regina zu und sie konnte seinen schlechten Atem riechen als er sich zu ihr herüberbeugte.
“Glaub mir Kleines: Es ist besser so. Für das, was für dieses Fest noch geplant ist, ist es eine gerechte Strafe.” Seine Stimme klang ernst und entschlossen. Noch bevor Regina etwas sagen konnte, hatte der Förster sich Wolf am Revers gegriffen und zu einem Kuss heruntergezogen. Wolf versuchte sich zu befreien, wedelte wild mit den Armen, aber der andere hatte wesentlich mehr Kraft als man ihm zutrauen würde. Regina brachte keinen Ton hervor und konnte nur starren. Endlich ließ der Förster Wolf los und machte einen Schritt zurück, wie um sein Werk zu betrachten. Wolfs angeekelter Blick wich einer Fratze des Entsetzen. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem breiten Grinsen, dass bald schon nicht mehr natürlich aussah und sich über die Breite seines Gesichts erstreckte. Seine Haut bekam einen grünlichen Ton und seine Augen wanderten geweitet an seine Stirnseiten. Dann machte es plopp und Wolf war verschwunden. Nur noch sein Smoking lag zusammengesunken auf dem Boden. Regina machte einen Schritt zurück, betrachtete den Förster, was er mit großer Sicherheit nicht war, angsterfüllt und sah sich panisch im Saal um. Irgendjemand musste das doch gesehen haben! Irgendein leises Quaken riss sie aus ihren Gedanken. Dort zwischen den Stofflagen kämpfte sich ein großer, grüner Frosch hervor. Erneut blickte sie zum falschen Förster, dieser lächelte sie aufrichtig an und erst jetzt bemerkte sie, dass er wesentlich gepflegter schien. Die nicht mehr verfilzten Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, der wilde Bart zu einem gut getrimmten gestutzt und der Anzug wies keinerlei Makel mehr auf.

“Ein Tanz, Fräulein Holle, während ich alles erkläre?”, fragte er und hielt ihr die Hand entgegen.
Noch ehe sie widersprechen konnte, hatte er schon ihre Hand genommen und sie an sich gezogen. Sie spürte, wie ihr Widerstand und ihre Angst nachließen, anscheinend beruhigte er sie auf magische Weise, damit sie nicht vor ihm davonlief. Eigentlich hätte Regina ihn deswegen anfahren und sich mit Händen und Füßen wehren sollen, allerdings wollte sie auch wissen, was hier vor sich ging. Und vor allem, woher er von ihrer Oma wusste, also hielt sie sich zurück. Gekonnt und langsam führte er sie über das Parkett, offensichtlich tat er auch irgendetwas mit ihren Füßen, denn sie hatte keine Befürchtungen, ihm ungeschickt auf die seinen zu treten. Oder schlimmer noch auf Frosch-Wolf, der dicht neben ihnen hockte und zum Glück noch immer von niemandem entdeckt worden war.

Ihr Gegenüber erzählte ihr, dass er ein wandernder Zauberer sei, der hin und wieder ihre Oma besuchte und schon viel von ihr gehört hatte. Als er erfuhr, wozu der Ball dienen sollte, konnte er nicht anders als sich einzumischen. Die eingeladenen Mädchen sollten bloßgestellt werden und ja, Regina war erst die siebte Wahl gewesen. Alle anderen hatte er erfolgreich davon abhalten können herzukommen. Bei ihr allerdings wollte er sehen, wie eine Holle, damit umgehen würde und hat ihr deshalb einen falschen Apfel gegeben, um sie auf den richtigen Weg zu bringen. Regina starrte ihn an. Er hatte absichtlich dafür gesorgt, dass es ihr nach dem Apfel schlecht ging? Wobei, wenn sie es objektiv betrachtete war es genau das Richtige gewesen, um ihr die rosa Brille von der Nase zu schleudern.
“Und was mach ich jetzt?”, fragte sie anstatt ihm Vorwürfe zu machen.
“Jetzt genießt du einen schönen Ballabend mit deinen Freundinnen und überlässt jemand anderem den Frosch”, schlug er vor und lächelte sie verschwörerisch an, “Außer, natürlich, du kannst ihm wahrhaft verzeihen, dann kannst du versuchen ihn zu erlösen.”
“Mit einem Kuss?”, hakte Regina unsicher nach.
“Ich vermute eher die andere Variante.” Der Zauberer lachte auf und Regina blieb stehen. Für einen Augenblick schaute sie zu dem einsam quakenden Frosch, der zwischen Wolfs Anzug hervorlugte. “Heute nicht”, entschied sie mit einem Grinsen.
Er sollte ruhig etwas aus seiner Situation lernen, bevor sie half, ihn wieder in seine menschliche Gestalt zu verwandeln.
“Eine gute Entscheidung”, bestätigte der Zauberer und ließ sie herumwirbeln, sodass ihr Rocksaum sich wunderbar drehte.

Hinter den Kulissen

Und schon sind wir am Ende des Märchens angelangt.
Ich hoffe ihr hattet Spaß!

An dieser Stelle nochmal ein Großes

Dankeschön!

an alle Mitschreiberinnen: Carola WolffPaula RooseAnne DanckChristina Löw und Sarah Wagner!

Es war fantastisch dabei zuzusehen, wie ihr alle diese Idee genommen habt und zu etwas ganz eigenem gemacht habt. Ich hoffe, ihr seid mit dem Ende so zufrieden wie ich. Irgendwie musste ich ja die ganzen Fäden verknüpfen, die ihr gesponnen habt. 😀

Aber nicht nur das,

dieser Beitrag stellt auch das Ende des Märchensommers dar!

Nur noch heute könnt ihr alle offenen Punkte sammeln, um euch für die wunderbaren Preise zu qualifizieren!

Morgen – spätestens innerhalb der nächsten Tage – gebe ich dann bekannt, wer welche Stufe erreicht hat!

Ich hoffe ihr hattet Spaß und noch viel Erfolg bei den letzten Rätseln!

Anne/PoiSonPaiNter

The Weekend Guess #119

Read in English

wegWas ist der Weekend Guess?

Ein von mir formuliertes Rätsel, das Wortwitze und Wortspiele über die Antwort selbst enthalten könnte, wird hier zum Lösen für meine Leser*innen eingestellt.

Worum geht es bei den Fragen?

Diese sieben speziellen Fragen drehen sich um Märchen, schließlich ist Märchensommer. 😉

Was ist deine Aufgabe dabei und was bringt das für dich?

Du kannst versuchen das Rätsel zu lösen und damit fünf Punkte für die gesammte Märchensommer Challenge sammeln!

Lasst uns einen Blick auf das neunte und vorerst letzte Märchenrätsel werfen:

Herrscherin der weißen Pracht

Welches Märchen suche ich?
Wenn ihr die Antwort kennt, benutzt NICHT die Kommentare, sondern sendet eure Antwort über das Formular!


Morgen gibt es dann das letzte #CroMär Kapitel!

Anne/PoiSonPaiNter
____________________________
Lies auf Deutsch

wegWhat is the Weekend Guess?

A riddle formulated by me that could contain puns and wordplays on the answer itself are put on here for my readers to answer.

What are the questions about?

These seven special Question are all about Fairy Tales, it’s the Fairy Tale Summer after all. 😉

What is your part in this and what is in it for you?

You can try to solve the riddle and my German readers can earn points by solving this for the overall prices. You can try as well, but won’t be getting any points for it.

Let’s take a look at the ninth and for now last Fairy Tale Riddle

Ruler of the white splendor

Which Fairy Tale am I looking for?
If you know the answer do NOT answer in the comments and send your answer via the form above!

Anne/PoiSonPaiNter

#AxolotlAusgefragt

Vor mehr als einem Jahr schwamm der erste Band der Märchenspinnerei in die weite Welt.

Diesem ersten Band, dem Axolotlkönig von Sylvia Rieß, ist heute diese Aktion gewidmet, denn seit damals ist viel Zeit ins Land gegangen. Nicht nur hat der kleine Lurchi eine Bonusszene bekommen(, die ich verursacht habe), sondern mit dem Herrn der Sieben Königreiche auch einen pelzigen kleinen Bruder, den ich als Teil einer Facebook Aktion von seinem Geisterhusten befreien musste.

Im November wurde der „Solidaritätslurch“ im Rahmen der Blogger gegen Cybermobbing-Kampagne, noch einmal auf die Reise geschickt und er kann auch immer noch weitergeschickt werden. Es ist eine einfache Möglichkeit Leuten zu zeigen, dass sie in den weiten des Internets nicht alleine sind.
Denn das ist eines der Kernthemen des Buches.

Obendrauf gab es dann noch die Nominierung zum Deutschen Phantastik Preis, auch wenn es da „nur“ bis zur Longlist reichte. Für die LBM gab es dafür ein paar tolle Plakate, die stolz an den Wänden der Phantastik-Halle hingen.

Aber worum geht es heute überhaupt genau?

Wir feiern noch einmal den Axolotl (habe meine Rezension aus dem letzten Sommer dafür ganz frisch übersetzt) und dafür verlose ich zwei signierte Axolotl-LBM-Plakate und ein signiertes Print der Originalausgabe des Axolotlkönigs (noch ohne Bonusszene, den Print MIT Bonusszene, könnt ihr im Gesamtsommer gewinnen). Alle Teilnehmer erhalten außerdem ein Goodie Paket von Sylvia, solange der Vorrat reicht.

Was müsst ihr dafür tun?

Einfach so viele Fragen wie möglich zum Axolotlkönig richtig beantworten, je mehr umso höher die Preischancen. Und die Fragen sind auch wirklich nicht schwer.

Ein kleiner Tipp: Viele der Informationen lassen sich im Klappentext, auf Sylvia’s Blog und in den FB-Veranstaltungen zum Buch finden. 😉

Viel Erfolg!

Anne/PoiSonPaiNter

Märchensommer: Entsorgung

Herzlich willkommen zur letzten Runde des Märchensommers! Schön das ihr euren Weg hergefunden habt!

Auch heute könnt ihr wieder jeden Montag einen Punkt für die Gesamtpreise des Märchensommers ergattern indem ihr die unten gestellte Frage in den Kommentaren beantwortet.

Doch vorweg eine kleine Buchvorstellung …

Dieses Buch ist noch gar nicht geschlüpft. Erst am 13.07. erblickt es das Licht der Welt.

Nachdem sie letztes Jahr über Volksmärchen für den Märchensommer geschrieben hat, reiht sich Eva-Maria Obermann nun mit ihrer Rapunzel Adaption „Tropfen der Ewigkeit“ in die Riege der Märchenspinnerei ein.

In dieser steampunkigen Welt bekommt die Geschichte vom Mädchen im Turm nochmal eine ganz andere Wirkung, als Valeria zu ergründen versucht, wer sie eigentlich ist.

Aber nun zur Frage des Tages:

Welchen Märchenweg würdest du wählen um jemanden aus dem Weg zu räumen?

Ich glaube mittlerweile ist klar, dass ich mich glaube eher zu den Bösewichten zählen, oder sie zumindest interessanter als so manch eine/n HeldIn finde. Deswegen konnte ich mir diese Frage nicht nehmen lassen.
Letzte Jahr war ich der Meinung, das Drachenfeuer doch recht effektiv ist:

Die subtilen Weisen, wie die Böse Königin versucht Schneewittchen loszuwerden, sind zwar sehr verführerisch, aber jemanden mit Drachenfeuer zu brutzeln erscheint mir dann doch wesentlich epischer. 😉

Aber so ein bisschen Manipulation und flüstern der richtigen Wörter in die richtigen Ohren kann da auch ganz hilfreich sein … bin halt auch eine Slytherin … und ja, Katherina hat mich auf die Idee gebracht. 😀

Anne/PoiSonPaiNter

© Für die Cover gehört ihren rechtmäßigen Besitzern und dienen hier lediglich zur Veranschaulichung.

#CroMär: Kapitel 6

Regina und ihre Oma sind letzte Woche eingeschneit und ihre Oma hat ihr eine entscheidende Frage gestellt. Wies es weiter mit dem sechsten Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 6 – Das Pantoffelrätsel

„Schon, aber die sind nicht halb so charmant“, sagte eine angenehm raue Stimme neben ihnen, in der ein leises Lachen schwang.
Regina wirbelte herum. Tatsächlich da stand er. Wolf. Lässig lächelnd und nicht eine einzige Schneeflocke in den schwarzen Haaren.
„Wie …?“, stammelte sie.
Er zwinkerte ihr kurz zu und ging dann mit langen Schritten direkt zu ihrer Großmutter.
„Oder gnädige Frau“, fragte er und griff galant nach ihrer Hand, „was meinen Sie?“
„Wolf?“, Reginas Oma sah ihn staunend an. „Bist du das?“
Er nickte. Sein Lächeln wurde noch breiter.
Regina schaute von ihrer Oma zu Wolf und wieder zurück. Sie verstand überhaupt nichts mehr. Was geschah hier? Wie kam Wolf in diese Hütte? Ihre Oma räusperte sich.
„Hat dir keiner beigebracht, dass man an die Tür klopft, bevor man reinkommt?“, schimpfte sie. „Und was ist das für eine Geschichte mit dem Ball? Was fällt dir ein, meiner Enkelin so den Kopf zu verdrehen?“
Reginas Wangen nahmen schlagartig die Farbe ihres Pullovers an.
„Vielleicht ist es ja umgekehrt?“, erwiderte Wolf. „Vielleicht hat sie mir den Kopf verdreht.“
„Wer‘s glaubt“, schnaubte die Oma. „Seh ich aus wie eine alte Schachtel, der man jeden Mist erzählen kann?“
Doch Wolf schaute jetzt zu Regina. Sein Blick fühlte sich so intensiv an wie eine Berührung. Sie schluckte.
„Sei doch nicht dumm, mein Mädchen“, riss Omas Stimme sie aus dem Sog. „Grad hast du mir noch gesagt, du seist zu alt für Märchen. Ich weiß nicht, was er vorhat, aber es ist sicher nichts Gutes.“
Noch immer spürte sie Wolfs Blick auf sich.
“Pah!” Das rostige Lachen ihrer Oma ging in einen ordentlichen Hustenanfall über. „Ich war auch mal jung, vergiss das nicht.“ Reginas Oma seufzte. “Ich leg mich mal einen Moment ins Bett, mir wird das grade alles zu viel”, raunte sie ihrer Enkelin zu und hatte tatsächlich den Fernseher ausgeschaltet.
Umständlich erhob sie sich vom Sofa und schlurfte Richtung Schlafzimmertür.
„Warten Sie, ich helfe Ihnen.“ Wolf war schon an ihrer Seite.
„Untersteh dich“, protestierte sie. „Seh ich aus, als ob ich keine drei Schritte mehr allein machen könnte?“
Doch sie wirkte tatsächlich etwas wackelig auf den Beinen. Regina registrierte erleichtert, dass sie sich trotz ihres Protests auf Wolfs dargebotenen Arm stützte. Gemeinsam verließen die beiden das Zimmer. Regina hörte sie aus dem Nebenraum reden. Freundlich fragte Wolfs Stimme, ob sie noch etwas brauche. Oma schien zum Glück die Lust aufs Schimpfen vergangen zu sein. Vielleicht war sie bereits eingeschlafen? Sie war so ungewöhnlich still.
Hastig strich sich Regina ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und zog die Kapuze ihres Pulli enger um sich. Das dürfte doch alles nicht wahr sein. Erst traf sie Wolf im Wald und nun war er hier… wieder schüttelte sie den Kopf, der Tag konnte gar nicht mehr verrückter werden. Die Tür knarrte leise. Wolf stand wieder im Raum.
Als Regina ihn sah, musste sie feststellen, dass sie falsch gelegen hatte. Sie konnte sich das Lachen einfach nicht verkneifen. Aus irgendeinem obskuren Grund, hatte er sich die hellgraue Strickjacke ihrer Oma umgehängt. Sein rechter Fuß steckte in einem glänzend grauen Pantoffel. Das Material kam Regina irgendwie bekannt vor. Vielleicht eine Art Fell? Irgendwo hatte sie diese glänzenden grauen Strähnen schon gesehen. Der linke Fuß blieb ohne Pantoffel.
Regina grinste ihn an.
„Aber Oma“, rief sie mit Kleinmädchenstimme, „du siehst so anders aus!“
Wolf erwiderte ihr Grinsen.
„War kalt“, meinte er schulterzuckend. „Dieser ganze Schnee auf einmal.“
„Ja der ist wirklich komisch“, stimmte Regina zu. Dann wusste sie nicht mehr, was sie sagen sollte. Die Situation war einfach zu absurd.
Wolf schlenderte zu dem Sessel, in dem Regina saß und ließ sich auf die Armlehne sinken. Lässig legte er seinen Arm auf die Rückenlehne. Wie zufällig berührte er ihre Haare. Hitze schoss Regina durch den Körper. Unter seinen Fingern wurde sie weich wie Butter. In ihr kribbelte es erwartungsvoll. Wie sehr sie sich danach sehnte, ihm nah zu sein!
Aber irgendwo in ihrem Hinterkopf klang noch die Warnung ihrer Oma. Sei nicht dumm, mein Mädchen. Sie musste herausfinden, was er hier wollte.
Regina räusperte sich und bemühte sich, seine Hand in ihrem Haar zu ignorieren. „Was machst du hier? Gibts noch ein paar Schuhe zum Kleid?“
„Ach, dieser Ball“, Wolf beugte sich vor und sah ihr direkt in die Augen. „Nachdem ich dich wiedergesehen habe, waren mir eine Woche einfach zu lang“
Er streckte die Hand aus. Sanft fuhr er ihr über die Wange. Regina fiel. Haltlos. Jede Frage, jeder Einwand blieb zurück. Da waren nur noch sie und er und ein Rausch stärker als die Wirklichkeit.
Sie seufzte, als er sanft ihren Hals und ihre Schultern streichelte. Seine Lippen fanden ihre. Regina schloss die Augen.
Viel öfter als sie zählen konnte, hatte sie davon geträumt, dass er sie küsste. Ein leidenschaftlicher Kuss, in dem sie so viele Nuancen von ihm erschmecken konnte und dieses kleine bisschen Mehr, das süchtig machte.
Soweit ihre Träume. Seine Lippen waren eiskalt. Sie rissen Regina aus ihrem Rausch. Statt nun endgültig in ihrem Miteinander zu versinken, fühlte sie sich plötzlich seltsam klar. Bilder schossen ihr durch den Kopf. Tante Susi und ihr Apfel – der kleine Mann im Wald – das dunkelblaue Ballkleid – der Schnee – das Brot – der graue Pantoffel an Wolfs rechtem Fuß. Alles Erinnerungen an die Ereignisse dieses Tages. Doch Regina kam es plötzlich so vor, als wäre jede einzelne wichtig. Als müsste sie alle zusammensetzen, um das Muster zu erkennen.
Wie im Krimi, dachte sie. Hatte Oma sie jetzt schon angesteckt mit ihrer Liebe zu billiger Dramatik? Das war doch Quatsch! Es gab weder ein Verbrechen, noch einen Mörder, also keinerlei Grund auf Indizienjagd zu gehen.
Wolfs Lippen auf ihren fühlten sich unangenehm an. Seine Hände auf ihren Schultern waren wie Eis. Sie öffnete die Augen und zog ruckartig ihren Kopf zurück.
In seinen dunklen Augen sah sie ein seltsames gieriges Funkeln. Sein Griff wurde fester. Täuschte sie sich oder breitete sich die Kälte langsam auch in ihrem Körper aus?
„Gefällt es dir nicht?“, fragte er lächelnd.
Regina blinzelte. Für einen Moment hatte sie nicht sein Gesicht gesehen. Da waren Falten gewesen, tiefe Falten, Tränensäcke unter den Augen, leicht gräuliche Haut. Im nächsten Moment sah er wieder ganz normal aus. Regina schauderte. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht.
Sie versuchte, sich vom Sessel hochzustemmen und schaffte es nicht. Nicht die kleinste Bewegung brachte sie zustande. Ihr Körper fühlte sich jetzt so kalt an, wie die Hand auf ihrer Schulter. Er war vollkommen steif. Regina keuchte entsetzt.
Wolf lachte. Kein jugendliches Lachen, ein altes, kurzatmiges Lachen. Wieder erschien vor ihren Augen das faltige Gesicht, das sie bereits gesehen hatte. Diesmal verwandelte es sich nicht in Wolfs attraktive Züge zurück. Stattdessen begann sich nun auch der restliche Körper zu verändern, wurde kleiner und krummer an der Hand auf ihrer Schulter spürte sie lange Nägel wachsen, die sich schmerzhaft in ihre Haut bohrten.
„Endlich“, schnarrte die Alte mit russischem Akzent.
Endlich was?, wollte Regina fragen. Doch inzwischen waren auch ihre Lippen steif.
„Verwandlung ist gut“, erklärte die Alte ungefragt, „aber so unbequem.“
Sie musterte Regina mit zahnlosen Lächeln.
„Nein, ich bin nicht Wolf. Er ist weit weg. Denkt schon lang nicht mehr an dich. Glaub der alten Jaga. Sie kennt das Leben.“
Regina funkelte sie wütend an. Wenigstens dazu war sie noch im Stande.
„Leben ist hart. Leben ist grausam“, philosophierte die alte Jaga weiter.
Oh, wie gern wäre Regina ihr an die Gurgel gesprungen!
„Aber heute lächelt es“, grinste die Alte. „ Wie lang ich darauf gewartet habe! Und nützlich seid ihr zwei Hübschen mir auch noch. Es ist so kalt mit all dem Schnee.“
In diesem Augenblick entschloss sich eines der Puzzleteile in ihrem Kopf sein Geheimnis preiszugeben. Ihr fiel ein, woher sie das graue Material des Pantoffels kannte. Es war kein Fell. Es waren Haare – Omas Haare. Ein Schrei formte sich in ihrem Inneren. Er schrillte zu ihren Lippen, doch diese, steif und verschlossen, ließen ihn nicht heraus. Wie ein Echo raste er in ihr hin und her, bis Regina glaubte, von seinem Klang zu zerspringen.
Die Alte presste ihr beide Hände auf die Schultern. Ihre Lippen bewegten sich in einem seltsamen Singsang. Regina schrumpfte. Es tat nicht weh, was wahrscheinlich an Jagas betäubendem Klammergriff lag, war aber ein sehr eigenartiges Gefühl. Sie spürte wie ihre Zellen kleiner wurden und sich zusammenschoben. Immer weiter verlor sie ihre Körperform. Erst gab es keine Nase und keine Ohren mehr. Dann schob sich das, was von ihrem Kopf noch übrig geblieben war mit dem Hals zusammen. So ging das weiter. Die ganze Zeit hatte sie dabei Jagas Grinsen mit penetranter Deutlichkeit vor Augen.
„Nimm‘s nicht so schwer Schätzchen“, kicherte die kratzige Stimme der Alten. „Jede Geschichte hat ein Happy End – fragt sich nur für wen.“
Regina war nur noch ein formloser Knäuel aus braunen Locken mit einem Schlupfloch, in das sich nun ein runzliger Fuß schob.

Hinter den Kulissen

Wie bereits erwähnt, stammte die ursprüngliche Idee zum gemeinsamen Schreiben von Sarah Wagner, die bereits bei der Nerdwoche mit einem Beitrag mitgemacht hatte. Leider leidete sie darunter, dass Christina nochmal ihr Kapitelende überarbeitete und es dann nicht mehr zusammenpasste, also haben wir Christinas Ende zu einer Mischung aus neu und alt gemacht, damit es wieder stimmig wurde.

An einer Stelle musste ich auch die Handlung etwas drehen, da, wie Anne anmerkte, es so irgendwie sehr unhöflich war. Ursprünglich bat Regina nämlich ihre kranke Oma das Zimmer zu verlassen, damit die beiden reden konnten. Ich denke, sorum passt es besser.

Und wer nicht weiß, wer Jaga ist, dem Empfehle ich Katherina’s Beitrag: Grimm’sche Hexe und Baba Jaga – zwei Mal Hexe? – Teil 1 und Teil 2.

Anne/PoiSonPaiNter

The Weekend Guess #118

Read in English

wegWas ist der Weekend Guess?

Ein von mir formuliertes Rätsel, das Wortwitze und Wortspiele über die Antwort selbst enthalten könnte, wird hier zum Lösen für meine Leser*innen eingestellt.

Worum geht es bei den Fragen?

Diese sieben speziellen Fragen drehen sich um Märchen, schließlich ist Märchensommer. 😉

Was ist deine Aufgabe dabei und was bringt das für dich?

Du kannst versuchen das Rätsel zu lösen und damit fünf Punkte für die gesammte Märchensommer Challenge sammeln!

Lasst uns einen Blick auf das sechste Märchenrätsel werfen:

Löchrige Fußbedeckung

Welches Märchen suche ich?

Wenn ihr die Antwort kennt, benutzt NICHT die Kommentare, sondern sendet eure Antwort über das Formular!

Morgen gibt es wieder ein weiteres #CroMär Kapitel!

Anne/PoiSonPaiNter
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Lies auf Deutsch

wegWhat is the Weekend Guess?

A riddle formulated by me that could contain puns and wordplays on the answer itself are put on here for my readers to answer.

What are the questions about?

These seven special Question are all about Fairy Tales, it’s the Fairy Tale Summer after all. 😉

What is your part in this and what is in it for you?

You can try to solve the riddle and my German readers can earn points by solving this for the overall prices. You can try as well, but won’t be getting any points for it.

Let’s take a look at the sixth Fairy Tale Riddle

Holey footwear

Which Fairy Tale am I looking for?

If you know the answer do NOT answer in the comments and send your answer via the form above!

Anne/PoiSonPaiNter

Sage mal, Märchen?

Read in English

Im Verlauf des Märchensommers stellen meine Gastautor*innen ja gerne mal einige Dinge in Frage. Heute zum Beispiel beschäftigt sich Carmen Capiti mit der Frage, was nun eigentlich der Unterschied zwischen einem Märchen und einer Sage ist.

Märchen und Sagen – ein Vergleich

Hach ja, Märchen! All diese wunderbaren Geschichten, die die meisten von uns schon seit unserer Kindheit begleiten.

Ich persönlich kenne die meisten (weichgespülten) Märchen ja vermutlich durch Walt Disney. Andere würden sagen, dass ihre Eltern und Großeltern ihnen früher bereits Märchen vorgelesen haben. Bei mir waren dies aber vielmehr alte Sagen und Legenden aus unserer Region.

Aber was sind Märchen denn eigentlich ganz genau? Und was unterscheidet sie von anderen Geschichten, insbesondere von Sagen?

Ich bin keine Sprachwissenschaftlerin und habe keine Literatur studiert. Trotzdem versuche ich, die oben gestellten Fragen anhand kleiner Beispiele zu beantworten.

Als Erstes stelle ich euch dazu das wunderschöne selbstgeschriebene Märchen von Laura Kier »Kirschen im Winter?« vor.

In diesem Märchen ist Jack Frost, eigentlich verantwortlich für den Winter, müde geworden von seinem Streit mit Sian Morgenröte. Da erhält er aber unverhofft Besuch von Rocks, einem sturen Schaf, das sich in den Kopf gesetzt hat, dass Kirschen und grüne Wiesen im Winter gefälligst nichts zu suchen haben.

Was definiert »Kirschen im Winter?« als Märchen?

  • Es gibt keine konkrete Zeit- oder Ortsangabe. Märchen finden meistens »Vor langer, langer Zeit…« In einem »weit entfernten Königreich« statt.
  • Es gibt sprechende Tiere. Rocks ist ein sprechendes Schaf und weder Jack Frost, noch der Leser wundert sich wirklich darüber.
  • Es beinhaltet weitere fantastische Elemente, die wie Alltäglichkeiten behandelt werden. Beispielsweise ist zweifellos klar, dass Jack Frost dafür verantwortlich ist, dass es den Winter gibt.

Im zweiten Schritt nehme ich mir folgende beiden Bücher vor[, die gestern hier vorgestellt wurden]:

In »Das Sagenbuch zum Stephansdom« sammelt die Autorin alte Sagen rund um den Stephansdom in Wien. Diese Sammlung hat sie jedoch auch um zwei eigene Sagen ergänzt, in denen sie auf aktuellere Geschehnisse Bezug nimmt.

»Die Geister von Ure« ist ebenfalls eine Sagen-Sammlung, jedoch habe ich hier eine Handvoll Innerschweizer Bergsagen genommen und diese zu einer einzigen, zusammenhängenden Geschichte verwoben. Wichtig ist hier, dass das Buch zwar in einer fiktiven Welt stattfindet, ich jedoch mit allen Ortschaften und vielen Personen und Geschehnissen auf reale historische Hintergründe anspiele.

Beide Bücher zeigen die Charakteristiken einer Sage:

  • Es gibt klare historische Bezüge in den Geschichten. In »Die Geister von Ure« wird beispielsweise auf das Interesse der Habsburger am Gotthard-Pass und den daraus resultierenden Konflikt Bezug genommen.
  • Es gibt konkrete Ort- und Zeitangaben. »Das Sagenbuch zum Stephansdom« behandelt ganz spezifisch den Stephansdom und die Ereignisse, welche sich darum ranken.
  • Die Geschichten folgen nicht immer den Naturgesetzen. In »Die Geister von Ure« gibt es beispielsweise Naturgeister, welche nach ihrem Willen Lawinen und Bergstürze auslösen können oder Tiere zu Monstern mutieren lassen. Beim Stephansdom erzählt man sich unter anderem, dass Gott Brot zu Stein hat werden lassen, um eine hartherzige Frau zu bestrafen.

Die Unterschiede zwischen Märchen und Sagen sind mit den Beispielen schon mal deutlich. Wo aber überschneiden sich nun diese Erzählungen nun?

Beide umfassen fantastische, übersinnliche Elemente, was sie auch zu einem Vorreiter der Phantastik machen. Beide haben außerdem das Ziel, zu belehren. Schon die Gebrüder Grimm schrieben im Vorwort ihres Buches, dass es als Erziehungsbuch dienen sollte.

Die Nachricht von Märchen sind häufig moralischer Natur. »Kirschen im Winter?« überträgt die Nachricht, dass man nicht nachtragend sein sollte und ein ehrliches Gespräch häufig viele Probleme aus dem Weg schaffen kann. (Und dass Schafe einfach toll sind, aber das ist vermutlich meine eigene, moralfreie Interpretation…)

Die Sagen, welche sowohl in »Das Sagenbuch zum Stephansdom« und teilweise in »Die Geister von Ure« behandelt werden, fußen meistens im Christentum. Sie versuchen, den Menschen aufzuzeigen, wozu Gott und Teufel fähig sind und womit man rechnen muss, wenn man sich mit ihnen anlegt.

Beides – Märchen sowie Sagen – sind also Geschichtsgattungen, welche den Menschen ermahnen sollen, ein gutes und anständiges Leben zu leben – wobei die Definition eines solchen Lebens sich natürlich durchaus auch gewandelt hat. Und das Wichtigste: Beide Gattungen bringen eine satte Portion Phantastik mit.

Die Autorin

Carmen Capiti wuchs in der Zentralschweiz auf und arbeitet heute in Zürich im Bereich der Informationssicherheit. Das Schreiben entdeckte sie in frühen Jahren auf der Schreibmaschine ihrer Großeltern und verfasste während ihrer Schulzeit diverse Zeitungsartikel und Kurzgeschichten. 2015 gründete sie mit drei weiteren Autorinnen den Verein Schweizer Phantastikautoren.

Ihr Debüt-Roman „Das letzte Artefakt“ erschien im März 2015 und wurde nominiert für den SERAPH 2016 – Bestes Debut. Seither veröffentlichte sie den phantastischen Roman „Die Geister von Ure“ sowie die beiden ersten Bände ihrer Cyberpunk-Trilogie (Maschinenwahn, Maschinenschmerz).

Homepage: Carmen Capiti
Facebook: Carmen Capiti
Twitter: @CarmenCapiti
Instagram: kittens_n_keyboard

„Die Geister von Ure“, sowie „Die Perlmuttschmetterlinge“ von Laura Kier könnt ihr im Verlauf des Märchensommers als E-Book und/oder Print gewinnen!

Anne/PoiSonPaiNter

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Lies auf Deutsch

In during the fairy tale summer my guest author*esses like to challenge some things. Today, for example, it is Carmen Capiti who asks the question of what is actually the difference between a fairy tale and a legend.

Fairy tales and legends – a comparison

Ah, yes, fairy tales! All these wonderful stories that have accompanied most of us since childhood.

Personally, I probably know most (softened) fairy tales through Walt Disney. Others would say that their parents and grandparents used to read them fairy tales. For me, however, these were rather the old myths and legends from our region.

But what exactly are fairy tales? And what distinguishes them from other stories, especially legends?

I am not a linguist and have not studied literature. Nevertheless, I try to answer the questions above by means of small examples.

First of all, I would like to introduce you to Laura Kier’s beautiful self-written fairy tale »Kirschen im Winter?« (Cherries in Winter?)

In this fairy tale Jack Frost, actually responsible for the winter, gets tired of his fight with Sian Dawn. But he unexpectedly receives a visit from Rocks, a stubborn sheep who has taken it into its head that cherries and green meadows have no place in winter.

What defines „cherries in winter“ as a fairy tale?

  • There is no specific time or location. Fairy tales usually take place „a long, long time ago…“ In a „far-away kingdom“.
  • There are talking animals. Rocks is a talking sheep and neither Jack Frost nor the reader is really surprised.
  • It contains other fantastic elements that are treated like everyday occurrences. For example, it is undoubtedly clear that Jack Frost is responsible for the winter.

In the second step I will look at the following two books[ which were presented here yesterday]:

In „Das Sagenbuch zum Stephansdom“ the authoress collects old legends about the St. Stephen’s Cathedral in Vienna. However, she has also added two legends of her own to this collection, in which she refers to more recent events.

„Die Geister von Ure“ is also a collection of legends, but here I have taken a handful of mountain legends from Central Switzerland and woven them into a single, coherent story. It is important here that the book takes place in a fictitious world, but I allude to real historical backgrounds with all the towns and many people and events.

Both books show the characteristics of a legend:

  • There are clear historical references in the stories. In „Die Geister von Ure“, for example, reference is made to the Habsburgs‘ interest in the Gotthard Pass and the resulting conflict.
  • There are specific dates and places. „Das Sagenbuch zum Stephansdom“ deals specifically with St. Stephen’s Cathedral and the events surrounding it.
  • Stories do not always follow the laws of nature. In „Die Geister von Ure“, for example, there are natural spirits that can trigger avalanches and landslides or mutate animals into monsters. In Stephansdom it is said, among other things, that God turned bread into stone to punish a hard-hearted woman.

The differences between fairy tales and legends are already clear with the examples. But where do these stories overlap then?

Both contain fantastic, supernatural elements, which also make them pioneers of fantasy. Both also have the goal of teaching. Already the Brothers Grimm wrote in the preface of their book that it should serve as an educational book.

The message of fairy tales is often a moral one. „Kirschen im Winter?“ conveys the message that one should not hold a grudge and that an honest conversation can often solve many problems. (And that sheep are just great, but that’s probably my own moral-free interpretation…)

The legends, which are dealt with both in „Das Sagenbuch zum Stephansdom“ and partly in „Die Geister von Ure“, are mostly based on Christianity. They try to show people what God and the devil are capable of and what to expect when dealing with them.

Both – fairy tales and legends – are thus literature genres which are intended to exhort people to live a good and decent life – although the definition of such a life has, of course, also changed. And the most important thing: Both genres bring along a rich portion of fantasy.

The authoress

Carmen Capiti grew up in Central Switzerland and now works in Zurich in the field of information security. She discovered writing in her early years on her grandparents‘ typewriter and wrote various newspaper articles and short stories during her schooldays. In 2015, together with three other female authors, she founded the Schweizer Phantastikautoren (Swiss Association of Fantastic Authors).

Her debut novel „Das letzte Artefakt“ (The Last Artifact) was published in March 2015 and was nominated for the SERAPH 2016 – Best Debut. Since then she has published the fantastic novel „Die Geister von Ure“ and the first two volumes of her cyberpunk trilogy (Maschinenwahn – Machine Delusion, Maschinenschmerz – Machine Pain).

Homepage: Carmen Capiti
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Anne/PoiSonPaiNter

Märchensommer: Verwandlung

Herzlich willkommen zur sechsten Woche des Märchensommers! Schön das ihr euren Weg hergefunden habt!

Auch heute könnt ihr wieder einen Punkt für die Gesamtpreise des Märchensommers ergattern indem ihr die unten gestellte Frage in den Kommentaren beantwortet.

Doch vorweg eine kleine Buchvorstellung …

Letztes Jahr hat Eva-Maria Obermann ein bisschen darüber geschrieben, ob die Märchen der Gebrüder Grimm überhaupt Volksmärchen sind. Carmen Capiti und Barbara Schinko warfen gleich eine ganz andere Frage auf:

Sind Sagen eigentlich auch Märchen?


Carmen wird dieser Frage in einem Gastbeitrag morgen noch näher auf den Grund gehen. Hier soll es erst einmal um ihre jeweiligen Sagenbücher gehen:

Zum einen dem Sagenbuch zum Stephansdom, dem Wahrzeichen Wiens. Zum anderen um Die Geister von Ure, einer Roman-Aufarbeitung Innerschweizer Sagen.

Letzteres könnt ihr sogar im Verlauf des Märchensommers als E-Book und Print gewinnen!

Aber nun zur Tagesfrage:

Was ist  für dich die schlimmste/merkwürdigste/fieseste Verwandlung in einem Märchen?

Auch wieder eine Frage, die ich vom letzten Jahr wiederverwendet habe.

Damals habe ich mich für die verzauberte Anicka entschieden:

Der Schafskopf sieht nicht nur furchtbar gruselig aus – und nimmt ihr glaube auch die Fähigkeit zu sprechen – sondern sie muss, um ihn loszuwerden von ihrem Prinzen erkannt werden und vorher diverse Abenteuer bestehen.

Aber ich glaube so langsam, dass Zwerg Nase es auch gar nicht so einfach gehabt hat …

Wir haben auch heute noch damit zu kämpfen, dass Leute, die anders aussehen verachtet und ausgeschlossen werden. Sich da einen Namen zu machen oder auch einfach so über die Runden zu kommen und nicht daran zu zerbrechen ist eine Kunst an sich. Deswegen muss man eigentlich die meisten Leute, die verwandelt werden und sich daraus befreien können bewundern, denn sie haben etwas überstanden, das „normale“ Leute gar nicht erst erleben.

Diese Woche folgt dann auch meine Rezension zur Zwerg Nase Adaptation Träume voller Schatten von Christina Löw  – und das passende Interview dazu. Und meine Station der Kreativtour zum Buch #IchAlsZwerg.

Anne/PoiSonPaiNter

© Für die Cover gehören den rechtmäßigen Besitzern. Sie dienen hier lediglich zur Veranschaulichung.

#CroMär: Kapitel 5

Reginas Oma hat ihr letzte Woche eine unglaubliche Geschichte erzählt, ob sie sich dadurch vom Ball abbringen lässt? Wies es weiter mit dem fünften Kapitel des #CroMär, des Crossover Märchens, könnt ihr heute lesen.

Kapitel 5 – Eingeschneit

Als Regina unten vor die Haustür trat, traute sie ihren Augen kaum: Schnee! Wohin sie auch blickte, alles war unter einer weißen Decke verborgen, ihr Fahrrad eingeschlossen. Sie blinzelte und kniff sich zur Sicherheit kurz in den Arm, doch der Schnee blieb. Sanft segelten noch einige Flocken vom Himmel und landeten auf ihrer ausgestreckten Hand, wo sie sogleich zu kleinen, kalten Wassertropfen wurden.
Regina schüttelte den Kopf. Ob sie nun auch noch halluzinierte? Wenn ja, lag das eindeutig an dem vermaledeiten Apfel, den Tante Susi ihr angedreht hatte. Wenn nein … War das überhaupt möglich, dass so schnell, so viel Schnee fiel? Sie war doch nur ein paar Minuten drinnen bei Oma gewesen.
Mit beiden Händen schaufelte Regina den Fahrradkorb frei, in dem sie das Essen für ihre Großmutter verstaut hatte. Vorsichtig schaute sie in die Plastikdose, die neben dem Kuchen auch den angebissenen Apfel enthielt, und zuckte zusammen: Der Apfel war wieder ganz, als hätte sie nie hineingebissen! Doch irgendwie sah der Kuchen anders aus. Vorhin war er noch saftig gewesen, jetzt wirkte er trocken und krümelig – als hätte er schon mehrere Wochen in der Dose zugebracht und nicht nur etwas mehr als eine Stunde.
Schnell drückte sie den Deckel fest zu, ergriff die Dose mit spitzen Fingern und schaute sich nach dem nächsten Mülleimer um. Dort verstaute sie den Plastikbehälter unter einer alten Zeitung, damit bloß niemand auf die Idee kam, Dose und Inhalt mitzunehmen.
Mit dem restlichen Essen kehrte Regina in die Wohnung zurück.

Während sie noch ihre Schuhe an der Fußmatte abstreifte, hörte sie ihre Oma aus dem Wohnzimmer rufen: „Komm schnell! Sie haben eine ganz sonderbare Eilmeldung durchgegeben!“
Regina hängte ihre Jacke an der Garderobe auf und stapfte dann auf Socken zu ihrer Oma.
„Du wirst nicht glauben –“ Ihre Oma stockte. Sie musterte Regina und an ihrem Gesicht konnte die sehr gut ablesen, wie die Rädchen hinter der Stirn ihrer Oma ratterten. „Was ist mit deinen Haaren passiert?“
Regina strich sich eine feuchte Strähne aus der Stirn. „Schnee“, sagte sie schlicht.
„Schnee?“ Ihrer Oma blieb der Mund offen stehen.
Regina deutete auf die flimmernde Mattscheibe des Fernsehers. „Das da.“
Ihre Oma folgte ihrem Blick. Zusammen sahen sie zu, wie ein sichtlich verwirrter Wettermann auf die hinter ihm eingeblendete Deutschlandkarte zeigte und den Zuschauern mitteilte: „Wie Sie sehen, gibt es in allen Teilen des Bundesgebiets Sonnenschein bei angenehmen, für die Jahreszeit schon fast überraschend hohen Temperaturen. Nur in einem Teil nicht. Dort ist ein drastischer Temperatursturz zu vermelden – mit Schneefall. Wir warnen vor plötzlicher Glätte und bitten Sie, vorsichtig zu sein.“ Er lachte nervös. „Schließlich wissen wir nicht, was das Wetter als Nächstes für uns bereithält. Vielleicht die nächste Eiszeit.“
Ihre Oma stellte den Ton aus und wandte sich Regina zu. „Schnee?“, wiederholte sie.
Regina nickte nur.
Ihre Oma schüttelte den Kopf. „Normal hätte ich das ja für einen schlechten Scherz gehalten. Versteckte Kamera oder so etwas, du weißt schon. Aber wenn du den Schnee gesehen hast …“
„Und gespürt.“
Ihre Oma schüttelte erneut den Kopf, doch zu Reginas Überraschung blieb sie stumm. Das passierte nicht oft. Normal hatte ihre Oma zu allem einen Spruch auf den Lippen – meistens ein Zitat aus einer ihrer Lieblingssoaps.

Statt weiter auf das Thema einzugehen, trug Regina die Plastikdosen in die Küche und stellte sie auf der Arbeitsplatte ab. „Hast du Hunger, Oma?“, rief sie über ihre Schulter. „Ich könnte dir etwas Lasagne aufwärmen.“
„Nein, nein, Liebling“, rief ihre Oma zurück. „Ich habe mir vorhin eine Tütensuppe gemacht. Das reicht erst mal.“
Regina grinste. Was das Essen anging, kam sie wirklich eher nach ihrer Oma als nach ihrer Mutter – die wiederum würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn sie wüsste, was die beiden verspeisten, wenn sie nicht dabei war. Also räumte Regina das Essen und die zusätzlichen Lebensmittel, die ihre Mutter ihr mitgegeben hatte, in Omas Kühlschrank.
Dabei nahm sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung war. Sie blinzelte und schaute noch einmal hin. Das konnte doch nicht sein … Hatte der Backofen ihr gerade wirklich zugeblinzelt? Nein, das war unmöglich. Sie rieb sich über die Augen und wandte sich zur Tür, um die Küche zu verlassen. Heute war wirklich der Wurm drin – erst recht seit Tante Susis Apfel!
Trotzdem verharrte sie auf der Schwelle und blickte noch einmal über die Schulter zurück. Ein leises Pling ertönte und das Licht im Backofen ging an. Regina zuckte zusammen, dennoch lief sie instinktiv auf das Gerät zu. „Oma? Hast du etwas im Ofen?“
Es war unwahrscheinlich, aber wie sonst sollte sie sich die plötzliche Interaktion des Backofens erklären? Sie bückte sich, schaute durch die Scheibe in den Ofen und sah ein Brot darin. „Oma? Da ist Brot in deinem Ofen!“
Sie wollte den Backofen ausschalten, denn wenn ein Pling ertönte, war das Brot darin sicherlich fertig, doch in dem Moment sah sie, dass dieser gar nicht an war. Wenn sie nach dem Temperaturregler ging, sollte nicht einmal das Licht an sein. Regina runzelte die Stirn, öffnete aber dennoch die Klappe – und der Duft von frisch gebackenem Brot stieg ihr in die Nase. Vorsichtig streckte sie die Hand aus und berührte das Brot mit einem Finger. Es war warm – nicht so heiß, wie es eigentlich sein sollte, wenn es gerade noch gebacken worden war. Aber doch so, als hätte man es vor einer halben Stunde gebacken und dann zum Abkühlen nach draußen gestellt.
Sie hörte langsame Schritte, die kurz hinter ihr verstummten. Regina drehte sich um und sah ihre Oma, die sich am Türrahmen festhielt. Sie schnupperte und dann richtete sie sich plötzlich auf und wirkte wieder fit, als hätte allein der Duft des Brots sie gesund gemacht.
„Oma, da ist Brot im Ofen“, wiederholte Regina, obwohl ihre Oma das natürlich längst selbst gesehen hatte. Doch etwas anderes fiel ihr nicht ein.
Als sie sich erneut zum Ofen umdrehte, bemerkte sie, dass sich dessen Inhalt in der Zwischenzeit noch weiter ›vermehrt‹ hatte: Das ganze Blech war voller Teigwaren – Brot, Brötchen, Croissants –, als wäre eine Großfamilie zum Brunch eingeladen.
Ganz vorsichtig und mit zwei Topflappen – von Reginas Mutter gestrickt, nicht von ihrer Oma – holte sie das Brot schließlich aus dem Ofen und stellte es auf der Arbeitsplatte ab. Skeptisch begutachtete sie es von allen Seiten, doch es sah aus wie ein ganz normales Gebäck, es roch so gut wie frisch vom Bäcker und auch sonst konnte Regina nichts erkennen, das sonderbar war. Nachdem sie auch die anderen Backwaren auf den Tisch gestellt hatte, blickte sie zu ihrer Oma auf. Die war allerdings bereits ins Wohnzimmer zurückgekehrt und schaute wahrscheinlich weiter Telenovelas.
Nachdem Regina sich eine Limo eingegossen hatte, fläzte sie sich neben ihrer Großmutter in einen Sessel und beobachtete sie für einen Augenblick. Eingekuschelt in ihre Decke starrte ihre Oma wie gebannt auf den Bildschirm. Mit einem Kopfschütteln versuchte Regina, das Geschehene zu verdrängen. Vermutlich konnte Oma sich nur nicht dran erinnern, dass sie etwas in den Ofen getan hatte. Schließlich zog Regina ihr Handy hervor und schaute, wie es um ihre Monster stand. Sie freute sich, dass eines der schon ewig liegenden Eier endlich geschlüpft war – da hatte sich die Wegstrecke von zu Hause zu ihrer Großmutter ja irgendwie doch noch ausgezahlt.

Erst in der nächsten Werbeunterbrechung schnitt Oma das andere Thema wieder an, dem Regina mit ihrem Gang nach draußen aus dem Weg gegangen war. „Wieso willst du eigentlich ausgerechnet mit Wolf zum Wunderjunggesellenball?“, fragte sie und schaute Regina stirnrunzelnd an. „Du könntest auch allein gehen oder mit einer deiner Freundinnen. Wäre das nicht einfacher?“

Hinter den Kulissen

Dieses Kapitel von Märchenspinnerin Christina Löw, musste auch noch ein bisschen überarbeitet werden. Ursprünglich hatte sie nämlich nicht geplant die Oma zu Frau Holle zu machen, aber so finde ich es irgendwie passender. 😀

Nächste Woche wird es hier ein bisschen mehr zu ihr geben. Nicht nur meine Rezension zu „Träume voller Schatten„, ihrer Zwerg Nase Adaption, sondern auch ein Interview mit ihr und meine Station ihrer Kreativtour #IchAlsZwerg zum Buch.

Im Verlauf des Märchensommers könnt ihr das Buch auch als E-Book gewinnen.

Anne/PoiSonPaiNter