Sasha
Das Turnier war vorĂŒber und die Feier fĂŒr den Sieger hatte bereits begonnen, aber Sasha konnte sich einfach nicht dazu aufraffen, daran teilzunehmen. Er hatte noch lange darĂŒber nachgedacht, was er falsch gemacht hatte, aber das einzige was ihm einfiel war, dass er zu schwach und unkonzentriert war.
Nachdem der Trubel vor seinem Zelt sich gelegt hatte, war Sasha zu seinem Pferd gegangen. Es war mittlerweile abgesattelt und abgerieben worden, aber die Knappen waren noch nicht dazu gekommen es zu striegeln, geschweige denn es in den Stall zu fĂŒhren. Sein Pferd und auch ein paar andere standen noch immer angeleint an niedrige Zaunkonstruktionen im Schein einiger Fackeln zwischen den Zelten der Teilnehmer. Er strich dem Tier sanft ĂŒber den Hals und die Seite und bedankte sich fĂŒr dessen Geduld und MĂŒhe. Er nahm die BĂŒrste aus dem Putzeimer, der an dem kleinen Zaun hing und begann ĂŒber das Fell des Tieres zu streichen. Es stellte sich allerdings als schwieriger als erwartet heraus, denn die Knappen hatten sich schnell verzogen nachdem sie ihm zum Zelt gebracht und er sich eingeigelt hatte und das ohne ihm aus der RĂŒstung zu helfen; mittlerweile hatten sie es sicherlich vergessen.
Seine normale RĂŒstung konnte Sasha alleine ablegen und sie war auch wesentlich bequemer und hatte mehr Bewegungsfreiheit, aber fĂŒr das Turnier hatte er sie nicht tragen dĂŒrfen um keine Vorteile gegenĂŒber anderen Kriegern zu haben. MĂŒhsam versuchte er die Schnalle, die die Metalplatten zusammenhielt zu erreichen, aber die Platten auf seinen Armen machte es unmöglich sich selbst aus der RĂŒstung zu befreien.
âBraucht Ihr Hilfe?â, kam eine Stimme von hinter ihm.
Verwundert drehte Sasha sich um und erkannte den Krieger, der ihn vom Pferd gestoĂen hatte im Halbdunkel der Fackeln. Noch einen Moment starrte er den andern an, dann nickte er kaum merklich.
âIch habe Euch auf dem Fest vermisstâ, erwĂ€hnte er beilĂ€ufig, nachdem Sasha sich zur Seite gedreht hatte und begann die Schnallen zu lösen.
âMir war nicht danach zu feiernâ, erwiderte Sasha und versuchte es wie eine nebensĂ€chliche Bemerkung klingen zu lassen.
âWarum? Ihr habt gute KĂ€mpfe abgeliefert und es mehr als verdient gefeiert zu werdenâ, fragte der andere und half Sasha aus dem Brustpanzer, seine Arme waren bereits befreit.
Verwundert betrachtete Sasha den anderen Krieger.
âIch habe versagtâ, bemerkte er lediglich in UnverstĂ€ndnis.
Er verstand nicht warum ein Krieger, der nicht siegreich war, feiern sollte. In einem richtigen Kampf hÀtte sein Versagen sein Leben kosten können.
âDas ist Euer Grund?â, fragte der andere und lachte auf.
Mit einem Klappern legte er den Brustpanzer auf den Boden.
âEin Versagen ist kein Grund dafĂŒr den Kopf einzuziehen und nicht seine Siege zu feiern. Ihr hattet SpaĂ und das Volk hatte SpaĂ Euch zuzusehen, dass es jemanden gab, der besser war als Ihr, wird immer so sein, sonst wĂ€re das Leben langweilig. Seht die Niederlage als Herausforderung besser zu werden und nicht als Grund aufzugebenâ, erklĂ€rte der andere und klopfte Sasha freundschaftlich auf die Schulter und musste sich ein wenig dafĂŒr strecken, da Sasha einen guten Kopf gröĂer war als er.
âIhr habt gut reden. Ihr habt gewonnenâ, protestierte Sasha und wandte sich wieder seinem Pferd zu.
Er nahm die BĂŒrste wieder auf und begann erneut das Tier zu striegeln.
âDieses Mal vielleicht, aber ich war auch schon oft in Eurer Lageâ, offenbarte der andere und Sasha wandte sich erneut zu ihm um.
âIn meinem ersten Turnier habe ich wesentlich schlechter abgeschnitten als Ihrâ
UnglÀubig schaute Sasha den anderen an.
âJeder fĂ€ngt mal klein an, dafĂŒr sind diese Turniere da. Sie bereiten uns darauf vor, dass es immer jemanden gibt, der besser ist, den es zu bezwingen gilt. Dieses Mal war ich besser als Ihr, beim nĂ€chsten Mal kann das schon ganz anders aussehenâ
Noch immer schaute Sasha den anderen unglÀubig an. Dieser Mann hatte ihn bezwungen und nun war er hergekommen, von seiner eigenen Feier weggegangen und versuchte ihn aufzumuntern.
âIch bin Georgâ, stellte sich der andere nun informell vor und streckte Sasha die Hand entgegen.
NatĂŒrlich wusste jeder des anderen Namen, aber dennoch redete man sich unter den Teilnehmern meist höflich an.
âSashaâ, erwiderte er nach einem kurzen Zögern und ergriff Georgs Hand.
âSchön dich kennen zu lernen, Sasha. Wenn du es gestattest wĂŒrde ich dir gerne ein paar Tricks beibringen, damit du es bei deinem nĂ€chsten Turnier leichter hastâ, schlug Georg sogleich vor.
âAber das Fest?â, wollte Sasha verwundert wissen und zog seine Hand zurĂŒck.
âDas Fest ist nicht wichtig. Feiern muss hin und wieder sein, aber das hier ist mehr fĂŒr die Adligen als fĂŒr unsâ, erklĂ€rte der andere.
Sasha akzeptierte diese ErklĂ€rung mit einem Nicken. Beim Fest am Vortag hatte er sich bereits fehl am Platz gefĂŒhlt, vermutlich wĂ€re es dieses Mal nicht anders gewesen.
âEs wĂ€re mir eine Ehre, wenn du mich unterrichten wĂŒrdestâ, akzeptierte Sasha das Angebot und verneigte sich vor Georg.
Georg lachte leicht und richtete Sasha wieder auf.
âIhr Felslinge seid schon ein seltsames Völkchenâ, behauptete er und klopfte Sasha im SpaĂ auf die Schulter.
Hinter den Kulissen
Mit Sasha’s Geschichte geht es weiter hinter dem 10. TĂŒrchen.
Wenn ihr in der Zwischenzeit bei den anderen vorbei schauen möchtet, dann startet neu bei TĂŒrchen 1 und entscheidet euch zwischen Mina und Damian.
In diesem Kapitel hatten wir mal einen kleinen Einblick in Felslings-Psychologie: Ich habe verloren, also bin ich unwĂŒrdig.
Gut, dass es da Leute wie Georg gibt, die einem solche Flausen aus dem Kopf treiben.
Falls es jemanden interessiert: Georg(e) ist einen von den Namen, die ich in Geschichten gefĂŒhlt irgendwie hĂ€ufig nutze, dabei finde ich den Namen gar nicht so besonders, aber einige Charaktere fĂŒhlen sich halt wie Georgs an…
Ich hoffe euch gefÀllt die Geschichte bisher.
Bis Morgen,
PoiSonPaiNter
© FĂŒr Geschichte und Charaktere liegen bei mir. Verwendung oder Weitergabe nicht ohne meine Zustimmung.
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Lies auf Deutsch
Sasha
The tourney was over and the feast for the victor had begun, but Sasha just couldnât bring himself to participate. He had long thought about what he had done wrong, but the only thing he could think of was that he had been to weak and had lacked concentration.
After the hustle and bustle in front of his tent was gone Sasha went to his horse. By now it was unsaddled and rubbed off, but the squires hadnât managed to groom it, let alone bring it to the stables. His horse and a few others still stood leashed to a low fence construction between the participantâs tents below the light of a few torches. He stroked the beastâs neck gently and thanked it for its patience and effort. He took the brush out of the cleaning bucket that hung at the low fence and started stroking the fur of the beast. Though it was harder than he had expected as the squires had left in a hurry after they had brought him to the tent and he had curled up and that without helping him out of his armour; by now they had probably forgotten about it.
His usual armour was easy for Sasha to remove on his own and it was far more comfortable and he had a lot more mobility in it, but for the tourney he hadnât been allowed to wear it to not have an advantage. Tediously he tried to reach the buckle that held the metal plates together, but the plates on his arms made it impossible for him to free himself from his own armour.
âDo you need help?â A voice asked from behind him.
Surprised Sasha turned around and recognized the warrior that had shoved him off his horse in the crepuscule of the torches. A moment longer he stared at the other before he nodded faintly.
âI missed you at the feastâ, he mentioned casually after Sasha had turned to the side and started loosening the buckles.
âI didnât feel like celebratingâ, Sasha returned and tried to make it sound like a negligible statement.
âWhy? You fought well and have more than earned it to be celebratedâ, the other asked and helped Sasha out of his breast plate, his arms already freed.
Puzzled Sasha looked at the other warrior.
âI failedâ, he simply said lacking understanding.
He didnât understand why a Warrior, who hadnât been victorious, should celebrate. In a real fight his failure could have cost his life.
âThat is your reason?â The other asked and laughed.
With a clatter he put the breast plate on the ground.
âFailure is not a reason to duck oneâs head and not celebrate the victories. You had fun and the crowd had fun watching you, that there was someone who was better than you, will always be the case, otherwise life would be boring. See your failure as challenge to become better and not as a reason to give upâ, he explained and gave Sasha a friendly pat on the shoulder and had to stretch a bit to do so, as Sasha was a head taller than him.
âYou can talk. You wonâ, Sasha protested and turned his attention back to his horse.
He picked the brush up and started grooming the beast again.
âThis time maybe, but I was often enough in your positionâ, the other revealed and Sasha turned back around again.
âIn my first tourney I did far more poorly than youâ
Sasha looked at him in disbelieve.
âEveryone starts small and thatâs what tourneys are for. They prepare you for the times when someone is better than you, whom you have to take down. This time I was better than you, next time it might look completely differentâ
Sasha still looked at him in disbelieve. The man had defeated him and now he had come here, went away from his own feast and tried to encourage him.
âIâm Georgâ, he now introduced himself informally and reached his hand out towards Sasha.
Of course either of them new the others name, but amongst the participants they still used the formal ways to address each other.
âSashaâ, he returned after short hesitation and took Georgâs hand.
âNice to meet you, Sasha. If you allow me I would like to teach you some tricks, so your next tourney will be easier for youâ, Georg suggested right away.
âBut the feast?â Sasha asked bewildered and pulled his hand away.
âThe feast isnât important. A celebration is necessary every now and again, but this one is more for the nobles than usâ, he explained.
Sasha accepted this explanation with a nod. At the feast the day before he had already felt out of place, it probably wouldnât have been any different this time.
âIt would be an honour if you taught meâ, Sasha accepted the offer and bowed before Georg.
Georg laughed and straightened Sasha.
âYou Stonelings are a curious folkâ, he claimed and patted Sasha’s shoulder in jest.
Behind the Scenes
Sasha’s story will continue behind the 10th door.
If you want to see what the others are doing in the meantime, go back to the 1st door and choose between Damian and Mina.
In this Chapter we take a small peek into Stoneling-Psychology: I lost, therefore I’m unworthy.
Good that there are people like Georg that drive such nonsense out of one’s mind.
If anyone is interested: Georg(e) is one of those names, that I somehow use quite often in stories, even though I don’t really like it, but some Characters just feel like Georg’s…
I hope you enjoy the story so far.
See you tomorrow,
PoiSonPaiNter
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