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Noch zwei mal Lesen …

… dann ist das Jahr vorbei.

Verging die Zeit fĂŒr euch auch so schnell? Der November war wie im Flug vorbei und morgen fangen wir schon wieder an TĂŒrchen zu öffnen, um die Weihnachtszeit einzulĂ€uten.

Apropos TĂŒrchen!

Auch dieses Jahr nehme ich wieder am Lebendigen Adventskalender der Kirchengemeinde meiner Heimatstadt teil. DafĂŒr und fĂŒr eine Lesung im Gutshaus Waldberg drei Tage vorbei zu einem derer AdventsmĂ€rkte, habe ich mir ein paar Geschichten aus meinem Adventskalender von 2014, meinem allerersten, vorgenommen und aufgearbeitet.

Wer neugierig ist, was ich damals so fabriziert habe, diese Geschichten habe ich gewÀhlt:

Dazu vielleicht noch die ĂŒberarbeitete Fassung des Ruinenzaubers (Veste Landskron), die ich vor ein paar Jahren anfertigte und vielleicht einen Auszug aus meiner Geschichte aus den Acht Wochen Dunkelheit.

Das Lichtlein war tatsĂ€chlich die einfachste Überarbeitung, der Stern die schwerste. Letzterer ist auch nicht mehr mit der verlinkten Fassung vergleichbar. Auch der Weihnachtsmarkt hat eine andere Wendung genommen, denn ich habe ihn zu einer Bonusszene fĂŒr den Neubrandenwolf gemacht! (Und ja, ich muss da immer noch die Seite fĂŒr ĂŒberarbeiten … XD).

Hier alle Daten auf einen Blick:

Grafische Darstellung der im Beitrag genannten Termine

Adventsmarkt
Thema: Phantastisches MV
Wann? 10.12.2023, 16 Uhr
Wo? Gutshaus Waldberg, Waldberg 1, 17109 Demmin

Lebendiger Adventskalender
Wann? 13.12.2023, 18 Uhr
Wo? Kaminzimmer des Gemeindehaus Jarmen, Neuer Markt 6, 17126 Jarmen

Vielleicht sehen wir uns ja, ich wĂŒrde mich freuen!

Anne

P.S. Merkt euch das Gutshaus Waldberg, denn da darf ich am 2.2.24 aus dem Wolf lesen!

TĂŒrchen #24

Man glaubt es kaum, aber schon sind wir am letzten Tag des Adventskalenders angelangt!

Diesen heiligen Abend versĂŒĂŸt uns Angelika Depta mit ihrer Kurzgeschichte

Das Weihnachtsgeschenk

Eingepackt in einem schweren mit Lammfell gefĂŒtterten Ledermantel eilt ein Mann durch die vor KĂ€lte klirrende Weihnachtsnacht. Das Atmen fĂ€llt ihm schwer. Jeder Atemzug schmerzt, weil sich die KĂ€lte ihren Weg durch die Luftröhre bahnt. Er zieht sich seinen Schal ĂŒber Mund und Nase. Im hellen Schein des Vollmondes leuchtet das Feld. Der Wanderer nimmt die Umgebung heute Nacht kaum wahr, er hastet seinen Weg weiter. Trotz der KĂ€lte bilden sich Schweißtropfen auf seiner Stirn. In Zwiesprache mit sich selbst schimpft er: „Ausgerechnet heute muss das Auto liegen bleiben. HĂ€tte ich doch nur getankt. Herr im Himmel lass mich nicht zu spĂ€t kommen“, dabei wirft er einen Blick nach oben. Die Sterne blinken ĂŒber ihm wie die Birnchen einer Lichterkette. Eine Sternschnuppe fliegt durch das Blickfeld des Mannes, schnell schickt er dem verglĂŒhenden Schweif einen Wunsch hinterher, und stapft so schnell es geht weiter. Ein paar Schritte vor ihm erkennt er die Spuren eines fliehenden Rehes in der sonst unberĂŒhrten weißen Pracht. Am nĂ€chtlichen Horizont zeichnen sich bereits die Umrisse seines Hauses ab. Er und seine Familie wohnen am Rande eines kleinen Dorfes auf der SchwĂ€bischen Alb. Es ist ein kleines altes Bauerndorf mit drei Höfen, die gerade so die Familien ĂŒber Wasser halten können. Der Ort ist in einer verschneiten hĂŒgligen Landschaft eingebettet und schmiegt sich im Osten schutzsuchend an ein grĂ¶ĂŸeres Waldgebiet

„Gott sei Dank habe ich es gleich geschafft.“ Mit noch schnelleren Schritten schreitet er auf sein Ziel zu. Bei dieser Eile ĂŒbersieht er den vor ihm liegenden SchneehĂŒgel. Er stĂŒrzt ĂŒber das Hindernis der LĂ€nge nach hin und bleibt einen Moment auf dem kalten Boden liegen. Unter dem Schnee verborgen lag ein großer Stein. VerĂ€rgert ĂŒber sich, dass er nicht aufgepasst hat, schickt er einen Schwall Schimpfwörter in die Nacht hinaus. Der Mann versucht aufzustehen und setzt sich gleich wieder hin. Er hat sich seinen Fuß verstaucht. Beim zweiten Versuch kommt er auf seinem verletzten Fuß zu stehen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelt er weiter auf sein Ziel zu. „Du schaffst es! Komm! Los, beeil dich! Du hast es versprochen dabei zu sein!“ Den Rest des Weges passt er auf, wohin er tritt. Aus einem GebĂŒsch, an dem er vorbeieilt springt ein aufgescheuchtes Reh und sucht das Weite. Vor Schreck fĂ€ngt ihm das Herz an zu rasen. Durch das ruckartige Stehenbleiben meldet sich sein schmerzender Fuß erneut. Das Tier verschwindet in dem in der NĂ€he liegenden WĂ€ldchen. Die LaufgerĂ€usche des Rehs schluckt der Schnee, es ist noch nicht einmal ein Knirschen des weißen Belages zu hören. Langsam beruhigt sich sein Herz wieder, der Mann hinkt weiter. Nach einer kleinen Ewigkeit erreicht er den Asphaltweg, der direkt zu seinem Ziel fĂŒhrt. Er sieht wie ein Auto auf dem Parkplatz vor dem Haus einparkt. Er bleibt kurz stehen um seine letzten Reserven zu aktivieren, einen Moment nimmt er sein vor ihm liegendes Haus auf. Es sieht heimelig von außen aus, alles ist weihnachtlich geschmĂŒckt. Einige mit selbstgebastelten Strohsternen geschmĂŒckte Fenster, sind in warmes Licht getaucht. Aus dem Kamin auf dem schneebedeckten Dach steigt der Rauch auf. Er kann sogar das Kaminholz durch die kalte Luft riechen. Die wie ein zerfließender Nebel wirkende Milchstraße mit ihren unzĂ€hligen Sternen ziert den Nachthimmel ĂŒber seinem Haus. Nicht an den Schmerz in seinem Fuß denkend, lĂ€uft er so schnell wie möglich  auf sein Heim zu.

Im Vorgarten steht ein mit einer Lichterkette geschmĂŒckter Lebensbaum. Direkt am Hauseingang begrĂŒĂŸt ihn ein Schneemann. Dieser trĂ€gt auf dem Kopf eine NikolausmĂŒtze, um den Hals einen Wollschal gewickelt. Steine dienen als Augen, Nase und Knöpfe.

Der Hausherr atmet einmal tief durch, endlich hat er es geschafft, eiligst betritt er den Flur seines Zuhauses. Es duftet nach gebackenen PlĂ€tzchen, gemischt mit dem Geruch von Tannenharz des bereits geschmĂŒckten Weihnachtsbaums.

Marie seine kleine Tochter kommt ihm wie ein kleiner Wirbelwind entgegengegerannt, aufgeregt quietscht sie: „Papa, komm ganz schnell! Mama hat ganz doll Bauchweh! Sie sagt, das Baby kommt gleich!“

Die Augen des Mannes strahlen zufrieden. Er ist doch noch pĂŒnktlich eingetroffen. „Ja, mein kleiner Schatz, ich komme ja schon.“

Er gibt der Kleinen einen Kuss auf die Wange, nimmt sie an die Hand und erklimmt mit ihr humpelnd die Treppe zum Schlafzimmer. Die Hebamme hatte schon alles vorbereitet. Jeden Moment wĂŒrde es losgehen. Ria seine Frau liegt bleich und mit verschwitztem Haar im Bett. Alle Strapazen sind fĂŒr einen Moment vergessen, als sie ihren Mann Joe sieht. Er lĂ€sst Maries Hand los, eilt zu seiner Frau ans Bett, nimmt sie liebevoll in die Arme und gibt ihr einen Kuss.

“Da bin ich Liebling, pĂŒnktlich zum Eintreffen unseres Weihnachtsgeschenkes.“

Sie strahlt ihn mit glĂŒcklichen Augen an: „Wir haben nur auf dich gewartet.“

Die Autorin

Angelika Depta wohnt mit ihrem Mann, zwei Hunden und einem Kater im schönen Rheinhessen. 2015 hat sie das Schreiben fĂŒr sich entdeckt. Sie belegt immer wieder Seminare um das Handwerk der Schreibkunst richtig zu lernen. Nebenbei unterhĂ€lt sie eine Homepage und ist viel in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram unterwegs.

Homepage: ad wie es mir gefÀllt
Facebook: Angelika Depta Autorin
Facebook-Gruppe: Schreiben – Mein Leben – Was mir gefĂ€llt
Instagram: @angelika.depta.autorin

Hinter den Kulissen

Ein kleines Drabble von mir erscheint heute auch auf der Instagram-Seite des Nornennetzes. Schaut mal vorbei!

Ich hoffe alle Leser*innen und Autorinnen hatten Spaß – und Letztere waren nicht zu arg genervt, wenn ich doch nochmal was geĂ€ndert haben wollte.

Damit wĂŒnsche ich uns:

Besinnliche Feiertage mit euren Lieben und vielleicht noch ein paar Flocken Schnee!

Anne

TĂŒrchen #23

Die vorletzte Gastgeschichte stammt von der wunderbaren Irina Christmann.

Freut euch auf

Heiße Weihnachten

Weihnachten 
 kein Fest polarisiert die Menschen so wie dieses. Gehasst oder geliebt. Dazwischen gibt es nichts. Ich liebe Weihnachten. Jedenfalls die Idee dahinter. Seine Lieben um sich sammeln, gemeinsam etwas Gutes essen, einander zeigen, dass man sich mag. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich in einer Pflegefamilie aufgewachsen bin. Noch heute besuche ich das einzige Zuhause, das ich je kannte regelmĂ€ĂŸig. Hanna und Klaus haben nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich nicht ihr Kind bin. Sie ließen mir die Wahl, ob ich sie Mama und Papa nennen wollte. Und als ich alt genug war, unterstĂŒtzten sie mich auch dabei Kontakt mit meiner Mutter Miriam aufzunehmen. Sie war gerade mal 13, als sie mich zur Welt brachte. Sie ist eine verrĂŒckte, liebenswerte Frau und eine gute Freundin. Seit ich studiere, wohnen wir nur ein paar Kilometer voneinander entfernt.

Ich muss ein StĂŒck durch die FußgĂ€ngerzone, wo der Weihnachtsmarkt noch einmal alles gibt, bevor er heute Abend zum letzten Mal fĂŒr dieses Jahr schließt. Von allen Seiten duftet es nach Essen. GerĂ€ucherter Fisch, Bratwurst, CrĂȘpes, PlĂ€tzchen und GlĂŒhwein bilden diese ganz spezielle Mischung, die zu dem Trubel einfach dazugehört. Heute habe ich allerdings keine Zeit und eile weiter. Irgendwo muss es den Film doch noch geben. Im Kaufhaus riecht es leider mehr nach verschwitzten Menschen und Stress, als nach Weihnachten. Die Spielwarenabteilung ist ein Chaos aus quengelnden Kindern und genervten Erwachsenen, die am Tag vor Heiligabend noch auf Geschenkejagd sind. Mein Ziel liegt dahinter. Vorsichtig schlĂ€ngele ich mich durch die Menschen und halte den Eingang zur Medienabteilung im Auge. FĂŒr meinen Geschmack sind dort auch eindeutig zu viele Leute.

Zuerst suche ich im Sonderregal fĂŒr Zeichentrick- und Kinderfilme. Leider jedoch ohne Erfolg. Dann durchsuche ich die alphabetisch sortierten Titel. Unglaublich wie viele Filme mit einem ‘Z’ beginnen. Ich bin kurz davor, die Suche aufzugeben, als ich im vorletzten Fach doch noch fĂŒndig werde.
“Yes”, jubele ich und drĂŒcke die HĂŒlle an mich.
“Muss ja ein toller Film sein”, spricht mich da jemand an und ich drehe mich erschrocken um.
“Ich liebe Faultiere”, sage ich perplex. Mein GegenĂŒber lacht leise.
“Kann ich verstehen”, ahmt er die extrem langsame Sprechweise von Flash aus dem Film nach. “Ich mag Zeichentrickfilme auch.”
“Cool”, sage ich wenig eloquent, denn irgendwie scheint mein Kopf plötzlich leer zu sein.
“Ist noch eine da? Mein Ex hat die komplette Sammlung mitgenommen. Dieser Arsch. Und ich brauch Stoff fĂŒr die Feiertage.”
“Nein, Ich glaube das war die Letzte. Aber die hab ich noch nicht durchgeschaut.” Ich deute auf die beiden letzten FĂ€cher und freue mich, dass ich zwei zusammenhĂ€ngende SĂ€tze formuliert habe. “Ach, schade. Ich hab einfach kein GlĂŒck”, meint er und zuckt mit den Schultern. “Dann such ich mir wohl was anderes.”
“Monster Uni”, schlage ich vor, ohne nachzudenken. Am liebsten wĂŒrde ich mir sofort auf die Zunge beißen. Er legt den Kopf schief und sieht mich an.
“Gute Idee, der hat ja sogar zwei Teile”, meint er dann und geht an den Regalreihen entlang. Noch einmal schaut er sich nach mir um und lĂ€chelt. Dann beginnt er die HĂŒllen durchzusehen und ich bin wieder in der Lage mich zu bewegen. Ich stecke gerade meinen Einkauf in den Rucksack, als auch ER bezahlt.
“Brauchst du noch was? Oder hĂ€ttest du Zeit und Lust auf einen GlĂŒhwein?”
Überrascht sehe ich von meinem Rucksack auf.
“Wer? Ich?”, quietsche ich ĂŒberrascht. Er grinst nur und nickt.
“Äh, klar, gerne”, stammele ich.
“Super. Ich lad dich ein. Als Danke fĂŒr die Empfehlung, okay? Ich bin ĂŒbrigens Dominik.”
Er streckt mir seine Hand entgegen.
“Tobias”, stelle ich mich vor und lege meine Hand in seine. Sein HĂ€ndedruck ist erstaunlich vorsichtig, wahrscheinlich hat er Angst meine dĂŒnnen Finger zu zerquetschen. Auf seinem HandrĂŒcken prangt eine große Narbe, die noch nicht allzu alt zu sein scheint. ZusĂ€tzlich sorgt sein LĂ€cheln fĂŒr ein sanftes Kribbeln in meinem ganzen Körper.
“Wollen wir dann?”
Dominik sieht mich fragend an und ich nicke stumm. Endlich lasse ich auch seine Hand los. Er bahnt sich souverĂ€n einen Weg durch die Leute, die auch je nĂ€her wir dem Ausgang kommen glĂŒcklicherweise weniger werden. Immer wieder sieht er sich um, ob ich auch noch da bin.

Vor der TĂŒr atme ich erst einmal tief durch. Stadtluft als frisch zu bezeichnen wĂ€re wahrscheinlich ĂŒbertrieben, aber besser als in einem stickigen Kaufhaus ist sie allemal.
Nur wenige Meter weiter steht die erste GlĂŒhweinbude und Dominik hĂ€lt direkt darauf zu.
“Mit oder ohne Alkohol”, erkundigt er sich bei mir.
“Lieber ohne, ich rede sonst nur wirres Zeug.”
“Dann vielleicht beim nĂ€chsten Mal”, meint er und geht die letzten Schritte, um unsere Bestellung aufzugeben. Mir schwirrt noch das “nĂ€chste Mal” durch den Kopf, da steht er auch schon mit einem Becher in jeder Hand wieder vor mir. “Bitteschön.”
Sein LĂ€cheln ist eindeutig eine Gefahr. Und nicht nur fĂŒr mich. Denn ich fange den Blick einer jungen Frau auf, die ihn ganz offen mustert. Dominik zwinkert ihr zu, stellt sich dann so, dass sie ihn nur noch von hinten sehen kann und hĂ€lt mir einen Becher entgegen.
“Danke”, antworte ich. Unsere Finger streifen sich, als ich diese nehme. Vielleicht sogar etwas lĂ€nger, als eigentlich nötig. Wir schlendern zwischen den Buden entlang, nippen an unserem Punsch. Dominik fragt mich nach meinem Lieblingsfilm, wir unterhalten uns ĂŒber die neuesten Superheldenfilme. Selten habe ich mich so schnell so gut mit jemandem verstanden. Ohne uns abzusprechen, geben wir die zwischenzeitlich leeren Tassen zurĂŒck und stellen uns in die Reihe der CrepĂȘs-Liebhaber. Es dauert eine Weile, bis wir an der Reihe sind. Dominik entscheidet sich fĂŒr die herzhafte Schinken-KĂ€se-Variante , ich fĂŒr die klassische Bananen-Schoko-Kombination.
“Dacht ich mir doch, dass du ein SĂŒĂŸer bist”, kommentiert Dominik lachend. Ich grinse lediglich. Noch immer bin ich ĂŒberfordert, wenn ich so offensiv angeflirtet werde. Ich bin nicht gerade der Typ, der einem sofort auffĂ€llt. Eigentlich genau das Gegenteil, der Typ, den man schnell ĂŒbersieht oder gleich wieder vergisst. Normalerweise macht mir das auch gar nichts aus. „Naja, eigentlich versuch ich nur auf Fleisch und so zu verzichten“, kommentiere ich lĂ€chelnd. Hoffentlich gerate ich jetzt nicht in eine Grundsatzdiskussion ĂŒber meine ErnĂ€hrung. Doch Dominik beißt einfach in seinen CrĂȘpes und geht weiter. Eigentlich mĂŒsste ich dringend nach Hause. Meine Tasche muss noch gepackt werden und ich fĂŒrchte außerdem, dass ich erst noch ein paar Klamotten waschen und trocknen muss, bevor ich morgen mit Miriam zu meinen Eltern fahren kann.

Wir haben die letzten Buden in der FußgĂ€ngerzone erreicht.
„Du hast da was“, meint Dominik und deutet auf mein Gesicht. „Darf ich?“
Da es sich dabei bestimmt um Schokosauce handelt, und ich sie mir im Zweifel nur mehr im Gesicht verteile, als sie zu entfernen, nicke ich nur. Dominik beugt sich zu mir herunter, legt eine Hand in meinen Nacken. Ich blinzele verwirrt, und will protestieren. Da kĂŒsst er mich schon und jeglicher Protest verflĂŒchtigt sich. Nur Augenblicke spĂ€ter werfe ich sĂ€mtliche weiteren EinwĂ€nde meines Hirns ĂŒber Bord, das mir zuflĂŒstert, dass ich eine Dummheit mache, dass man nicht einen fast Fremden kĂŒsst. DafĂŒr macht es einfach viel zu viel Spaß. Doch leider endet dieser Kuss – wie jeder andere auch – irgendwann. Dominik hĂ€lt mich fest an sich gedrĂŒckt. Ich genieße seine WĂ€rme, seine NĂ€he und fĂŒhle mich einfach wohl.
„Sorry, aber ich konnte einfach nicht widerstehen“, entschuldigt er sich.
„Hast du das GefĂŒhl, dass es mir nicht gefallen hat?“ Er lacht leise und ich lege meinen Kopf an seine Schulter, schließe die Augen und wĂŒnsche mir, dass das hier nur der Anfang ist.

„Verdammt“, Dominik drĂŒckt mich sachte von sich weg, greift in seine Jackentasche und zieht einen Pieper hervor. „Scheiße, ich muss sofort weg … Gib mir mal schnell dein Handy“, sagt er nachdem er einen schnellen Blick darauf geworfen hat.
Vollkommen perplex reiche ich ihm das GerÀt und er tippt hastig eine Nummer ein.
„Ruf mich an, bitte!“ Ich nicke und sehe ihm nach, wie er im Laufschritt durch die Menschen eilt und nach wenigen Augenblicken von der Masse verschluckt wird.

Werft einen Blick hinter die Kulissen, um zu erfahren, wie es weitergeht …

Die Autorin

Seit 2017 schreibt Irina Christmann unter diesem Pseudonym alles. Die Einhornfreundin ist eine Vielleserin, aber auch Vielschreiberin. TĂ€glich schreibt sie in „ihrem“ CafĂ©, ob nun von verliebten Jungs, historischen Charakteren oder nun auch phantastische Geschichten.

Facebook: Irina Christmann
Twitter: Ridani76

Hinter den Kulissen

Da die gute Irina nicht nur sofort inspiriert war (s. #WeihnachtenFĂŒrPoison), sondern auch die Wortvorgabe von ~1.000 Wörtern versechsfacht hat, haben wir uns entschieden, das ich hier nur das erste Kapitel prĂ€sentiere.
Wie es mit Tobias und Dominik weitergeht, könnt ihr auf Bookrix nachlesen: Heiße Weihnachten.

Viel Spaß

Anne

TĂŒrchen #22

Heute gibt es einen weiteren Ausblick auf das nÀchste Kapitel des

Neubrandenwolf

Auch diesen Schnipsel habe ich extra abgetippt und ĂŒbersetzt. Es ist ein ruhigerer und emotionalerer Auszug als der vorherige.

Aber nun zum neunzehnten Schnipsel

Amir unterbrach ihren Spaziergang neben einem Beet, das mit den herrlichsten Lilien gefĂŒllt war. Nachdem er sich auf den Weg gekniet hatte, streckte er seine Hand aus, um die BlĂŒtenblĂ€tter einer von ihnen sanft zu berĂŒhren. „Sie waren Favorit von mein Frau“, sagte er leise zu den anderen, wobei sich seinen Augen mit TrĂ€nen fĂŒllten. Er schlug seine Hand in die Erde vor sich und senkte den Kopf. „Wie kann ich glĂŒcklich sein, wenn sie weg? Wenn was mich Monster gemacht sie wegnehmte?“ Seine HĂ€nde krallten sich in die Erde, als die TrĂ€nen ĂŒber seine Wangen liefen.
Ohne zu zögern kniete sich Thomas neben ihn und zog seinen Freund in eine feste Umarmung.
„Es nicht fair! Ich auch tot sein!“, weinte Amir in seinen Armen.
„Nein! Nein! Das darfst du nicht denken!“, tadelte ihn Thomas und schob ihn von sich, damit er ihn ansehen konnte. „Denke niemals, dass du es verdienst zu sterben!“
„Aber ich Monster!“ Amir bestand darauf und lenkte seinen Blick auf die Blumen.
Rasha kniete neben ihnen nieder und legte sanft eine Hand auf Amirs Schulter. „Weißt du, was ich denke?“ Widerwillig sah er sie an und sie fuhr fort: „Ich denke, sie wĂ€re stolz auf mich. Du hast so viel durchgemacht, so viel gelitten und schau, wo du jetzt bist, was du erreicht hast! Du hast es geschafft, hierher zu kommen! Du hast eine völlig neue Sprache gelernt! Du hast einen Arbeitsplatz gefunden! Du hast Freunde gefunden, die dich unterstĂŒtzen. Und vor allem: Du hast gelernt, etwas zu kontrollieren, das viele vor dir in den Wahnsinn getrieben hat! Du bist sanft und fĂŒrsorglich. Amir, du bist ein guter Mann, kein Monster.“

Hinter den Kulissen

Ich mag Lilien, sie sehen einfach irgendwie cool aus. Schon in Michaels Geschichte spielen sie eine große Rolle, heißt doch seine GefĂ€hrtin Lilly. Das Amirs Frau auch diese Blumen als ihre Favoriten bekam, war also gar nicht so weit hergeholt. Vielleicht bin ich aber auch einfach einfallslos was GrĂŒnz- Ă€h Blumen angeht. 😀

Anne

TĂŒrchen #21

Ein weiter Blick auf

Der Wunsch der Königin

fĂŒhrt uns zu einer kleinen, aber doch bedeutungsschweren Unterhaltung zwischen der Heilerin Mara und der Bediensteten Lihsa.

Der achtzehnte Schnipsel:

„Kannst du mir den Trank geben, den Emry immer fĂŒr uns braut, wenn wir
“, bat sie zögerlich und doch hörte Mara Bestimmtheit heraus. Sie holte den BehĂ€lter aus einem Schrank und stellte ihn auf einen der Behandlungstische. Lihsa öffnete ihn sogleich und schĂŒttete den Inhalt in einen Becher, den sie mitgebracht hatte.
„Halt, das ist viel zu viel!“ Mara griff nach dem BehĂ€lter und zwang Lihsa dazu aufzuhören. „Was ist geschehen?“, fragte sie vorsichtig, schlimmes ahnend.
Lihsa schĂŒttelte nur den Kopf und presste die Lippen aufeinander; ihre Hand umklammerte noch immer den BehĂ€lter. „Hat es Nebenwirkungen, wenn ich zu viel nehme?“, fragte sie stattdessen.
„Du wirst dich schlecht fĂŒhlen und vielleicht sogar Schmerzen haben oder Durchfall bekommen“, erklĂ€rte Mara und löste vorsichtig Lihsas Hand. Diese ließ es geschehen und setzte sich langsam auf die danebenstehende Liege. Mara nutzte die Gelegenheit und schĂŒttete einen Teil der KrĂ€utermischung zurĂŒck in den BehĂ€lter. Anschließend brachte sie ihn wieder weg und setzte Wasser auf.
„Willst du darĂŒber reden?“, versuchte Mara es erneut nachdem sie den Trank aufgebrĂŒht hatte, aber Lihsa schĂŒttelte nur den Kopf und nahm den heißen Becher entgegen.
Mara setzte sich zu ihr und legte einen Arm um ihre Schulter, um sie wenigstens ein bisschen zu trösten. Sie konnte sich vorstellen was passiert war. Seit Emry sie erneut abgewiesen hatte, hatte sie gelegentlich versucht in den Armen einer der Krieger oder Dienstboten Trost zu finden. Und einer von ihnen hatte sie nun verletzt.

Hinter den Kulissen

Es gibt zwei Dinge, die hier interessant sind: Der Trank und öhm Emry.
Den Trank habe ich als alternatives VerhĂŒtungsmittel eingefĂŒhrt, da es solche tatsĂ€chlich frĂŒher mal gegeben hat, bevor die Pille, etc. erfunden wurden.

Und Emry … nun ja … er lenkt sich gerne ab … nennen wir es mal so … ?

Anne

TĂŒrchen #20

Read in English

Der heutige Schnipsel ist etwas ganz Besonderes. Er stammt nÀmlich von einer Geschichte, die im Universum der

Demon Hunters

spielt. Einem Universum, das von Dead Gentlemen Productions erschaffen wurde und nun unter einer speziellen Lizenz als offen deklariert wurde. Durch den Kickstarter zu Demon Hunters S.O.L. habe ich die Chance bekommen, mit DGP zusammen an einer Geschichte in diesem Universum zu arbeiten. Allerdings, habe ich noch nicht geschafft, meine Idee vollstÀndig abzutippen und ihnen vorzustellen. Da sie allerdings mit Filmen, etc. beschÀftigt waren, denke ich, ist das nicht allzu schlimm. Trotzdem hier mal ein kleiner Einblick in die Idee

als fĂŒnfzehnten Schnipsel

„Ich kann das nicht“, schrie der Mann und brach zusammen, sein Schild fiel klappernd zu Boden.
Der DĂ€mon schoss weiterhin Dornen aus seinen Armen und Nina trat mit ihrem eigenen Schild vor ihren Kollegen. „Bist du verrĂŒckt? Was ist los mit dir?“, rĂŒgte sie ihn.
„Ich kann das nicht…“, wiederholte er, schwankte hin und her, seine Arme ĂŒber dem Kopf verschrĂ€nkt.
Der DĂ€mon hörte auf, seine Stacheln zu werfen. FĂŒr einen Moment verstummte das Schlachtfeld. Nina versuchte, die Situation einzuschĂ€tzen, als ein ausgelassenes Lachen ihre Aufmerksamkeit wieder auf den DĂ€mon lenkte. Er streckte seine Arme aus und begann, sich in einem schnellen Wirbel um sich selbst zu drehen. WĂ€hrend zwischen den JĂ€gern bedeutungslose Worte gewechselt wurden, schrie die Frau, die mit ihrem eigenen Schild neben ihnen stand, und bĂ€umte sich auf. Ein dicker Dorn steckte in ihrem RĂŒcken und Blut floss nur so aus der Wunde.
„Stella!“, hörte sich Nina schreien, als sie zu ihrer Freundin eilte. Sie erwischte sie gerade noch rechtzeitig, bevor sie auf den Boden fiel.
Das Lachen des DĂ€mons schallte in ihren Ohren. „Danke fĂŒr die Unterhaltung, aber ich muss wirklich los.“
Sie ignorierte es, ihr Blick fixierte Stella, deren Augen bereits erblindet waren.
„Es tut mir so leid….“
Nina schreckte aus der Erinnerung auf, Schweiß und TrĂ€nen liefen ĂŒber ihr Gesicht.

Hinter den Kulissen

Da ich ja so unglaublich gut mit Namen bin, heißt die Protagonistin momentan „Nina“. Es passte irgendwie, aber eventuell muss ich es nochmal anpassen, damit ich mich nicht selbst mit der Neubrandenwolf-Nina verwirre …

Anne
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Lies auf Deutsch

Today’s snippet is something very special. After all, it is part of a story that is told in the universe of the

Demon Hunters

A universe created by Dead Gentlemen Productions and now declared open under a special license. With the Kickstarter for Demon Hunters S.O.L. I got the chance to work with DGP on a story in this universe. However, I haven’t yet managed to completely type my idea and present it to them. But since they were busy filming, etc., I think it’s not too bad. Nevertheless, here is a little glimpse into the idea

as fifteenth snippet

„I can’t do this“, the man screamed and slumped down, his shield clattering to the ground.
The demon continued shooting spikes out of its arms and Nina stepped before her colleague using her own shield. „Are you nuts? What’s wrong with you?“ she berated him.
„I can’t do this …“, he repeated, swaying back and forth, his hands covering his head.
The demon stopped throwing its spikes. For a moment, the battlefield fell silent. Nina tried to assess the situation, when a boisterous laugh made her focus on the demon again. Stretching out its arms, it started to turn around itself in a fast swirl. While meaningless words were exchanged between the hunters, the woman standing with her own shield beside them shrieked and reared up. A thick thorn stuck in her back and blood all but poured from the wound.
„Stella!“ Nina heard herself scream as she rushed over to her friend. She caught her just in time before she hit the ground.
The demons laughter rang in her ears. „Thanks for the entertainment, but I really need to be on my way.“
She ignored it, her gaze fixed on Stella, whose eyes had already gone blind.
„I’m so sorry …“
Sitting upright Nina woke from the memory, sweat and tears running down her face.

Behind the Scenes

Since I am so incredibly good with names, the protagonist is currently called „Nina“. It fitted somehow, but I may have to change it again so that I don’t confuse myself with the Neubrandenwolf-Nina …

Anne

TĂŒrchen #19

Auch heute gibt es wieder eine Szene aus DarkFairys und meinem Projekt

Warlords

Diese Szene stammt ebenfalls aus dem zweiten Band. Etwas spÀter als die erste Szene und mit einem unserer Lieblingscharaktere.

Kurz vorher gibt es auch eine Zeile, die es so vermutlich nicht in die Endfassung schaffen wird, aber uns momentan, also zumindest mich, immer wieder zum Schmunzeln bringt: Wenn die Wellen sanft den Leichnam umspielen …

Sorry …

Kommen wir zum siebzehnten Schnipsel:

„Hey… wenn du weiter so grĂ€bst landest du in meinem Schlafzimmer und da haben kleine Mönche wahrlich nichts verloren!“, ertönte eine Stimme vom Rand des Grabes her. Coelestin musste nicht aufsehen um zu wissen, wer dort saß.
„Was willst du?“, fragte Coelestin gereizt. „Aber, aber wer wird denn gleich so aufbrausend?“, scherzte Luzifer und schob sich seinen Hut etwas aus dem Gesicht. Er stand nun in voller Pracht und GrĂ¶ĂŸe direkt vor Coelestin im Grab, mit einem Fuß auf dessen Schaufel gestĂŒtzt. Gedankenverloren blickte er ĂŒber ihn hinweg in den Himmel, wĂ€hrend der Wind die Feder an seinem Hut umspielte, sich aber sonst weiter kein Haar oder Stoff an seinem Körper bewegte. „Sag, Coelestin, ist das Meer nicht eine wundervolle Schöpfung des Herren?“, fragte er nach einer Pause. „Die Freiheit und die Unendlichkeit, die sich in seinen sanft wogenden Wellen widerspiegelt. Eine wahre Wonne, die man sich bis in alle Ewigkeit ansehen könnte.“ Wissentlich zitierte er den Verstorbenen, ein hĂ€misches Grinsen auf den Lippen.
„Nimm den Fuß da weg. Ich habe zu tun!“, fauchte Coelestin und sah dem HöllenfĂŒrsten hasserfĂŒllt ins Gesicht.
„Wut steht dir gut, kleiner Mönch.“, erwiderte dieser nur und nahm Coelestins Kinn zwischen Zeigefinger und Daumen, damit dieser sich seinem Blick nicht entziehen konnte. Sein Grinsen wurde nur noch breiter, als er den Zorn in des jungen Mannes Augen noch besser sehen konnte. Coelestin hĂ€tte den HöllenfĂŒrsten am liebsten angebrĂŒllt. Ihm ins Gesicht gespuckt und ihm alles vorgeworfen, was bis jetzt passiert war. Mit einem Ruck riss er seinen Kopf aus der Hand des Satans. „Ja ich bin wĂŒtend! Auf dich, weil du mich nicht arbeiten lĂ€sst!“, sagte er, wohlwissend dass es eigentlich nicht stimmte.
„Coelestin…Coelestin…“, wisperte Luzifer in dessen Ohr. Er stand nun hinter ihm, seine HĂ€nde auf Coelestins Schultern und zu ihm hinab gebeugt.
Coelestin riss sich los und wirbelte herum. Er schlug mit seiner freien Hand nach dem HöllenfĂŒrsten.
„Aber nicht doch…“, meinte dieser nur als er elegant auswich und wieder auf der anderen Seite auftauchte. „So wirst du mich niemals treffen. Du bist geblendet vom Zorn, mein Freund.“, erklĂ€rte er finster und schob sich den Hut mit einer Hand etwas tiefer ins Gesicht um den Ausdruck seiner Augen zu verbergen.

Hinter den Kulissen

Ach, ich mag Luzi, wir beide mögen Luzi … es macht einfach sooo viel Spaß ihn zu schreiben …

Ihn wĂŒrde ich ganz dreist auch zu den guten Bösewichten zĂ€hlen … 😀

Heute erschien außerdem mein Gastbeitrag im Nornennetz zum Thema „MĂ€rchen als Weihnachtstradition“: Da bleib ich doch lieber bei MĂ€rchen!

Anne

TĂŒrchen #18

Einen letzten, sehr kurzen Ausschnitt gibt es heute aus

The Unnamed One

Auch dieser Versuch stammt laut Dateidatum aus 2008, doch zeitlich findet er wesentlich spÀter statt. So circa 40-50 Jahre nach der Szene mit Josh, wenn ich mich grade nicht verrechnet habe.

Dies hier ist tatsĂ€chlich etwas, dass ich als Schluss ansehen wĂŒrde, ob er das auch tatsĂ€chlich wird, kann ich noch nicht sagen.

Aber nun zum fĂŒnfzehnten Schnipsel:

„Das ist nun einmal unser Schicksal Kittie, wir leben so lange bis wir im Kampf sterben, eine silberne Kugel unser Herz durchstĂ¶ĂŸt oder wir so alt und gebrechlich sind, dass wir einfach aufgeben. Jeder der sich mit einem nahezu unsterblichen Wesen einlĂ€sst sollte eines Wissen: Wir Leben ewig, sie begleiten uns nur fĂŒr einen Bruchteil dieser Zeit auf unserem Weg.“

Hinter den Kulissen

Vor zwei Jahren mittlerweile, glaube ich, habe ich einen Plan angelegt, wie ich die verschiedenen ErzĂ€hlstrĂ€nge am besten verknĂŒpfen könnte. SĂ€mtliche Dateien, die ich habe, liegen noch in Pt. 1 und Pt. 2 Ordnern, jener Plan sieht allerdings vor, dass es mindestens sechs BĂ€nde werden …

Mal schauen, wann ich endlich dazu komme, bzw. mich endlich traue, die Geschichte vollstÀndig zu erzÀhlen.

Anne

TĂŒrchen #17

Ich hatte letzte Woche gar nicht verraten, dass heute ein weiterer Schnipsel aus dem

Eishörnchen

kommt, ĂŒberhaupt gar nicht! 😀

Noch einmal gibt es eine Szene zu Magnus und Carlos, hier gemeinsam mit Nicholas‘ Schwester Nicole – und ja, die haben alle sehr Ă€hnliche Namen. Das ist Absicht und eine endlos bescheuerte Familientradition. Wissen die selbst. 😀

Kommen wir zum vierzehnten Schnipsel:

Mitten in der Nacht riss ein schriller Ton Magnus aus dem Schlaf. MĂŒde entwirrte er sich aus der Decke und angelte nach seinem Pieper, den er immer auf dem Beistelltisch liegen hatte. Mit noch halb geschlossenen Augen versuchte er die Worte zu entziffern. Als ihm das endlich gelang entfuhr ihm ein “Fy faen i helvete!” und er fiel regelrecht aus dem Bett. Schnell griff er sich alles notwendige, warf seine Jacke ĂŒber und ließ die WohnungstĂŒr mit einem Knallen ins Schloss fallen.

Nicole schreckte auf und sah sich verwirrt in der fremden Wohnung um. Als sie nichts erkannte, was das GerĂ€usch verursacht hatte, stand sie auf und ging Richtung Schlafzimmer, dessen TĂŒr noch weit offen stand.
Vorsichtig warf sie einen Blick hinein und sah Carlos, der sich ebenfalls verwirrt die Augen rieb, in dem riesigen Bett liegen.

“Das ging aber schnell, mit Euch beiden”, merkte sie leise lachend an und Carlos setzte sich mit einem Ruck auf.

“Was? Nein, ich 
 wir 
 es ist nicht das, wonach es aussieht”, stammelte er.

“Das sagen sie alle
”, lachte Nicole und ging einen Schritt weiter in den Raum hinein.
Auf dem Nachttisch entdeckte sie ein Uhr zu der sie sich hinunterbeugte. Vier Uhr morgens. Da hatten sie ja noch etwas Zeit.

“Nein, echt jetzt!”, beharrte Carlos.

“Ja, schon gut, rutsch rĂŒber und lass mich mit unter die Decke”, forderte sie dann. Carlos folgte ihrer Aufforderung, schnappte sich das Kissen von Magnus und ließ Nicole mit unter die Decke.

“Kuschelig hattest du es jedenfalls”, meinte diese und ließ sich von Carlos in den Arm nehmen, bevor beide erneut einschliefen.

Ein paar Stunden spĂ€ter wachte Nicole zu ihrer ĂŒblichen Zeit auf. Sie hatte sich mittlerweile von Carlos weggedreht und klopfte ihm nun mit dem Arm auf die Brust, um ihn zu wecken. Leise grummelnd schlug Carlos die Augen auf. “Was denn?”, fragte er noch halb schlafend. “Aufstehen”, rief sie ihm zu und schĂ€lte sich aus dem Bett und ging erstmal ins Bad.

Carlos tappste durch den Flur in die KĂŒche. Prompt blieb er mit der Socke in einer klebrigen PfĂŒtze hĂ€ngen. Dann sah er die Überreste ihrer nĂ€chtlichen Putzaktion. Da Nicole noch immer im Bad war, schnappte er sich Putzeimer und Lappen und beseitigte die Schweinerei. Gerade als er die Sachen wieder wegrĂ€umte, kam seine Freundin durch den Flur. Sie musterte Carlos nur kurz, sagte aber nichts. Erneut streifte sein Blick die ominöse Theo-Kiste und er grinste bei der Erinnerung an den vorangegangen Abend.
“Was gibt es denn so tolles in diesem Kabuff?”

“Nichts, alles okay”, antworte Carlos schnell. “Können wir los? Ich wĂŒrde mich noch gerne wenigstens umziehen 
”

Nicole schnĂŒffelte demonstrativ.

“Duschen könnte auch nicht schaden”, erklĂ€rte sie, lachte leise und öffnete das Portal direkt in der Wohnung, was sie bei ihrer Anreise nicht hatten tun können, da die Koordinaten nicht genau genug gewesen waren.

“Frechdachs 
 “

Auf der anderen Seite liefen sie direkt Nicholas in die Arme, der auf dem Weg Richtung Fabrik war. Dieser sah fragend zwischen ihnen hin und her.

“Nettes Shirt”, kommentierte er und ging dann weiter.

Carlos blickte an sich herab und ihm wurde schlagartig bewusst, was Nicholas von ihm denken musste. Verdammt. “Wa-”
“Lass gut sein”, hielt Nicole ihn ab und klopfte Carlos auf die Schulter. “Wir sehen uns spĂ€ter, Flattermann.”

“Aber ich 
”, setzte Carlos an, doch Nicole war schon davongegangen. Seufzend machte er sich auf den Weg zu seiner Wohnung. Duschen war wirklich dringend angesagt.

Hinter den Kulissen

Zum VerstĂ€ndnis: Magnus hatte Carlos eines seiner T-Shirts geliehen, nachdem die beiden sich mit verschĂŒttetem Bier eingesaut hatten …
Ein Gothic Shirt mit einem Raben drauf. Alle, die die beiden kennen, wissen, dass das definitiv nicht Carlos‘ Shirt ist …

Hihi …

Anne

TĂŒrchen #16

Auch an diesem Adventssonntag bekommt ihr wieder eine Geschichte. Dieses Mal von Britta Redweik.

Zum Teufel mit den Prinzen

Rapunzel schaute aus dem Turmfenster auf die Lichtung unter sich und runzelte die Stirn. Über die Jahre hatte sie einigen Wandel dort draußen mitansehen mĂŒssen. StĂ€dte waren gewachsen, Straßen hatten sich ausgebreitet und immer mehr des Waldes, der ihren Turm umschloss, war abgeholzt worden. Wo sie als Kind noch mit ihrer Ziehmutter Gothel zusammen hatte Tiere beobachten können, wo Reisende zwischen dichten BĂ€umen ihr Lager mit Wache und Feuer gesichert hatten, standen nun GasthĂ€user und Brunnen, WachtĂŒrme und StĂ€lle. Mit jedem Jahr kam die Außenwelt nĂ€her zu ihrem Turm. Als Kind hatte sie sich noch darĂŒber gefreut, davon getrĂ€umt, einmal Andere Menschen kennenzulernen, wirklich aus Fleisch und Blut und nicht nur weit entfernte Punkte unten auf der Straße. Nun aber wuchs mehr und mehr das Bedauern ĂŒber all das, was sie verlor. Schon lange hatte kein Reh mehr auf der Lichtung vor dem Turm gegrast. Und die Tage, an denen Rapunzel noch von Vogelgezwitscher geweckt wurde, konnte man mittlerweile an einer Hand abzĂ€hlen. Im Jahr.

Und doch, ganz war der Traum noch nicht verpufft. So schön sie es hier im Turm hatte, so gern hÀtte sie auch immer noch jemanden zum Reden gehabt. Jemand anderen als nur Gothel.

Mit einem letzten Atemzug der lĂ€ngst nicht mehr so frischen Waldluft wandte sie sich vom Fenster ab. Es brachte ja doch nichts, hier ihren Gedanken nachzuhĂ€ngen. Sie hatte Arbeit zu erledigen. Gothel wĂŒrde ihr sicher bald ihren wöchentlichen Besuch abstatten und Ergebnisse fordern.

Rapunzel nahm ihr Stickzeug und begann, kunstvoll die TĂŒcher zu besticken, die Gothel wiederum auf dem Markt der Hauptstadt verkaufte, um ihnen beiden das Leben zu finanzieren.

Sie summte dabei vertrĂ€umt vor sich hin, bis sie die Stimme ihrer Ziehmutter hörte: „Rapunzel, lass dein Haar hinunter“

Schnell eilte sie zum Flaschenzug und spannte ihren langen Zopf dort ein. Dann ließ sie ihn aus dem Fenster hinab und hielt das Ende auf ihrer Seite zusĂ€tzlich fest. Aus Erfahrung wusste sie, dass sie sonst Kopfschmerzen bekommen wĂŒrde, wenn nur ihr Kopf das Gewicht zu tragen hatte.

Die dunkelhaarige Zauberin stieg ĂŒber den Fenstersims in den Raum und blickte sich um. Anerkennend nickte sie. „Ordentlich und sauber, wie immer. Ich bin stolz auf dich, mein TĂ€ubchen.“

Sie stellte den Korb mit frischem GemĂŒse, Obst und Brot auf den Tisch. VorrĂ€te, die bis zu Gothels nĂ€chstem Besuch alles waren, was die junge Frau an Nahrung bekam. Aber der Korb war gut gefĂŒllt, so dass Rapunzel nicht glaubte, Hunger leiden zu mĂŒssen.

Schnell rĂ€umte sie die Speisen aus, froh, dass der Zopf noch zum Fenster hinaushing und damit nicht im Weg war. Dann fĂŒllte sie den Korb mit ihren bestickten TĂŒchern. Schließlich schaute sie ihre Ziehmutter an, vorsichtig und unterwĂŒrfig. Sie setzte ihre sĂŒĂŸeste KleinmĂ€dchenstimme auf. „Gothel, kann ich nicht endlich mitkommen? Ich bin sicher, ich kann dort draußen noch nĂŒtzlicher sein als eh schon. Nur Hausarbeit kann doch nicht alles sein?“
Die alte Zauberin kniff dem MĂ€dchen in die Wange und schĂŒttelte den Kopf. „Aber TĂ€ubchen, ich muss dich doch beschĂŒtzen. Du bist alles, was ich habe. Und die Welt dort draußen ist so grausam. Du hast keine Ahnung, was man dir dort antun wĂŒrde. Nein, du bist noch nicht soweit. Eines Tages vielleicht.“

Damit drĂŒckte sie Rapunzel einen Kuss auf die Stirn und schwang sich am Zopf wieder aus dem Fenster.

Schon bald war das Gewicht verschwunden und das MÀdchen wandte sich wieder summend ihrer Arbeit zu. Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen ging ihr das Tagwerk gleich leichter von der Hand.

Auf einmal wurde ihr Zopf, der noch vergessen im Flaschenzug und damit aus dem Turm hing, wieder gespannt. Erneut musste sie ein Gewicht daran ertragen.

Rapunzel ging zum Fenster. Hatte Gothel etwas vergessen? Das war ihr doch noch nie passiert.

Aber statt in das Gesicht ihrer Ziehmutter zu sehen, erblickte das MÀdchen einen bÀrtigen Mann.

„Was willst du und wer bist du?“, fragte sie und hielt ihren Zopf fest umklammert. Das Gewicht war viel unangenehmer als Gothels, viel mehr. Sie spĂŒrte bereits, wie der Zug am Hinterkopf einen stechenden Kopfschmerz auslöste.

„Ich komme, um dich zu befreien“, sagte der junge Mann am anderen Ende ihrer Haare. Seine Stimme klang leicht gequĂ€lt, dabei hatte er sich erst eine ArmlĂ€nge hochgezogen.

„Wer sagt denn, dass ich befreit werden möchte?“ Rapunzel blickte ihn neugierig an, eine Augenbraue hochgezogen. NatĂŒrlich interessierte sie die Welt dort draußen. Aber er hĂ€tte ja wenigstens erst fragen können. Vor allem, da sie hier gerade die eigentliche Arbeit machte und sein Gewicht trug.

„Wer so schön summt, sollte nicht eingesperrt sein“, antwortete der Mann, dessen Stimme nun noch gepresster klang. Er zog sich eine weitere ArmlĂ€nge hoch.

„Was fĂŒr eine seltsame Antwort, haben denn die beiden Dinge ĂŒberhaupt etwas mit einander zu tun?“, fragte sie mit einem schlecht verborgenen Unterton der Herausforderung in der Stimme.

Doch der Mann antwortete nicht. Stattdessen gab er erst ein sehr unschönes GerÀusch und dann seinen Mageninhalt von sich.

Plötzlich ließ das Gewicht am Zopf wieder nach und war schließlich ganz fort.

Rapunzel sah zu, wie der junge Mann seinen Bauch hielt. „Verdammte Höhenangst“, hörte sie ihn noch fluchen, dann wandte sie sich vom Fenster ab.

Sie schnaubte zu sich selbst. Was fĂŒr ein Held. Wollte sie ungefragt befreien und schaffte es nicht einmal einen Meter hoch. Nicht, dass sie nicht froh darĂŒber war. Sympathisch erschien der Möchtegernheld nun wirklich nicht.

Rapunzel wollte gerade ihre Haare aus dem Flaschenzug ziehen, damit er nicht noch einen Versuch startete, als sich der Zopf wieder spannte. War er wirklich so dreist? Und so schnell wieder auf den Beinen?

Aber nein, der letzte Störenfried lehnte noch unten an der Turmmauer, etwas bleich um die Nase, soweit sie das von oben sehen konnte. Stattdessen kam nun ein neuer Mann daher.

„Und was willst du jetzt?“, fragte Rapunzel genervt. Sie war doch kein SportgerĂ€t, an dem man nach Lust und Laune herumklettern konnte.

„Prinz Theobald meinte, hier warte eine hĂŒbsche Maid auf Rettung. Das trifft sich gut“, meinte der Kletterer und grinste zu ihr hinauf. „Mein Vater will erst abdanken, wenn ich ihm eine Braut prĂ€sentieren kann. Und all die MĂ€dchen im Dorf stellen AnsprĂŒche. Romantik, Umwerben, Liebe. Als ob ich Zeit fĂŒr so etwas hĂ€tte.“

Rapunzel rollte die Augen. „Ich nehme an, der Feigling dort ist Theobald?“

Der Mann am Zopf nickte.

„Und du bist?“

„Prinz Ansgar.“

Wo kamen nur plötzlich all die Prinzen her? „So, Ansgar. Was bringt dich auf die Idee, ich wĂŒrde deine Braut werden wollen? Und dann auch noch keine AnsprĂŒche haben?“

Ansgar schien mit den Schultern zucken zu wollen. Da das beim Klettern aber nicht richtig ging, wirkte es kurz eher, als hÀtte er einen Anfall.

„Das ist Tradition. Eine gerettete Maid ist auf ewig dankbar und heiratet ihren Helden. Ungeschriebenes Gesetz“, antwortete er dann. „Kannst du eigentlich auch kochen? Du ahnst ja gar nicht, wie schwer man heutzutage gutes Personal findet.“

Da hatte Rapunzel genug. Sie nahm ihre NĂ€hschere und schnitt sich den Zopf ab. Lieber verzichtete sie auf Gothels Besuche und verhungerte ohne die Essenlieferungen hier oben, als dass sie sich von so einem Mann retten ließ, nur um dann auf ewig in seiner Schuld zu stehen.

Voll Genugtuung sah sie zu, wie ihr selbsternannter Retter in die Tiefe stĂŒrzte, hörte seine RĂŒstung scheppern.

„Und jetzt hört mir mal gut zu“, erhob sie die Stimme und blickte von einem Prinzen zum anderen. „Frauen sind keine Objekte. Sie haben einen eigenen Willen. Sie sind es euch nicht schuldig, euch zu heiraten, nur weil ihr mal etwas fĂŒr sie tut. Sie können selbst entscheiden, ob sie mit jemandem wie euch leben wollen. Oder ob sie vielleicht sogar in einem Turm glĂŒcklich sind. Ohne euch. Wenn ihr eine Braut sucht, versucht einfach mal, nett und aufmerksam zu sein. Und wagt es nie wieder, mich retten zu wollen.“

Sie wandte sich vom Fenster ab und rieb sich die von der Anstrengung schmerzende Kehle. Sie seufzte leise. Jetzt war ihr letzter Kontakt zur Außenwelt gekappt. Aber sie brachte es nicht ĂŒber sich, die Entscheidung zu bereuen.

Sie hatte sich ihr Essen rationiert und machte sich nun darauf gefasst, Gothel zu erklĂ€ren, was geschehen war. Vielleicht kannte die Zauberin ja sogar einen Trick, die vielen Meter vom Boden bis hoch zu Rapunzel ohne Zopf ĂŒberwinden zu können? Nun schaute sie wieder aus dem Fenster und wartete auf ihre Ziehmutter.

Allerdings betrat gerade eine viel jĂŒngere Gestalt die Lichtung. Eine junge Frau blickte sich um, als wĂŒrde sie gejagt werden, entspannte sich dann aber und warf etwas um sich.

„Was tust du da?“, fragte Rapunzel.

Die Frau am Boden schaute sich erst verwirrt um, bis sie sah, woher die Stimme kam. „Wonach sieht es denn aus?“

„Als wĂŒrdest du irgendwas durch die Gegend werfen. Und wohl ohne Erlaubnis?“ Immerhin sah die Frau sich immer wieder verstohlen um. „Aber was? Und warum hier?“

„Dies sind kleine Kugeln aus Blumensamen und DĂŒnger.“

Rapunzel blinzelte zunĂ€chst nur. Das klang nicht wirklich, als wĂŒrde man dafĂŒr gejagt werden. „Warum?

„Siehst du denn nicht, wie der Mensch hier die Natur verdrĂ€ngt? Insekten finden keinen Lebensraum mehr, damit auch Vögel und Nager nicht. Und letztlich auch der Mensch nicht, denn ohne Insekten wachsen auch unsere Nutzpflanzen nicht. Aber die Menschen scheinen zu dumm, um das zu begreifen. Nennen mich Vandalin, wenn ich versuche, sie zu retten.“

Rapunzel nickte. Pflanzen ansĂ€en, das klang gut. NĂŒtzlich.

„Und was machst du da oben?“, fragte die junge Frau am Boden nun.

„Festsitzen. Ich komm hier nicht mehr raus.“ Rapunzel deutete auf ihren abgeschnittenen Zopf, der noch am Boden vor dem Turm lag.

„Nicht? Na, das wollen wir doch mal sehen.“

Noch bevor Rapunzel fragen konnte, was das heißen sollte, war die junge Frau im Wald verschwunden.

Nach kurzer Zeit kam sie wieder, mit mehreren aneinander geknoteten Seilen und einem improvisierten Bogen samt Pfeil. „Geh mal zur Seite, nicht, dass ich dich verletze. Ich bin nicht allzu gut mit sowas.“

Rapunzel hob eine Hand. Nicht, dass sie sich selbst in eine unangenehme Lage brachte. Sie wollte nicht um jeden Preis aus dem Turm heraus. „Warte kurz. Ich muss dich aber nicht heiraten oder bekochen, wenn du mich hier rausholst, oder?“

Die junge Frau lachte auf. „Kochen kann ich ganz gut allein. Und heiraten 
 Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das erlaubt wĂ€re. Nein, du bist mir nichts schuldig. Zu helfen ist eine SelbstverstĂ€ndlichkeit.“

Dann zielte sie und Rapunzel ging in Deckung.

Lange Zeit hörte sie nichts, außer leisen GerĂ€uschen an der Turmmauer und einigen FlĂŒchen, die ihr die Röte ins Gesicht trieben. Dann aber flog der Pfeil durch ihr Fenster. An ihn gebunden war das Seil, das sie schnell an der Halterung des Flaschenzugs festknotete. Dann packte sie alles zusammen, was ihr wichtig war.

Der Weg nach unten erschien beinahe unendlich, doch schließlich kam sie am Boden an und schaute sich um. Der Wald sah von hier unten so viel eindrucksvoller aus. Die BĂ€ume waren ja riesig. Und von hier unten konnte sie sehen, dass nicht nur Gras um den Turm herum wuchs, sondern auch Moos und Klee. So eine wunderschöne Vielfalt.

„Und du rettest die Tiere?“, fragte sie dann ihre Helferin beeindruckt.

„Reiner Eigennutz“, zuckte diese mit den Schultern. „Meine Eltern sind Obstbauern. Und ohne Bienen gibt es kein Obst, ohne Obst verarmen wir und verhungern. Aber 
 ja.“

Rapunzel ĂŒberlegte einen Moment lang. Sie war jetzt frei und konnte tun, was sie wollte, richtig? „Braucht ihr vielleicht noch Hilfe?“ Sie holte ein Tuch aus ihrer Tasche. „Ich kann auch arbeiten. Meine Stickereien sind am Hof beliebt, sagte man mir. Ich komme fĂŒr meinen Unterhalt also selbst auf. Aber ich 
 möchte, dass der Wald wieder aussieht, wie frĂŒher. Ich will die Vögel wieder hören. Kann ich da bitte helfen?“

Die junge Frau lÀchelte und nickte, dann zeigte sie Rapunzel den Weg zu sich nach Hause.

Keine der beiden sah Gothel, die sie aus den Schatten heraus beobachtete. Stolz ruhten die dunklen Augen der Zauberin auf den beiden Frauen, dann löste sie sich auf. Sie hatte ein junges, mutiges MÀdchen erzogen, das wusste, was es wollte und nicht nur den erstbesten Mann heiratete, weil sie nichts mit sich anzufangen wusste. Ihre Arbeit hier war getan. Und sicher brauchte man sie anderswo.

Die Autorin

Britta Redweik wurde in eine Familie der GeschichtenerzĂ€hler geboren. Wurde ihr als Kind noch erzĂ€hlt, wie die GummibĂ€rchen an Board der Enterprise kamen, hat sie sich erst daran gemacht, den Menschen zu studieren, um ihn besser zu verstehen. Nachdem sie dank ihrem Soziologiestudium aber gelernt hat, dass die RealitĂ€t einfach nicht magisch genug ist, zieht sie sich jetzt lieber in die Welt in ihrem Kopf zurĂŒck und nimmt gerne mal Leser auf diese Reise mit.

Homepage: Britta Redweik
Twitter: @britta_redweik
Facebook: Britta Redweik

Hinter den Kulissen

Diese Geschichte hatte Britta ursprĂŒnglich bei der Prinzen-Anthologie des Chaospony Verlags eingereicht. Dieselbe Anthologie, aus der Anne Danck ihre Geschichte mit ein paar weiteren Nornen und mir auf der BuchBerlin gelesen hat.
So schließen sich Kreise. 😀

Übrigens erscheint heute die neue Folge des ComicKlatsch, fĂŒr die ich im GesprĂ€ch mit Sandra von Booknapping ein paar VorschlĂ€ge fĂŒr Comics unterm Weihnachtsbaum gemacht habe. Wer also noch Geschenke sucht, sollte unbedingt reinhören! 🙂

Anne