Damian
Seit seinem Rauswurf aus dem Wirtshaus war Damian bereits einige Zeit unterwegs. Mittlerweile waren seine Wangen zwar abgeschwollen, aber dafĂŒr taten ihm die FĂŒĂe vom Laufen und seine Schultern vom Tragen des Rucksacks weh. Er hatte keine Lust mehr, wusste aber genauso wenig, wie weit es noch bis zur nĂ€chsten Stadt war. Bei nĂ€chster Gelegenheit wollte er einfach Rast machen. Mitten auf der StraĂe beziehungsweise mitten im Wald hatte er darauf keine Lust.
Es dauerte zwei weitere Stunden bis der Wald durch den er wanderte sich endlich lichtete und den Blick auf einen weiten See freigab. Neue Energie strömte in ihn hinein und er rannte das letzte StĂŒck auf das klare Wasser zu. Dicht genug dran lieĂ er seinen Rucksack rĂŒcklings fallen, entledigte sich seiner Kleidung und sprang in den See.
Das Wasser kĂŒhlte seine mĂŒden Glieder und er lieĂ sich fĂŒr den Moment einfach treiben.
Nach einer Weile kam er aus dem Wasser heraus und holte eine Decke aus seinem Rucksack, mit der er sich leicht abtrocknete und sich dann ins Gras fallen lieĂ.
Er gÀhnte und streckte sich ausgiebig.
Das war der Teil seines Lebens, der ihm gefiel.
Er war ungebunden und frei.
Niemand hielt ihn davon ab zu tun, was immer er wollte.
Nichtsdestotrotz trÀumte er insgeheim von etwas StabilitÀt und der Chance lÀnger an einem Ort zu bleiben, als bis ihn jemand nach ein paar Tagen wieder raus warf. Er hatte es satt, ziellos durch die Gegend zu wandern und darauf zu hoffen, dass sich ihm die richtige Gelegenheit einfach offenbarte.
Diese Art von Gedanken brachte ihm allerdings nichts, solange er nicht von seinem diebischen Lebensstil abschwor. Es war nicht so, dass er es gerne machte, andere Leute zu seinen Gunsten zu bestehlen, aber er war einfach verdammt gut darin. Ein kurzer Griff in eine Tasche eines unachtsamen Passanten und das Abendessen war gesichert.
Keine nutzlose Plackerei und Schinderei.
Wenn man Geld hatte, brauchte man sich um so etwas nicht zu kĂŒmmern. NatĂŒrlich wurde er auch hin und wieder erwischt, aber doch eher, wenn er noch kein passendes Opfer gefunden hatte und noch nicht bezahlen konnte, als wenn er gerade dabei war etwas zu entwenden â er nannte es nicht gerne stehlen. In der letzten Stadt, war es ja dem Wirt aufgefallen, dass er nicht bezahlen konnte. Damian hatte mehrere Tage gewartet, ob ein HĂ€ndler oder gut betuchter Reisender in der Stadt auftauchte, aber dem war nicht so und er hatte den Wirt wieder und wieder vertrösten mĂŒssen, bis es diesem gereicht hatte und er Damian zur Arbeit verdonnert hatte.
Schrubben und Abwaschen, ihn schauderte es nur daran zu denken, nein das waren Arbeiten, auf die er gut und gerne verzichten konnte. Und wenn das hieĂ, dass er weiterhin ein Leben als Dieb fĂŒhren musste, dann war das eben so.
Ein richtiges zu Hause wÀre dennoch schön.
Mit diesem Gedanken driftete er in eine Traumwelt ab. Er stellte sich sein Haus und sein Leben vor und Ruhe legte sich ĂŒber seine ZĂŒge. Er hatte die HĂ€nde hinter dem Kopf verschrĂ€nkt auf seinem Rucksack. Die Sonne schien wĂ€rmend auf ihn herab und trocknete seine Haut.
Ja, so trÀumte er gern von einer besseren Zukunft.
Hinter den Kulissen
Ihr habt euch also dafĂŒr entschieden Damian’s Geschichte zu folgen, bei ihm geht es weiter im 6. TĂŒrchen.
Wenn ihr in der Zwischenzeit bei den anderen vorbei schauen möchtet, dann versteckt sich Mina hinter dem 2. und 05. TĂŒrchen und Sasha hinter dem 4. TĂŒrchen.
Der See ist ĂŒbrigens inspiriert von der Wanderung, die ich mit Nazgul zusammen von AltenstĂ€dt nach Naumburg (bei Kassel) gemacht habe, wo wir an den Hengstwiesen und dem dazugehörigen See vorbei gekommen sind – allerdings darf man in dem See nicht Baden, da er zu einem Naturschutzgebiet gehört. Ist aber ein sehr schönes Fleckchen.
Ich hoffe euch gefÀllt die Geschichte bisher.
Bis Morgen,
PoiSonPaiNter
© FĂŒr Geschichte und Charaktere liegen bei mir. Verwendung oder Weitergabe nicht ohne meine Zustimmung.
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Lies auf Deutsch
Damian
Since he was thrown out of the inn, Damian had been on his way for quite some time. By now his cheeks werenât swollen any more, but instead his feet hurt from walking and his shoulders from carrying his backpack. He was tired, but he didnât even know how far he still had to go to reach the next town. At the next opportunity he would take a break. Though he didnât feel like doing that on the side of the road or rather in the middle of a forest.
It took him two more hours until the forest he had walked through cleared and opened to the view of vast lake. New energy flew into him and he ran the last meters towards the clear water. Close enough he simply dropped his backpack, got rid of his clothes and jumped into the lake.
The water cooled his tired limbs and he just let himself float for a moment.
After a while he came out of the water and took a blanket out of his backpack to dry himself a little and then plopped down onto the grass.
He yawned and stretched.
This was the part of his life that he liked.
He was unshackled and free.
No one stopped him from doing whatever it was, he wanted to do.
Nonetheless he secretly dreamed about some stability and the chance to stay longer in one place than being thrown out after a few days. He was sick of walking around aimlessly and hoped that the right opportunity would reveal itself one day.
Though, this way of thinking didnât really matter as long as he wasnât willing to swear off of his thieving lifestyle. It wasnât as if he enjoyed doing it, taking from other people for his own gain, but he was just so damn good at it. A quick grab into a pocket of an inobservant passerby and his dinner was secured.
No useless drudgery and grinding.
When you had money, you didnât need to care about such things. Of course he was caught from time to time, but mostly before he had found a fitting victim and couldnât pay his bills and not while he was pilfering â he didnât like calling it stealing â someone else’s belongings. In the last town the innkeeper simply had noticed that he couldnât pay. Damian had waited for a few days to see if a merchant or well-heeled traveller would appear in town, but they didnât come and he had to put off the innkeeper again and again until he had had enough and had forced Damian to work.
Scrubbing and doing the dishes, he shuddered just thinking about it, no, that were tasks he very well could do without. And if that meant continuing to live a life as a thief, then so be it.
A real home still would be great.
With this thought he drifted off into a dreamworld. He imagined his house and his life and calmness ran across his features. He had his hands crossed beneath his head on his backpack. The sun shone warming down on him and dried his skin.
Yes, this way he enjoyed dreaming of a better future.
Behind the Scenes
So you decided to follow Damian’s story, this one will continue behind the 6th door.
If you want to see what the others are doing in the meantime can you find Mina behind the 2nd door and Sasha behind the 4th door.
The lake was by the way inspired by a hike I was on with Nazgul when we walked from AltenstĂ€dt to Naumburg (near Kassel) where we passed the Hengstwiesen (Stallion-Meadows) and the lake belonging to it – though you are not allowed to swim in that lake as it is part of a nature sanctuary (Naturschutzgebiet). But it really is a very nice spot.
I hope you like the story so far.
See you tommorrow,
PoiSonPaiNter
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