Das #CroMĂ€r geht weiter.
Kapitel 19
Als Ralf endlich ankam, stand Regina mehrere Meter von Mischa entfernt. Ihre Nase lief, ihre Augen trÀnten und am liebsten wÀre sie einfach weggerannt und hÀtte den Kater stehen lassen. Ihr schlechtes Gewissen lieà das nicht zu.
»Du siehst -«, noch bevor Ralf den Satz beenden konnte, tat Regina es fĂŒr ihn: »ScheiĂe aus. Ich weiĂ.«
Ohne, dass sie fragen musste, reichte er ihr eine Tinktur, die sie sogleich hinunterstĂŒrzte. Zum GlĂŒck dauerte es nicht lange bis die Wirkung einsetzte, sodass sie endlich wieder frei atmen konnte. Nach einem knappen Danke, brachte sie ihn auf den aktuellen Stand wĂ€hrend sie zu Mischa zurĂŒckkehrten.
»Der Zauber des gestiefelten Kater, lĂ€sst das Tier die neue Person spĂŒren, wenn der Besitz wechselt«, erklĂ€rte Ralf ruhig. »Das heiĂt, wenn du dich weiter durch die Stadt bewegst, wirst du irgendwann Hannchen begegnen und sie erkennen.«
»Dann is doch alles geregelt?«, wollte Regina die Situation so schnell wie möglich beenden. Vielleicht konnte sie so doch noch ein paar Vorlesungen heute mitmachen.
»So einfach ist das leider nicht. Ja, ohne die Stiefel aktiv zu tragen, kann die Verwandlung aufrechterhalten werden, aber nur fĂŒr einen begrenzten Zeitraum.« Ralf sah Mischa eindringlich an. »Je lĂ€nger es dauert, deine Stiefel oder deine neue Herrin zu finden, umso mehr wirst du vergessen wen du suchst und was deine Aufgabe ist.«
»Ich hasse Zeitfenster«, brummte Regina genervt und verschrÀnkte die Arme. Das hÀtte ihr bei der Entzauberung von Wolf schon mal fast das Genick gebrochen. »Wie schlimm wÀre es, wenn das passiert?«
»Das kommt auf Mischa an«, entgegnete Ralf und hob eine Augenbraue in Richtung des Katers. »Wenn du ein ganz normaler Kater werden willst, kannst du den Zauber auslaufen lassen.«
Entsetzt riss Mischa Augen und Mund auf. »Niemals!«, schrie er ihnen entgegen und Regina war sich sicher, ein Fauchen hinter dem Wort zu hören. »Meine Herrin hat mich Hannchen vermacht und ich werde sie unterstĂŒtzen und beschĂŒtzen, bis sie im hohen Alter einschlĂ€ft und mich weitergibt!«
Regina war sich nicht sicher, was sie davon halten sollte. Wenn sie den Zauber richtig verstand, war der Kater nahezu ein Sklave der Magie, allerdings schien er ihm auch gewisse Freiheiten wie den Gestaltwandel und die damit verbundenen Möglichkeiten zu geben. Und wer war sie ihm seinen Lebensstil auszureden?
»Seit wie vielen Generationen bist du schon Gestiefelt?«, fragte Ralf unvermittelt und kramte nebenbei in seiner Tasche.
Mischa kratzte sich mit der eingeknickten Hand am Ohr, sah hin und her, dann zuckte er mit den Schultern. »Die Zeit ist so lang, ich habe die ersten mittlerweile vergessen. Vor meiner alten Herrin erinnere ich mich an vier andere, aber ich weiĂ, da waren mehr.«
»Und du bleibst immer bei ihnen bis sie sterben?«, hakte Regina nach, wÀhrend sie im Kopf nachrechnete, wie alt der Kater sein musste und ob er dadurch Àlter war als Ralf.
»Oder sie mich weiterschicken«, kommentierte Mischa nur mit einem erneuten Schulterzucken.
»Es gibt einen Weg, wie wir die Suche beschleunigen können«, verkĂŒndete Ralf und setzte sich im Schneidersitz auf den Boden.
Mischa folgte ihm sogleich in die Hocke und sah ihn neugierig an, Regina betrachtete die Szene vor sich skeptisch. Auf Ralfs SchoĂ lag ein Zeichenblock, neben ihm ein schwarzes KĂ€stchen mit einem seltsamen Stein und einem Pinsel. Aus einer Flasche tropfte Ralf etwas Wasser in das KĂ€stchen und rieb dann in langsamen Kreisen den Stein darĂŒber. Diesen Vorgang wiederholte er einige Male, dann sah er Mischa erwartungsvoll an.
»Ich brauche einen Tropfen Blut von dir fĂŒr den Zauber.«
Erschrocken fiel Mischa auf den Hosenboden, aber dann streckte er pflichtbewusst die HĂ€nde ĂŒber die FlĂŒssigkeit, die sich im KĂ€stchen gesammelt hatte, und piekte sich mit dem spitzen Fingernagel in den Finger der anderen Hand. Ein einzelner Tropfen fiel in die seltsame Mischung und Ralf zog erneut einen Kreis, diesmal mit dem Pinsel. Dann setzte er diesen auf das Papier und begann zu zeichnen. Erst jetzt verstand Regina, dass er eine Art Kalligraphie-Technik verwendet, um den Zauber zu wirken.
Einen Zauber, der ein reales Ebenbild der gezeichneten Katze aus dem Papier steigen lieĂ.
Nachwort
Auch diesmal behandeln die einzelnen Kapitel wieder mÀrchenhafte Aspekte. Könnt ihr erraten, welches hier thematisiert ist?
Ăbrigens heiĂt das Kapitel in meinen Notizen: Der Zauberer der Katzen malte
NĂ€chsten Mittwoch geht es weiter!
Anne/Poisonpainter


















