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Es war einmal… und wird immer wiedererzählt

Teilnehmerin der ersten Stunde, reiht sich Anne Danck nun in die Reihen der Märchensommer Gastbeitragschreiber:innen ein und erzählt euch ein bisschen was zu verschiedenen Märchenadaptionen.

Das Märchensommer Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Märchenadaptionen im Vergleich

Ob als Film, Serie oder Buch – es gibt so viele verschiedene Märchenadaptionen und (beinahe) jede bedient einen anderen Aspekt des Märchens, hat einen anderen Blickwinkel. Da ich genau diese kleinen Unterschiede spannend finde, habe ich hier mal einen Überblick zusammengestellt, mich dabei allerdings auf die Adaptionen in Buchform konzentriert (da es sonst den Rahmen gesprengt hätte). Ich weise daraufhin, dass es sich natürlich nur um meine eigene persönliche Interpretation / Meinung handelt.

Eine schöne Zusammenfassung darüber, was für allgemeine „Typen“ der Märchenadaption es gibt, hat Janna Ruth im Märchensommer 2017 erstellt. Und falls ihr noch mehr über die einzelnen Varianten wissen wollt, sind außerdem die Blogartikel und Rezensionen von Poisonpainter verlinkt.

Aschenputtel

Aschenputtel wurde tausendfach als Film adaptiert und wenn man das Märchen auf seine Grundhandlung herunterbricht (hilflose Außenseiter:innen werden auf quasi magische Weise aus ihrem Schicksal erlöst), findet man vermutlich fast in jeder Geschichte Aschenputtel-Elemente. Doch es gibt viele Möglichkeiten, wieder Schwung in die vermeintlich abgenutzte Geschichte zu bringen:

Aschenkindel (Roman von Halo Summer) – Ihre gute Fee hat es einfach nicht drauf und Aschenputtel will eigentlich auch gar nicht auf den Ball, weil sie den Prinzen noch als sehr anstrengend und weinerlich von einem Kindergeburtstag in Erinnerung hat. Eine Adaption mit sehr viel Augenzwinkern.

Das Auge des Hähers (Von Fuchsgeistern und Wunderlampen, Märchen-Anthologie, Kurzgeschichte von Nina Blazon) – Aschenputtel muss in der Asche schlafen, weil das böse Zauber fernhält, und Putzen ist eine Tradition, die alle im entsprechenden Alter durchmachen müssen.

Guilded Ashes (Novelle von Rosamund Hodge) – Warum ist Aschenputtel trotz ihres Schicksals immer fröhlich und gut gelaunt? Ganz klar, weil sie den Geist ihrer Mutter bei Laune halten muss, der jedem etwas antut, der sie zum Weinen bringt

Ein Happy End ist harte Arbeit (Es war einmal… ganz anders, Märchen-Anthologie, Kurzgeschichte von Tina Skupin) – Aschenputtel aus Sicht der Fee, die den Ball für den Prinzen organisiert. Hierbei sind einige Rollen anders als man sie erwartet.
[Anm.: Einen Ausschnitt aus dieser Geschichte könnt ihr euch hier anhören: Märchenlesung]

Wie Monde so silbern (Luna-Chroniken Band 1, Roman von Marissa Meyer) – Aschenputtel trifft SciFi. Und als Cyborg verliert sie natürlich nicht ihren Schuh… sondern gleich den ganzen Fuß.

Dornröschen

Dornröschen ist mehr als nur das Märchen über den Schlaf, über ein unbeeinflussbares Schicksal und einen plötzlichen Retter. Gerade in der Frage danach, wie es zu diesem Schlaf kam, und woher der Retter kommt, werden in den Adaptionen unter die Lupe genommen.

Die dreizehnte Fee: Erwachen (Band 1 der Die dreizehnte Fee-Reihe, Roman von Julia Adrian) – Interessanterweise sind hier Dornröschen und die böse Fee, die sie in den Schlaf versetzt, ein und dieselbe Person. Sie ist manchmal etwas melodramatisch veranlagt, ansonsten ist es aber sehr interessant, sie dabei zu beobachten, wie sie nach ihrem Erwachen zusehends entsetzt über die Person ist, die sie früher war. Außerdem begegnet sie dabei diversen anderen Märchengestalten (die bekannten Hexen / Feen aus anderen Märchen sind hier ihre Feen-Schwestern).

Als ich Dornröschen war (Es war einmal… ganz anders, Märchen-Anthologie, Kurzgeschichte von Barabara Schinko) – Eine sehr kurze und sehr treffende Geschichte darüber, dass man nicht sein Leben verschlafen sollte.

Hänsel und Gretel

Die Unschuld gegen das Böse: gegen die Eltern, gegen den Wald, gegen den Hunger, gegen die Hexe. Interessant ist hierbei natürlich, dass die Unschuld im Doppelpack auftritt, und daher auch die Beziehung zwischen den Geschwistern häufig eine Rolle in den Adaptionen spielt.

Ansell & Greta (Von Fuchsgeistern und Wunderlampen, Märchen-Anthologie, Kurzgeschichte von Trudi Canavan) – Hänsel und Gretel als Urban Fantasy, in einer fast schon dystopischen Welt ohne Mitgefühl, in der nicht Steine gestreut, sondern Graffiti Tags gesprayt und Kinder des Geldes wegen weggegeben werden.

Kein Schnee im Hexenhaus (Roman von Susanne Eisele) – Hänsel und Gretel als drogenabhängige Teenager, das Hexenhaus als Entzugsklinik. Ergibt insgesamt keine ganz Runde Geschichte, enthält aber viele unterhaltsame Einzelelemente.

Der Kamm der Hexe (Palast aus Glas, Kurzgeschichten-Anthologie zur Reckless-Reihe von Cornelia Funke) – Hier gibt es einen ganzen Schlag Hexen („Kinderfresserinnen“), die ihre Häuser alle nach einem bestimmten Muster bauen, um Kinder anzulocken. Denn nur, wer sich von der Unschuld ernährt, kann wahrhaft dunkle Zauber wirken.

Die kleine Meerjungfrau

Die kleine Meerjungfrau verkörpert meiner Meinung nach vor allem das Motiv der Sehnsucht: nach dem Meer, nach dem Land, nach dem Unbekannten oder dem, was man nicht haben darf. Das spiegelt sich auch in den Adaptionen wider:

Elian und Lira – Das wilde Herz der See (Roman von Alexandra Christo) – Die kleine Meerjungfrau als skrupellose Prinzenjägerin und der Prinz als skrupelloser Sirenenjäger. Da treffen auf jeden Fall zwei Fronten aufeinander.

Meerschaum (Roman von Anna Holub) – Wie fühlt sich eine Meerjungfrau an Land, fern ihrer Heimat, unter Leuten, deren Sprache sie nicht spricht und deren Gewohnheiten sie nicht kennt? Das Märchen als Krimi bzw. Thriller, aus Sicht eines Journalisten, der auf der Suche nach der Frau auf einem Foto ist und dabei auf Menschenschmuggel stößt.

Ein Teil deiner Welt (Es war einmal… ganz anders, Märchen-Anthologie, Kurzgeschichte von Sabrina Schuh) – Ein Mädchen, das nur heimlich schwimmen darf, weil ihr streng muslimischer Vater es verbietet, dass sie ihren Körper in Badekleidung zur Schau stellt. Unter diesen Umständen ist es natürlich auch unerhört, dass sie einen Jungen aus dem Wasser rettet und wiederbelebt.

Way of Being a Mermaid‘s Daughter (desires and dreams and powers, Kurzgeschichten-Athologie von Rosamund Hodge) – Wenn die Meerjungfrau tatsächlich ihren Menschen heiratet und Kinder bekommt: Was wird aus ihren Töchtern? Wie kommen sie mit der Sehnsucht ihrer Mutter nach dem Meer klar? Was macht das selbst aus ihnen? Eine etwas verstörende Zusammenstellung verschiedener Möglichkeiten.

Rapunzel

Das Motiv, das ich in Rapunzel sehe, ist die Einsamkeit: die der Zauberin, denn warum sonst sollte sie ein Mädchen (auf mehr oder weniger legalem Weg) aufnehmen? Und natürlich auch die von Rapunzel, die weitgehend isoliert von ihrer Umwelt aufwächst.

Bitter Greens (Roman von Kate Forsyth) – Hier wird zugleich Rapunzels Geschichte erzählt, die der Zauberin und die der Frau, die das Märchen vor vielen Jahrhunderten aufschrieb. Vor allem letzteres gibt sehr interessante Einblicke und lassen das Märchen in neuem Licht erscheinen.

Das einsame Herz (Durch Eiswüsten und Flammenmeere, Märchen-Anthologie, Kurzgeschichte von Julia Dessalles) – Rapunzel trifft die Artussage. Die Hexe Morgaine kann es nicht ertragen, dass Rapunzels Vater für das gemeinsame Kind doch zu seiner Frau zurückkehrt, und nimmt ihm deswegen das Kind weg.

Wie Sterne so golden (Luna-Chroniken Band 3, Roman von Marissa Meyer) – Rapunzel trifft SciFi. Selbstverständlich sitzt Rapunzel deswegen hier auch nicht in einem Turm, sondern in einem Satelliten fest und ist in ihrer Einsamkeit auch ein ganz kleines Bisschen verrückt geworden.

Schneewittchen

In Schneewittchen geht es ohne Zweifel ums Aussehen, aber auch um jede Menge Beziehungen und (fehlende?) Liebe – die einer Mutter zu ihrem Kind und des Kind zu seiner Mutter, die des Vaters zur Mutter und des Vaters zu seiner Tochter. Erstaunlicherweise geht es in den Adaptionen, die ich kenne, eher selten um den Prinz.

Eine Krone für die Freundschaft (Es war einmal… ganz anders, Märchen-Anthologie, Kurzgeschichte von Christina Löw) – Hier geht um die Schönste im ganzen Land: Dahlia möchte Schönheitskönigin werden und muss überlegen, wie weit sie dafür bereit zu gehen ist.

Wie Schnee so weiß (Luna-Chroniken Band 4, Roman von Marissa Meyer) – Schneewittchen trifft SciFi. Schneewittchen kommt vom Mond und ist halb verrückt, weil sie zu viel Grausamkeit gesehen hat und sich außerdem weigert, ihre Magie einzusetzen, um sich äußerlich zu verschönern, wie alle anderes es tun.

The Lamps Thereof Are Fire and Flames (desires and dreams and powers, Kurzgeschichten-Athologie von Rosamund Hodge) – Hier vermischen sich die Perspektiven von Schneewittchen und ihrer Mutter so sehr, bis man nicht mehr weiß, wer wer ist, wer gut und wer böse und ob nicht vielleicht alle das gleiche wollen: gesehen und geliebt werden.

Schwarz wie Ebenholz (Durch Eiswüsten und Flammenmeere, Märchen-Anthologie, Kurzgeschichte von Christian Handel) – Schneewittchen, ihre Mutter und deren Mutter, alles Zauberinnen, deren Geschichte sich wiederholt, auf der Suche nach Liebe und gefangen in ihrem Aussehen. Ich hatte leider den Nachteil, die oben genannte Geschichte zuerst gelesen zu haben, danach kam mir diese sehr ähnlich vor und hatte leider nicht mehr viele Überraschungen.

Die Schöne und das Biest

Die Schöne und das Biest geht im Wesentlichen darum, dass das Innere zählt und man nicht nach Oberflächlichkeiten oder Vorurteilen gehen sollte. Das ist eine Handlung, die man in tausenden Geschichten wiederfinden könnte, sei es Stolz und Vorurteil von Jane Austen, Pocahontas oder Avatar. Vielleicht ist es deswegen nicht so einfach, Adaptionen zu finden, die nicht in Klischees abdriften und die Botschaft im Blick behalten.

Cruel Beauty (Roman von Rosamund Hodge) – Hier ist das Biest zwar äußerlich schön, aber der Herrscher über die Dämonen und Grund für einige schreckliche Schicksale. Die Schöne wiederum ist ebenfalls nur äußerlich schön und sie heiratet das Biest nur, um es zu zerstören. Eingebettet in eine Welt basierend auf der griechischen Mythologie und ihrem Sinn fürs Makaber-tragische.

Das Reich der sieben Höfe – Dornen und Rosen (Das Reich der sieben Höfe Band 1, Roman von Sarah J. Maas) – Das Biest ist hier ein wunderschöner Elf, die anfängliche Abneigung basiert eher auf Vorurteilen. Verlor dadurch für mich leider die eigentliche Bedeutung des Märchens.

Wintersong (Erlkönig-Saga Band 1, Roman von S. Jae-Jones) – Auch hier ist das Biest leider wunderschön. Tatsächlich ist die Sicht der Protagonistin meiner Meinung nach dermaßen mit Diskriminierungen aufgrund von Äußerlichkeiten (vor allem gegenüber den Kobolden), die auch im Laufe der Geschichte nicht verbessert werden, dass es der Botschaft des Märchens vollkommen widerspricht und einen unschönen Beigeschmack hinterlässt.

Rotkäppchen

Auch Rotkäppchen ist eine sehr beliebtes Märchen für Adaptionen, schließlich geht es vermeintlich simpel um den Kampf des Unschuldigen gegen das Böse. Doch die Gestalt, die das Böse annehmen kann, ist sehr vielfältig, und auch das Rotkäppchen kann mal mehr oder weniger unschuldig sein. Interessant finde ich hierbei, dass auch die Vermischung von Rotkäppchen und dem Jäger ein beliebtes Motiv zu sein scheint.

Crimson Bound (Roman von Rosamund Hodge) – Rotkäppchen jagt Bestien und ist durch einen roten Faden an den Wolf gebunden (nur, dass er hier beinahe menschliches Aussehen hat). Sie ist schuld daran, dass ihre Großmutter starb und kämpft daher permanent gegen ihre Schuldgefühle. Düster und verbunden mit weiteren Märchen, unter anderem „Das Mädchen ohne Hände“ (hier übrigens männlich). Eingebettet in die Kulisse des absolutistischen Königshofs in Frankreich.

Böser Wolf (Roman von Nele Neuhaus) – Eigentlich ein Krimi, in dem die Bedeutung des Wolfs im Märchen (Missbrauch, hier sogar Kindesmissbrauch) jedoch sehr eindrücklich thematisiert wird.

Das Labyrinth des Fauns (Roman von Cornelia Funke) – Sieht vielleicht auf den ersten Blick nicht nach einer Märchenadaption aus, steckt aber jede Menge drin. Angefangen mit dem Stiefvater, der nur als „der Wolf“ bezeichnet wird, über eine verschollene Prinzessin, die magische Aufgaben lösen muss, bis hin zum Kinderfresser, der seine Beute mit Essen anlockt. Das alles vor dem Hintergrund der spanischen Faschisten.

Die Seele der Bestie (Durch Eiswüsten und Flammenmeere, Märchen-Anthologie, Kurzgeschichte von Michelle Natascha Weber) – Rotkäppchen auf der Jagd nach dem Wolf, um sich selbst etwas zu beweisen. Nur sind nicht alles Monster gleich als solche zu erkennen.

Das Vermächtnis der Grimms (Grimm-Chroniken Band 1, Roman von Nicole Böhm) – Halb Urban Fantasy, halb Thriller. Kristin kann zwischen den Zeilen lesen und wird dabei in Visionen hineingezogen, in denen sie der Grimm jagt und sie sich in Albion befindet – das Land, in dem alle Märchen spielen.

Wie Blut so rot (Luna-Chroniken Band 2, Roman von Marissa Meyer) – Rotkäppchen trifft SciFi. Rotkäppchens Großmutter wurde entführt und der Straßenkämpfer Wolf (ja, wirklich) könnte ihr dabei helfen, sie zu finden.

Eine weitere Interpretation stammt übrigens von mir 😉

Die Schöne und die Bestien (Noir Anthologie 1, Kurzgeschichten-Anthologie, Kurzgeschichte von Anne Danck) – Rotkäppchen ist zur Bestienjägerin geworden, sie fürchtet keine Wölfe, sondern die Nähe von Menschen. Hier steckt, wie der Name schon verrät, auch ein bisschen Die Schöne und das Biest mit drin.

Die Gastautorin:

Anne Danck, geboren 1991 und aufgewachsen in Berlin, war von jeher von zwei Dingen fasziniert: Vom Schreiben und von der Biologie. Letzteres führte sie zum Studium aus Berlin fort und anschließend zurück, um dort als begeisterte Verhaltensbiologin zu promovieren. Ersteres wiederum ist die tägliche Therapie, die ihr beim Sortieren der Gedanken hilft. Mit fünfzehn Jahren erhielt sie ihre erste Auszeichnung für eine Kurzgeschichte, es folgten diverse Veröffentlichungen in Anthologien, darunter auch die „Anthologie Noir 1“, die mit dem Deutschen Phantastik Preis 2019 ausgezeichnet wurde. Wiederkehrende Themen sind düstere Zukunftsszenarien und Märchen, auf den Kopf gestellt und aus anderen Blickwinkeln beleuchtet.

Facebook: Anne Danck
Instagram: Anne Danck

Anne/Poisonpainter

The Weekend Guess #127

Eine Gedankenblase mit dem Schriftzug "The Weekend Guess" auf blauem Grund und in einem braunen Rahmen

Was ist der Weekend Guess?

Ein von mir formuliertes Rätsel, das Wortwitze und Wortspiele über die Antwort selbst enthalten könnte, wird hier zum Lösen für meine Leser:innen eingestellt.

Worum geht es bei den Fragen?

Diese sieben speziellen Fragen drehen sich um Märchen, schließlich ist Märchensommer. 😉

Was ist deine Aufgabe dabei und was bringt das für dich?

Du kannst versuchen das Rätsel zu lösen und damit fünf Punkte für die gesammte Märchensommer Challenge sammeln!

Lasst uns einen Blick auf das erste Märchenrätsel werfen:

Näh-Challenge bis zum Scheiterhaufen

Welches Märchen suche ich?

Das Märchensommer Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Wenn ihr die Antwort kennt, benutzt NICHT die Kommentare, sondern sendet eure Antwort über das Formular!

Anne/PoiSonPaiNter

Märchenrallye 2020 – Hier geht’s los!

Herzlich willkommen zur diesjährigen Märchensommer Märchenrallye!

Wie läuft das Ganze ab?

Dies ist der Startbeitrag der diesjährigen Märchenrallye. Von hier aus kommst du durch die Beantwortung der Märchenfragen zur nächsten Station. Auf diesem Weg musst du dir die Buchstaben für den Lösungssatz merken. Die Rallye hat siebenundzwanzig (27) Stationen, von der letzten Station aus wirst du auf einen Beitrag geleitet in dem du den Lösungssatz in ein Formular eintragen und dir dadurch die fünfundzwanzig (25) Punkte, für den gesamten Märchensommer anrechnen lassen kannst.

Traut euch also in den Märchenwald und verlauft euch nicht!

Das Märchensommer Rallye Banner zeigt eine Scherenschnitt-Fee, die Glitzer auf den verschnörkelten Schriftzug "Märchensommer Rallye" über einem aufgeschlagenen Buch streut. Alles vor einer grünen Wiese neben einem Baum und Sonnenstrahlen im Hintergrund.

Mein Lösungsbuchstabe

Ein M um dessen Arme Ranken geschlungen sind auf schwarzem Grund und mitgrauen graden Rahmen und darum noch ein weißer eckiger Rahmen.

Mein Lösungsbuchstabe ist das M.

Es war einmal … ein #CroMär

Das besondere an dieser Rallye ist, dass wir nicht nur durch die verschiedenen Märchen wandern, sondern ihr dabei eine Fortsetzung zum Crossover Märchen (#CroMär) aus 2018 lesen könnt. Die siebenteilige Geschichte schrieb ich damals gemeinsam mit Carola Wolff, Paula Roose, Anne Danck, Christina Löw und Sarah Wagner.

Was bisher geschah …

Regina wird mit einem Korb voll Essen zu ihrer kranken Großmutter geschickt. Auf dem Weg dorthin begegnet sie ihrer Tante Susi, die ihr einen Diät-Apfel andreht, den sie zunächst in den Wald wirft. Als jedoch ihr Jungendschwarm Wolf auftaucht und sie zum Wunderjunggesellenball einlädt, überlegt sie es sich anders. Ein merkwürdiger Förster bietet ihr bei der Suche seine Hilfe an, im Gegenzug für den ersten Kuss auf dem Ball. In der Ahnung, dass es sowieso nicht soweit kommen wird, willigt Regina ein und bekommt den Apfel zurück. Dessen Wirkung macht sich allerdings nach einem Bissen schnell bemerkbar …

Als sie ihrer Großmutter von den Ereignissen erzählt, werden die beiden nicht nur von plötzlichem Schneefall und einem selbst backenden Ofen, sondern auch von Wolf überrascht. Letzterer entpuppt sich allerdings als die Hexe Jaga, die die Krankheit der Großmutter ausnutzen will, um die lästige Konkurrentin – Frau Holle – endgültig aus dem Weg zu räumen. Mit Teamwork gelingt es den beiden Frauen Jaga zu verscheuchen.

Während ihre Großmutter Regina das Familiengeheimnis erklärt, ruft Reginas Mutter an und erzählt von einem Ballkleid, dass gerade geliefert wurde und somit die Einladung echt und nicht Teil von Jagas Plan war.
Als Schneiderin nimmt sich Reginas Mutter des viel zu kleinen Kleides an und bereitet es für ihre Tochter auf.

Zusammen mit ihren Freundinnen geht Regina auf den Ball, wo Wolf bereits auf sie wartet. Als sie miteinander tanzen erscheint allerdings der Förster und verlangt seine Bezahlung. Doch anstatt Regina zu küssen, nimmt er Wolf und dieser verwandelt sich in einen Frosch …

Wem das nicht reicht oder wer die Erinnerung nochmal auffrischen will, kann das hier tun: Kapitel 1.

Das vollständige (überarbeitete) #CroMär bekommt ihr dann am Ende des Sommers als Datei zur Verfügung gestellt.

Also dann: Viel Spaß mit der Fortsetzung der Geschichte von „Rotkäppchen“ Regina!

Regina brummte der Schädel. So viel hatte sie auf dem Wunderjunggesellenball doch gar nicht getrunken? Grummelnd zog sie die Decke über den Kopf um sich vor den Sonnenstrahlen zu verstecken, die sich einen Weg durch ihre Jalousien bahnten. Mühsam versuchte sie wieder einzuschlafen, aber es ging einfach nicht. Genervt drehte sie sich auf den Rücken und schlug die Decke zurück. Plötzlich spürte sie etwas auf ihrem Bauch landen, dicht gefolgt von einem lauten „Quaaak.“
Regina schreckte auf, stieß sich fast den Kopf an der Wand und starrte auf den grünen Frosch vor ihr. Wolf. Das hatte sie komplett vergessen oder eher verdrängt.

Das behandelte Märchen ist Der Froschkönig, wurde doch Wolf zur Strafe in einen eben solchen verwandelt. Doch …

Wie erlöst man einen verzauberten Frosch?

a) Durch einen Kuss
b) Durch einen gezielten Wurf an die Wand
c) Mit einer guten Suppe

Weißt du es? Dann nichts wie weiter zur nächsten Station und viel Spaß bei der Märchenrallye!
Verlauf dich nicht!

Anne/Poisonpainter

#fairytaleandmefacts

Heute mal ein bisschen was anderes. Auf Twitter und Facebook habt ihr es vielleicht schon gesehen, aber hier noch mal ausführlicher.

June Is erstellte Anfang des Märchensommers diese kleine Challenge für Twitter. Für jeden Like galt/gilt es einen Fakt zu beantworten. Das ist bei mir rausgekommen:

1. Was magst du an/in Märchen?

Ich mag an Märchen, das sie sich eigentlicj alles erlauben und total absurd sein können. Sprechende Tiere? Verzauberte Menschen? Geister, die einem zur Hilfe eilen? Klar! Gibt’s alles!

2. Bücherverbrennung. Welches einzige Märchen rettest du? Warum?

Ich rette … öhm … ein Märchen, das von ganz vielen anderen erzählt. So wie 1001 Nacht, nur halt mit allen Märchen, die es gibt.

3. Mit wem würde sich Schneewittchen in Hogwarts anfreunden?

Denke, Schneewittchen würde sich mit den Hauselfen anfreunden. Die Disney-Version hat ja das ganze Tierlieb-Zeugs, aber alle eint, dass sie gern gemocht wird, außer von ihrer Stief/mutter also wird sie so Anschluss finden.

Zum Thema Stiefmutter empfehle ich Eva-Maria Obermanns Gastbeitrag. Wer mehr über Schneewittchen lernen mlchte, widme sich Katherina Ushachovs.

4. Wenn Hänsel und Gretel in deiner Stadt spielte – wer wäre die Hexe?

Puh, ich kenne zwar ein paar Leute, die über Kochen mit Kindern nachdenken, aber ich denke, da müsste man doch eher ein paar Orte weiter im Penzliner Hexenkeller nachsehen, ob da noch wer überlebt ubd sich verkrümelt hat …

5. Du wachst auf und bist auf einmal Aschenputtel. Deine Lösung?

Nach anfänglicher Verwirrung, würde ich das Gespräch mit Vaddern suchen. Sollte das nicht helfen, vertraue ich auf meine natürliche Haushaltsunfähigkeit und Faulheit, dass sie sich dann jemanden vernünftiges anschaffen oder mithelfen.

6. Rapunzel – Past or Future of Dating?

Im Turm rumsitzen und darauf warten, das irgendwer an den Haaren hochklettert? Näääh … da meine Haare eh viel zu kaputt & dünn dafür sind, zieh ich lieber selbst hinaus in die weite Welt & guck, wer so guckt. Reisen macht eh viel mehr Spaß.

7. Nenne ein Märchen, das dir Kopfzerbrechen bereitet (+ Grund).

Hans. Im. Glück. Ich werde es wohl nie verstehen … er ist einfach so … aaargh … ich mein Goldklumpen … er tauscht nen verdammten Goldklumpen gegen nen bockiges Pferd und freut sich drüber …

Etwas ausführlicher, könnte ihr meine Jammerei *hier* nachlesen.

8. Dornröschen als Film – welche Schauspieler wählst du als Regisseur?

Schauspieler … puh … iwie mag ich Tessa Thompson als Dornsröschen nehmen, damit sie sich neben ihren Kickass-Rollen mal ausruhen kann. Königspaar kann irgendwer Altes sein. Maleficent … hmm … der Film hat sie recht sympatisch gemacht, daher bin ich versucht einen gewissen Pinguin dafür nehmen zu wollen und eine männliche Fee hätte auch mal was … als Frau wäre Kate Blanchett vermutlich zu dicht an Jolies Version, wenn man Hel bedenkt … und ich höre besser auf, bevor ich mir noch ein Plotbunny einfange …

9. Roleplay Wolf. Frisst du Rotkäppchen oder den Inhalt ihres Korbes?

Ich denke, ich nehm den Korb. Rotkäppchen lass ich lieber andere Abenteuer bestreiten … und schau ihr dabei Kuchen futternd und Wein schlürfend bei zu …

10. Welcher Song passt für dich zum tapferen Schneiderlein?

Zum Tapferen Schneiderlein passt glaube ganz gut Schandmauls „Drei Prüfungen“, auch wenn es da um andere Prüfungen als Einhorn-, Wildschweinjagd und Riesenbekämpfung geht.

11. Welches Tier wärst du bei den Bremer Stadtmusikanten? Warum?

Da ich irgendwie immer diejenige bin, die bei Projekten am meisten macht, bin ich wohl der Esel … sieht man schließlich auch an meinem Maskottchen … was ja doch eher nach Esel aussieht, auch wenn ich es gelegentlich noch als „Deer“ also Reh bezeichne.

12. Magst du eigentlich Frösche?

Ja, doch, Frösche sind in Ordnung. Bin mir nicht sicher, ob ich irgendwann mal Froschenkel probieren würde, aber doch, vermutlich schon … als Kind Grasfrösche fangen und als Erwachsene Susi essen hab ich mich schließlich auch getraut.

Aufgepasst!

Unter allen, die jetzt Gefallen an den Fragen gefunden haben und sich auch beantworten wollen, verlost June bis zum Ende des Sommers noch ein mobi E-Book von „Das Haus am grünen See“, einer Anthologie des OhneOhren Verlag, mehr Infos: hier. Die Challenge ist auf Twitter ausgelegt, da sie nur da einen Account hat. Wer es über FB ausprobieren will, verlinkt mich oder kann auch hier mit einem Link in den Kommentaren reagieren, um in den Lostopf zu hüpfen.

Da ich wesentlich mehr als die zwölf notwendigen Likes bekommen habe, bat ich um noch ein paar Fragen.

Diese drei bekam ich von Christina Löw:

13. Siehst du dich eher als Rapunzel oder Schneewittchen?

Oben schrob ich ja schon was zu beiden, aber ich denke Rapunzel passt eher, vielleicht liegt das aber auch daran, dass mir noch kein vernünftiges Schneewittchen begegnet ist. Sie sind zwar beide leichtgläubig, aber ich denke Rapunzel ist eigenständiger und sie muss sich bis zum Prinzen nur mit ihrer Mutter rumärgern und nicht mit sieben Mitbewohnern, die bekocht und betüttelt werden wollen … und wieso lauern da schon wieder Plotbunnies?

14. Was würdest du der Ziege aus „Tischlein deck dich“ gerne mal sagen?

Gute Frage … hmmm … ich denke, ich würde sie an eine Stelle binden, wo man den Fraß sehen kann und dann den Vadder dazu holen, das er es sieht, sie ihn aber nicht und dann fragen: „Na, satt geworden?“ Ist glaube lustiger als mein initiales „Dann friss halt nicht du dummes Vieh“ …

15. Wie sähe dein perfektes Date mit einem Märchenprinzen oder einer Märchenprinzessin aus?

Schlosserkundung muss drin sein, tolles Essen auch und vielleicht irgendwas sportliches zum Spaß, Bogen schießen oder so.

Mehr Zusatzfragen habe ich leider nicht erhalten, wer mag kann aber gerne hier noch welche stellen, ich ergänze sie dann. 🙂

Anne/Poisonpainter

Märchensommer: Montagsfrage #4

Herzlich willkommen zur vierten Woche des Märchensommers! Schön das ihr euren Weg hergefunden habt!


Auch heute könnt ihr wieder einen Punkt für die Gesamtpreise des Märchensommers ergattern indem ihr die unten gestellte Frage in den Kommentaren beantwortet.

Doch vorweg eine kleine Buchvorstellung …

Nach den drei Nornen letzte Woche, gibt es heute eine weitere mit drei märchenhaften Geschichten – Odine Raven:

Mit Rotkäppchens Lied der WölfeDornröschen spinnt! und Schneewittchens Sieben schafft sie kurze Geschichten, die die bekannten – und ableitbaren – Märchen neu erzählt.

Der Wolf rettet Rotkäppchen, Dornröschen wird als Mann erzogen und Schneewittchen wird in die Moderne geholt. Das Ganze ist zum Teil mit Liebesgeschichte unterlegt und aufgrund der Länge nette Häppchen für zwischendurch.

Noch habe ich die drei nicht gelesen, aber vermutlich ist Dornröschen noch am ehesten etwas für mich.

Am Donnerstag wird es übrigens auch noch ein Interview mit Odine geben, bleibt also gespannt!

Aber nun zur Frage des Tages:

Was ist dein Lieblingsviech aus einem Märchen?

Für mich bleibt es das Hexenhäuschen von Baba Jaga (Teil 1, Teil 2 der Gastbeiträge von Katherina Ushachov zu dieser wunderbaren Märchenfigur). B)

Anne/PoiSonPaiNter

© Für die Cover gehört ihren rechtmäßigen Besitzern und dienen hier lediglich zur Veranschaulichung.

Schneewittchen oder doch nicht?

Auch diesen Märchensommer widmet sich Katherina Ushachov einem Vergleich. Dieses Mal:


Russische & Amerikanische Märchenfilme: Schneewittchen

Kurz vorneweg:

Dieser Artikel behandelt ausschließlich die gezeichnete und animierte Fassung von „Schneewittchen“ bzw. „die tote Prinzessin“. Über die zahlreichen Realverfilmungen wird ein anderes Mal zu schreiben sein und nicht zwingend von mir. Entsprechend lässt der Artikel einige Aspekte bewusst aus. Einige Quellen sind auf Russisch, hier ist der Google Translator zu bemühen.

Wer an animierte Umsetzungen der großen Märchenklassiker denkt, wird in erster Linie an Disney denken – dies ist so verbreitet, dass bisweilen sogar Trickfilme Disney zugeschrieben werden, mit denen das Studio nichts zu tun hat, wie beispielsweise „The Swan princess[1] aus dem Hause Columbia TriStar/New Line Cinema. Jüngere Leser*innen kennen zusätzlich noch die Barbie-Filme, von denen zumindest die ersten sich sehr oft mit Märchenstoffen beschäftigen[2] und diese mit Hilfe von Barbie-Figuren darstellen (von denen anschließend einige käuflich zu erwerben waren und teils noch sind).

Sowjetische Kinder – und später auch junge Leute wie ich, die in der Postsowjetzeit in russischsprachigen Ländern aufgewachsen sind – lernten jedoch zuerst andere Trickfilme kennen. Die von „Sojusmultfilm“. Anders als Disney, eine Privatfirma und geleitet von einem einzelnen, handelte es sich dabei um ein staatliches Animationsstudio.

Beide bezogen und beziehen ihre Stoffe aus Märchen. Doch die Ergebnisse sind bisweilen sehr unterschiedlich. Ich möchte untersuchen, warum dies der Fall sein könnte und ein wenig auf die verschiedenen Ansätze der beiden Filmstudios eingehen.

Allgemeiner Vergleich:

Ein wichtiger Unterschied lag bereits im System begründet: Disney ist ein privates, 1923 zum ersten Mal gegründetes Filmstudio, das mehrere Anläufe gebraucht hat[3]. Walt Disney hat Anfang der 30er nicht zuletzt darum die Idee von einem abendfüllenden Zeichentrickfilm entwickelt, weil die Einnahmen für seine Kurzfilme zunehmend stagnierten und er sie nicht – anders als andere Studios – mit anderen Produktionen gegenfinanzieren konnte[4].

Diesen Druck hatte Sojusmultfilm – 1936 gegründet – nicht. Alle dortigen Filmschaffenden waren im Grunde genommen staatliche Angestellte, deren Honorare nicht vom kommerziellen Erfolg der Trickfilme abhängig waren. Somit konnten sich die Künstler*innen in gewissem Sinne austoben und schufen insgesamt über 1500 Trickfilme[5], die meisten davon sehr kurz.

Hierbei dienten interessanterweise die Walt-Disney-Studios anfangs als Vorbild für die Sowjetunion, nicht zuletzt, weil dort zum damaligen Zeitpunkt einige Erfindungen gemacht wurden, die das Erstellen von Trickfilmen maßgeblich veränderten (wie beispielsweise die erste Nutzung des Storyboards im heutigen Sinne[6] oder die Einführung der Arbeitsteilung bei der Erstellung von Trickfilmen[7]) – später wollte man sich bewusst von ihnen abgrenzen. Dem ersten Zeichentrickfilm, damals noch in Schwarz-Weiß und nur acht Minuten lang, sieht man den Einfluss in Hinblick auf Bewegung, Animation und Figurenstil tatsächlich noch recht gut an: YouTube-Video.

Interessanterweise haben beide Filmstudios während des zweiten Weltkriegs auch Propagandafilme und Instruktionen für die Armee gemalt – Sojusmultfilm auf staatliche Verordnung hin, Walt Disney hingegen, um mit der eigenen Firma über die Runden zu kommen. Durch einen Streik und daraus folgende Gehaltserhöhungen, drei aufeinander folgende teure Flops und die Tatsache, dass „Bambi“ auf einem von den Nazis verbotenen Buch basierte und somit nicht in besetzten Gebieten gezeigt werden konnte, brachte das Studio an den Rand des Ruins. Auch wenn er „Victory through air power“ tatsächlich aus Überzeugung gezeichnet und gedreht hat.[8] Sojusmultfilm hat allerdings nur wenige Monate Kriegstrickfilme gezeichnet, diese Aufgabe betrachtete man später als „nicht so wichtig“ und ließ das Studio wieder Trickfilme schaffen.[9]
Die große Blütezeit der Trickfilme mit „All Age“-Zielgruppe begann vor allem nach 1946, wobei in den Jahren 46 bis 53 dezidiert der Wunsch nach einer eigenen Ästhetik in Abgrenzung zu Disney gewünscht wurde – so fällt beispielsweise auf, dass Sojusmultfilm den Schritt zu abendfüllenden Zeichentrickfilmen eigentlich erst in den 90ern vollzogen hat – alle in diesem Artikel vorgestellten Filme aus ihrem Studio sind deutlich kürzer als die Disney-Pendants, darauf werde ich in den einzelnen Abschnitten genauer eingehen. Selbst Filme, die ich als vergleichsweise lang in Erinnerung habe (wie „Die zwölf Monate“ haben eine Laufzeit unter einer Stunde[10], mit wenigen Ausnahmen, wie dem Märchen vom buckligen Pferdchen, das 1975 um einige neue Szenen ergänzt und neu synchronisiert wurde[11] . Interessanterweise ist es genau dieser Trickfilm, der in der Fassung aus den 40ern von Walt Disney seinen Zeichner*innen gezeigt wurde – während die ersten Trickfilme von Sojusmultfilm noch nach amerikanischen Lehrbüchern aus seiner Zeichenschule entstanden.
Teilweise fanden aber auch parallele Entwicklungen statt – so stiegen beide Filmstudios annähernd zeitgleich auf die Rotoskopietechnik[12] um, nicht zuletzt, um Zeit und Geld einzusparen. Kurioserweise in beiden Fällen bei Tierfilmen: „101 Dalmatiner“ bei Disney, „Kashtanka[13] bei Sojusmultfilm.

Andere Entwicklungen verliefen in einigem zeitlichen Abstand – so hat Disney recht früh und recht oft das Aussehen der Figuren den Synchronsprecher*innen angepasst (auch wenn das nicht immer aufgegangen ist, ein plakatives Beispiel dafür sind die Rollen der Geier im „Dschungelbuch[14]). Dies wurde bei Sojusmultfilm erst Mitte der 50er Jahre üblich.

Beide Filmstudios bestehen im Übrigen bis heute – auch wenn Sojusmultfilm vom Zusammenbruch der Sowjetunion arg gebeutelt wurde.

„Schneewittchen“ (1936) vs. „Die tote Prinzessin und die sieben Recken“ (1951)

Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass hier das Ausgangsmaterial nicht zu 100% identisch ist. Die Disneyverfilmung basiert auf dem Märchen der Brüder Grimm, während die Variante von Sojusmultfilm – wie auch am Namen ersichtlich – vom Kunstmärchen von A. S. Puschkin abgeleitet wird.
Während also das amerikanische Kinostudio ein „deutsches“ Märchen adaptiert, greifen die Filmemacher*innen aus der Sowjetunion auf Stoff zurück, der unter anderem die Funktion einer gesamtsowjetischen Sinnstiftung hat. Die Amtssprache in allen Republiken ist Russisch, Puschkins Lyrik und seine Dramen sind zumindest in Russland bis heute Schulstoff und gelten als hochliterarisch, während Volksmärchen nach wie vor den Ruf von „Kinderkram“ haben.

Etwas, das Sojusmultfilm auch – soweit möglich – für andere Märchenstoffe fortgeführt hat. Die Märchen der Brüder Grimm waren in der Sowjetunion durchaus bekannt, das beweisen mehrere meiner aus der Zeit stammenden Märchenbücher. Ebenso beispielsweise die Märchen von Charles Perrault, jedoch wurden meist die russischen Pendants adaptiert, sofern vorhanden. „Die scharlachrote Blume[15] statt „Die Schöne und das Biest“ ist ein weiteres Beispiel dafür.

Dabei halten sich beide Filmstudios mal mehr, mal weniger akribisch an die literarische Vorlage, wobei Sojusmultfilm in der Regel und so auch bei diesem Beispiel näher am Original bleibt.

Interessanterweise sorgen jedoch ausgerechnet Disneys Kürzungen an der Grimm’schen Geschichte dafür, dass die Handlungsverläufe mehr Parallelen haben, als die ursprünglichen Märchen. So sieht die russische Variante von vornherein nur einen Mordanschlag auf die Prinzessin vor, der durch den vergifteten Apfel erfolgt. Bei den Brüdern Grimm versucht die böse Königin, Schneewittchen vorher noch mit einem Kamm und einem Gürtel zu töten. Beide Versuche kommen in Disneys Verfilmung nicht vor.

Dadurch, dass Disney außerdem die Anfangssequenz weglässt, bei der Schneewittchens Äußeres vorhergesagt wird („weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz“) ähneln sich hier teilweise die Anfänge, diese Metaphorik fehlt in der russischen Variante weitestgehend. Zwar wird auch hier die Zarentochter als „weiß von Angesichts mit schwarzen Brauen“[16] beschrieben, dies ist jedoch nicht so stark mit Symbolismen aufgeladen, wie der Grimm’sche Anfang. Eine weitere Gemeinsamkeit entsteht dadurch, dass in der Anfangssequenz von „Snow White and the Seven Dwarfs“ der Prinz zumindest einmal mit Schneewittchen singt und sie dem Wunschbrunnen vorsingt, dass sie gerne von einem Prinzen gefunden und gerettet werden würde. Anders als im Originalmärchen findet er sie also nicht zufällig, sie haben eine Begegnung, bei der Schneewittchen jedoch in Panik vor dem Prinzen flieht, offensichtlich aufgrund ihrer Lumpen beschämt. Sie teilen sich sogar einen zarten Taubenkuss.

Ein wichtiger Unterschied besteht außerdem in der Art, wie der Film erzählt wird. Beide beginnen zwar mit einer reich illustrierten Märchenseite, doch während Disney frei erzählt, hält sich die russische Variante strikt an die Verse des Originals. Mehr noch, sie werden zumindest zu Beginn im Hintergrund von einer weiblich klingenden Person rezitiert, während der Beginn des Märchens in Standbildern dargestellt wird. In diese wird gezoomt, um den Eindruck von Bewegung zu erzeugen, die ersten Sequenzen sind nicht animiert und erinnern in ihrer Ästhetik an ein Ölgemälde.

Erst ab der Wiederverheiratung des Zaren ist der Trickfilm weitestgehend durchgängig animiert. Das führt im Übrigen zu einem interessanten Effekt – da die negativen Eigenschaften der neuen Zarin in der Versform aufgezählt werden, müssen sie nicht von den Zuschauer*innen durch konkrete Taten der Figur erschlossen werden:

weiß, von stolzem Gliederbau,
eine schöne, kluge Frau;
doch voll Hochmut nebenbei,
auch von Eifersucht nicht frei,
eigenwillig, eigensinnig,
aber wirklich schön und minnig.[17]

Die längere Spielzeit der Disneyvariante kommt nicht zuletzt durch die zahlreichen Lieder. Das erste singt Schneewittchen in der dritten Filmminute, während sie die Treppe schrubbt. Andere dadurch, dass die Protagonistin bei Disney durch Kleinigkeiten zusätzlich charakterisiert wird – in der achten Minute spricht Schneewittchen recht lange mit einem aus dem Nest gefallenen Vögelchen.

Weitere Sequenzen, die zur Länge beitragen, bestehen beispielsweise in Schneewittchens recht gruselig gestalteter Flucht durch den Wald, an deren Ende sie weinend auf der Erde liegt. Die gruseligen Gestalten entpuppen sich als niedliche (und fortan hilfreiche) Tiere des Waldes (10./11. Filmminute). Darunter auch das kleine, blaue Vögelchen, das sie vorher gerettet hat. Es sind auch die Tiere, die ihr den Weg zum Haus der Zwerge zeigen.

Szenen, die in der Märchenfassung fehlen, werden hinzugefügt – wie die Beratung der Zwerge, als sie ihr hell erleuchtetes Haus sehen und die folgende Anschleichsequenz, die sich über mehr als sieben Filmminuten hinzieht. Auch die Szene, in der die Zwerge Schneewittchen mit Musik und Tanz unterhalten, kommt weder im originalen Märchen noch in der sowjetischen Variante vor und beinhaltet unter anderem einige Slapstickeinlagen und jodelnde Zwerge. Die sowjetische Variante verzichtet weitestgehend auf jede Form von Füllszenen, einzig die Episode, in der sich die Magd und die Zarentochter im Wald immer wieder anrufen, könnte als solche gesehen werden.

Interessant sind hier auch die Kleider der Figuren. Während das Kleid, das Schneewittchen die meiste Zeit trägt und das der Königin streng genommen gar nicht während der gleichen Epoche getragen werden würden – das Kleid der Königin erinnert an mittelalterliche Hofkleidung, das von Schneewittchen eher an eine Art Dirndl, ohne dass Epoche oder Ort näher dargestellt werden würden – sind die Kleider der Figuren bei Sojusmultfilm eindeutig russisch. Alle Frauen tragen einen Kokoschnik auf dem Kopf, auch die Magd der bösen Zarin.

In beiden Trickfilmfassungen sieht man die „gute“ Frau im Übrigen auffällig oft bei häuslichen Tätigkeiten:
Schneewittchen

  • Schrubbt die Treppen
  • Räumt erst einmal ausgiebig im Haus der Zwerge auf
  • Backt einen Kuchen
  • Achtet darauf, ob die Zwerge ihre Hände vor dem Essen waschen
  • Gibt den Zwergen mütterliche Abschieds- und Gute-Nacht-Küsse auf die Stirn

Die Zarentochter

  • Wird in ihrer ersten Sequenz beim Sticken am Rahmen gezeigt
  • Wird fortgelockt, um Pilze und Beeren zu sammeln (im Vergleich dazu soll Schneewittchen mit dem Jäger lediglich Blümchen pflücken)
  • Bringt den unordentlichen Haushalt der Recken erst einmal in Ordnung und deckt den Tisch mit traditionell russischem Geschirr
  • Spinnt Wolle, als die verkleidete Zarin auf dem Hof der Recken ankommt

Die Antagonistin sieht man dahingehend in weiten Teilen des Trickfilms ausschließlich entweder dabei, den Spiegel zu befragen (und sich vor dem Spiegel zu putzen) oder dabei, ihre Gefolgsleute (jeweils den Jäger oder die Magd) auszuschicken. Ihr letzter Gang besteht dann darin, sich selbst auf den Weg zu ihren Opfern zu machen.

Auch Sojusmultfilm kürzt Details um der Dramatik willen aus der Handlung – so wird nicht erwähnt, dass das Paar aus Zarentochter und Zarewitsch Jelissej an dem Tag heiraten soll, an dem die Zarin ihre Stieftochter aussetzen lässt. Diese Verse werden nicht mehr verlesen, ebenso fehlt im Trickfilm eine Auflistung ihrer Mitgift (laut der Übersetzung von „Projekt Gutenberg“ hundertvierzig Prunkpaläste und sieben große Städte[18].
Während die Szene, in der Schneewittchen den Jäger verängstigt anschaut und er sie schließlich gehen lässt, in der Disney-Variante groß ausgeführt wird, fehlt eine ähnliche Szene im sowjetischen Pendant vollkommen. Sie kommt zwar im Originalmärchen vor, im Film wird jedoch lediglich gezeigt, wie die Magd sich zurückzieht und allein zur Zarin zurückkehrt. Die Konfrontation der beiden Frauen wird ausgelassen.[19]

Interessanterweise kürzt die sowjetische Fassung außerdem heraus, dass die Recken nicht nur jagen, sondern zumindest im Originalmärchen auch in den Krieg ziehen. Sie ändert außerdem ab, dass die Zarentochter im Original vor Erschöpfung unter der Ikone einschläft. Sie versteckt sich vor den Recken und tritt hervor, als sie nach ihr fragen.

Andere Änderungen lassen sich auf den Einfluss von Disneys „Schneewittchen“ zurückführen, darauf gehe ich etwas später ein.

Für das Filmen von „Snow White and the seven Dwarfs” entwickelte Disney ein Filmverfahren, bei dem Teile der Landschaft auf verschiedene Glasplatten aufgetragen wurden. Dadurch schien sich der Hintergrund beim Reinzoomen oder bei Kamerafahrten zu bewegen, es entstand der Eindruck von Tiefe. Darüber hinaus konnte so beispielsweise Regen auf eine separate Platte aufgetragen und so gefilmt werden. Darüber hinaus ließ er die Zeichner*innen die Bewegungen von Tänzer*innen studieren, um für damalige Zeit revolutionär realistische Bewegungen von Menschen zu animieren[20].

Welche Filmtechniken Sojusmultfilm zur Verfügung standen, ist für mich schwer zu sagen, aber rein optisch hatte ich beim Anschauen öfter das Gefühl, dass der Hintergrund im Vergleich eher statisch blieb, oft ähnelte er einem Ölgemälde. Zumindest das Verwenden verschiedener Ebenen scheint aber nicht gänzlich unbekannt zu sein, die Sequenz im letzten Drittel, bei dem Jellisej mit der Zarentochter durch ein Blumenfeld reitet und bei der sich eine halb transparente Blumenhecke vor die Figuren schiebt, legt nahe, dass diese auf einer anderen Ebene gewesen sein muss als der Hintergrund und die drei Figuren.

Interessanterweise übernimmt Sojusmultfilm, dessen Fassung wesentlich später entstanden ist, einige Motive und Handlungselemente aus dem Disneyfilm und unterscheidet sich in diesen Punkten vom Original. So schickt im Originalmärchen die Zarin ihre Magd mit dem vergifteten Apfel aus, doch in der Filmfassung von 1951 ist es die verkleidete Stiefmutter, die zudem in einer sehr ähnlichen Kutte und mit einem ähnlichen Wanderstock zum Haus der Recken geht.

Eine Verwandlung oder der Einsatz schwarzer Magie erfolgt hier jedoch nicht.

Auch dass der Hofhund die Recken holt und versucht, sie rechtzeitig nach Hause zu führen, ehe die Zarentochter in den Apfel beißen kann, könnte von der Szene inspiriert sein, in der die Tiere des Waldes die Zwerge aus dem Bergwerk holen, damit sie verhindern, dass Schneewittchen in den Apfel beißen kann. In beiden Fällen kommen die Retter zu spät. Im Original des russischen Märchens springt der Hund lediglich um die Tote herum und demonstriert die giftige Wirkung des Apfels, indem er davon frisst und verendet. Dies tut er in der Filmversion erst, nachdem er die Recken zu ihr geführt hat. Ein weiterer möglicher Einfluss von Disney liegt in der Szene, in der Jelissej die Zarentochter findet – und mit einem Kuss erweckt. Im Original zerbricht er den Sarg und kann sie so erwecken.
Der Filmkuss ist im Falle von Schneewittchen allerdings eine Erfindung von Disney. Die ursprünglichen Märchenfassungen sehen hier verschiedene Varianten vor (je nach Ausgabe) – die ursprünglichste schildert, wie Schneewittchen von den Diener*innen des Prinzen geschlagen wird[21], die es unheimlich finden, wie der Prinz all seine Zeit mit einer Leiche verbringt, sodass der Apfel rausspringt. Kinderfreundlichere und vor allem bekanntere Varianten lassen einen Diener des Prinzen oder dessen Pferd straucheln, sodass der Apfel aus Schneewittchens Kehle fällt, noch ehe es vom Prinzen ins Schloss gebracht werden kann[22].
Film-Schneewittchen ist an dieser Stelle mit ihrem Prinzen – den sie ja am Anfang kennen gelernt hat – vereint und alle sind glücklich. Da die Königin bereits anderweitig eliminiert wurde, hat also die Disneyfassung keine Notwendigkeit, die Hochzeit (und die Rolle der Königin dort) darzustellen. Also gibt es keine glühenden Schuhe, in denen sie sich tottanzen muss.

Anders als in der Disneyfassung, wird in der sowjetischen Fassung die Zarin nicht gejagt und getötet. Sie kann erfolgreich nach Hause zurückkehren und führt sogleich die Spiegelprobe zu ihren Gunsten durch. Anders als bei Disney besteht somit die Notwendigkeit, die Filmhandlung auch nach dem Kuss fortzuführen. Entsprechend blendet der Film noch einmal zu einer Spiegelprobe ab und zeigt, wie die Zarin erfährt, dass die angeblich tote Widersacherin lebt. Sie sieht die namenlose Zarewna auf den Hof einreiten und fällt tot um. Hier setzt die Erzählstimme vom Anfang wieder ein und schildert das Ende – die Liebenden werden getraut.

Weitere Unterschiede ergeben sich schlicht aus den Unterschieden in der Fassung, die jeweils adaptiert wird und haben nichts mit dem Unterschied zwischen Disney und Sojusmultfilm zu tun. Sie würden hier an dieser Stelle somit zu weit führen.

Für den Vergleich wurden die Filmfassungen mehrfach angeschaut:
„Das Märchen von der toten Zarentochter und den sieben Recken“ zu finden auf YouTube.
„Snow White and the seven Dwarfs“ – in Deutschland über YouTube nicht zugänglich.

Screenshots sind jeweils aus diesen Videos.

Fazit

Auch wenn der Kalte Krieg spätestens seit Kriegsende unerbittlich tobte, ist es unmöglich, die größten Filmstudios der beiden rivalisierenden Staaten vollkommen getrennt von einander zu betrachten.

Nicht nur, weil sich Sojusmultfilm anfangs Disneys Arbeiten zum Vorbild nimmt und die eigenen Zeichner*innen anhand seiner Materialien unterrichtet, sondern auch, weil sich die beiden Studios später gegenseitig immer wieder beeinflussen. Und sei es, indem das eine versucht, sich zwingend vom anderen abzugrenzen.

Liebt man die Zeichentrickversionen von Märchen, kann es sehr bereichernd sein, das gleiche Märchen jeweils in verschiedenen Fassungen zu sehen und zu vergleichen. Das ist nicht nur vergnüglich, sondern auch höchst lehrreich.

[1] The Swan Princess -Wikipedia
[2] Barbie Filme – Wikipedia
[3]The Walt Disney Company (Gründung und Anfänge (1923-1927)) – Wikipedia
[4][20] It All Started with a Fairy Tale: Disney’s Snow White and the Seven Dwarfs – Tor.online
[5]Союзмультфи́льм – Wikipedia (Ru)
[6] Storyboards (Origins) – Wikipedia
[7] Советская фабрика грёз: как появился «Союзмультфильм»
[8] Animation as War Propaganda: Disney’s Victory Through Air Power
[9] Непростая история студии «Союзмультфильм», мультфильмы которой нас вырастили
[10] Die zwölf Monate (1956) – Wikipedia
[11] Конёк Горбунок (мультфильм) Редакция 1975 года 2 – Wikipedia (Ru)
[12] Rotoskopie
[13] Каштанка (мультфильм, 1952)
[14] Buzzie, Flaps, Ziggy, and Dizzy
[15] The Scarlet Flower – Wikipedia
[16] Eigene Übersetzung, „Projekt Gutenberg“ übersetzt die Stelle mit „blendend von Gesicht, schönre Jungfrau sah man nicht“ und lässt somit die expliziten Farbzuweisungen verschwinden
[17] [18] Märchen von der toten Zarentochter und den sieben Recken
[19] Projekt Gutenberg übersetzt dies so:
Bald
kam Tschernawka in den Wald
mit dem schönen Zarenkinde,
schickt sich an, daß sie es binde.
Und das Zarenkind erschrickt,
jammernd auf zur Zofe blickt,
fleht mit ausgestreckten Armen
sie um Mitleid und Erbarmen:
»Gott, was ist denn mein Verschulden,
daß ich solches soll erdulden?
Rette mich, laß mich am Leben,
reichen Lohn will ich dir geben
künftig, wenn ich Zarin werde!«
ruft sie flehender Gebärde.
Und die Zofe hört ihr Flehen,
kann, gerührt, nicht widerstehen,
denn sie liebt die schöne Maid,
spricht: »Ich tue dir kein Leid,
mög der Himmel mit dir sein!«
Ließ sie, kam nach Haus allein.

[21] Schneewittchen (Genese der Grimmschen Fassung) – Wikipedia
[22] Schneewittchen (Schneewittchens Erlösung und der Tod der Königin) – Wikipedia

Die Autorin

Katherina Ushachov zog im Alter von sechs Jahren aus dem sonnigen Odessa nach Deutschland. Zwanzig Jahre später machte sie Vorarlberg zur neuen Wahlheimat. Sie schreibt seit der Schulzeit, weil sie ohne das Schreiben nicht mehr leben kann. Wenn die freie Lektorin nicht gerade an einem ihrer Romane arbeitet, textet sie für mehrere gemeinschaftlich geführte Blogs oder erzählt auf ihrer Homepage vom Alltag als junge Autorin.

Homepage: Keller im 3. Stock
Lektorat: Phoenixlektorat
Weltenbau: Weltenschmiede
Facebook: Katherina Ushachov – Autorin
Twitter: @evanesca

Anne/Poisonpainter

Märchensommer: Montagsfrage #3

Herzlich willkommen zur dritten Woche des Märchensommers! Schön das ihr euren Weg hergefunden habt!


Auch heute könnt ihr wieder einen Punkt für die Gesamtpreise des Märchensommers ergattern indem ihr die unten gestellte Frage in den Kommentaren beantwortet.

Doch vorweg eine kleine Buchvorstellung …

Die wird ein bisschen bunter, denn die einzige Gemeinsamkeit, die diese Märchenadaptionen haben, ist, dass die Autorinnen Mitglieder des Nornennetzwerks sind:

Letztes Jahr habe ich Anna Kleves Die Schuld der Ahnen I: Magisches Erbe gelesen & rezensiert, mittlerweile gibt es einen zweiten Band, Gebrochene Spiegel, der die Geschichte von Eldan und Caleb weitererzählt.
Den habe ich aber noch nicht in der Hand gehabt, also zumindest nicht zum Lesen, eventuell hab ich in Leipzig das Buch hin und her geschubst. 😀

Ganz anders die anderen beiden, die dieses Jahr für den Phantast nominiert waren.

Zum einen das nächste Galgenmärchen aus Nora Bendzkos Feder: Hexensold. Auf der BuchBerlin habe ich mir das Sonderexemplar gleich mitgenommen. Kurz darauf dann Nora bei ihrer offiziellen Online-Releaseparty unterstützt, während sie in Wien aus der dunklen Rapunzel-Adaption las.

Zum anderen Stella Delaneys Leuchten am Rande des Abgrundes, dass sie mir zur BuchBerlin schenkte. Eine ruhige Dystopie, die mit den Elementen der kleinen Meerjungfrau spielt.

Für die letzten beiden wird es im Sommer auch noch Rezensionen geben, bleibt also gespannt!

Aber nun zur Frage des Tages:

Film oder (Vor)lesen, wie konsumierst du deine Märchen am Liebsten?

Puh … warum stell ich eigentlich immer so schwierige Fragen? 😀

Ich glaube mittlerweile bevorzuge ich Filme, weil es einfach Spaß macht sich die verschiedenen Varianten anzuschauen. Allerdings ist der Märchensommer auch ein großer Hinweis drauf, dass ich noch immer sehr gerne Märchen(adaptionen) lese, also von daher. 😀

Was vorlesen angeht, bin ich meist diejenige die es tut, fällt also fast komplett raus …

Anne/PoiSonPaiNter

© Für die Cover gehört ihren rechtmäßigen Besitzern und dienen hier lediglich zur Veranschaulichung.

Nicht die Mama!

Der erste Gastbeitrag diesen Märchensommer stammt von Eva-Maria Obermann, die uns schon im ersten Märchensommer von der Mär fürs Volk erzählte. Diesmal widmet sie sich dem Thema …

Böse Stiefmütter in Märchen

Die böse Stiefmutter. Wenn uns Märchen eines gelehrt haben, dann das Stiefmütter böse sind. Abgrundtief fiese Gestalten, gemeine Hexen und Menschenfresserinnen. Sie wollen ihre Ziehkinder ermorden lassen, beuten sie aus, misshandeln sie oder setzen sie im Wald aus. Heute, 200 Jahre nach Erscheinen der grimmschen Märchensammlung, ist es fast unmöglich, „Stiefmutter“ zu denken, ohne das Bild, dass die Märchen geschaffen haben, wachzurufen.

Wer sich ein bisschen mit dem Motiv beschäftigt, findet schnell heraus, dass die Stiefmütter in den ersten Fassungen der grimmschen Sammlung – vor der Überarbeitung 1819 – Mütter waren. Es war die Mutter, die Schneewittchens Schönheit so ärgerte, dass sie ihre Tochter im Wald ermorden lassen wollte und auch Aschenputtels Mutter war es, die ihre Tochter im Dreck hat schlafen lassen. Diese erste Fassung war brutal, voller Sex und Blut und Grausamkeit. Die Kritik daran war so groß, dass die Märchen grundlegend überarbeitet wurden. Extrem entschärft wurden sie zu den Geschichten, die wir heute kennen. Und die Mütter zu Stiefmüttern.

Problematisch ist, dass dabei tatsächlich psychologische Grundpfeiler verschwimmen. Die Märchen, in denen die Mutter zur fürchterlichen Antagonistin wird, sind auch jene, in denen sie vorab als diejenige gezeigt wird, die einen intensiven Kinderwunsch hegt. Schneewittchens Mutter sitzt am Fenster und träumt vom Kind, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz. Und auch Aschenputtels Mutter hegt zu Beginn einen Kinderwunsch. Es sind die gleichen Mütter, die sich so sehr nach einem Kind sehnen, die zunächst dem liebvollen Ideal gleichen und dann so entfremdet wurden, dass sie zu Stiefmüttern umgedichtet wurden, um sich die Abkehr von jenem Ideal zu erklären.

Gleichzeitig sind jene Märchen ausschließlich Adoleszenzgeschichten. Die junge Protagonistin ist mit irgendeiner Eigenschaft ausgestattet, die der gealterten Mutter fehlt. Schneewittchens Schönheit, Aschenputtels Klugheit und Fleiß. Der Kontrast zwischen Alt und Jung wird zum Kern der Konflikte. Das, was die Mütter ausgemacht hat, als sie selbst noch keine entsexualisierten und auf die Seite geschobenen Mütter waren, erkennen sie in ihren Töchtern. Eifersucht und Sehnsucht, aber auch das Wissen um die Vergänglichkeit dieser Attribute sind den Konflikten als elementare Bestandteile angedichtet. Dahinter aber steht noch ein weiterer Aspekt.

Mütter sind niemals nur perfekt gut oder entsetzlich böse. Sie bewegen sich, aus Sicht des kleinen Kindes, zwischen den Extremen hin und her. Die Mutter die kuschelt, spielt und füttert, küsst und vorliest, wird im kindlichen Gedankengang der Mutter gegenübergestellt, die fordert, Regeln aufstellt und mit Ablehnung begegnet, wenn das Kind dagegen rebelliert. Das kann Schimpfen oder Bestrafung sein, aber auch die simple Forderung, das eigene Zimmer aufzuräumen oder Abends die Zähne zu putzen. Es entstehen zwei Mütter-Imagi, eine absolut liebevolle und eine in jedem Bezug böse. Diese zwiegespaltene Vorstellung der Mutter war in den sich verändernden Müttern der ursprünglichen grimmschen Sammlung zu erkennen.

Die Loslösung des Motivs hin zur konkreten Trennung zwischen leiblicher, guter Mutter und böser Stiefmutter aber erzeugte nicht nur im Märchen zwei Figuren, sondern beeinflusste auch unser Mutterbild (und tut es bis heute). Noch immer werden Mütter in der idealisierten Vorstellung zur liebevollen Bewahrerin, die sämtliche eigenen Bedürfnisse hintenanstellt und nur noch für das Kind lebt. Wer dagegen verstößt wird zur Rabenmutter deklariert. Stiefmüttern dagegen unterstellt dieses Bild, per se einen schwierigeren Zugang zum Kind, da sie angeblich mit ihm um die Gunst des Vaters buhlen müssten. Kurz, Mutterschaft heute ist von der grimmschen Edition der (Stief-)Mütter in hohem Maße betroffen und muss sich immer wieder dem überhöhten Muttermythos stellen.

Die Autorin

Eva-Maria Obermann wuchs in einer pfälzischen Kleinstadt auf und liebt gute Geschichten seit jeher. Sie hat in Mannheim Literaturwissenschaften studiert, vier Kinder bekommen und promoviert über die Mutterfigur. 2017 erschien der erste Teil ihrer Urban Fantasyreihe „Zeitlose“ und der humoristische Liebesroman „Ellas Schmetterlinge“. Die fantastische Trilogie wird 2019 beendet. Für die Märchenspinnerei hat sie Rapunzel in ein Steampunk-Setting gebracht und arbeitet bereits an einer zweiten Märchenadaption.

Autorenblog: Schreibtrieb
Facebook: Eva-Maria Obermann
Twitter: Variemaa

Anne/Poisonpainter

Es märchensommert wieder …

An diesem märzigen Sonntag bringe ich euch frohe Kunde:

Der Märchensommer geht in die dritte Runde!

Wann, wann, wann!?

Genau in drei Monaten, nämlich vom 3. Juni bis 21. Juli!

Wer, wie was?

Ein genauer Plan wird noch erstellt, aber in groben Zügen wird der Märchensommer ähnlich wie im letzten Jahr ablaufen:

  • Montag: Vorstellung einer oder mehrerer Märchenadaptionen & eine Märchenfrage
  • Dienstag: Wenn sich genügend Leute finden (s.u.!) start der Märchenrallye-Runden
  • Mittwoch: Bilderrätsel
  • Samstag: Weekend Guess, sieben neue Wortspiel-Märchenrätsel!
  • Sonntag: Auch hierfür habe ich schon eine Idee, aber in Tüten und Papier ist sie noch nicht. Bleibt gespannt.
  • In den offenen Tagen gibt es dann Rezensionen, Interviews und auch wieder ein paar Gastbeiträge (s.u.!).

Für einige dieser Bestandteile wird es wieder Punkte für die Gesamtwertung geben, durch die ihr die Preise (s.u.) gewinnen könnt.

Aktuelle Informationen könnt ihr über meine Sozialen Netzwerke und die Gruppe bei Facebook „Märchensommer“ erfahren.

Ich möchte beim Märchensommer mitmachen!!!^11

Gern! Ob als Teilnehmer*in oder als Blogger*in/Autor*in schon im Vorfeld, jeder ist im Märchensommer willkommen!

Es gibt sogar noch ein paar offene Aufgaben zu füllen!

Die Rallye, die fand ich suuuper! Ich will auch, dass sie auf meinem Blog vorbeischaut!

Wenn wir die Märchenrallye wie im letzten Jahr aufteilen wollen (vier Runden á sieben Stationen), brauche ich für die ersten drei Runden noch 20 Blogger*innen, die Lust haben, eine Station zu übernehmen!
Für die letzte Runde suche ich Autor*innen, die diese nutzen können, um ihr Werk aus den Bereichen Märchen, Sage, Legende oder Adaptionen dieser vorzustellen!

Voraussichtliche Termine: 11.6., 18.6., 25.6. Bloggerrunden und am 2.7. die Autorenrunde

Was müsst ihr tun?

Erstmal: Euch bei mir melden, damit ich euch auf die Liste setzen kann. =)

Für den Beitrag:

  • Euch wird eine Frage zu einem Märchen inklusive Antwortmöglichkeiten, Beiträgen zu denen ihr verlinken müsst und die Rallye- und Lösungsbuchstabengrafik bereitgestellt. Diese müsst ihr in einem Blogbeitrag verarbeiten. Wie umfangreich das ist, bleibt euch überlassen. Es gab schon alles von kurz und knapp bis hin zu eigenen Märchenkreationen.
    Hinweis für die Autor*innen: Ihr könnt eure Frage auch explizit zu dem von euch vorgestellten Buch selbst erstellen und bekämt dann nur die Antwortlinks.
  • Euren Beitrag vorplanen und den Link rechtzeitig an mich schicken (Mitte Mai), damit ich ihn an die anderen Stationen weiterleiten kann. (Jede Antwortmöglichkeit führt zu einem anderen Blog.)
  • Am Tag selbst: Schnell reagieren können, falls irgendwo ein Link schief sitzt …

Wer einen bestimmten Termin- oder Märchenwunsch hat, kann diesen gerne bei der Anmeldung nennen.

Ich habe ein Märchenbuch, nimm mich bitte in den Sommer auf!

Von meiner Seite aus wird es wieder Interviews mit Autor*innen zu ihren Märchen(adaptionen) geben. Seid ihr noch nicht von mir über ein potentielle Interview informiert worden, dann könnt ihr euch hier gerne anmelden!

Eventuell kann es sein, dass ich euch an Sarah von Trimagie oder eine andere Bloggerin aus der Planungstruppe verweise.

Auch die Kurzvorstellungen an den Montagen haben noch ein paar Plätzchen frei.

Was auch wunderbar wäre, wenn ihr Goodies oder Preise habt, die wir während des Sommers verlosen können!

Was müsst ihr tun?

  • Euch bei mir melden, damit ich euch auf die Liste setzen kann. =)
  • Mir einen Link zu eurem Blog o.ä. schicken, auf dem Informationen zu eurem Märchenbuch stehen.
  • Wenn ihr Goodies/Preise geben möchtet: Ankündigung bitte bis Mitte Mai, damit ich es entsprechend bewerben kann. Versand reicht zum Ende des Sommers (Juli) hin.

Ich fand die Bilderrätsel so toll, kann ich auch was zeichnen?

Gern. Noch ist nicht ganz raus, wie genau wir es machen wollen, aber wenn ihr ein Märchenbild in der Schublade habt, dass ihr gerne dafür zeigen möchtet, wäre das voll dufte.
Vielleicht habt ihr ja Glück, und es wird zu einer Postkarte, wie die Rätselbilder von Andrea (Trimagie).

Was müsst ihr tun?

  • Euch bei mir melden, damit ich euch auf die Liste setzen kann. =)
  • Mir das Bild im Vorfeld des Sommers (Mitte Mai) zuschicken, damit es an die entsprechende Station geschickt werden kann.

Ich hab sooo viel zu Märchen zu erzählen, ich will auch!!

Uuuh, das höre ich sehr gerne!

Wenn ihr ein Thema habt, dass ihr gerne als Gastbeitrag (erscheint hier auf dem Blog) umsetzten wollt, fänd‘ ich das furchtbar fabelhaft!

Gern könnt ihr aber auch eigene Sachen bei euch auf den Blogs oder Sozialen Netzwerken machen, die ich dann in der Facebook Gruppe verlinke.

Was müsst ihr tun?

  • Euch bei mir melden, damit ich euch auf die Liste setzen kann. =)
  • Gastbeitrag: Mir das Thema vorstellen(, um zu gucken, dass es nicht schon behandelt wurde bzw. wird) und den Beitrag rechtzeitig (Mitte Mai) schicken, damit ich ihn vorplanen kann.
  • Sonderaktion: Mir rechtzeitig Bescheid geben, damit ich entsprechend verlinken kann – und sagen, dass dies eine vom Märchensommer inspirierte Sonderaktion ist. Sprich mich als Obermotz des Märchensommers benennen/verlinken und/oder die Grafik am Anfang dieses Beitrags verwenden.

Ihr habt jetzt ganz viele Plotbunnies für eure Teilnahme am Märchensommer?

Dann schreibt mir eine E-Mail an maerchensommer(at)randompoison.com und sagt mir wie, wo, wann, usw. ihr euch beteiligen möchtet.

Ich bin gespannt, was ihr euch alles so ausgedacht habt!

Anne/PoiSonPaiNter

Türchen #19

Auch heute gibt es wieder eine Szene aus DarkFairys und meinem Projekt

Warlords

Diese Szene stammt ebenfalls aus dem zweiten Band. Etwas später als die erste Szene und mit einem unserer Lieblingscharaktere.

Kurz vorher gibt es auch eine Zeile, die es so vermutlich nicht in die Endfassung schaffen wird, aber uns momentan, also zumindest mich, immer wieder zum Schmunzeln bringt: Wenn die Wellen sanft den Leichnam umspielen …

Sorry …

Kommen wir zum siebzehnten Schnipsel:

„Hey… wenn du weiter so gräbst landest du in meinem Schlafzimmer und da haben kleine Mönche wahrlich nichts verloren!“, ertönte eine Stimme vom Rand des Grabes her. Coelestin musste nicht aufsehen um zu wissen, wer dort saß.
„Was willst du?“, fragte Coelestin gereizt. „Aber, aber wer wird denn gleich so aufbrausend?“, scherzte Luzifer und schob sich seinen Hut etwas aus dem Gesicht. Er stand nun in voller Pracht und Größe direkt vor Coelestin im Grab, mit einem Fuß auf dessen Schaufel gestützt. Gedankenverloren blickte er über ihn hinweg in den Himmel, während der Wind die Feder an seinem Hut umspielte, sich aber sonst weiter kein Haar oder Stoff an seinem Körper bewegte. „Sag, Coelestin, ist das Meer nicht eine wundervolle Schöpfung des Herren?“, fragte er nach einer Pause. „Die Freiheit und die Unendlichkeit, die sich in seinen sanft wogenden Wellen widerspiegelt. Eine wahre Wonne, die man sich bis in alle Ewigkeit ansehen könnte.“ Wissentlich zitierte er den Verstorbenen, ein hämisches Grinsen auf den Lippen.
„Nimm den Fuß da weg. Ich habe zu tun!“, fauchte Coelestin und sah dem Höllenfürsten hasserfüllt ins Gesicht.
„Wut steht dir gut, kleiner Mönch.“, erwiderte dieser nur und nahm Coelestins Kinn zwischen Zeigefinger und Daumen, damit dieser sich seinem Blick nicht entziehen konnte. Sein Grinsen wurde nur noch breiter, als er den Zorn in des jungen Mannes Augen noch besser sehen konnte. Coelestin hätte den Höllenfürsten am liebsten angebrüllt. Ihm ins Gesicht gespuckt und ihm alles vorgeworfen, was bis jetzt passiert war. Mit einem Ruck riss er seinen Kopf aus der Hand des Satans. „Ja ich bin wütend! Auf dich, weil du mich nicht arbeiten lässt!“, sagte er, wohlwissend dass es eigentlich nicht stimmte.
„Coelestin…Coelestin…“, wisperte Luzifer in dessen Ohr. Er stand nun hinter ihm, seine Hände auf Coelestins Schultern und zu ihm hinab gebeugt.
Coelestin riss sich los und wirbelte herum. Er schlug mit seiner freien Hand nach dem Höllenfürsten.
„Aber nicht doch…“, meinte dieser nur als er elegant auswich und wieder auf der anderen Seite auftauchte. „So wirst du mich niemals treffen. Du bist geblendet vom Zorn, mein Freund.“, erklärte er finster und schob sich den Hut mit einer Hand etwas tiefer ins Gesicht um den Ausdruck seiner Augen zu verbergen.

Hinter den Kulissen

Ach, ich mag Luzi, wir beide mögen Luzi … es macht einfach sooo viel Spaß ihn zu schreiben …

Ihn würde ich ganz dreist auch zu den guten Bösewichten zählen … 😀

Heute erschien außerdem mein Gastbeitrag im Nornennetz zum Thema „Märchen als Weihnachtstradition“: Da bleib ich doch lieber bei Märchen!

Anne