Nora Bendzko: Hexensold

Auch heute gibt es im Märchensommer wieder eine Rezension. Diesmal zum vierten Band der Galgenmärchen: Hexensold von Nora Bendzko, einer Adaption von „Rapunzel„.

Worum geht’s?

5 of 5 stars

Elegio lebt abgeschieden in einem Turm mit seinem Vater Lysander. Wie dieser soll er eines Tages zum Assasino werden, doch sein gutes Herz macht es ihm nicht leicht. Erst als er mit Hilfe einer magischen Perücke zu Rapunzel wird, gelingt es ihm in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.

Doch als sich ein dunkler Schatten über das Veltliner Land legt, der nicht nur Marcella mit sich bringt, die Geister sehen kann, sondern auch Hannes und Greta, die ihre Großmutter suchen, gerät sein Leben aus den Fugen.

Mehr und mehr Fragen umschwirren Elegio, deren Antworten nicht leicht zu verdauen sein werden …

Das Leseerlebnis

Da ich in der Releaseparty schon ein paar Hintergrundinfos erfahren habe, auch was Verbindungen zu den anderen Galgenmärchen angeht, war es interessant, dass alles dann selbst nachzulesen.

Wir schon in den vorangeganen Bänden wurden die historischen Ereignisse wunderbar mit der erzählten Geschichte verknüpft. Wobei ich es diesmal noch besser fand, da ich die Hintergründe im Vorfeld kannte. Das ist das Schwierige, wenn man über eine Epoche (30-jähriger Krieg) schreibt, von der zwar viele schon gehört haben, die wenigsten aber genauere Details kennen. Dennoch ist auch hier der etwas andere Blickwinkel auf die Ereignisse faszinierend.

Nora hat einen fesselnden Schteibstil, durch den ich mich gelegentlich zwingen musste aufzuhören, um noch etwas anderes am Tag zu schaffen außer lesen.

Die Charaktere

Die Dualität zwischen Elegio und Rapunzel, aber auch die zwischen Lysander und dessen Assasinen Persona Inferno war interessant dargestellt. Man sah die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten der beiden, ich nenne es mal, Persönlichkeiten. Doch nicht nur das auch die inneren Konflikte von Elegio, Marcella und auch Hannes waren greifbar und nachvollziehbar. Die Interaktion zwischen ihnen wirkte stimmig und der Situation angemessen.

Was an den Charakteren ebenfalls klasse ist, ist deren Diversität und Offenheit mit Sexualität. Elegio der sehr femine und schüchterne Junge, der zur stolzen Assasine wird indem er sich Frauenkleider anlegt. Marcella, die mit ihrer Vorliebe für Frauen hadert und sie doch schon akzeptiert hat. Nebencharaktere, deren Interesse an Männern (leider zu einem Zeitpunkt auch an Jungen, eine sehr schauderige Szene) nicht vertuscht wird. Eine Frau, die sich ihre Liebhaber sucht, wie es ihr gefällt, usw.. Das Ganze gepaart mit Fähigkeiten (Wettermanipulation, Geistersicht, Erinnerungswahrnehmung) bietet eine interessante Mischung.

Generelle Meinung

Hexensold ist eine weiteres gelungenes Galgenmärchen. Die Mischung aus interessanten Charakteren, märchenhaften Elementen und historischen Ereignissen ist faszinierend zu verfolgen. Dabei geht es in ähnliche Tiefen wie schon in Kindsräuber, dessen Geschichte es ja auch in gewisser Weise durch Marcella weitererzählt. Ab diesem Punkt sollte man vermutlich die vorhergehenden Bände gelesen haben, um die Andeutungen vollends zu verstehen, für die Handlung ist es jedoch nicht notwendig.

Neben den oben genannten Themen spielen vor allem Tod, Magie und irgendwie auch der Umgang mit den eigenen Sünden eine wichtige Rolle, dennoch wirkt es zu keiner Zeit überladen und jeder Handlungsstrang kommt zu einem angemessenen Ende.

Dinge, die ich hinzufügen möchte

Dieses Buch wird mir noch eine Weile aus anderem Grund in Erinnerung bleiben, denn während Nora in Wien bei der live Releaseparty las, unterstützte ich sie als Moderatorin bei der online-Releaseparty. Ein anstrengender, aber auch interessanter Abend. 🙂

Der nächste Band könnte zu Hänsel und Gretel werden, zumindest hat Nora in diese Richtung geteasert.

Bald gibt es auch ein aktualisiertes Interview mit Nora.

Bleibt gespannt!

Anne/PoiSonPaiNter

© Für das Cover gehören den rechtmäßigen Besitzern.

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