Türchen #1

Und schon geht es los … Eröffnen möchte ich den Kalender mit einem Schnipsel aus

Der Wunsch der Königin

Die Geschichte ist  – wie ich an mehreren Stellen schon erzählt habe – aus einer Idee während eines Orgelkonzertes entstanden und sehr schnell von einer Kurzgeschichte auf Novellenlänge angewachsen (aktueller Stand: ~55k Wörter) und noch immer hat sie Lücken, die es zu füllen gilt. Leider wartet die Königin schon eine Weile auf meinem Stapel. Ein paar Überarbeitungen und Ergänzungen habe ich auf dem vorletzten Rockharz gemacht,  auf dem letzten dagegen kam ich kaum dazu. Irgendwann schreib ich es aber noch zu Ende.

Während des Adventskalenders werdet ihr vier Schnipsel bekommen. Diesen hier habe ich auf der LBM18  vorgelesen. Auch wenn die Story etwa in der Mitte der Handlung beginnt, finde ich, ist es ein guter Start. Vielleicht bekomme ich auch irgendwann mal hin, das Video so zu überarbeiten, dass man den Ton halbwegs vernünftig versteht …

Aber nun zum ersten Schnipsel:

Szene:  Königin Ahnya und ihr Gemahl Gunther befinden sich auf dem Weg zu ihrer Tante, die ihr schwächeres Reich an die jüngere Königin abtreten soll. Auf ihrer Reise wird die zweispännige, magisch geschützte, Kutsche von einer Reihe Wachen, Ahnyas Vertrauter, Beraterin und Freundin Mahri, dem Hofzauberer Emry, sowie dessen ehemaligen Mitschülern Andres und Marrtin, begleitet. Sie alle dienen der Königin, um sie vor Angriffen der verfeindeten und machtgierigen Tante zu schützen.

„Achtung!“, rief eine der Wachen und deutete auf einen großen, schwarzen Schatten, der sich zwischen den Wolken immer weiter auf sie zubewegte.
„Ein riesiger Adler!“
„Mit vier Beinen?!“, fragte ein Weiterer laut, als das Wesen ein Stück dichter gekommen war.
Sogleich ging ein Ruck durch die Reihe der Wachen und der Zug kam zum Stehen. Rings um die Kutsche spannten die Schützen ihre Bögen und einige Krieger zogen ihre Schwerter. Emry überlegte für einen Augenblick, ob er vom Pferd absteigen sollte, entschied sich aber dagegen. So gut es ging, suchte er einen festeren Sitz, sodass sein Pferd nicht bei jeder Bewegung gleich lostraben würde. Wieso hatte er nur zugestimmt zu reiten? Neben ihm stiegen das Königspaar und Mahri aus der Kutsche. Unruhig sahen sie sich um, bis ihr Blick auf dem potentiellen Angreifer ruhen blieb.

Als das Wesen dicht genug herangekommen war und angriffslustig aufschrie, gab Ahnya den Befehl zum Angriff. Pfeile schossen durch die Luft, doch das Wesen wich ihnen gekonnt aus. Die wenigen, die es erreichten, prallten einfach ab. Immer tiefer stürzte es hinab, immer dichter kam es den Pferden. Gerade noch rechtzeitig baute Emry einen magischen Schild über ihnen auf. Das Wesen stieß dagegen, schwebte einen Moment unschlüssig in der Luft und stieg erneut hinauf.
„Ein-ein Greif!“, entfuhr es Kurth ungläubig, der in seiner Kindheit Geschichten über diese Wesen gehört hatte. „Keine Waffe kann ihm etwas anhaben!“
Besorgt blickte Ahnya zu Emry hinauf. „Gibt es einen Zauber mit dem ihr die Pfeile verstärken könnt?“
Emry durchsuchte sein Gedächtnis nach einer Antwort, er hatte für die Reise so viel über Schutzzauber gelesen, dass er sich nicht mehr an Waffenzauber erinnern konnte. Doch bevor er die Möglichkeit hatte, weiter darüber nachzudenken, erschienen zwei weitere Greife am Himmel. Während der erste Greif noch in einiger Ferne schwebte, stürzten die anderen beiden mit ausgefahrenen Krallen in die Tiefe. Nun hoben alle drei Zauberer den Schild und die Bestien prallten daran ab. Einer versuchte, die unsichtbare Barriere zu zerkratzen, gab jedoch auf, als er sie nicht durchbrechen konnte. Gerade als sie den Schild wieder senken wollten, griff der erste Greif erneut an.

„Sie versuchen, euch auszulaugen“, bemerkte Gunther, als sich dieses Schauspiel noch mehrere Male wiederholte.
„Ja, und wenn uns nicht bald etwas einfällt, schaffen sie es auch …“, bestätigte Emry.
Mittlerweile hatten die Greife ihre Taktik geändert: Sie rammten mit voller Wucht ihre Schulter gegen den Schutzzauber. Jeder Stoß ließ Emry auf dem Pferd wanken, Andres und Marrtin auf dem Boden erging es nicht besser.
„Emry!“, rief Andres zu ihm hinauf. Seine ausgestreckten Hände zitterten und Schweißperlen rannen über seine Stirn. „Greife haben einen magischen Schild über der Haut“, erklärte er zwischen zwei Angriffen, „Wenn wir den durchbrechen, könnten wir sie verwunden.“
Ein Lächeln breitete sich auf Emrys Gesicht aus. „Dann weiß ich, was wir tun können.“ Doch bevor er weiterreden konnte, wurde er nach hinten gestoßen und trat dem Pferd dabei in die Seite. Es stieg hoch und warf ihn beinahe ab. Unfähig den Schild zu senken und die Zügel zu ziehen, presste Emry seine Unterschenkel gegen den Bauch des Pferdes, um nicht aus dem Sattel geschleudert zu werden und versuchte, mit dem Körper Gleichgewicht zu halten, sah sich allerdings schon stürzen. Beherzt griff Gunther nach den Zügeln und verhinderte somit Schlimmeres.
„Danke.“ Emry nickte dem König knapp zu und sah dann zur Königin: „Ich kann nicht gleichzeitig den Zauber halten und alle Pfeile verzaubern.“

Ahnya sah sich um. Die Schützen in ihrer Nähe hatten ihre Sehnen gelockert, waren aber schussbereit. Die reitenden Krieger und Fußsoldaten standen unnütz und mit gezogenen Waffen zwischen ihnen. Ihr Blick fiel auf Kurth, der hinter einem Wagenrad kauerte.
„Kurth! Köcher und Bogen!“, befahl sie dem jungen Knappen, der sogleich losspurtete, um die Gegenstände von einem der Transportpferde zu holen. Stolpernd kam der Knappe vor der Königin zum Stehen, als er sie ihr brachte. Ahnya nahm den Köcher und hielt ihn Emry entgegen. Dieser wartete bis der einzelne Greif wieder an der Reihe war und überließ den Schild den anderen beiden Zauberern. Mit der Hand über dem gefüllten Köcher schloss er die Augen und legte seine Magie um die Spitzen, die in ein leichtes Glühen gehüllt wurden. Als er fertig war, nickte er Ahnya zu und konzentrierte sich wieder auf den Schild. Diese nahm Kurth den Bogen ab und reichte ihm den Köcher. Einen Pfeil nahm sie heraus und befahl ihm knapp: „Verteil sie.“
Während der Knappe durch die Reihen der Bogenschützen flitzte, kletterte sie auf den Kutschbock. Ein Glück, bin ich noch nicht so dick, schoss ihr für einen Moment der Gedanke an ihren durch Emrys Illusion verdeckten Bauch in den Kopf.
Ehrfürchtig rutschte der Kutscher beiseite, nachdem er ihr aufgeholfen hatte. Wie sie es gelernt hatte, suchte sie sich einen festen Stand auf der schmalen Kutschbank.
„Bogenschützen, Aufstellung! Alle auf einen!“, befahl sie und spannte ihren eigenen Bogen. Ihre ganze Konzentration war auf den Greif gerichtet, der direkt auf sie zustürzte.
„Emry, auf meinen Befehl – Schild runter!“, rief sie.
Ihr Herz schlug wie wild in ihrer Brust. Die Männer schwiegen, die Pferde scharrten angespannt mit den Hufen, doch die mächtigen Flügelschläge des Greifens übertönten alles andere. Wenn der Zauber versagte …, nein, Emrys Zauber würde nicht versagen. Der Greif kam dichter, aber noch immer nicht in die Reichweite ihrer Bögen.
Dann endlich.
„Feuer!“
Der Greif setzte an, um den Schild zu attackieren, doch bevor er ihn treffen konnte, löste dieser sich unter seinen Klauen auf und elf Pfeile schossen auf ihn zu …

Hinter den Kulissen

Drei weitere Schnipsel aus diesem Roman werdet ihr noch zu sehen bekommen.
Seid gespannt. 🙂

Anne

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