Auch heute nochmal ein kleiner Ausschnitt aus
The Unnamed One
Nach dem ersten Schreibversuch an Michaels Geschichte in 2004, habe ich es 2008 noch einmal aus einem anderen Blickwinkel versucht.
Dieser Teil spielt mehr als 100 Jahre nach dem ersten Schnipsel und ist tatsĂ€chlich in der Ich-Perspektive geschrieben gewesen. Da ich diesen Unterschied interessant fand, habe ich mich dafĂŒr entschieden, die Perspektive fĂŒr den Schnipsel nicht anzupassen.
Die Handlung wird es so Ă€hnlich in die richtige Fassung schaffen, aber erstmal muss ich mich fĂŒr einen ErzĂ€hlstil entscheiden.
Aber nun zum neunten Schnipsel:
Wo bin ich? Was ist passiert? Warum ist meine Atmung so schwer? Mein Herz rast, meine HÀnde zittern, mein gesamter Körper bebt.
âWas ist hier los?â, höre ich jemanden Fragen.
Die Stimme klingt als wĂ€re sie weit weg. Auch die anderen GerĂ€usche um mich herum sind wie gedĂ€mpft. Jemand packt mich am Arm und schĂŒttelt mich.
âJosh! Josh! JOSH KOMM ZU DIR! Das ist nicht witzig!â
Eine andere Stimme, diese kommt mir aber bekannt vor.
âJosh! Was ist passiert?!â
Mimm. Meine kleine Schwester. Die von diesem Arschloch beleidigt wurde. Wieder spĂŒre ich die Wut in mir aufsteigen. Wo ist der Mistkerl hin? Und warum stehen hier so viele Menschen? Sie stehen in einem Kreis. Um was? Mich. Ich stehe in diesem Kreis. Auf meiner linken Seite kniet Bernie, er hĂ€lt sich den Bauch. Hat er Schmerzen? Mimm zerrt immer noch an meinem rechten Arm.
Was ist hier los?
Und warum nehme ich alles wie durch einen Schleier wahr? Wieso hocken die da alle auf dem Boden und zerren an etwas herum? Da liegen Beine. Die zerren an einem Menschen. Ist das? Ja das ist Jerry! Oh mein Gott, was ist passiert?
âER ATMET NICH MEHR! ER IST TOT! DER FREAK HAT IHN UMGEBRACHT!â
Der Kerl, der das gerade geschrien hat, zeigt auf mich. Ich ihn getötet? Aber ich habe doch gar nichts getan?
ER IST TOT!
Das war ich nicht! Doch ich bin nicht in der Lage zu sprechen.
ER IST TOT!
Das muss ein Traum sein. Ein Alptraum.
ER IST TOT!
Das ist nicht meine Schuld. Meine Beine fĂŒhlen sich an wie Pudding. Sie knicken ein. Jetzt knie ich auf dem Boden und starre Jerrys Leiche an. Der Schleier ist immer noch da. Ich kann nur noch vor mich hinstarren. Ich begreife immer noch nicht was hier vor sich geht. Mimm umarmt mich und ich spĂŒre TrĂ€nen, die mir ĂŒber die Wangen laufen. Aber all das nehme ich nur halb wahr. Es ist alles so unwirklich. Ich will endlich aufwachen aus diesem Alptraum. Jemand streicht mir ĂŒber den RĂŒcken. Meine Atmung ist noch immer stockend. Mein Oberkörper kippt nach vorne und meine HĂ€nde krallen sich ins Gras. Einer der Halme sorgt fĂŒr einen stechenden Schmerz in meiner HandflĂ€che. Wie in Zeitlupe hebe ich sie vor mein Gesicht, dabei fĂ€llt ein Teil der Erde und des Grases aus ihr heraus, dass ich zuvor herausgerissen hatte. Zwischen all dem Dreck erblicke ich feine weiĂe Linien mit roten Umrissen. Mimm fast meine Hand.
âJosh du blutest!â.
Blut? Mein Blut? Sie wischt mit einem Taschentuch ĂŒber die Wunden, die ich einfach nur anstarre.
Hinter den Kulissen
Was meint ihr? Kann man eine Geschichte nicht nur aus verschiedenen Blickwinkeln, sondern auch mit unterschiedlichen ErzĂ€hlperspektiven schreiben? Die Sprechweise von Josh gefĂ€llt mir immer noch gut fĂŒr den Charakter, aber ein Er-ErzĂ€hler wĂŒrde wahrscheinlich seriöser wirken …
Ăbrigens ist Josh der Sohn von Michael. Falls ich das noch nicht erwĂ€hnt haben sollte. đ
Anne
