Heute gibt es einen weiteren Schnipsel aus
Der Wunsch der Königin
Mit diesem Ausschnitt gehen wir zurĂŒck an den Anfang und werfen einen Blick auf die Kindheit eines Charakters. Leider hat keiner der Protagonisten eine wirklich glĂŒckliche Kindheit, so ist auch dieser Schnipsel recht fies …
Wie ihr im ersten Schnipsel lesen konntet, gibt es in der Welt der Königin Magie. Diese manifestiert sich im Kindesalter und kann nur vererbt, nicht erlernt, werden. Jede Art der Magie ist in ihrem Kern an eines der vier Elemente geknĂŒpft. Es gibt unterschiedliche Kombination in welchen Formen man sie nutzen kann. Obwohl Magie erlaubt ist, wird sie nicht gerne gesehen und es gibt gewisse Regeln und Gesetze, denen sich das magische Volk beugen muss.
Ein solches Gesetz ist die Brandmarkung zur direkten Erkennbarkeit der FĂ€higkeiten, die auch vor Kindern keinen Halt macht …
Aber nun zum sechsten Schnipsel:
Der Junge schwankte stark unter der Last der vollen Wassereimer, die er an einem Stock ĂŒber seinen schmalen Schultern trug. Immer wieder schwappte ein bisschen Wasser auf den trockenen Marktplatz oder gesellte sich zu den SchweiĂtropfen, die seine Kleidung durchnĂ€ssten. Er konzentrierte sich auf jeden Schritt, denn sein Herr wĂŒrde böse mit ihm sein, wenn er das Wasser verschĂŒttete. Dennoch fand sein FuĂ ein Loch und knickte um. Mit lautem Klappern fiel die Konstruktion ĂŒber ihm zusammen. Die Eimer rollten ĂŒber den Boden, wĂ€hrend das Wasser darin versickerte.
âDu Taugenichts! Bist du ĂŒberhaupt fĂŒr irgendetwas gut?!â, hörte er bereits seinen Herrn schreien, der beim LĂ€rm aus dem Fenster gesehen hatte.
Mit schnellen Schritten kam dieser auf ihn zu und der Junge versuchte sich aufzurichten, doch er konnte seinen FuĂ nicht aufsetzen. Er kroch von seinem Herrn weg, doch dieser hatte ihn bald eingeholt, den GĂŒrtel gezĂŒckt und hieb bereits auf ihn ein, noch bevor er weit gekommen war.
âIch mach es wieder gut! Ich mach es wieder gut!â, heulte der Junge bei jedem Schlag, versuchte sich so klein wie möglich zu machen.
âSeht!â, rief eine erschrockene Frau und deutete auf die Eimer.
Der Mann sah auf und der Junge krĂŒmmte sich auf dem Boden zusammen, die Arme schĂŒtzend um seinen Kopf geschlungen. Hinter ihm hatten sich die Eimer wieder aufgestellt. In kleinen Strömen floss das Wasser aus dem Boden in sie zurĂŒck.
âDas Balg ist ein Zauberer!â, entfuhr es einem anderen.
âSchnappt ihn!â, schrie ein weiterer.
Sein Herr lieĂ den GĂŒrtel fallen und packte den schmĂ€chtigen Jungen an Schulter und Arm, ein weiterer Mann nahm seine andere Seite. Zusammen zehrten sie ihn in Richtung der Schmiede, der bereits ein Brandeisen in die Esse hielt.
âHerr! Herr! Ich habâ es wieder gut gemacht! Ich habâ es wieder gut gemacht!â, flehte der Junge und versuchte sich gegen die MĂ€nner zu wehren, aber sie waren stĂ€rker als er.
Hinter den Kulissen
UrsprĂŒnglich stammt die Königin ja aus einer Sammlung von Ideen, die ich zu einem „Zwergenzyklus“, einer Aneinanderreihung von lose zusammenhĂ€ngenden Geschichten ĂŒber ein Zwergenvolk, zusammenfĂŒhren wollte. Diese Ideen hatte ich dem Projekt Myra angeboten und wir hatten auch schon mal geschaut, in welche Reiche sie passen.
Je mehr ich allerdings an der Königin arbeitete, umso mehr stellte sich heraus, dass die Charaktere irgendwie so gar nicht zwergisch sind … und ich bin mir auch immer noch unsicher, ob sie wirklich auf die Insel Aurinia passen … wir werden sehen …
Anne
