Wie man eine Heldenwelt erstellt …

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Nicht nur als Leser*in sind Superheld*innen interessant, auch als Autor*in kann man ihnen spannende Dinge erschaffen. Zum Beispiel, dass wovon Ann-Kathrin Karschnik heute berichtet.

Werkstattbericht zu „Aurora“

Hallo ihr Lieben,
mein Name ist Ann-Kathrin Karschnick und ich bin die Organisatorin der Superhelden-Reihe „Aurora“. Im Folgenden möchte ich euch einmal berichten, wie es eigentlich dazu kam, dass wir eine Reihe voller Superheldinnen geschrieben haben.

1. Wieso kommt man auf die verrückte Idee, eine Reihe mit Superheldinnen zu schreiben?

Tja, das ist auf zwei Grundideen begründet. Ich wollte wahnsinnig gerne etwas machen, das in die aktuelle Superheldenhysterie passt und hatte da schon die perfekte Heldin. Aber ich wollte es anders aufziehen als die üblichen Origin-Stories der Helden. Dazu kam Anja Bagus mit der Idee, man könnte ja gemeinsam ein Projekt mit mehreren Autoren machen.
So telefonierten Anja und ich eine längere Zeit und es wurde die Idee geboren, eine Reihe von Superheldinnen zu entwerfen. Explizit mit dem Anspruch, dem Fachkräftemangel am Superheldinnenmarkt entgegenzuwirken. 😉

2. Die Autorinnen suchen

Zunächst haben wir uns überlegt, wie viele wir wollten. Wir einigten uns auf 5-8 Autorinnen, die wir fragen wollten. Und ja, wir suchten explizit nach Autorinnen. Klar können auch Männer sehr gute weibliche Charaktere erschaffen, aber – passend zur derzeitigen Diskussion, ob in der Phantastik mal wieder mehr Frauen Chancen in Großverlagen bekommen sollten – wir wollten damals schon ein reines Frauenteam haben. Einfach, weil wir es konnten. 😉
Wir fragten 8 Autorinnen, weil wir dachten, die würde das Thema interessieren. Und alle 8 sagten zu. Dazu gehörten Anja Bagus, Caroline Brinkmann, Cathrin Kühl, Sandra Florean, Sandra Baumgärtner, Stephanie Linnhe, Melanie Vogltanz und meine Wenigkeit.

3. Wie fangen wir überhaupt an?

Nun, die Grundidee war einfach. Alle sollten dieselbe Origin-Story haben, aber die Kräfte erst im ersten Band finden/entwickeln. Also begannen wir, indem wir erst einmal unsere Charaktere entwickelten und absprachen.
Für die Absprachen benutzten wir Trello, eine Online-Projektmanagement-Software, bei der mehrere auf dasselbe Board zugreifen können. Da wir über ganz Deutschland/Österreich verstreut waren, war das notwendig. So konnten wir Überschneidungen oder Ähnlichkeiten der Charaktere gleich erkennen und ausmerzen.
Dann ging es um die Weltenerschaffung. Was genau wollten wir haben? Unsere Welt? Eine alternative Realität? Wir entschieden uns, eine Art Superhelden-Punk in Deutschland zu gestalten. Also alternative Städte, die aber eindeutig einer uns bekannten Großstadt zuzuordnen waren, wenn man genau darauf achtete. Es war alles etwas technologischer und etwas dreckiger in den großen Städten. Der Ruhrpott wurde z.B. zu Mega-City.
Wie es so üblich ist, sind Superhelden-Storys nicht besonders lang. Also beschlossen wir, pro Charakter 3 Novellen zu schreiben. Das sind zwischen 100-150 Seiten pro Novelle. Insgesamt hatten wir also den Plan 24 Novellen aus demselben Universum herauszubringen.

4. Wie klappte das mit dem Schreiben?

Das Schreiben selbst war kein Problem. Wir hatten ja im Vorweg schon alle Parameter geklärt. Somit mussten wir nur noch eine Reihenfolge der Veröffentlichungen festlegen. Wir wollten alle 2 Wochen eine Episode herausbringen und das bedeutete viel Planung für den Verlag und die Autorinnen. Dazu haben wir versucht, zu so vielen Heldinnen wie möglich kleine Trailer zu drehen. Wer Lust hat, kann sich die unter Papierverzierer Aurora auf Youtube gerne mal anschauen.
Tatsächlich kamen alle 2 Wochen die neuen Novellen heraus und erfreuten das Leserherz. Jeder konnte selbst aussuchen, welcher Heldin er folgte, denn die Bücher waren unabhängig voneinander zu lesen. Zwar gab es ab und an Cameo-Auftritte der anderen Heldinnen, aber nichts, was wie bei den Avengers laufen würde.

5. Fazit

Die Welt und die Charaktere haben mir persönlich unglaublich viel Spaß gemacht. Auch die Zusammenarbeit mit den Autorinnen klappte einwandfrei und würde ich jederzeit wiederholen. Erstaunlich war auch, dass die Leser von den Figuren begeistert waren. Nicht alle waren superstarke Charaktere, sondern wir hatten auch eine leicht übergewichtige, bibliophile Menschenphobikerin dabei, die aber eine unglaubliche Entwicklung mitgemacht hat. Oder eine junge Frau, die glaubte, verrückt zu sein, weil sie mit toten Menschen sprechen konnte. Die Charaktere waren alle keine Mary Sues, wie es so schön heißt. Meine z.B. hatte eine dezent verschwimmende Grenze für Recht und Unrecht. Vertrauen würde ich ihr nicht. 😉
Superhelden zu erschaffen ist also gar nicht so schwer, wenn man bedenkt, dass sie allesamt nur Menschen sind, die eine Hintergrundgeschichte haben. Und wenn man es genau nimmt wurden in Aurora ganz einfache Mädchen/Frauen zu Heldinnen. Nicht durch ihre Kräfte, sondern durch die Art, wie sie mit der Situation umgingen.
Denn eine Frage sollte sich jeder von euch einmal stellen:
Was wäre, wenn du eines Morgens aufwachst und eine Superkraft hast? Wie würdest du sie einsetzen? Superheld oder Superschurke?

Mehr zu Aurora findet ihr auch auf der Verlagshomepage vom Papierverzierer Verlag: Aurora.

Die Autorin

Ann-Kathrin Karschnick lebt im schönen Schleswig-Holstein mit ihrer Familie. Wenn sie nicht gerade in ihren Büchern steckt und einen neuen Roman schreibt, organisiert sie die Heimspiele der American Football Mannschaft ihres Mannes. Oder sie schaut Doctor Who in Dauerschleife. Mit dem Auftakt der Phoenix-Trilogie „Tochter der Asche“ hat sie den Deutschen Phantastik Preis gewonnen. Wer auf einer Messe oder Convention eine Frau im grünen Kleid sieht und laut nach Kuddel ruft, hat gute Chancen, sie zu treffen.

Blog: Ann-Kathrin Karschnick
Twitter: @akkarschnick
Facebook: Ann-Kathrin Karschnick – Violet Thomas

Anne
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Lies auf Deutsch
Not only as a reader are superhero*ines interesting, also as an author*ess you can create exciting things for them. For example, what Ann-Kathrin Karschnik talks about today.

Workshop report on „Aurora“

Hello dears,
my name is Ann-Kathrin Karschnick and I am the organizer of the superhero series „Aurora“. In the following I would like to tell you how we actually came to write a series about Superheroines.

1. How does one come up with the crazy idea of writing a series about superheroines?

Well, that’s based on two basic ideas. I wanted to do something that fits into the current superhero hysteria and I already had the perfect heroine. But I wanted to do it differently from the usual origin stories of heroes. Additionally, Anja Bagus came up with the idea that one could do a project together with several authors.
So Anja and I phoned for a long time and the idea was born to design a series of superheroines. Explicitly with the claim to counteract the shortage of skilled workers in the superheroine market. 😉

2. Looking for authoresses

First we thought about how many we wanted. We agreed on 5-8 authoresses we wanted to ask. And yes, we were explicitly looking for female authors. Of course men can also create very good female characters, but – in keeping with the current discussion as to whether more women should once again get a chance in large publishing houses in fantasy – we wanted to have a pure women’s team back then. Simply because we could. 😉
We asked eight authoresses because we thought they would be interested in the topic. And all eight agreed. These included Anja Bagus, Caroline Brinkmann, Cathrin Kühl, Sandra Florean, Sandra Baumgärtner, Stephanie Linnhe, Melanie Vogltanz and myself.

3. How do we even start?

Well, the basic idea was simple. All should have the same Origin story, but find/develop their powers only in the first volume. So we started by first developing and agreeing on our characters.
For the arrangements we used Trello, an online project management software where several people can access the same board. Since we were scattered all over Germany/Austria, this was necessary. So we could immediately recognize and eliminate overlaps or similarities of the characters.
Then it was about creating the world. What exactly did we want? Our world? An alternative reality? We decided to create a kind of superhero punk in Germany. So alternative cities, which could be clearly assigned to a city known to us, if one pays close attention to it. It was all a bit more technological and a bit dirtier in the big cities. The Ruhrpott, for example, became Mega-City.
As usual, superhero stories aren’t that long. So we decided to write 3 novels per character. That is between 100-150 pages per novella. So all in all we had the plan to publish 24 novels in the same universe.

4. How’d the writing go?

The writing itself wasn’t a problem. We had already clarified all the parameters in advance. So all we had to do was determine the order of the publications. We wanted to release an episode every two weeks and that meant a lot of planning for the publisher and the authors. We tried to shoot small trailers for as many heroines as possible. If you like, you can have a look at Papierverzierer Aurora on YouTube.
In fact, the new novellas came out every 2 weeks and delighted the reader’s heart. Everyone could choose which heroine to follow, because the books could be read independently. Although there were occasional cameo appearances of the other heroines, but nothing that would be like the Avengers.

5 Conclusion

I personally had an incredible amount of fun with the world and the characters. The collaboration with the authoresses also worked perfectly and I would do it again any time. It was also astonishing that the readers were enthusiastic about the characters. Not all of them were super strong characters, but we also had a slightly overweight, bibliophilic, people phobic woman, but she went through an incredible development. Or a young woman who thought she was crazy for talking to dead people. The characters weren’t Mary Sues, as they say. Mine, for example, had a subtly blurring line for right and wrong. I wouldn’t trust her. 😉
Creating superheroes isn’t that hard, considering they’re all just people with a background story. And if you take it strictly, very simple girls/women became heroines in Aurora. Not through their powers, but through the way they dealt with the situation.
After all, one question each of you should ask yourselves at some point:
What if one morning you wake up with a superpower? How would you use them? Superhero or supervillain?

The Authoress

Ann-Kathrin Karschnick lives in the beautiful Schleswig-Holstein with her family. When she’s not writing a new novel, she organizes the home games of her husband’s American Football team. Or she watches Doctor Who in perpetual loop. With the first part of the Phoenix trilogy „Tochter der Asche“ („Daughter of the Ashes“) she won the German Fantasy Prize. Anyone who sees a woman in a green dress at a book fair or convention and calls out loud for Kuddel has a good chance of meeting her.

Blog: Ann-Kathrin Karschnik
Twitter: @akkarschnick
Facebook: Ann-Kathrin Karschnik – Violet Thomas

Anne

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