What’cha Watchnig Wednesday: Elfen/Nisser

Seit langem mal wieder ein What’cha Watching Wednesday, auch wenn mindestens zwei Entwürfe dazu noch rumliegen, aber die Gedanken zur Netflix Serie Elfen/Nisser müssen einfach raus … hoffe sie sind halbwegs verständlich …

Ein Paint Bild eines Fernsehers dem Titel "What'cha Watching Wednesday" auf dem Bildschirm

Was ist der WWW?

Gelegentlich veröffentliche ich mittwochs einen Beitrag zu (Folgen einer) Serie/n und/oder Filmen, die ich kürzlich gesehen habe.

In den meisten Fällen ist es eine Sammlung von Gedanken über die unterschiedlichen Medien hinweg.

Ihr seid gewarnt: Es wird Spoiler geben.

Worum geht es?

Wie viele Weihnachtsgeschichten reist Josefines Familie für die Feier in einen Ort, der von der Außenwelt abgeschieden ist, um dort gepaart mit geschwisterlichem Krach fernab von Technologie eine heile Welt zu erschaffen. Kaum haben sie die Fähre verlassen, wird allerdings klar, dass die Einwohner:innen nicht viel von den Neuankömmlingen halten. Vor allem nicht, als diese sich der Anweisung den Küstenweg zu ihrer Unterkunft zu nehmen verweigern (der ersten von vielen, die sie ignorieren) und stattdessen quer durchs Land fahren. Und damit beginnt der Anfang vom Ende.

Denn auf der Inselstrecke finden sie nicht nur einen hohen Zaun der ein Waldgebiet abriegelt, sondern fahren auch etwas an. Direkt gehen die Eltern in unsinnige Erklärungen über, dass da nichts war, doch Josefine ist nicht überzeugt. Sie schleicht sich mitten in der Nacht hinaus, um das Tier zu finden, dass ihre Eltern offensichtlich verletzt haben. Finden tut sie einen verwundeten Baby-Nisse und nimmt ihn mit.

Was konträr ist zu dem, was die Inselbewohner:innen mit den Wesen machen: Nämlich sie im abgesperrten Teil des Waldes einsperren und mit Kühen besänftigen. Der Verlust des Babies sorgt allerdings dafür, dass auch der Lieferant zum Snack wird.

Kleiner Einschub: Was sind Nisser?

Nisse, plural Nisser sind Wesen der dänischen und norwegischen Folklore, in Finnland und Schweden Tomte genannt. In erster Linie sind sie gute Wichtel oder Kobolde, die ein Haus schützen. Zumindest solange die Bewohner:innen sie gut behandeln, wenn nicht, dann spielen sie Streiche und verlassen den Hof.
Der bekannteste Nisse ist vermutlich der Wichtel aus Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen

Während Josefine sich mit dem Nisse anfreundet, bandelt ihr Bruder mit der Enkeltochter der Inselältesten an. Was zunächst wie eine schlechte Teenie-Romanze wirkt, ist bald der rettende Anker für die Städter, denn der Inselrat entscheidet: Die Fremden müssen von der Insel runter und das Baby zurück hinter die Absperrung.
Was sich jedoch als schwieriger herausstellt als gedacht, da Josefine in passender „störrischer Jugendliche:r“-Manier lauscht und flieht, um das arme Baby vor einem Leben in Gefangenschaft zu retten. Ungeachtet dessen, dass der Zaun ihrem eigenen Schutz dient.

Als die Stromverbindung des Zauns gekappt wird, nutzen die Erwachsenen Nisser ihre Chance. Sie brechen aus der Gefangenschaft aus und töten Inselbewohner:innen (inklusive des anscheinend einzigen Schwarzen).
Endlich gibt es eine schwammige Erklärung, dass durch die Abholzung die Nisser erst aggressiv wurden und einen minimalen Einblick in die Naturverbundenheit der Inselbewohner:innen durch deren Rituale und Gesänge. Warum allerdings die einzige Besänftigungstaktik das Opfern von Kühen – und Menschen – ist, wird nicht erklärt.

Schlag auf Schlag endet das 6-folgige Spektakel mit einem Sinneswandel aus dem Nichts, einem unfreiwilligen Menschenopfer, einer flinken Zaunreparatur und der Rückkehr aufs Festland, ohne vorher noch einmal in die Unterkunft zurückzukehren, was kurz mit einem Gedanken an die Geschenke moniert wird. Im letzten Moment entscheidet sich auch die Enkeltochter mitzuziehen, um ein neues Leben zu starten. Ohne Plan oder Gepäck.

Guck-Erfahrung

Die Serie ließ sich schnell durchgucken, das Dänisch ist zwar ungewohnt, aber mit Untertiteln einfach zu verstehen. Die Dialoge sind leider sehr frustrierend und platt. Wie ihr an der Beschreibung des Inhalts sehen könnt, konnte ich die Serie aufgrund des „Wie man Nisser extrem pissig macht, trotz gegensätzlicher Warnungen“ (zum Beispiel „einen Weihnachtsbaum fällen und ihn aufstellen“ … ratet mal, wer das natürlich getan hat …) irgendwann nicht mehr ernst nehmen.
Denn es wird schnell deutlich, dass die Konsequenzen nur die Inselbewohner:innen tragen, während die Städter mit ein paar blauen Flecken davongekommen.
Ebenso verfallen einige der Insel-Traditionen in die üblichen Motive von Kultdarstellungen. Gepaart mit der Pseudo-Verschwiegenheit, wirkt es wie ein Versuch nach dem Bruch mit diversen Tropes, der aber nicht gelingt.

Da ich allerdings hoffte, dass die Prämisse der aggressiven Schutzwesen noch in eine komplett andere Richtung gehen könnte habe ich bis zu Ende geschaut. Allerdings blieb der Fokus auf dem HowTo, was echt Schade war. Irgendwann kam ich aus dem Augenrollen nicht mehr heraus, so offensichtlich war die Sturheit der Protagonistin. Und das lag nicht zwingend am dargestellten Alter, diese Fehleinschätzungen hätte auch ein erwachsener Mensch mit gleicher Charakterisierung machen können. Ob es dadurch auf „jung und unschuldig“ ausgelegt war, kann ich nicht beurteilen, denn Josefine ging mir ziemlich schnell, ziemlich auf den Keks.
Das Ende lässt allerdings offen, ob es nochmal eine Fortsetzung geben wird, die sich eventuell mit dem anderen Blickwinkel befasst.

Die Charaktere

Genauso wie die Dialoge sind die Figuren selbst. Mindestens eine Wandlung ist überhaupt nicht nachvollziehbar, während andere einfach nur offensichtlich sind.

Zunächst versuchen die Inselbewohner:innen das Geheimnis um die Nisser nicht preiszugeben und selbst, als die Begegnung imminent ist, drucksen sie herum. Erst die Jugendlichen reden Klartext. Dennoch kommt davon bei Josefine nichts an. Egal wie viele Leichen ihre Rettungsaktion mit sich bringt, sie bleibt der festen Überzeugung das Richtige zu tun.
Auch sonst wirken die Charaktere eher flach und eindimensional auf ihre Kerneigenschaften reduziert (das naive Kind; die besorgte Mutter; die fanatische Anführerin, …)
Wenn es also die Absicht der Schauspieler:innen war diese Züge darzustellen, ist es ihnen gelungen.

Generelle Meinung

Nisser/Elfen wird als Teenie-Horror angepriesen und ist im Grundriss nichts mehr als eine Allegorie auf die Unwissenheit von Leuten, die sich in etablierte Konstrukte einmischen von denen sie keine Ahnung haben. Die Frustration, die die Charaktere vermitteln greift dies wunderbar auf und schwächt gleichzeitig das Sehvergnügen. Für Leute, die sich mal an einer Dänischen Serie – vor allem im Originalton – versuchen wollen oder jenen, die versteckten Horror mögen, mag es ein interessantes Experiment sein. Menschen mit höheren Ansprüchen werden vermutlich kein Vergnügen damit haben.

Dinge, die ich noch hinzufügen möchte

Wo traditionelle Nisser ein menschliches Aussehen haben, sind sie in Elfen/Nisser als abstrakte Kreaturen, die im Alter mit dem Wald in dem sie leben verschmelzen, dargestellt, wenn auch nur schemenhaft und nie genau gezeigt, was wiederum gleichzeitig cool und meh ist. Das Design hätte ich schon gerne mindestens einmal richtig gesehen.
Das Aussehen des Baby-Nisse erinnert an Baby Yoda/Grogu aus The Mandalorian. Ob diese Assoziation beabsichtigt ist oder generell nur auf Niedlichkeit einer tödlichen Kreatur abzielt, ist schwer zu sagen.

Das Intro ist sehr faszinierend. Es besteht nicht aus wahrlosen Motiven, sondern gezielt aus farblich angepassten Szenen der sechs Episoden unterlegt von einer Variation des Carol of the Bells.
Zudem wird generell viel mit Geräuschen gearbeitet. Die Nisser haben eine klackernde/knackende Art zu kommunizieren, der Baby-Nisse schafft es sogar menschliche Sprache nachzuahmen, doch auch dieser Aspekt wird leider nicht weiter aufgegriffen, dabei hätte er für wirklich schöne Gruselmomente sorgen können.


Es kann sein, dass ich mir wieder vermehrt Beiträge wie diesen vornehme. Mal schauen, es hat auf alle Fälle Spaß gemacht mich näher damit auseinanderzusetzen. An anderer Stelle habe ich auch ein paar Episoden-Analysen zu einer anderen Serie gemacht, vielleicht arbeite ich die irgendwann auch mal als Blogbeitrag auf …

Bis dahin …

Auf baldige Märchensommer News …

Anne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.