
Hastig schritt sie voran.
Alle paar Schritte drehte sie sich leicht zur Seite und lauschte auf alles was sich irgendwie in ihrer Umgebung bewegte.
Noch konnte sie die Vögel hören, das war ein gutes Zeichen, denn wenn Sie in der NÀhe waren, schwiegen die Tiere.
Das Gewehr im Anschlag bewegte sie sich immer weite ĂŒber die GrĂŒnflĂ€che. Der Weg war nicht sonderlich geschĂŒtzt â auĂer durch ein paar strategisch platzierte Tretmienen, die sie gekonnt umging -, aber er war der kĂŒrzeste vom Versammlungsort zum Bunker.
Nach einer Weile in der sie sich immer wieder umgesehen und gelauscht hatte, kam das weiĂe GebĂ€ude in Sichtweite.
Von AuĂen sah es unscheinbar und heruntergekommen aus, aber dieser Schein trĂŒgte, denn im Inneren war alles gut ausgestattet und gepflegt.
Bedeckt vom Wald konnte man den Eingang von weiten Ăbersehen oder fĂŒr ein StĂŒck weiĂen Fels halten. Sie konnten ihn nur finden, wenn sie jemand hinfĂŒhrte.
Mit weiten Schritten legte sie das letzte StĂŒck bis zur TĂŒr zurĂŒck.
Der unscheinbare Eingang sah genauso alt aus wie der Rest des GebĂ€udes, aber beides erfĂŒllte seinen Zweck.
Noch einmal blickte sie sich um, dann senkte sie die Waffe und begann eine Abfolge von Klopfsignalen an die Wache hinter der TĂŒr zu geben. Als Abschluss tastete sie mit der linken Hand nach einem Mechanismus, der ein mechanisches Glockenspiel im Inneren auslöste.
Dies war das Signal, dass sich ein Freund vor der TĂŒr befand und nicht verfolgt wurde. WĂ€ren Sie hinter ihr her gewesen, hĂ€tte sie den Knopf zu ihrer Rechten betĂ€tigt, der ein Alarmsignal durch den gesamten Bunker gesendet hĂ€tte.
GlĂŒcklicherweise war dem nicht so und ein Guckloch öffnete sich. Der Wachmann begutachtete sie und die Wiese hinter ihr fĂŒr einen Moment, dann schloss er das Guckloch und entriegelte die TĂŒr.
Mit einem Knarren ging die dicke MetalltĂŒr auf und sie schlĂŒpfte hindurch. Sogleich wurde sie wieder hinter ihr geschlossen.
âAlles gut gelaufen?â, fragte der WĂ€chter sie beilĂ€ufig, nachdem er mit dem letzten Schloss fertig war und drehte sich zu ihr um.
âJa, keine Problemeâ, antwortete sie knapp und mit einem erschöpften LĂ€cheln.
MĂŒhsam wandte sie sich aus den Riemen ihres schweren Rucksacks. Der Wachmann trat zu ihr und hielt das volle GepĂ€ckstĂŒck fest, wĂ€hrend sie aus den letzten SchnĂŒren schlĂŒpfte.
Er musste fest und stabil sitzen, damit sie im Notfall rennen konnte ohne ihn zu verlieren.
Wenn es nur wenige von Ihnen waren, dann war es leicht ihnen zu entkommen.
âLena, hast du alles bekommen?â, begrĂŒĂte sie ein weiterer Mann, der gerade aus den Tiefen des Bunkers gekommen war.
âDiesmal ja, aber es war nicht einfachâ, erwiderte sie.
âSehr schön. Ruhâ dich erst einmal etwas aus, dann erzĂ€hl‘ uns alles. Wir kĂŒmmern uns in der Zwischenzeit um das hierâ, erklĂ€rte der andere ruhig und deutete auf den Rucksack.
âDankeâ, sagte Lena nur und knapp und ĂŒberlieĂ den beiden MĂ€nnern den Rest.
MĂŒde machte sie sich auf den Weg in ihr Zimmer.
Sie hatte nicht gemerkt, wie erschöpft sie war, als da drauĂen jede Sehne ihres Körpers angespannt war, aus Angst Sie wĂŒrden jeden Moment auftauchen.
Es war notwendig diese Besorgungen zu machen, aber furchtbar anstrengend.
Einen Teil ihrer Lebensmittel konnten sie in den TreibhĂ€usern des Bunkers anbauen, aber ihr Platz und ihre Ressourcen waren begrenzt und so hatten sie sich auf wenige Dinge spezialisieren mĂŒssen.
Ebenso hatten es die anderen Zufluchten getan und am Versammlungsort wurde ein Teil des hergestellten getauscht.
FĂŒr diese Aufgabe brauchte man einerseits die Schnellsten, aber andererseits auch die Schlauesten, da man oft und viel verhandeln musste.
Lena machte der Austausch mit den anderen Bunker-Bewohnern SpaĂ und sie feilschte gerne, aber sie wĂŒrde es viel lieber in einer entspannteren Umgebung machen.
Zu gerne hĂ€tte sie auch mit den anderen zusammen Felder drauĂen angepflanzt, aber sie konnten es nicht. Sie wĂŒrden die Bete zerstören und die GĂ€rtner angreifen.
Also musste alles in Bunkern gezĂŒchtet werden.
Am Versammlungsort wurden dann einmal pro Woche die Waren ausgetauscht.
GlĂŒcklicherweise waren Sie zu dumm um diesen Zusammenhang zu erkennen und ihnen aufzulauern, auch wenn es hin und wieder ĂberfĂ€lle gegeben hatte.
Diesmal hatte es keine gegeben, aber dafĂŒr waren die anderen HĂ€ndler störrisch gewesen und wollten horrende Preise fĂŒr ihre Sachen haben.
Aber sie konnte sie ĂŒberzeugen.
FĂŒr den Moment war sie einfach nur froh, wieder in Sicherheit zu sein.
Endlich in ihrem Zimmer angekommen lieĂ sie sich mit einem Seufzen auf ihr Bett fallen.
â 730 Wörter (inkl. Titel)