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Spuk im Tierpark

Nachdem ich zwei Tage vor Halloween feststellte, dass ich noch keinen Beitrag dafür hatte und eben das auf Elenor Avelle’s Discord Server verkündete, bewarf mich Ico_Gnitus direkt mit einem Plotbunny für eine kleine Szene.
Ein bisschen mit dem Gedanken gespielt, stellte ich schnell fest, dass die beiden Figuren aus meiner Geschichte Die Teufelsmauer, die 2019 über den Bücherstadt Kurier veröffentlicht wurde, noch einmal mitspielen wollten.

Um die Figuren besser einordnen zu können, empfiehlt sich, die Geschichte vorneweg zu lesen, aber es ist kein muss, da die Szene einige Zeit in der Zukunft spielt und die wichtigsten Dinge erklärt/benannt werden.

Also dann viel Spaß!

Spuk im Tierpark

Suse konnte immer noch nicht glauben, dass sie wirklich die Halloween-Nacht im Tierpark verbringen würde. Um sie herum nutzten viele die Möglichkeit durch teils schwer erkennbare Kostüme den Eintrittspreis zu verringern. Auch sie und Thorsten waren verkleidet. Thorsten trug mit weißen Knochenlinien versehene Kleidung, sein haarloser Kopf war komplett mit weißer Farbe bedeckt. Nur seine Augen, sowie falsche Nasenhöhlen und Zahnzwischenräume hatte er eingeschwärzt. So fielen seine fehlenden Brauen und Wimpern noch weniger auf als sonst. Ihre Hexe ging vermutlich nur aufgrund des geliehenen Mantels als solche durch, den Hut wollte Suse partout nicht aufsetzen. Je weiter sie in der Schlange vorrückten, desto breiter grinste Thorsten, was sein Skelettgesicht noch unheimlicher wirken ließ. Seine Vorfreude allein machte das Herkommen zur richtigen Entscheidung. Auch wenn diese Nacht neben Beltane und den Sonnenwenden eine der für Suse anstrengendsten im Jahr war. Ihre Fähigkeiten würden heute schwerer zu bändigen sein und könnten sie überwältigen, aber darauf waren sie vorbereitet.
Vor und hinter ihnen wuselten Kinder begeistert durch die Reihen der Erwachsenen. Eine pinke Fee duellierte sich mit einem Geist, ihre Holzschwerter klackten wild aneinander. Ein anderes Kind schwang laut rufend einen Stock über die Dekorationen, versuchte offensichtlich die Kürbisse in eine Kutsche zu verwandeln. Es klappte leider nicht, worüber es sich entsprechend empörte. Suse hörte Thorsten neben sich schnauben, dann klopfte er ihr aufgeregt gegen den Arm. Mit ausgestrecktem Arm deutete er auf die Schwert-Kinder, die auf der anderen Seite des Eingangstores kleine Eimerchen in Kürbisform in den Händen hielten.
„Ob wir auch einen bekommen?“, fragte Thorsten mit einem schelmischen Grinsen.
Suse sah mit hochgezogener Braue zu ihrem fast einen Kopf größeren Freund hinauf. „Selbst auf Knien kriechend gehst du nicht als Kind durch.“
Er seufzte theatralisch. „Irgendwas ist ja immer.“
Lachend knuffte Suse ihm in die Seite, was ihn dazu veranlasste, seinen Arm um sie zu legen und ihr einen Kuss auf die Stirn zu drücken. „Danke, dass du mitgekommen bist.“
„Mal sehen, ob es hält, was es verspricht“, neckte Suse und erntete dafür eine herausgestreckte Zunge.

Als sie es endlich in den Tierpark geschafft hatten, war Suse beeindruckt. Der Eingang war anzusehen, aber die noch ausgeschalteten Lichter und Girlanden im Inneren waren auf einem ganz anderen Niveau. Sie konnte sich jetzt schon vorstellen, wie es später aussehen würde und konnte Thorstens Begeisterung für die Veranstaltung besser verstehen. Zunächst studierten sie allerdings das Programm und überlegten sich einen Weg an Gehegen und Stationen vorbei. Hand in Hand machten sie sich anschließend auf zu den Pinguinen, wo es eine späte Fütterung geben würde.
Die langsam hinter dem Horizont versinkende Sonne brachte nicht nur Kälte mit sich, sondern auch ein Prickeln auf Suses Haut. Schon jetzt bereitete sie sich auf die Welle vor, die kommen würde, sobald sie komplett versunken war.
Nach und nach schalteten sich um sie herum die Lichterketten an, nur sporadisch leuchteten dazwischen auch die Weglaternen. Vermutlich, damit die niemand im Dunkeln über die eigenen Füße stolperte. Hin und wieder sah Suse eine wie auch die Kerzen in den geschnitzten Kürbissen, die auf Podesten oder Umzäunungen standen, angezündet wurden. Schon vorher hatten sie das typische Halloween-Gemüse in einigen Gehegen gesehen und auch als Dekoration war es überall verteilt.
Dann geschah es, blieb sie abrupt stehen und schlang die Arme um ihren Oberkörper. Sie zitterte am ganzen Leib, die Energie zuckte über ihre Haut.
„Hey, was ist los?“, fragte Thorsten besorgt und ließ seine Hände über ihre Arme schweben, ohne sie zu berühren.
Aus Erfahrung wussten sie beide, dass es die Situation schlimmer machen könnte, wenn er es tat. Suse versuchte das Gefühl zu akzeptieren und in sich aufzunehmen. Mehrmals atmete sie tief ein und aus, konzentrierte sich auf das hier und jetzt. Als sie die Augen öffnete, konnte sie Thorstens Aura deutlich vor sich sehen. Der warme Sommerregen, von Wolken verdunkelt.
„Hätten wir doch Zuhause bleiben sollen?“ Er legte die Stirn kraus.
Suse schüttelte sie den Kopf. Vor diesem Moment konnte sie sich nicht verstecken, selbst in ihren eigenen vier Wänden hätte es sie genauso erwischt.
„Okay, aber wenn es nicht mehr geht, sagst du Bescheid, ja?“
Mit einem Lachen lehnte sie ihre Stirn gegen seine, ließ ihre Ruhe in ihn übergehen und sich selbst an seine Präsenz gewöhnen. „Das wird keinen Unterschied machen.“
Sein verwirrter Blick überraschte sie nicht, das vorsichtige Lächeln schon.
„Du hast mein Make-Up verwischt.“ Er zog seinen Handschuh aus und wischte sich vorsichtig über die die Stirn, bevor er versuchte die weiße Farbe auf ihrer etwas zu verteilen.
Anstatt darauf zu reagieren, nahm Suse seine Hand und gab ihm einen Kuss. „Gut, dass ich auch schwarzen Lippenstift trage.“
Ein paar Gehege weiter, stockte Suse an einer besonders gruseligen Fratze auf einer Steinmauer. Etwas daran rief nach ihr. Sie ließ Thorstens Hand los und näherte sie sich langsam. Ein Knirschen und Knacken drang daraus hervor, als wenn etwas darin nagen würde. Vorsichtig beugte sie sich hinunter, um sich das Innere genauer anzusehen. Ein Grunzen ließ sie mit einem Aufschrei zurückschrecken.
„Woah, ruhig! Ist da was?“, fragte Thorsten besorgt und stellte sich stützend hinter sie, um sie notfalls aufzufangen, wieder ohne sie zu berühren.
Suse brauchte einen Moment, um ihren wilden Herzschlag zu beruhigen, dann konzentrierte sie sich auf den Kürbis. Etwas Graues schälte sich daraus hervor und sah dann aus kleinen Knopfaugen zu ihr hinauf.
„Ein … Biber?“, fragte Suse verwirrt und legte den Kopf zur Seite.
Das Wesen quietschte empört, was sie nur noch stutziger machte und genauer hinsehen ließ. „Ne, der Schwanz is´ nich´ platt … mehr so … rattig …“
„Eine Nutria?“, schlug Thorsten vor.
„Was?“ Verwirrt drehte Suse sich zu ihm um, doch er ging ein paar Schritte weiter und leuchtete mit seiner Smartphone-Lampe auf das Schild des Geheges, an dem sie standen.
„Biberratte“, übersetzte er erstaunt und tippte auf ein Wort darauf.
Anscheinend hatte Thorsten richtig geschlussfolgert, denn das Wesen grunzte erfreut.
„Ist es ein Geist?“, fragte Thorsten und lehnte sich auf die Mauer.
Auch wenn er die Dinge, die sie wahrnahm, nicht sehen konnte, versuchte er sie dennoch zu verstehen. Die Nutria ging auf ihn zu, schnupperte, auch wenn Suse sich nicht vorstellen konnte, dass sie etwas roch. Vermutlich ein Überbleibsel aus Lebzeiten.
„Keine Ahnung. Es ist Halloween, es kann auch `ne Seele sein oder beides…“ Verloren zuckte Suse mit den Schultern. Auren zu verstehen und Gefühlen zu folgen, hatte ihre Oma ihr noch beibringen können, alles andere war seit ihrem Tod mehr Versuch und Irrtum. „Aber sie scheint dich zu mögen.“
„Was?“ Erstaunt richtete Thorsten sich auf, woraufhin die Nutria sich in den Kürbis zurückzog.
“Jetzt hast du sie erschreckt!“ Suse lachte auf und Erleichterung legte sich um sie. „Lass uns weitergehen“, schlug sie vor und hielt ihm die Hand hin, die er mit einem warmen Lächeln annahm.

Je weiter sie gingen, desto mehr Tiere zeigten sich. Unweigerlich duckte Suse sich, wenn Vögel über sie hinwegrauschten. Zwischen den Beinen der Leute huschten kleinere Tiere hindurch und auch da hielt sie Thorsten auf, um nicht auf eines von ihnen zu treten. Auf einem Kürbishaufen am Wegrand tummelte sich eine Schar aus Mäusen, Ratten und anderen Nagetieren, die Suse aus der Ferne nicht identifizieren konnte. Auf der Schulter eines Piraten, der sie im schnellen Schritt, einen kleinen Kraken an der Hand, überholte, saß dem Klischee entsprechend ein mitwippender Papagei. Ein Stück weiter fiel ihr der graue Schal einer Rollstuhlfahrerin auf, und es dauerte einen Moment, bis Suse verstand, dass es eine Giftschlange war, die sich so kutschieren ließ. Doch das war nichts gegen die größeren Tiere, die bei ihren Artgenossen in Gehegen standen, als sei nichts gewesen, oder sich gelassen durch die Anwesenden hindurchbewegten. Eines von ihnen, das mitten auf dem Weg vor ihnen stehen blieb, ließ Suse komplett innehalten. Höher und höher ging ihr Blick, bis sie das Tier überhaupt erfassen konnte. Gemütlich sah es auf sie hinab, dann hob es den Rüssel zu einem sehr lauten Tröten, das ihr in den Ohren klingelte.
„Ein Elefant“, antwortete sie flüsternd auf Thorstens ebenso leise Frage.
„Es gibt seit Jahrzehnten keine Elefanten mehr hier.“
„Das kümmert wandernde Seelen nicht.“
Vorsichtig hob Suse die Hand und der Elefant senkte den Rüssel. Mit der Spitze versuchte er sie zu berühren, doch es klappte nicht. Stattdessen durchströmte Suse eine Welle aus Trauer und Einsamkeit, die ihr Tränen in die Augen trieb. Sie wünschte, sie könnte etwas tun, aber sie hatte nie gelernt, wie sie rastlosen Seelen helfen konnte. Der Elefant senkte Rüssel und Kopf, dann stapfte er durch sie hindurch davon. Suse schnäuzte sich und trocknete ihre Tränen.
„Sollen wir gehen?“, bot Thorsten erneut an, legte den Arm vorsichtig um sie.
„Nein, wir wollten doch die Feuershow sehen.“ Sie versuchte sich an einem aufmunternden Lächeln, aber er schien ihr nicht vollends zu glauben.
Noch wollte sie ihm nicht sagen, dass sie auf dem Heimweg noch ganz andere Dinge als Tiere erwarteten. Irgendwann würden sie darüber reden müssen. Irgendwann würde sie versuchen zu helfen. Heute würde sie den Rest des Abends genießen.


Falls ihr noch mehr gruselig-angehauchte Geschichten von mir oder anderen lesen wollt, schaut gerne hier vorbei:

Ihr wollt noch mehr Grusel? Dann schaut heute Abend ab 18 Uhr bei Saskia Dreßler auf Twitch vorbei für eine Lesung aus der Anthologie Kürbisgemetzel. (Eine Lesung aus „Dunkle Federn, Scharfe Krallen“ wird es übrigens am 6.11. 19 Uhr auf dem Twitch-Kanal von Elenor Avelle geben.)

Ein geschnitzter und beleuchteter Kürbis mit Wolfsgesicht.

Wandert nicht zu tief in die dunkle Nacht!

Anne/PoiSonPaiNter

P.S. Die Titel-Assoziation zu Spuk unterm Riesenrad ist beabsichtigt. B)

Dunkle Federn, Scharfe Krallen

Erinnert ihr euch noch an diese Aussage aus meinem letzten Beitrag?

Weiter ging es auch mit den Arbeiten an der im nächsten Monat erscheinenden Anthologie „Dunkle Federn, Scharfe Krallen“ von Mika M. Krüger in der ebenfalls eine Geschichte von mir enthalten sein wird – dazu aber mehr, wenn das Datum näher rückt! Auf alle Fälle sieben faszinierende Geschichten und ein Erlös, der dem Tierschutz zu Gute kommt.

Tja, jetzt ist es soweit!

Das Cover konntet ihr am Montag auf Mikas Kanälen – bzw. bei mir auf Twitter – bereits sehen. Seit dem geben euch die beteiligten Autorinnen Einblicke in ihre Geschichten, was noch bis zum 14.10. so weitergehen wird. Denn da erscheint die Anthologie.

Heute erzähle ich euch ein bisschen zu meiner „Stadtgeschichte“ und der Entstehung.

Wie alles begann …

Vor ein bisschen mehr als einem Jahr fragte Mika mich, ob ich Interesse hätte mich an einer Anthologie mit ihr und sechs weiteren Schreibenden zu beteiligen. Solch eine Ehre konnte ich nicht ablehnen und hatte auch direkt eine Idee im Kopf, als es hieß: Jede Geschichte sollte ein Tier behandeln, denn alle Einnahmen werden einem Tierschutzverein gespendet.

Gleich hatte ich die Idee für eine Schlange, die eigentlich keine Schlange ist, denn Geschichten mit ohne fantastische Elemente zu schreiben … schaffe ich selten – wie ich schon im Writers on Writers Interview mit Stella Delaney erzählte, von der ebenfalls eine Geschichte in der Anthologie enthalten ist. Die Umsetzung stellte sich dann doch ein bisschen schwieriger vor als gedacht.

Quadratische Zitategrafik. Auf schwarzem Hintergrund mit blau-grauen Wolkenakzenten befinden sich oben links goldene Farne und Blumen. Darunter das Zitat Ein Grummeln drang aus der Dunkelheit vor ihnen und Christin lief ein Schauder über den Rücken. »Schneewittchen ist hungrig«, murmelte Bullock. »Das ist nicht witzig«, beschwerte sich der Zwerg. und eine nähere Benennung der Geschichte in Form einer Silhouette einer Schlange darunter Anne Zandt "Stadtgeschichte" "Dunkle Federn, Scharfe Krallen" - Anthologie
(c) Juliet May

Einerseits, weil mir einfach nicht einfallen wollte, wie ich die Geschichte enden lassen sollte. Andererseits, weil ich erst einmal herausfinden musste, WAS meine „Schlange“ nun tatsächlich ist, denn nur, weil es Flügel hat, ist es noch lange kein Drache und Arme/Beine erschweren die Benamsung noch ein Stückchen weiter. Aber, ich fand den richtigen Begriff, werde ihn aber nicht verraten. B)

Das sich allerdings für das Wesen der Name „Schneewittchen“ eingeschlichen hat, war mehr der Welt – und natürlich der Geschichte – geschuldet.

Wie ihr hier und auch im anderen Zitat lesen könnt, ist Schneewittchen, die „Schlange“ nämlich hungrig und hat zur Zeit einen besonderen Appetit auf die zwergischen Arbeiter, die sich in ihr Reich vorwagen … warum sie das tun und wieso Schneewittchen überhaupt da unten ist und wie die Elfin Christin das Abenteuer übersteht … tja, da müsst ihr euch noch ein paar Tage gedulden.

Neue Chance in einer alten Welt

Tatsächlich habe ich die Welt in der diese Geschichte spielt bereits 2019 das erste Mal betreten und seit dem – mit dieser – drei weitere Male. Es ist eine Urban Fantasy Welt in der Elfen, Zwerge, Werwölfe, Orks und alles, was es sonst noch so gibt, mit Menschen in mehr oder weniger Harmonie zusammenleben. Bullock aus dem oberen Zitat ist dabei die verbindende Figur aller vier Geschichten. Ein Wesenhändler mit gutem Herz und einem Drang zum Abenteuer. Ob er allerdings ein Mensch oder doch etwas ganz anderes ist, konnte ich ihm bisher noch nicht entlocken.

Quadratische Zitategrafik. Auf schwarzem Hintergrund mit blau-grauen Wolkenakzenten befinden sich oben links goldene Farne und Blumen. Darunter das Zitat »Ich habe jetzt schon sieben Leute, an was auch immer da im Tunnel sitzt, verloren. Das muss aufhören!« Seine Worte klangen mehr wie eine Drohung als ein Auftrag. und eine nähere Benennung der Geschichte in Form einer Silhouette eines/einer Schlange Anne Zandt "Stadtgeschichte" "Dunkle Federn, Scharfe Krallen" - Anthologie
(c) Juliet May

In diesem Abenteuer unterstützt er Christin bei ihrer Aufgabe die „Schlange“ „loszuwerden“. Christin selbst ist eigentlich nur die Assistentin eines Bauunternehmers und will ihren Job machen, auch wenn das als Vorgesetzte eines Zwerges nicht immer einfach ist – und schon gar nicht, wenn etwas seine Arbeiter frisst.

Eine kleine Spielerei, die ich mir für diese Welt erlaubt habe, sind die Namen, die oft Alliterationen und Wortspiele (bzw. nerdiges Easter Egga) sind. Vor allem aber nutze ich mit Miks eine geschlechtsneutrale Anrede anstatt mich auf Herr und Frau zu begrenzen. Im weitesten Sinne ist dies an das Englische Mx. angelehnt, eine deutschsprachige Variante davon ist mir bisher nicht begegnet. Bin gespannt, was ihr davon haltet. Und natürlich von der Geschichte selbst.

Die Anthologie ist auf Dark Fantasy ausgelegt und ich fürchte, meine ist etwas zu seicht dafür, aber vielleicht ist eine kleine Pause zwischen den richtig gruseligen Sachen doch ganz nett.

Kleiner FunFact: Da wir sieben die Geschichten der anderen lasen, konnten wir die Reihenfolge mitentscheiden. Die endgültige Version stammt von mir, was in Verbindung mit meinen Anmerkung zu den anderen Geschichten dafür sorgte, dass ich als Korrektorin im Impressum gelistet bin. B)

Die nächsten Tage bekommt ihr, wie gesagt, noch ein paar Infos von den anderen – und vor allem zur Leserunde auf Lovelybooks. Haltet also Ausschau!

Dunkle Federn, Scharfe Krallen auf BoD erhältlich.

Anne/Poisonpainter

Ist das dieses #Autor_innenleben?

Erinnert ihr euch noch an das letzte Update vorm Fairy Tale Summer?

Da erzählte ich euch von der frisch geschlüpften Anthologie „Tiefen einer Götterseele“ und seitdem ist literarisch doch einiges passiert … also im Vergleich zu anderen ist es popelig wenig, aber für mich doch riesige Schritte …

Aber von vorn …

Nach jener Veröffentlichung folgte eine weitere in der Jubiläumsausgabe des Phantast by Literatopia, was zudem auch meine erste eigene Märchenadaption (Fortsetzung des Rattenfänger von Hameln) ist. Eine Geschichte, die später noch eine Rolle spielen würde …

Parallel schaffte es auch eine weitere Geschichte von mir auf die Seite des Bücherstadt Kuriers und sicherte mir somit den Erhalt meiner nunmehr sechsjährigen Veröffentlichungssträhne im Rahmen der verschiedenen Aktionen. Dieses Mal für den #BKtastisch in dem auch ein Gastbeitrag von mir über Subgenre der Fantastik und die Subgenre-Aktion des Nornennetzes erschien.

Weiter ging es auch mit den Arbeiten an der im nächsten Monat erscheinenden Anthologie „Dunkle Federn, Scharfe Krallen“ von Mika M. Krüger in der ebenfalls eine Geschichte von mir enthalten sein wird – dazu aber mehr, wenn das Datum näher rückt! Auf alle Fälle sieben faszinierende Geschichten und ein Erlös, der dem Tierschutz zu Gute kommt.

Zusätzlich hatte ich noch zwei Ausschreibungen auf dem Plan, für die eine habe ich es geschafft einen Text zu verfassen, mal sehen, ob das was wird. Bei der anderen bin ich leider an der Zeichenzahl gescheitert auch wenn ich drei „Spiegelgeschichten“ (sie erzählen alle Teile/Aspekte einer Begebenheit aus unterschiedlichen Perspektiven) habe, die genau ins Thema gepasst hätten. Klappt halt nicht immer, so wie die Ausschreibung für die ich neulich auch wieder eine Absage bekam.

Nebenbei habe ich übrigens auch mehrere Romane testgelesen – bei Zweien bin ich noch dabei – und kann euch sagen: Da kommen ein paar verdammt coole Dinge auf euch zu! Auf Schneerot by Elenor Avelle könnt ihr euch besonders freuen, denn diese Adaption von Schneeweißchen und Rosenrot bricht mit so vielen „Traditionen“, dass es erfrischend anders ist! Asexuelle Aromantische Protagonistin, harmoniebezogene Problemlösung, Erkundung der Vergangenheit aus einer zukünftigen Perspektive, faszinierendes Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur(geistern). Nur um ein paar Dinge zu nennen. Und es gibt Gohis!

Achja, im August habe ich übrigens tatsächlich die Rohfassung des #Neubrandenwolf beendet! Jetzt geht es daran die Anmerkungen der Testleserinnen einzuarbeiten, damit ich die ersten Kapitel ins Sensitivity Reading und dann auch ins Lektorat schicken kann … nachdem ich schon ein paar Mal sowohl Ende als auch große Teile von Kapiteln umgeschrieben habe, weil es nicht mehr passte ist da vermutlich noch einiges an Arbeit vor mir …

Doch das war nur das Schriftliche …

Gemeinsam mit Stella Delaney habe ich im Rahmen der Writers on Writers Aktion des Nornennetzes teilgenommen bei der wir uns gegenseitig interviewten. Etwas, dass ich mich letztes Jahr noch nicht getraut habe, weil ich mich für nicht interessant genug befand – nicht das ich das jetzt tue, aber an Stellas Seite schwieg das Impostor-Syndrom (und es half auch, dass ich vorher ein Video der Originalen Variety Aktion Actors on Actors sah, dass neben wehenden Palmen, Spiegelbildern und Wortwiederholungen, die ich auch oft mache, weniger professionell wirkte, als ich mir vorgestellt hätte). Das ganze könnt ihr hier nachhören:

Und weil das noch nicht genug Aufregung war, habe ich zusammen mit Katherina Ushachov ein Subgenre-Video zum Thema Plastikpunk aufgenommen und das ganze am Beispiel von Katherinas „Der tote Prinz“ erörtert.

Subgenre waren ja sowieso DAS Thema der „Facetten der Fantastik“ Lesung, die ich im letzten Update erwähnte. Dort las ich unter anderem die Rattenfänger-Geschichte und stellte damit das Genre der Märchen(adaptionen) vor zu dem ich ebenfalls ein Subgenre-Video mit Katrin Ils und Elenor aufgenommen hatte. Auch hiervon gibt es eine Aufzeichnung, an der aber noch gefeilt wird, d.h. ich kann sie euch noch nicht verlinken, aber bald! Es war auf alle Fälle eine faszinierende Erfahrung und das seltsamste war tatsächlich mittlerweile, das ich mich zur Seite drehen musste, um den anderen Lesenden zusehen zu können, anstatt einfach auf deren Video-Feed zu gucken. 😀

Aber dafür könnt ihr jetzt Hörproben der Götterseelen Geschichte und der Geschichte aus „Entzünde den Funken“ lauschen, die ich für das Nornenjubiläum eingelesen habe – wofür ich auch an diversen Talks teilgenommen hatte, was nach und nach auf den YouTube Kanal des Nornennetzes eingestellt werden wird! Ein paar Videos zu Japanischen Märchen und Nordischer Mythologie wird es irgendwann dann auch noch geschnitten geben, nachdem wir auf Saskia Dreßlers Twitch Kanal jeweils darüber sprachen.

Und joa … gestern landete dann die nächste Zusage für eine Anthologie stilecht im Spam-Ordner … bin mir nicht sicher, ob es so langsam „läuft“ oder ob es gerade einfach nur eine nette Phase ist, bevor einfach wieder nichts passiert.

Es bleibt spannend …

© For the cover belongs to its rightful owner.

P.S. Sorry an die Teilnehmenden des Märchensommers, ich bin noch nicht dazu gekommen alles zu verteilen. Eure Preise sind nicht vergessen!

Eine neue Ära

Auch wenn der Januar fast vorbei ist, wünsche ich euch noch ein gesundes neues Jahr. Auf das wir auch die letzten Hürden der Pandemie überstehen und bald zu etwas mehr Normalität zurückkehren können!

Der Beitragstitel ist allerdings nicht nur maßgebend für den Jahreswechsel, er hat auch noch eine ganz andere Bewandtnis.

Aber von vorn

Es begab sich zu einer Zeit, da Poison versuchte eine Kurzgeschichte für den Englischen Markt zu schreiben. Zwar wurde sie von den Herausgebern gemocht, fand ihren Weg dennoch nicht in die ausgeschriebene Sammlung.

Die Geschichte wartete, versuchte es erneut im nächsten Band der Sammlung, aber kein Glück.

Doch dann!

Ein deutschsprachiger Verlag schrieb ein ähnliches Thema aus!

Also galt es die Geschichte zu übersetzen und noch ein bisschen auszuschmücken, da die Wortzahl noch nicht passte.

Nun begann das warten.

Frohe Kunde in dunklen Tagen

Das vergangene Jahr steckt uns noch allen in den Knochen, doch es zeigte auch seine netten Seiten:

Zumindest für den Moment.

Hocherfreut über die erste Ausschreibung in der eine Geschichte nur aufgrund des Inhaltes gewählt wurde, war das Grinsen schwer zu vertreiben. Die Zweifel und Ängste, dass auch diesmal etwas schief gehen würde, ließen sich jedoch nicht so leicht vertreiben.

Zu Recht, wie sich Ende des Jahres herausstellte.

Die wirtschaftliche Krise, die das Ausbleiben von Messen in der Buchbranche mit sich brachte, machte auch hier keinen halt.

Der Verlag wurde aufgekauft. Die Anthologie nicht mit übernommen.

Mist.

Rettung in der Not

Doch die an der Ausschreibung beteiligten Organisatorinnen und Lektorinnen, usw. wollten so schnell nicht aufgeben. Kurzerhand wurde das Projekt ins Selfpublishing geschoben.

Eine neue Ära

ist der Titel der Kurzgeschichte, die voraussichtlich im März in der Anthologie „Tiefen einer Götterseele“ erscheinen wird.

Worum geht es?

Kurz gesagt: Einen Gott im Altenheim.

Angus Broda ist ein älterer Herr, der Kartentricks und Streiche liebt. Tief in seinem Inneren weiß er jedoch, dass er mehr ist, als nur ein Insasse wie alle anderen. Doch da er sich nicht einmal daran erinnert, wie er im Altenheim gelandet ist, ist alles andere noch viel schwerer zu erfassen.

Die Geschichte begleitet ihn auf der Suche nach seinen Wurzeln und seinem wahren Ich.

Und wer sich ein bisschen Mythologie auskennt, weiß schon jetzt auf wem er basiert.

Ist das alles?

Natürlich nicht, sobald noch ein bisschen mehr zur Anthologie erscheint werde ich euch über Twitter auf dem Laufenden halten. Ihr könnt aber auch selbst auf dem Instagram der Herausgeberin Hanna Jung vorbeischauen. Dort gibt es immer wieder exklusive Einblicke in die Geschichten.

Angus wird jedoch nicht der einzige Charakter sein, der, wenn alles gut geht, in diesem Jahr das Licht der Welt erblickt!

In zwei weiteren Anthologien, die gerade in der Entstehungsphase sind, warten Drache Harald und Amphitere Schneewitchen darauf, sich in die Lüfte erheben zu dürfen, während Protagonist aus Nummer drei und sein Kaninchen ihres Urteils harren, sowie die Protagonistin aus Nummer vier auf die Vollendung und Wahl.

Zusätzlich dazu arbeite ich in den Mittwoch-Schreibstreams von Elenor Avelle am #Neubrandenwolf , der theoretisch auch noch in diesem Jahr erscheinen soll. Das ist aber noch ein bisschen unwahrscheinlicher als der Rest, denn hier fehlen mir nicht nur noch einige Kapitel, sondern auch Testlesende, Sensitivity Reader* und dann natürlich Lektorat und Korrektorat. Womit ich allerdings noch immer nicht mehr Ahnung von Grafiken und Buchsatz habe und mir dafür auch noch wen suchen muss.

Es bleibt also spannend, was nach zwei Jahren VÖ-Pause in diesem Jahr tatsächlich erscheinen wird.

Passt auf euch auf

© For the cover belongs to its rightful owner.

* Wer wen kennt oder selbst Sensitivity Reading im Bereich Flucht, Rassismus und angelehnte Bereiche macht, gerne an mich wenden/weiterleiten!

#Blogvent2020: Lichtermeer

Ein weiteres Türchen des Adventskalenders öffnet sich und vielleicht habt auch ihr schon eure Fenster geschmückt? In Lexa’s (Meergedanken) #Blogvent2020 geht es heute um genau dieses Thema.

Instagram Grafik des #Blogvent2020: Alle Daten und Themen sind vor einem weihnachtlichen Hintergrund zweireihig aufgelistet - welche das sind findet ihr im verlinkten Blogbeitrag.

Lichtermeer

Wie einige von euch vielleicht mitbekommen haben, versuche ich gerade mein Urban Fantasy Projekt #Neubrandenwolf zu beenden. Vorrangig tue ich das zwar nur im Schreibstream bei Elenor Avelle, aber es geht voran.

Was vielleicht nicht so viele wissen: Das erste Kapitel war als alleinstehende Kurzgeschichte gedacht bevor die Plotbunnies kamen und zwölf daraus machten. Dieses erste Kapitel spielt zur Weihnachtszeit und in einer Szene beschreibt Protagonist Thomas ein wenig das Lichtermeer des Neubrandenburger Datzebergs:

Auf seinem Weg passierte Thomas viele Fenster, die von Lichterketten, Schwibbögen und anderem Weihnachtsschmuck in allen Formen und Farben erhellt wurden. An anderen Abenden betrachtete er die Wohnungen und Häuser gern, die sich besonders viel Mühe bei der Beleuchtung gaben, zumal er selbst keine hatte. Das Lichterspiel zeigte für ihn eine ganz andere Seite des Weihnachtsfestes. Eine besinnliche und hoffnungsbringende, an der Thomas sich gern ergötzte. Heute jedoch betrachtete er die Beleuchtung ohne das wohlige Gefühl, das er sonst dabei empfand. Sein Blick wanderte von links nach rechts; über die schlichten Beleuchtungen, die extravaganten und auch die übertriebenen. Jedes noch so kleine Licht nutzte er, um an etwas Anderes als das Kommende zu denken.

#Neubrandenwolf – Kapitel 1: Wolfsmond

In der Ursprungsfassung ging diese Szene sogar noch ein Stückchen weiter, aber das Lektorat, dass ich damals dafür bekam, hat es dann doch rausgeschmissen. Aber heute hier teile ich es mit euch:

Sein Favorit war ein blattloser Baum aus Draht, der von einer Lichterkette umzogen war und in einer der Nebenstraßen stand. Doch die Krone gebührte einem Haus im Nachbarort Neddemin, das schon an die Dekorationswut der Amerikaner erinnerte und mit hunderten, wenn nicht gar tausenden von Lichtern aufwartete. Hier oben jedoch war nichts dergleichen zu sehen.

#Neubrandenwolf – Kapitel 1: Wolfmond Outtake

Da es Lokalkollorit ist, kann ich euch auch sagen, dass diese Lichterbauten tatsächlich existieren. Dieses Jahr werde ich das Haus vermutlich nicht in voller Pracht sehen, da ich nicht abends dran vorbeifahre, aber schaut euch doch mal hier die Fotos aus dem Nordkurier an. Und auch in der Innenstadt von Neubrandenburg gibt es seit ein paar Jahren immer diese Lichtinstallationen aus Draht.

Zuhause ist es bei uns eher weniger. Früher haben wir die Balkonkästen mit Tannen ausgelegt und fast den gesamten Balkon mit der Lichterkette umrandet. Da das vom Hof aus aber aussah wie eine Weihnachtsmarktbude, wurde es dann irgendwann zu einem kleinen Geflecht in der Ecke reduziert. Immer schon hatten wir auch einen – selbstausgesägten – Schwibbogen, der ins Küchenfenster kommt. In meinem Zimmer hingen jahrelang einige lila Kugeln. Seit ich zur Weihnachtszeit aber nur für zwei Wochen Zuhause bin hat mein Vater letzteres nicht mehr aufgehängt. Dieses Jahr hängen sie wieder und ich schalte sie an, sobald ich mit der Arbeit fertig bin. Sobald der Adventskranz weg ist kommt dann auch wieder die Pyramide deren Kerzenflammen wunderbare Schattenbilder an die Decke zaubert. Irgendwie ist das doch ganz schön ein bisschen Licht in die momentane Dunkelheit zu bringen.

Im Schreibprojekt Your Picture – A Story gibt es mit Der Beobachter auch eine Geschichte, die sich um die Lichter in der Welt dreht oder etwa doch nicht?

Was war der ausgefallenste Fensterschmuck den ihr je gesehen und/oder genutzt habt?

Weitere Beiträge zum heutigen Thema findet ihr vor allem auf der Übersichtsseite.

Anne/Poisonpainter

#Blogvent2020: Nikolaus

Ein weiteres Türchen des Adventskalenders öffnet sich und vielleicht hattet ihr auch eine kleine Süßigkeit im Schuh? In Lexa’s (Meergedanken) #Blogvent2020 geht es heute um genau dieses Thema.

Instagram Grafik des #Blogvent2020: Alle Daten und Themen sind vor einem weihnachtlichen Hintergrund zweireihig aufgelistet - welche das sind findet ihr im verlinkten Blogbeitrag.

Nikolaus

Da alle heute vermutlich von bunt gefüllten Stiefeln und Traditionen sprechen, möchte ich die Chance nutzen, um ein bisschen über die Weihnachtsfamilie aus meinem Adventskalender 2017 und dem darauf aufbauenden Projekt #Eishörnchen zu sprechen. Denn die hat eine ganz besondere – oder nervige, je nachdem, wen man fragt – Tradition: Jedes Familienmitglied, dass in die Familie hineingeboren wird hat einen Namen, der an „Nikolaus“ bzw. „Santa C/Klaus“ angelehnt wurde. Wann genau das beschlossen wurde, kann man eigentlich nur noch mit einem das ist „historisch gewachsen“ abtun.

Somit heißen die Geschwister meines Protagonisten Nicholas aus dem #Eishörnchen: Nicole, Klaus und Nick. In wievielter Generation sie diese Namen tragen wird nicht verraten, aber es wird schon einige Kläuse gegeben haben. Allerdings wird auch immer mal geschummelt, wenn es aktive Doppelungen gibt, z.B. beim Bibliothekar des Weihnachtsdorfes Joulky, der nur bei seinem Zweitnamen, Ephraim, genannt wird. Er ist übrigens der Neffe des alten Familienoberhauptes Nikolaus, und somit der Cousin des aktuellen, Nikolai. Verwirrt? Ich auch. 😀 Und nun stellt euch vor ihr wärt in den Schuhen einer Person, die sich in eine:n dieser geborenen Santas verguckt – oder auch nur im Dorf anfängt zu arbeiten. Chaos vorprogrammiert! Vermutlich haben alle Mitarbeitenden insgeheim einen Spickzettel im Zimmer, wo sie sich abends immer die Namen einprägen.

Aber Nicholas erklärt das viel passender:

“Nikolai, Nicholas, Klaus, das klingt nach Absicht”, vermutete Katrin und drehte sich zu ihm, woraufhin Nicholas auflachte.
“Ja, es ist Absicht. Irgendwann wurde mal festgelegt, dass unsere Namen alle ähnlich klingen sollen, um die Tradition zu wahren”, erklärte er, “Mein Großvater heißt sogar Nikolaus.”
“Das ist doch albern”, lachte Katrin.
“Wirklich? Was meinst du wie es ist damit aufzuwachsen gerufen zu werden und erstmal abzuwarten, ob es bei Nick bleibt oder noch weiter geht?”, scherzte Nicholas.
“Warum macht ihr es dann?”, wollte Katrin wissen.
“Weil es Tradition ist”, zuckte Nicholas mit den Schultern, “wir haben eine Weile versucht auch Jack-Varianten als Vornamen zu nehmen, als Jack Frost beliebt war, aber das hat sich nicht wirklich gehalten. Nur Claudia konnte sich bisher durchsetzen, dass ihre Kinder nicht dem Namensschema folgen. Das war ein Kampf mit Großvater …aber sie hat ihn gewonnen”, ergänzte er beeindruckt.
“Warte. Heißt dein Bruder dann Klaus Claus?”
“Claus?”, Nicholas lachte. “Nein, wir heißen nicht Claus, wir haben vor Ewigkeiten unseren Namen an das russische Väterchen Frost angepasst.” Als Katrin ihn verwirrt ansah, ergänzte er: “Djed Moros heißt es im Original und wir haben Maros daraus gemacht.”
“Nicholas Maros, also”, schlussfolgerte Katrin daraus und wurde etwas rot. Es war ihr peinlich, auch hier wieder auf die amerikanischen Filme hereingefallen zu sein.
“Genau.”

Kapitel 11 – Die alten Santas

Der andere Nikolaus

Wusstet ihr eigentlich, dass es in einigen Orten neben bzw. anstatt des Nikolaus-Brauchs auch einen Krampus-Brauch gibt? Der soll sich die unartigen Kinder schnappen und verspeisen. Ein bisschen habe ich in der Kurzgeschichte „Krampus“ aus meinem Adventskalender 2014 damit gespielt.

Auch im #Eishörnchen spielt er eine ganz besondere Rolle, welche das ist, wäre allerdings ein zu großer Spoiler für die Geschichte. Also wer jetzt neugierig geworden ist, und das am 1. Dezember noch nicht gemacht hat, kann hier den kompletten Adventskalender lesen: Adventskalender 2017

Weitere Beiträge zum heutigen Thema findet ihr zum Beispiel bei die Trotzphase, die die Nikolausgeschichte erzählt. Und natürlich mehr auf der Übersichtsseite.

Anne/Poisonpainter

Monsterparty

Kennt ihr noch das alte Die Ärzte Lied Monsterparty (oder zumindest den Film Hotel Transsilvanien)? Eine solche soll heute hier ganz in der Nähe stattfinden. Mal sehen, ob ich mich reinschleichen und euch davon berichten kann … 

Am Tor hängt ein großer Spiegel (Narzissa aus Der tote Prinz von Katherina Ushachov – meine Rezension). Für einen Moment betrachte ich mein Spiegelbild darin, dann flimmert die Oberfläche und eine Stimme sagt: “Nutzer nicht erkannt, bitte identifizieren Sie sich.”
Verwirrt blicke ich mich um, bis ich begreife, dass der Spiegel mit mir sprach. Meinen richtigen Namen sollte ich vermutlich nicht verwenden. “Ähm Poison.”
“Neuer Eintrag: Poison, Mensch-”
“Nicht so laut!”, unterbreche ich die Ansage in Angst um meine Tarnung.
“Lautstärke gesenkt um 3%.”
Oh, Sofortreaktion auf Anweisungen. Ob der Spiegel eine durch ein neuronales Netz gesteuerte KI war? Die Chance muss ich nutzen, das bisschen verbleibende Wissen aus meiner Bachelorarbeit auszuprobieren.
Doch bevor ich Fragen stellen kann, erklärt mir der Spiegel: “Menschen sind auf dieser Feier nicht zugelassen.”
Verdammt. Moment. Mit einem Grinsen ziehe ich meinen Bardic Immunity Badge aus der Gürteltasche und halte ihn hoch. “Ich bin kein normaler Mensch. Ich bin Erzählerin von Geschichten und ich möchte den Leuten von dieser Feier berichten.”
Der Spiegel verarbeitet die Informationen für einen Moment, dann zitiert er JourneyQuest [mein altes Review], Wren’s Stimme unverkennbar: “It’s bad luck to kill a bard.
Ich nicke und nutze die Chance, um mich über die bereits angekommenen Gäste zu informieren.

Am Buffet erkenne ich die Invitros (aus der Reihe Die verfallene Welt von Elenor Avelle), die sich ihre Teller füllen, vermutlich die erste gute Mahlzeit seit langem. Soweit ich das verstanden habe, sind sie Menschen noch am Ähnlichsten, wenn auch künstlich gezüchtet und mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestattet. Sich einfach mal so mit einem Rechner verstöpseln um ihn mit den Gedanken zu steuern hat definitiv was … würde mir nicht die Warnung “nicht gut auf Menschen zu sprechen” in den Ohren klingeln, würde ich mich vielleicht zu ihnen gesellen.

Am Punschkessel erkenne ich den Vampir und Nachtclubbesitzer Damien Moreau (aus Blood and Guilt von Sophie Grossalber) und die Hexen Helena Weide (aus der Reihe Magie hinter den sieben Bergen von Diandra Linnemann) und Aya Mammini (aus Occult von J. Helmond). Letztere glaubt anscheinend sie sei unauffällig dabei, wie sie direkt neben der magischen Ermittlerin etwas in das Getränk tropfen ließ. Narzissa hatte mir erzählt, dass Mammini der Kopf einer Gangsterbande war, was das Gespräch zu einer sehr interessanten Konstellation machte.

Ich beschloss einen Bogen um dieses Getränk zu machen und mir lieber an der Bar etwas zu holen, um nicht noch mehr aufzufallen. Die Barkeeperin, ein Racheengel (aus Michaela Harich’s Kurzgeschichte aus der Anthologie A Night on the Rocks), wie ich vom Spiegel wusste, beäugt mich skeptisch.
“Du solltest nicht hier sein.”
Unauffällig lege ich meinen Badge auf die Theke. “Ich dokumentiere bloß.”
Für einen Moment runzelt sie die Stirn dann zuckt sie mit den Achseln. “Deine Entscheidung. Komm nicht bei mir Jammern, wenn dich einer von den weniger netten Leuten auffrisst. Die interessiert ein Stück Metall nicht, wenn sie Appetit auf Menschenfleisch haben.”
Ich schaue sie verunsichert an. Kurz darauf steht ein Becher mit warmen Met vor mir.
“Na dann viel Spaß”, verabschiedet sie sich mit einem amüsierten Grinsen und widmet sich einem Gast, der sich lautstark darüber beschwert, dass in seiner Bloody Mary kein Blut ist. Ah, der andere Bluttrinker. Der Dämon Buluc Chabtan (aus Die Götter der Dämmerung von Jasmin Engel), Gott der Blutopfer. Kein Wunder, dass ihm der Tomatensaft nicht schmeckte.
Ich stecke das Heftchen mit dem Badge wieder ein, nehme den Met und gehe mit einem flauen Gefühl im Magen weiter. Mit Blutsaugern konnte man zur Not noch argumentieren, dass sie noch was übrig ließen, aber Menschenfresser – wenn es diese hier gab, hatte Narzissa das nicht erwähnt. Blöderweise hatte ich aber auch nicht explizit danach gefragt. Gefährlich werden konnten mir hier alle.

Plötzlich hüpfte mir etwas auf die Schulter und ich ließ fast meinen Metbecher fallen.
“Hallo, hallo, hallo.” Die Worte kamen in einem Sing-sang, als das Wesen auf und ab wippte. “Du solltest nie nicht hier sein nicht!”
Anscheinend war meine Verkleidung doch nicht so gut, wie ich gedacht hatte. Verdammt. Obwohl. Als das federleichte Wesen meinen Arm hinabkletterte, um daran zu baumeln erkannte ich es. Das Gruselwusel (aus Das Gruselwusel von mir)! Natürlich würde es mich wiedererkennen!
“Ich bleib bei dir, dann bist du nicht so allein, nicht!”, verkündete es mit blitzenden gelben Augen. Ohje, das konnte ja heiter werden.

Doch viele Möglichkeiten etwas anzustellen hatte es nicht, denn es verschwand sobald das Licht ausging. Ein Spotlight richtet sich auf die Bühne in deren Mitte ein Barhocker stand. Obendrauf, das Mikro in der Hand: Ein Tentakel. Bob (aus Andrea, die lüsternde und die und die lustigen Tentakel des Todes von Diandra Linnemann), wenn ich mich richtig an die Worte des Spiegels erinnere. Damit startet also das Unterhaltungsprogramm, eine Comedy-Show. Nach ein paar Witzen muss ich mir eingestehen, dass ich schon weitaus bessere gesehen habe …

Während alle gebannt dem Außerirdischen lauschen, gehe ich zum Fenster. Unter mir erstreckt sich ein Kürbisbeet, oder eher das, was davon übrig ist, ein wahres Kürbisgemetzel (gleichnamige Anthologie von und mit Roxane Bicker) … vermutlich waren das die Werwölfe (aus dem #Neubrandenwolf von mir), die sich noch immer zwischen den Überresten jagen. Es ist heute schließlich nicht nur Halloween, sondern auch Vollmond.

Ein geschnitzter und beleuchteter Kürbis mit Wolfsgesicht.

Also dann gebt auf euch acht, heut Nacht!

Poison

P.S. Mehr gruselige Geschichten findet ihr auch hier: Halloween Wanderkürbis.

#litadvent: Unter dem Mistelzweig – Teil 4

Und hier ist es, das große Finale unserer diesjährigen Adventskalender Geschichte für den Bücherstadt Kurier.
Ihr habt den Anfang verpasst? Kein Problem! Alles begann im vergangenen Jahr mit Operation „Joker“.
Weiter ging es mit Teil 1 and 2 auf der Bücherstadt Kurier Seite, Teil 3 gab es letzte Woche hier und nun folgt Teil 4.
June Is und ich wünschen viel Spaß!

Unter dem Mistelzweig

– ein RAC Weihnachts-Special in vier Teilen: Teil 4

(c) Seitenkünstler Aaron

In dem Moment kam Marian aus der Küche. Er sah den Kommissar und Moritz und blieb wie angewurzelt stehen.
Darius zog eine Augenbraue hoch. „Da sind ja wirklich alle versammelt heute.“
„Das haben Weihnachtsfeiern so an sich”, gab der Kässach-Sprössling völlig überflüssig von sich.
Moritz sagte schüchtern: „Hi.“
„Du hast es doch her geschafft!“ Marian lief zu Moritz und drückte ihn.
Dieser erwiderte die Geste nur zögerlich. „Ja, aber ich habe wohl alles verpasst.“
Marian schaute Darius über Moritz’ Schulter hinweg mit einem hasserfüllten Blick an. Zu Moritz sagte er: „Hauptsache du bist jetzt da.”
Julius trat hinter die beiden. „Darauf habe ich mich den ganzen Abend gefreut: Für Verliebte eine Ausrede, für Druiden eine Zutat, für Vögel ein Nest. Was bin ich?
Marian stöhnte. „Du hast doch gesagt, es gäbe keine!”
Derweil schien sich Moritz die Worte durch den Kopf gehen zu lassen. Auf einmal lächelte er. „Kann nur ein Mistelzweig sein!”
Julius nickte und hielt einen ebensolchen über Marian und Moritz. Als die beiden sich küssten, wandte Julius sich in einem finsteren Ton an Darius: „Herr Kommissar, wollen Sie Frau Vurals Frage nicht beantworten, warum Sie einen Zivilisten zu einem Einsatz mitbringen?“ Darius betrachtete ihn argwöhnisch.
Würde er Moritz in Gefahr bringen, wenn er zugab, dass er einen Fehler gemacht hatte? Wusste Kässach etwa, dass Moritz sein Neffe war? Er beschloss, bei einer Halbwahrheit zu bleiben. „Ich hab ihn auf dem Weg hierher aufgegabelt.“
Kässach grinste nur und wandte sich zu Juliane. „Hey Schwesterherz, braucht ihr nicht noch Helden? Der Lover von Marian scheint ein helles Köpfchen zu sein.“
Juliane überlegte kurz. „Noch etwas Verstärkung wäre tatsächlich nicht schlecht.“
„Nun, vielleicht hat Moritz ja Lust? Andernfalls … solltet ihr euch vielleicht überlegen, ob es nicht besser wäre …“
Darius verstand nicht, worum es ging und was Julius flüsterte, denn die Vural lenkte ihn mit einer Frage ab, aber er sah, wie sich die Mine seines Neffen verfinsterte. Nun, er würde es eh erfahren. Früher oder später.

Julius hob seine Stimme wieder: „Es gibt noch Punsch. Herr Kommissar, wollen Sie auch einen? Für Sie natürlich alkoholfrei.“
„Nein, danke. Ich fahre wieder auf die Wache.“
„Das ist schade, wir werden uns noch einen schönen, natürlich absolut ruhigen, Abend machen. Du nimmst einen Punsch, oder, Moritz?“ Julius klang herablassend, wie immer.
Darius hätte Moritz am liebsten mit hinaus gezogen, aber da sein Neffe nur stumm nickte, blieb Darius keine andere Wahl als ihn diesen Leuten zu überlassen.
„Gut, dann einen schönen Abend.“ Darius verließ die Villa, fuhr aber noch nicht los.

Irgendwie gefiel Darius das alles gar nicht. So schlich er ums Gebäude, den ganzen langen Seitenflügel entlang, bis hinter den Brunnen. Von dort aus konnte er das erhellte Wohnzimmer gut sehen. Normalerweise würde er so eine Observierung nicht ohne Genehmigung und noch dazu im Alleingang machen, aber da Marian involviert war … der machte ihm ein ungutes Gefühl. Und zusammen mit dem Kässach-Schnösel wurde das nicht besser.
Außerdem wollte er auf Moritz aufpassen. Er war ein guter Mensch, passte da gar nicht dazu …
Schließlich beobachtete er, wie sein Neffe und Marian immer noch an derselben Stelle standen und sich aufgeregt unterhielten, während die restlichen Anwesenden weiter aufräumten. Das Gespräch war gestenreich und – nun ja, Moritz’ Gesicht wurde immer röter.
Darius fröstelte und steckte die Hände in die Taschen. Was ging da bloß vor sich?
Juliane klopfte Moritz auf die Schulter und nahm ihn mit zum Sofa.
Fast unweigerlich dachte Darius an den RAC-Pin. Wenn es diese zwei Lager gab, sollte Moritz ruhig zu den Guten gehen. Vielleicht half ihm das, sich zu sortieren.
Außerdem war es für Darius gut, immer mal etwas über die Spinner auf der anderen Seite zu erfahren. Nachdenklich trat er einen Schritt zurück. Es polterte und als er sich erschrocken umdrehte, sah er im Schein des erleuchteten Wohnzimmers einen roten Eimer voller Wasser umkippen. Der Eimer riss eine am Brunnen lehnende Harke um, die laut über das Pflaster kratzte.
„Mist!”
Sofort wurde die Glastür aufgeschoben und Darius beeilte sich, wegzukommen.

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Wir hoffen euch hat die Geschichte gefallen und wünschen euch einen schönen vierten Advent!

Anne und June

#litadvent: Unter dem Mistelzweig – Teil 3

Auch in diesem Jahr gibt es einen Adventskalender beim Bücherstadt Kurier.
Erneut haben June Is und ich uns in die Welt unserer letztjährigen Geschichte Operation „Joker“ begeben.
Teil 1 and 2 findet ihr auf der Bücherstadt Kurier Seite, Teil 3 gibt es heute und Teil 4 nächsten Sonntag hier. Viel Spaß!

Unter dem Mistelzweig

– ein RAC Weihnachts-Special in vier Teilen: Teil 3

(c) Seitenkünstler Aaron

Auf der Polizeiwache verbrachte Darius Kolb den Abend erneut mit dem Vorfall auf der Comic Convention. Seit er wusste, dass der Freund seines Neffens in die Sache mit den kostümierten Spinnern verwickelt war, verfolgte er den „RAC-Fall“ höchstpersönlich. Wie schon so oft hatte es auch dieses Mal wieder das gleiche Urteil gegeben: Freispruch mit Bewährungsauflage, Strafe: Sozialstunden. Lächerlich. Dem Verteidigungsanwalt würde er gern was erzählen. Als ob die Männer dabei etwas lernen würde. Er schloss wütend den Ordner. Dabei fiel der RAC-Pin auf den Boden. Darius hob ihn auf. „Was treibt ihr noch alles?“

Es klopfte an der Tür. Ein Kollege trat unaufgefordert ein. „Da ist ein Anruf reingekommen, Ruhestörung und unerlaubtes Feuerwerk in der Kässach-Villa.“
„Sind die Kollegen schon raus?“
„Äh … nein, das ist der Grund, wieso ich es Ihnen sage, einem ist schlecht geworden-“
„Ach, die Wochenleiche vorhin.“
„Ja … und der andere hat ihn gerade zum Krankenhaus gebracht.“
„Gut, dann fahr ich raus. Wer weiß, was die reichen Kids wieder veranstalten. Halten Sie derweil die Stellung.“ Darius erhob sich und ging zum Dienstwagen.

Als er das Polizeigelände verlassen wollte, klopfte jemand an seine Autoscheibe.
Darius betätigte den Fensteröffner. „Ah, du bist es, ich bin gerade im Einsatz.“
„Darf ich mit?“
„Nein.“
„Mir fällt die Decke auf den Kopf, es ist so leer in der Wohnung. Außerdem …”
Bei diesem Neffen war Widerstand von jeher zwecklos. Darius gab sich geschlagen. „Egal, was passiert … du bleibst im Auto.“
„Schießerei?“
„Ruhestörung.“
„Na dann.“ Er sah Moritz kichern, während er um das Auto zum Beifahrersitz lief.
Darius schmunzelte auch, denn schon als kleines Baby hatte er ihn nachts mit auf Streife genommen, um seiner Schwester ein paar ruhige Stunden zu gönnen.

„Wo geht es hin?”, fragte Moritz, nachdem sie eine Weile gefahren waren.
„Zur Kässach-Villa”, sagte Darius beiläufig, dann fiel ihm etwas sein. „Marian ist mit dem Kässach-Typen befreundet, richtig?”
Moritz rutschte unruhig auf dem Beifahrersitz herum.
„Spuck’s aus oder ich setz dich hier ab.” Dieses Mal meinte es Darius durchaus ernst.
„Marian wird vermutlich auch da sein. Sie haben da heute Weihnachtsfeier …”, gab Moritz kleinlaut zu.
„Weihnachtsfeier?” Darius schnaubte.
„Marian hatte mich auch eingeladen, aber …”
„Du bleibst definitiv im Auto.”
Moritz wollte widersprechen, aber Darius schüttelte nur den Kopf.

Als Darius in die Einfahrt zur Kässach-Villa einbog, wurde sein Neffe noch unruhiger.
Darius stoppte vor den Stufen der Haustür und schaltete das Blaulicht ab. Er stieg aus und je mehr er sich der Eingangstür näherte, desto deutlicher hörte er gedämpfte Stimmen.
Darius klingelte.
„Habt ihr was vergess-”, der junge Mann vor ihm, definitiv der Kässach-Schnösel, sah ihn erstaunt an. „Oh, Herr Kommissar, womit kann ich Ihnen helfen?” Der sarkastische Unterton entging Darius nicht.
„Herr Kässach, guten Abend. Es ging eine Beschwerde wegen Ruhestörung und unerlaubtem Abschießen von Feuerwerkskörpern ein.”
„Ruhestörung? Waren Sie nicht im Dezernat Diebstahl?” Julius klang belustigt.
„Darf ich reinkommen?“
„Aber natürlich, ich will ja nicht, dass Sie mich noch für Behinderung der Justiz anklagen.” Theatralisch legte Julius seine Hand auf die Brust.
Ganz dünnes Eis, Freundchen.”
Mit einer ausschweifenden Geste seines Armes ließ er ihn eintreten. Darius trat ins Wohnzimmer und ihm fiel sofort das Chaos auf. Konfetti und Geschenkpapier lagen über den Boden verstreut. Eine junge Frau mit Kopftuch stellte bunte Tassen auf ein Tablett, während eine Rothaarige den Tisch abwischte. Ein anderer vom RAC-Foto, an dessen Namen er sich nicht erinnern konnte, und eine Frau mit einem blutdurchtränkten Verband ums Handgelenk hievten große Müllbeutel, aus denen Raketenreste herausragten, durch die offene Terrassentür.

Darius räusperte sich und alle hielten inne. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf ihn. „Guten Abend, Kolb, Polizei. Uns hat eine Beschwerde zu Ihrer Feier erreicht. Ich bitte Sie, weitere Ruhestörungen zu unterlassen. Für das unerlaubte Feuerwerk – wir haben da ein Filmchen bekommen – und die Reste sind, wie ich sehe, noch sichtbar, kriegen Sie ein Bußgeld. Und da haben Sie Glück, dass es Ihr eigenes Grundstück ist. Anderswo gäbe es Freiheitsstrafe.“
Den letzten Teil sagte er an Kässach gewandt, der ihn finster anschaute.
„Erstmal zeigen Sie uns Ihren Ausweis“, forderte die Kopftuchträgerin.
„Und Sie sind?“ Darius kam ihrem Wunsch nach.
„Alisa Vural, Anwaltsassistentin von Doktor Kerber“, verkündete sie und Darius erkannte sofort ihren Lehrmeister in der Gestik. Wie ihm dieser bestimmte Rechtsverdreher doch zuwider war.
„Was ist mit ihrer Hand passiert? Haben Sie wieder mit Ihren Cosplay-Spielchen übertrieben?”
„Sehr witzig, Herr Kommissar, das war ein Malheur beim Ente schneiden, was in Anbetracht meines Cosplays recht ironisch ist”, verteidigte sich die Verletzte.
Darius fragte sich innerlich, was mit diesen Leuten nicht stimmte.
„Warum überhaupt Bußgeld? Das ist doch angemeldet gewesen“, mischte die Rothaarige sich ein und zog einen zerknitterten Zettel aus der Tasche. „Hier die Bestätigung.” Sie reichte ihm den Wisch rüber und sagte dabei entschuldigend: „Schon weggeworfen worden.”
Mit einem verwunderten Blick an Darius vorbei fügte sie hinzu: „Sie haben sogar den jungen Mann dabei, der die Anmeldung genehmigt hat.“
„Sie bringen einen Zivilisten zu einem Einsatz?“, fragte die Vural derweil argwöhnisch.
Darius drehte sich um und tatsächlich stand Moritz hinter ihm. Er sah betreten zu Boden.
Auf die Frage ging Darius lieber nicht ein. Stattdessen widmete er sich der Anmeldung.
Moritz’ Dienststempel war eindeutig erkennbar. Ausgestellt war das Dokument auf eine Juliane Kässach, das musste die Rothaarige sein.

Ob sie das im Alleingang gemacht hatte? Zumindest wirkte der männliche Kässach-Nachkomme äußerst überrascht.
Natürlich hätte Darius vorher das Register prüfen müssen. Er seufzte.

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Wie es weitergeht erfahrt ihr am nächsten Sonntag hier.

Wir wünschen euch einen schönen dritten Advent!

Anne und June

Der Halloween-Wanderkürbis

Es ist soweit, Halloween-Zeit!

Wie es Tradition ist, bekommt ihr auch heute wieder einen Beitrag von mir.

Vorletztes Jahr habe ich für das Nornennetz einen kleinen Beitrag über den Ursprung von Halloween geschrieben (zum Nachlesen hier entlang:  Hallo-was bitte?) in dem ich unter anderen von der Geschichte der Kürbislaterne oder Jack O’Lantern erzählt habe. Eine Laterne, die Geister abhalten soll die Häuser der Menschen zu betreten.

Doch was, wenn wir das Prinzip heute einmal umdrehen, wenn wir stattdessen die Geister und damit ihre Geschichten anlocken anstatt zu verscheuchen?

Unter dem Hashtag #Wanderkürbis möchte ich eure Geschichten hören. Was habt ihr gelesen, was wollt ihr noch lesen? Was habt ihr vielleicht sogar selbst geschrieben oder erlebt? Lasst es mich wissen!

Euch möchte ich folgende Geschichten mit auf den Weg geben:

Auch in diesem Jahr hat das Nornennetz wieder eine Halloween Aktion (#NNHalloween). Auf Twitter, Facebook and Instagram werdet ihr im Laufe des Tages verschiedene gruselige, kurze Geschichten lesen können. Meine erscheint auf Facebook.

Eine gute Einstimmung, aber auch ein schöner Blick zurück auf den Fairy Tale Summer is Nora BendzkosKindsräuber„. Eine Rumpelstilzchen-Adaption mit jeder Menge Geistern zur Zeit des 30-Jährigen Kriegs vor Prager Kulisse.

Ein weiterer Horror-Klassiker sind Zombies und auch wenn ich kein Fan von ihnen bin, hat mich Elenor Avelle mit ein paar Spoilern auf „Infiziert – Geheime Sehnsucht“ neugierig gemacht. Seit gestern bin ich dabei zu entdecken wie Protagonistin Charlie sich in der Postapokalypse schlägt.

Ganze Romane sind euch zu lang? Wie wäre es da mit einer Anthologie? Bloody Qindie ist seit ein paar Jahren eine Halloween-Anthologie Reihe deren Band „Die letzte Fahrt“ ich Anfang des Jahres begeistert beendet habe. Achtung: Der Weihnachtsmarkt – sofern er auch ein paar Fahrgeschäfte hat – wird nach der Lektüre nicht mehr das Gleiche sein!

Oder gar von Boris Koch Gothic: Dark Stories“ (die „Darker Stories„, liegen bei mir immer noch auf dem SuB …), aus der mich die Geschichte der Alraune seitdem ich sie vor Jahren das erste Mal gelesen habe, nicht mehr los lässt.

Noch kürzer? Dann vielleicht Irina Christmanns Kurzgeschichte „Morgengrauen„, ein weiterer Grund, warum Nebel, besonders an Halloween, ein mulmiges Gefühl mit sich bringt.

Ihr mögt es lieber ein bisschen gruselig-humorvoll und habt nichts dagegen auch auf Englisch zu lesen? Dann empfehle ich definitiv den Comic „Death Vigil“ vom großartigen Stjepan Sejic (der sich gerade unter dem DC Black Label mit „Harleen“ der Origin-Story von Harley Quinn widmet).

Und da der (Jester-)Esel sich immer zuletzt nennt, auch ein paar Lesetips meiner eigenen (zum Teil älteren) Geschichten:

  • Augen – Eine sehr alte (und entsprechend überarbeitungswürdige) Geschichte über den Eulenmann von Cornwall
  • Auf der Flucht spielt mit der Angst eines jungen Mannes, der seinen Häschern zu entkommen versucht.
  • In D[er] Legende vom verlorenen Schlüsselbund nimmt eine simple Schussligkeit eine nicht so schönes Ende.
  • Und Das Geheimnis der Milton Road solltet ihr nicht im dunklen Kämmerlein erforschen. Diese Geschichte hat mittlerweile eine Vorgeschichte und eine Fortsetzung, leider beides nicht auf Deutsch.
  • Das Gruselwusel schleicht sich auch dieses Jahr wieder über einen Halloweenmarkt.
  • Trügerische Klarheit – Eine Kurzgeschichte für den Schreibwettberwerb 100 Bilder – 100 Geschichten des Bücherstadt Kuriers, in der nicht alles so harmlos ist, wie es scheint.
  • Ungreifbare Geschichte – Eine Kurzgeschichte für den Schreibwettberwerb 100 Bilder – 100 Geschichten des Bücherstadt Kuriers, bei der sich eine Ticketverkäuferin einer Herausforderungen der anderen Art stellt.
  • Einen schrecklichen Vertrauensbruch gibt es auf Englisch in den Campfire Tales

Na, was für euch dabei? Dann viel Spaß beim Lesen!

Was könnt ihr noch so empfehlen? Teilt es unter dem Hashtag #Wanderkürbis und passt auf euch auf in dieser geisterhaften Nacht!

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